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Stil

Bildband über Ostblockarchitektur

Blockbildung

Grau, langweilig, anonym - denkt man, wenn man "Sowjetarchitektur" hört. Doch einige der grauen Betonriesen hatten durchaus Charme. Ein neuer Bildband zeigt sie.

Zupagrafika
Von
Mittwoch, 21.08.2019   15:19 Uhr

Über fast 400 Meter streckt sich das Schiffhaus. Der riesige graue Komplex in Moskau ist 14 Stockwerke hoch. Wegen seiner Optik wird der Wohnblock auch Titanic genannt. Er ist einer von rund hundert Ostblockbauten, die Martyna Sobecka und David Navarro für ihren Bildband "Eastern Blocks. Concrete Landscapes of the Former Eastern Bloc" fotografiert haben.

Für manche sind sie abstoßende Klötze, Schandflecken gar, doch das Duo, das sich Zupagrafika nennt, sieht in den Betonriesen einen speziellen Charme. Die Muster und Strukturen an den Häuserfassaden in den ehemals kommunistischen Ländern faszinieren sie.

Auf der Suche nach Plattenbauten reisten die beiden von Berlin bis Sankt Petersburg. Sie fanden modernistische Siedlungen und andere ungewöhnliche Strukturen aus der Sowjetzeit. Oder sie ließen Fotografen vor Ort die Gebäude dokumentieren, Alexander Veryovkin in St. Petersburg und Moskau, Balazs Csik in Budapest.

Preisabfragezeitpunkt:
06.08.2019, 16:35 Uhr
Ohne Gewähr

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Zupagrafika
Eastern Blocks: Concrete Landscapes of the Former Eastern Bloc

Verlag:
Zupagrafika
Seiten:
144
Preis:
EUR 18,98
Englisch

Es ist eine fotografische Reise durch Stadtteile, in denen nach dem Zweiten Weltkrieg massenhaft Wohnungen entstanden sind, um möglichst viele Menschen kostengünstig unterzubringen. Obwohl dort Tausende Menschen leben, bleiben die Orte oft unsichtbar, sie gehören nicht zu den touristischen Highlights einer Stadt.

Fotostrecke

Ostblockbauten: Wow in Grau

Da wäre die Torwar-Siedlung im Stadtteil Solec in Warschau, die aus drei Wohngebäuden besteht, die ein X bilden, oder der graue Plattenbau in der Herzbergstraße im Berliner Stadtteil Lichtenberg. Aber auch das Russische Staatliche Wissenschaftliche Zentrum für Robotik und Technische Kybernetik im Stadtteil Kalininsky in St. Petersburg. Wie ein Raumschiff ragt es in den Himmel.

Bereits 2012 begannen Sobecka und Navarro Architektur in Mittel- und Osteuropa zu fotografieren und durch die Peripherie der Städte Berlin, Kiew und Warschau zu spazieren. Diese Bilder dienten ihnen als Vorlage für kleine Architekturbausätze brutalistischer Gebäude von Plattenbauten bis zu den baulichen Ikonen der Sowjetära. Die kann sich jeder zu Hause aufstellen und den Ostblock auferstehen lassen.

insgesamt 5 Beiträge
Wal-Ire 21.08.2019
1. Architektur
lebt und stirbt mit den Bewohnern. Meine Frau ist Polin und dementsprechend sind wir häufiger in Polen, wo Trabantenstädte bis in die 1990'er Jahre hochgezogen wurden. Allerdings haben viele dieser Wohnsilos einen [...]
lebt und stirbt mit den Bewohnern. Meine Frau ist Polin und dementsprechend sind wir häufiger in Polen, wo Trabantenstädte bis in die 1990'er Jahre hochgezogen wurden. Allerdings haben viele dieser Wohnsilos einen Funktionsunterbau, ein Geschäft, eine Bankfiliale, Arztpraxen ... Und die Bewohner sind sozialistisch gemischt. Der Zahnarzt lebt neben dem Fabrikarbeiter. Dementsprechend sind viele dieser Plattenbauten nicht unbedingt die sozialen Brennpunkte, die wir aus dem Westen kennengelernt haben.
dasfred 22.08.2019
2. Zu Nr.1
Sowas geht mir auch öfter durch den Kopf. Diese Hochhäuser können für viele sehr interessant sein, allein schon wegen der Aussicht im den oberen Etagen. Wenn man in der eigenen Wohnung sitzt, nimmt man ja auch die Dimension [...]
Sowas geht mir auch öfter durch den Kopf. Diese Hochhäuser können für viele sehr interessant sein, allein schon wegen der Aussicht im den oberen Etagen. Wenn man in der eigenen Wohnung sitzt, nimmt man ja auch die Dimension des Gebäudes nicht mehr wahr. Ob man sich dort Wohl fühlt, hängt zuerst von der Bewohner Struktur ab.
peans 22.08.2019
3. "Krieg den Hütten -Friede den Palästen"
Wie sah die Wohnsituation in den "Ostblockländern" ab 1960 denn aus? Halbe Ruinen im 3. Hinterhof, Plumsklo auf halber Treppe, Baden (wenn überhaupt) freitags in der Küche in einer Badewanne die luxuriös als [...]
Wie sah die Wohnsituation in den "Ostblockländern" ab 1960 denn aus? Halbe Ruinen im 3. Hinterhof, Plumsklo auf halber Treppe, Baden (wenn überhaupt) freitags in der Küche in einer Badewanne die luxuriös als Besenschrank getarnt war, westgeld/eurokorrumpierte Handwerker, u.v.a.m. Da waren diese Gebäude die Traumvillen schlechthin. Vom Prinzip her hat sich auch nicht viel geändert. Schönheit ist relativ. Man schaue sich in den Satellitenstäten dieser Welt um. Neu Dehli, Bangkok, Singapur! Der Traum ist noch nicht ausgeträumt.
Karbonator 22.08.2019
4.
Was Sie schreiben, ist erstaunlich, denn beim Lesen des Artikels und Betrachten der Bilder dachte ich, daß das alles doch ziemlich toll aussieht - wenn man denn auf solcherlei Baustile steht. Nur: Wer würde ohne Not gerne in [...]
Zitat von Wal-Irelebt und stirbt mit den Bewohnern. Meine Frau ist Polin und dementsprechend sind wir häufiger in Polen, wo Trabantenstädte bis in die 1990'er Jahre hochgezogen wurden. Allerdings haben viele dieser Wohnsilos einen Funktionsunterbau, ein Geschäft, eine Bankfiliale, Arztpraxen ... Und die Bewohner sind sozialistisch gemischt. Der Zahnarzt lebt neben dem Fabrikarbeiter. Dementsprechend sind viele dieser Plattenbauten nicht unbedingt die sozialen Brennpunkte, die wir aus dem Westen kennengelernt haben.
Was Sie schreiben, ist erstaunlich, denn beim Lesen des Artikels und Betrachten der Bilder dachte ich, daß das alles doch ziemlich toll aussieht - wenn man denn auf solcherlei Baustile steht. Nur: Wer würde ohne Not gerne in eine Plattenbausiedlung ziehen, bei den sozialen Problemen, die damit einhergehen? Wären diese Gegenden nicht so brenzlig - es spräche einiges dafür, sich solch eine Wohnung zu gönnen.
Papazaca 25.08.2019
5. Fotos über das Grauen. Alles am besten bagatellisieren!
Ich weiß ja nicht, wie es dem verehrten Publikum geht, aber ich würde "nicht zum verrecken" (um es drastisch auszudrücken) in einem dieser Schmuckstücke leben wollen. Da ist es mir egal, ob das Label Kommunismus oder [...]
Ich weiß ja nicht, wie es dem verehrten Publikum geht, aber ich würde "nicht zum verrecken" (um es drastisch auszudrücken) in einem dieser Schmuckstücke leben wollen. Da ist es mir egal, ob das Label Kommunismus oder Kapitalismus ist. Und die Wahrheit ist, wir wollen das auch nicht unseren Hühnern zumuten. Interessant sind immer die "sowohl als auch-Kommentare". Mit denen läßt sich alles rechtfertigen und auch das genaue Gegenteil. Bis auf das Institut in Sankt Petersburg sind das alles heiße Kandidaten für die Abrissbirne. Der einzige, schwergewichtige Grund, der dagegen spricht: Gibt es Ersatz, der besser ist?

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