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Wie Markus Eisenbichler zu Deutschlands bestem Skispringer wurde

Vor dieser Saison hatte er noch kein Weltcupspringen gewonnen. Dann holte Markus Eisenbichler drei WM-Titel und wurde Zweiter bei der Vierschanzentournee - weil er sich die Erfolge inzwischen zutraut.

ANTONIO BAT/EPA-EFE/REX
Von Eike Hagen Hoppmann
Montag, 25.03.2019   15:59 Uhr

Als vor dem Start der Vierschanzentournee über die Favoriten und mögliche deutsche Siegkandidaten diskutiert wurde, tauchten verschiedene Namen auf: Da waren Karl Geiger, der als einziger deutscher Springer in der Saison schon ein Einzelspringen im Weltcup gewonnen hatte, Stephan Leyhe, der mit einem zweiten und vierten Platz auch schon seine Klasse gezeigt hatte und Olympiasieger Andreas Wellinger, bei dem zwar die Form nicht wirklich zu stimmen schien, der im Weltcup aber auch schon auf dem Podium stand.

Ein Name wurde dagegen selten bis gar nicht genannt: Markus Eisenbichler. Die Saison war für Eisenbichler bis zur Tournee nicht gut verlaufen. Sein bestes Einzelergebnis war ein sechster Rang in Engelberg. Die weiteren Platzierungen: 10., 15., 25., 32., 48.

Durchbruch bei der Vierschanzentournee

Doch bei der Tournee gelang Eisenbichler der Durchbruch in die Weltspitze. Bei zwei Springen landete er auf dem zweiten Platz und auch in der Gesamtwertung wurde er am Ende hinter Überflieger Ryoyu Kobayashi aus Japan Zweiter. Zwei Monate später krönte sich Eisenbichler dann bei der WM in Seefeld zum dreifachen Weltmeister. Beim Saisonabschluss in Planica am Wochenende holte er schließlich am Freitag seinen ersten Weltcupsieg. Auch beim letzten Springen der Saison am Sonntag landete er als Dritter noch einmal auf dem Podium.

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Skispringen: Eisenbichlers goldener Winter

Dabei galt Eisenbichler lange zwar als solider, aber inkonstanter Springer. Er zeigte seine besten Sprünge oft nicht im Wettkampf, sondern in Qualifikation und Probedurchgängen. Für die absolute Weltspitze schien es nicht zu reichen. Was ist innerhalb von ein paar Monaten passiert?

Das Selbstbild als Schlüssel zum Erfolg

"Ich stelle fest, dass es eine Art Selbstbild gibt", sagt der scheidende Bundestrainer Werner Schuster dem SPIEGEL (lesen Sie hier ein aktuelles Interview mit Schuster). "Wenn man auf einmal mit den letzten Fünf oben sitzt, die man vor ein paar Jahren noch im Fernsehen gesehen hat, muss man sich zuerst zutrauen, dass man die auch schlagen kann. Das ist eine unbewusste hierarchische Einordnung. Und das kann man nicht einfach wegblasen. Das muss erst wachsen und da ist Scheitern impliziert." Bei manchen Skispringern differiert das subjektive Selbstbild mit den objektiven Fakten. Die Sportler schätzen sich dann selbst schlechter ein, als sie es tatsächlich sind.

Auch der Trainer kann hier in letzter Konsequenz nicht helfen. Der Sportler muss diesen Schritt allein gehen. "Dieses Selbstbild kann man nicht so leicht beeinflussen", sagt Schuster. "Das ist ein Prozess und funktioniert nicht von heute auf morgen. Es dauert eine Zeit, ehe ein Springer sich sagt: Ich habe gut gearbeitet, ich habe die Fähigkeiten und wenn ich da ganz oben stehe, dann ist es das Normalste der Welt."

Bei der Vierschanzentournee ist Eisenbichler in diesem Bereich der Durchbruch gelungen. Doch der Prozess war trotz der guten Ergebnisse noch nicht ganz abgeschlossen. Beim vierten und letzten Springen in Bischofshofen lag Eisenbichler nach dem ersten Durchgang in Führung und ging deshalb im zweiten Durchgang als letzter Springer vom Balken. Ein ungewohntes Gefühl. Und tatsächlich: Beim zweiten Sprung schwächelte er und rutschte noch auf Platz fünf ab. Anschließend sagte er im Interview, dass ihm die "Nerven ein bisschen geflattert" hätten: "Ich bin einfach glücklich, heute nur Fünfter geworden zu sein. Das war ziemlich viel Druck am Schluss."

Angst vor den Konsequenzen des Erfolgs

Zwischen Oberstdorf und Bischofshofen scheint Eisenbichler endgültig verstanden zu haben, dass er tatsächlich mit den Besten der Welt mitspringen kann. Das ebnete den Weg für die triumphale WM von Seefeld mit drei Titeln.

Aber warum hat es für diesen Prozess so lange gebraucht? "Solche Leute stehen sich manchmal selbst im Weg", sagt Schuster. "Tief drinnen spüren sie zwar: Ich bin eigentlich ein Guter, ich kann es eigentlich, aber man hat vereinfacht gesagt ein bisschen Angst vor den Konsequenzen, die der Erfolg mit sich bringen kann." Bei Eisenbichler war während der Tournee noch zu spüren, dass ihn der ungewohnte und unerwartete Medienrummel um seine Person stresste. Bei der WM wirkte er schon souveräner.

Schuster glaubt: "Es hat einfach Zeit gebraucht, bis er sich zugetraut hat zu sagen: Markus Eisenbichler, Weltmeister, das ist keine Überraschung, das hört sich gut an."

insgesamt 1 Beitrag
peter-11 25.03.2019
1. einfache Analyse
M. Eisenbichler ist schon ein richtig guter Typ und der lange ersehnte Erfolg ist nun eingetreten. Werner Schuster hat eigentlich jetzt den Titel Trainer des Jahres verdient. Angenehm sachlich, sehr kompetent und, soweit man es [...]
M. Eisenbichler ist schon ein richtig guter Typ und der lange ersehnte Erfolg ist nun eingetreten. Werner Schuster hat eigentlich jetzt den Titel Trainer des Jahres verdient. Angenehm sachlich, sehr kompetent und, soweit man es aus den Berichten erkennen muss, kann er sehr gut mit den jungen Sportler umgehen. Das ist so vielen Trainern nun auch nicht gegeben. Glückwunsch und Danke

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