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Bildband "Blooms"

Blühende Fantasie

Blumen sind für viele Menschen mit das Schönste, was dieser Planet hervorgebracht hat. Kann man sie überhaupt noch besser machen? Wie das geht, zeigt jetzt ein Buch mit Ideen der weltbesten Floristen.

a.p. bio/ Phaidon
Von
Mittwoch, 15.05.2019   18:53 Uhr

Weiße Orchideen, violette Veilchen, Rosen in Orange, Rosa und Pink, leuchtendgrüne Hortensien - Tausende Blüten, vom Boden bis unter die hohen Decken: Für sein Debüt bei Dior - gegründet von einem Mann, der Blumen so sehr verehrte wie Frauen - wollte der Designer Raf Simons etwas ganz Besonderes haben. Also beauftragte er den belgischen Blumenkünstler Mark Colle damit, die fünf Salons eines Pariser Stadtpalais mit einem Blumenmeer zu fluten. Jeder Raum erhielt seinen eigenen Blütenteppich. Die Bilder gingen um die Welt - Aufgabe übererfüllt.

Colle, der Mann hinter dem Budenzauber, schaffte es, dass ab dem Sommer 2012 Blumen vielerorts vom Nebendarsteller zur Hauptattraktion wurden. Floristen wurden plötzlich zu floralen Designern, die weltweit für Fashionshows, Superreichenvermählungen und die Luxushotellerie arbeiten sollten. 89 besonders fähige Köpfe dieser Zunft hat der Kunstbuchverlag Phaidon nun in einem Band versammelt.

"Blooms. Contemporary Floral Design" widmet der Blumenkunst 272 Seiten, wobei die meisten natürlich für Bilder draufgehen. Auf den restlichen Seiten werden die Macher und ihre Arbeit vorgestellt. Auffallend oft haben die porträtierten Künstler und Studios keinen klassischen Floristenhintergrund. Manche sind eher als Allroundkreative unterwegs, andere arbeiten als Chefredakteure oder Parfümeure. Einer wechselte aus der IT-Branche ins Blumenbusiness. Andere sind Stylist und Designer in Personalunion wie Joshua Werber, der für seine vergängliche Blumenmode bekannt ist.

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Fotostrecke: Flower-Power

Blooms, das ist seine Stärke, versammelt etablierte Größen wie Mark Colle zusammen mit Kunsthochschulabsolventen, von denen niemand weiß, ob sie ihr Blumenstudio in zwei Jahren nicht bereits gegen ein anderes Atelier getauscht haben werden.

Auch was die Blumenkompositionen angeht, gibt das Buch einen guten Querschnitt: von riesigen Sträußen und hedonistischen Arrangements bis hin zu den minimalistischen Kreationen von Girl and Garden, die oft nur aus einem einzigen, aber umso größeren Palmblatt bestehen (Yucca oder Coccoloba zum Beispiel).

Unabhängig vom Großhandel

Neue Designansätze bringen auch neue Produktionsbedingungen mit sich: Besonders zarte Blumen, die sonst eher selten den Weg in Gebinde und Gestecke finden, weil sie sich nicht lange halten, werden im eigenen Garten hinterm Ladengeschäft gezogen und erst kurz vor dem Binden gepflückt.

Ähnlich halten es die schottischen Floraldesigner von Pyrus, die unabhängig sein wollten vom niederländischen Blumengroßhandel. Die Antwort waren lokale Gewächse. Ihre Arbeit ist der Beweis, dass "grow local" dabei nicht gleichbedeutend ist mit Verzicht.

Preisabfragezeitpunkt:
24.05.2019, 21:30 Uhr
Ohne Gewähr

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Phaidon Press
Blooms: Contemporary Floral Design

Verlag:
Phaidon Press
Seiten:
272
Preis:
EUR 21,97

Faszinierend ist auch das Guerilla Gardening von Lewis Miller Design aus New York. Das Team verschönert den Big Apple mit Luxusbouquets, die unverhofft aus Mülltonnen und U-Bahn-Schächten in ihre Stadt hineinragen. Dabei profitieren sie gleich doppelt vom Hype um ihre Branche: Die urbanen Arrangements sollen ausschließlich aus Blumen und Blüten bestehen, die von anderen Floristen massenhaft entsorgt wurden.

Überirdische Blumengrüße

Der Fairness halber muss gesagt werden, dass nicht alles zwingend neu ist, nur weil die Namen nun andere sind. Vieles, was heute Floral Design heißt, haben Floristen schon vor Jahrzehnten so oder ähnlich getan. Das gilt auch für die Blumenstecker der japanischen Ikebana-Schulen. Aber die Vielfalt und zugleich Qualität, in der heute so unterschiedlichste Positionen floraler Gestaltung nebeneinanderstehen, ist definitiv bemerkenswert.

Der ultimative Meister floraler Dekadenz darf dabei natürlich nicht fehlen: Der Japaner Azuma Makoto katapultierte die Blumenkunst 2014 in ungeahnte Höhen, als er einen 50 Jahre alten Bonsai mit Lilien, Orchideen und Iris in die Stratosphäre aufsteigen ließ. Im schwarzen Nichts, vor der leuchtenden Erde als Hintergrund schwebend, entstanden so Blumengrüße, die im wahrsten Sinne des Wortes eines sind: überirdisch schön.

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