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Fotoprojekt mit gefrorenen Blumen

Die tote Flora

Drei Tage Arbeit für eine Sekunde: Die Künstlerin Tharien Smith und der Fotograf Bruce Boyd frieren Blumen in Eis ein, dann tauchen sie die Blöcke in Wasser. Das Ergebnis sind einzigartige Bilder.

Tharien Smith & Bruce Boyd
Von
Mittwoch, 06.11.2019   15:09 Uhr

Eine Kindheit umgeben von Blumen, daran erinnert sich Bruce Boyd. Seine Mutter kaufte und arrangierte sie im Haus, sein Vater malte sie und hängte die Bilder an die Wand. Boyd Junior wurde aber weder Florist noch Maler. Er zeichnet mit Licht. Für seine Arbeit als Fotograf ließ er sich unter anderem von den Werken des japanischen Blumenkünstlers Azuma Makoto und des Künstlers Kenji Shibata inspirieren. Der erste bindet Blumenskulpturen, der andere ist bekannt für seine Aufnahmen von eingefrorenen Blüten.

Boyd und seine Freundin, die Künstlerin Tharien Smith, wiederum fügen der Kunst der beiden Japaner eine neue Ebene hinzu. Sie arrangieren Blumen, frieren sie ein und tauchen den Eisblock dann im Morgengrauen oder bei Sonnenaufgang in Bäche, Pfützen, Schwimmbecken oder Plastikwannen.

Warum sie das tun? Im Wasser springen die Eisblöcke. Die dabei zufällig entstehenden Risse liefern ein einzigartiges Bild, dessen Aussehen Boyd nicht vollständig bestimmen kann: "Ich mag die Unvorhersehbarkeit. Es ist, als ob sich Wissenschaft und Natur zu Kunst vermischen."

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Schönheiten im Eis: Bilder eingefrorener Blumen

Die Blumen für ihre Arbeit pflücken sie in ihrem Garten in Kapstadt oder in der Nähe. Selten kaufen sie Exemplare auf einem lokalen Markt. Smith drapiert die Pflanzen dann in flachen Behältern, füllt Wasser ein und legt sie in das Gefrierfach. Einen Tag später kommt neues Wasser nach. Rund drei Tage dauert der Prozess.

Jeder Eisblock sieht anders aus, nicht nur wegen der Bläschen und der Risse im Eis. Einige Blumen welken oder färben das Eis mit ihren Pollen. "Es ist nie perfekt und immer anders", sagt Boyd. Nur jedes fünfte Bild gelinge.

Bislang haben die beiden rund 150 Arrangements für ihre Serie "Zero Degrees" fotografiert - und sie wollen weitermachen. Boyd und Smith frieren die Blumen aber nicht nur ein, weil es so schön aussieht. "In gewisser Weise", sagt der Fotograf, "versuchen wir, sie durch unsere Bilder ewig zu erhalten".

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