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Stil

Isaac-Mizrahi-Bildband

Wir beamen Sie mal in die Neunziger zurück

Tagsüber fotografierte er Mode, nachts gings mit Ecstasy in die Klubs von Manhattan: Die Bilder von Nick Waplington bringen ein ganz besonderes Lebensgefühl zurück.

Nick Waplington/ Damiani
Freitag, 27.05.2016   07:18 Uhr

Auf seinem Weg zum gefeierten Couturier wollte Isaac Mizrahi 1989 den großen Richard Avedon für ein Shooting gewinnen.

Doch weil der damals schon einer der gefragtesten Modefotografen und damit zu teuer für den jungen Designer war, vermittelte er ihn an den Briten Nick Waplington. "Du kannst es dir nicht leisten, mit mir zu arbeiten. Aber da gibt es diesen Fotografen Nick Waplington, und der hasst Mode", soll Avedon damals gesagt haben.

Waplington hatte den Modezirkus bis dahin tatsächlich weitgehend gemieden, entschied sich aber für den Auftrag. Da die Zusammenarbeit so gut klappte, gewährte ihm Isaac Mizrahi anschließend uneingeschränkten Zutritt zu seinem New Yorker Studio in der Wooster Street. Bis 1993 machte Waplington Fotos im damals noch wenig angesagten Soho.

Die Bilder aus dieser Zeit sind nun in einem Fotoband erschienen. Sie zeigen Mizrahi, der wenige Jahre später einer der gefeiertsten Modedesigner der Welt und von Chanel finanziert werden sollte, bei der Arbeit, und vermitteln einen Eindruck vom Modegeschäft abseits der Laufstege: Naomi Campbell und die junge Christy Turlington bei der Anprobe, oder Linda Evangelista beim finalen Make-up-Check vor einer Modenschau.

Models und Drogenpartys

Tagsüber hielt Waplington mit seiner Kamera das Treiben in Mizrahis Modeatelier fest, nachts das New Yorker Nachtleben, das von Drogen wie MDMA (Ecstasy) geprägt war. "Ich war Anfang zwanzig und konnte problemlos den ganzen Tag arbeiten und die ganze Nacht ausgehen", sagte Waplington bei der Vorstellung des Buches.

Fotostrecke

New York: Die wilden Neunziger

Die Bilder aus einigen der damals angesagtesten Klubs Manhattans bilden einen interessanten Kontrast zu den Bildern vom Modeschöpfer bei der Arbeit. Waplington hatte seine Kamera überall dabei: Im Limelight-Club - dessen VIP-Bereich von Alien-Designer HR Giger gestaltet wurde und der nach etlichen Drogenrazzien schließen musste - oder in der Sound Factory. In den Neunzigern war der Laden eine der wichtigsten Adressen für die New Yorker Houseszene.

Von Kritikern gefeiert, kommerziell ein Flop

Der in Brooklyn geborene Mizrahi wurde später, auf dem Höhepunkt seiner Karriere als Nachfolger amerikanischer Modegiganten wie Donna Karen oder Calvin Klein gehandelt. Spätestens seit der Dokumentation "Unzipped" war er ein Star. Doch obwohl seine verspielten, häufig an die Fünfzigerjahre angelehnten Entwürfe von Kritikern gefeiert wurden, verkauften sie sich nie besonders gut.

1998 zog Chanel die Reißleine und Isaac Mizrahi fehlte fortan das Geld, um weiterhin Klamotten zu entwerfen. Vorangegangen waren sechs verlustreiche Jahre, in denen weder die Hauptlinie noch die günstigere, Isaac getaufte Kollektion die von seinen Investoren gesteckten Ziele erfüllen konnten. Dass Mizrahi auch nie ein Parfüm oder andere Lizenzprodukte unter seinem Namen vermarktet hatte, rächte sich nun.

Mizrahi konzentrierte sich daraufhin vor allem auf seine Karriere als Entertainer: Anfang des neuen Jahrtausends probierte er sich als Komiker und später bescherte er dem Klatschsender E! Entertainment ein Millionenpublikum als scharfzüngiger Kritiker der Stars auf den roten Teppichen Hollywoods.

2006 provozierte er ein Skandälchen, indem er der Schauspielerin Scarlett Johansson bei der Verleihung der Golden Globes an den Busen fasste. Angeblich wollte er nur erfühlen, wie ihr Valentino-Kleid gepolstert ist. Inzwischen hat er eine eigene Show beim Shoppingsender QVC.

Die wilden Jahre sind definitiv vorbei. Gut, dass es Nick Waplingtons Bilder davon gibt.

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löw

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