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Stil

Frisch von den Laufstegen

Hier kommen die Trends aus New York, London, Mailand und Paris

Auf Fashion Weeks werden viele Ideen gezeigt, die es nie auf die Straße schaffen werden. Diese zehn Trends allerdings werden Ihnen kommendes Frühjahr höchstwahrscheinlich begegnen.

NEIL HALL/EPA-EFE/REX

Hier kommt ein Frühjahrstrend: knallige Farben

Von Trisha Balster und
Mittwoch, 02.10.2019   19:32 Uhr

Wer Spitze für eintönig hält, muss sich nur die neuen Entwürfe von Loewe ansehen. Kreativdirektor Jonathan Anderson dekorierte damit, fast die ganze Kollektion - Hosen, Röcke, Kleider und Krägen. Spitze können auch Simone Rocha, Erdem Moralioglu oder Sarah Burton bei Alexander McQueen. Dort sah man transparente schwarze Überwürfe mit weißen Verzierungen, Palazzo-Hosen oder Maxikleider aus Spitze und Leder. Das erinnert zwar an die romantische Opulenz der viktorianischen Zeit, bekommt in dieser Saison aber auch eine düstere Note.

Bei Valentino, Molly Goddard, Marc Jacobs und Dries Van Noten gab es viel Volumen und noch mehr Stoff. Pierpaolo Piccioli knüpfte an seine gefeierte Valentino Haute Couture an und präsentierte aufwändig gestaltete Kleider in satten Farben, gerüscht und gerafft. Ebenso Molly Goddard, die für ihre ausladenden Tüll-Kreationen bekannt ist, diese aber finsterer als gewohnt interpretierte. Gute Laune zum Anziehen lieferte Marc Jacobs: Volant-beladene Minikleider, die fast so breit waren wie lang. Und Dries Van Noten tat sich mit Christian Lacroix zusammen, dem Meister der Opulenz - mehr Prunk geht nicht.

Im Film "Der Teufel trägt Prada" nannte Chefredakteurin Miranda Priestly (großartig Meryl Streep) Blumenprints für den Frühling ironisch "bahnbrechend". Trotzdem kann das Muster überraschend aussehen: Versace legte Jennifer Lopez' Dschungel-Kleid neu auf, Dior nahm sich Wald-und-Wiesen-Ästhetik vor. Givenchy brachte Maxikleider zum Blühen und Marques'Almeida erinnerten an Punk und Grunge. Bahnbrechend wäre natürlich, wenn die Natur in der Mode nicht nur auf, sondern auch abseits des Laufstegs im Mittelpunkt stünde. Aber noch ist Nachhaltigkeit für viele Labels höchstens zweitrangig.

Bereits vor einigen Saisons verzierte Balenciaga Strumpfhosen mit Flammen, untergehenden Sonnen oder Bergdörfern - das sah damals extravagant aus, ist nun aber omnipräsent. Diesmal zeigte nicht nur das französische Modehaus auffällige Beinkleidung, sondern auch Labels wie Marine Serre, Fendi oder Richard Quinn. Während erstere vor allem auf das für sie typischen Halbmond-Motiv setzte, sah man in Italien und Großbritannien Blumenmotive auf den Beinen - für den besonders ausgefallenen Effekt kombiniert mit Kleidern im gleichen Muster.

Dass Weiß für fast alles geeignet ist - außer vielleicht fürs Spaghetti essen - zeigten Valentino, Boss, Gucci und Noir Kei Ninomiya. Bei Boss gab es strenge Anzüge in der Nicht-Farbe, beim japanischen Label Noir Kei Ninomiya körperferne, wolkenähnliche Gebilde. Ton in Ton wurde aber nicht nur Weiß inszeniert: fast jede Farbe aus dem Pantone-Katalog war vertreten. Balmain nutzte Rosa und Kanariengelb, Boss neben Weiß auch Koralle und Azurblau. GmbH präsentierte dunklere Schattierungen.

Entwürfe mit nur einem Ärmel sind keine neue Erfindung. Legendär ist zum Beispiel das Hachi-Kleid, das Prinzessin Diana 1983 trug. Teilschulterfrei unterwegs waren sogar schon die Römer und die Griechen. Der Mono-Sleeve, wie er in Branchenkreisen genannt wird, findet sich nicht nur an Kleidern wie zum Beispiel bei Valentino. Brandon Maxwell zeigte eine Kombination aus schwarzer Hose und weißem Oberteil, das die Asymmetrie zusätzlich noch in einer schiefen Bandage aufgriff. Schulterzeigen mag nicht jeder, aber nachstylen lässt sich der Look auch anders. Dazu einfach nur einen Arm in die Jacke stecken, so gesehen bei Helmut Lang.

Leder strahlt Luxus und Verwegenheit aus. Hell gefärbt wirkt es edel, während schwarze Lederjacken immer cool aussehen (im Zweifelsfall einfach eine dunkle Jeans oder einen plissierten Rock dazu anziehen). Lederhosen dagegen sind schwieriger zu tragen, nicht nur wegen ihres Gewichts. Vor allem die Jacke-Hose-Doppelkombo ist gewagt. Wie es richtig geht, zeigten unter anderem Gauchere - Blazer zu weiter Hose - und Hermès mit Ton-in-Ton-Outfits von Aubergine bis Weiß. Das Farbspektrum umfasst 2020 auch knallige Töne wie Gelb, Blau, Rot oder Grün. Viel sehen wird man in der kommenden Saison außerdem Lederröcke und -kleider sowie Mäntel. Ganz Modebewusste spielen das Thema über militärische Accessoires wie Brustpanzer oder Halfter.

Kleider in Unterwäscheoptik waren schon vergangene Saison ein Ding. Kommendes Frühjahr sind sie gekennzeichnet durch transparente Stoffe wie zum Beispiel in den Kollektionen von Burberry und Dior. Hier (Christopher Kane) und da (Gucci) waren auch noch Elemente aus Spitze zu sehen, neu und weiter verbreitet sind aber Modelle mit Satin, wie es unter anderem Claire Waight Keller verwendete für ihre Givenchy-Kollektion.

Es ist mal wieder Zeit für ein Siebziger-Revival. Es muss nicht so weit gehen wie bei Hedi Slimane, der seine komplette Celine-Kollektion im Boho-Stil entworfen hat, aber Schlaghosen, grafische Drucke, Batik, wildes Patchwork und Patches sowie Ethnomuster gab es auf etlichen Laufstegen von London bis Paris. Bei Balmain beschränkte Olivier Rousteing das Thema auf riesige Krägen, während sein Kollege Nicolas Ghesquière für Louis Vuitton auch noch die Farben und Muster aus der Vergangenheit geholt hat, die sich gut gemacht hätten in jeder Kommunarden-WG. Wer nur Lust hat auf ein bisschen Seventies, kauft sich einfach eine der neuen übergroßen Sonnenbrillen. Dann bleibt die Zeitreise auch finanziell im Rahmen.

Nach Jahren des Streetwear-Hypes wird es endlich wieder klassisch. Hosenanzüge sind aber nicht mehr Slim-Fit. Die Silhouetten sind weit. Statt klarer und scharfer Kanten gibt es fließende Schnitte, besonders die Hosenstoffe fallen weich und umspielen das Bein. Blazer haben oft eine betonte Schulterpartie. Die gibt es in den Stufen von krass (Balenciaga) bis dezent ( Alexander McQueen). Denken sie an Don Johnson in " Miami Vice". Auch farblich spielen die aktuellen Zweireiher in dieser Liga. Angesagt sind Pastell- und sogar Neontöne und großflächige Prints. Nicht ganz so auffällig und auch bürotauglich sind beige Zweiteiler (am besten zu einem weißen oder neonfarbenen T-Shirt).

insgesamt 4 Beiträge
t.malinowski 03.10.2019
1. Erstaunlich
Ich finde es immer wieder erstaunlich das SPON auf der einen Seite allen feministischen Idealen nacheifert und auf der nächsten Seite diesen frauen-vermarktenden Modefetischismus in all seiner dekadenten Verherrlichung von Sex [...]
Ich finde es immer wieder erstaunlich das SPON auf der einen Seite allen feministischen Idealen nacheifert und auf der nächsten Seite diesen frauen-vermarktenden Modefetischismus in all seiner dekadenten Verherrlichung von Sex und Begehrlichkeiten mit seiner Berichterstattung unterstützt und bewirbt.
herm16 04.10.2019
2. halt!
das geht nicht. Wir wollen doch zurück in unsere Vergangenheit. Wo kämen wir hin, wenn jetzt Kleidung zu uns transportiert wird, dieser CO2 Ausstoss muss verhindert werden. Meine Damen, Juttesaecke ist der Trend
das geht nicht. Wir wollen doch zurück in unsere Vergangenheit. Wo kämen wir hin, wenn jetzt Kleidung zu uns transportiert wird, dieser CO2 Ausstoss muss verhindert werden. Meine Damen, Juttesaecke ist der Trend
Hudson, Jane 04.10.2019
3. Wirklich schön
Balenciaga zeigt in den Beispielen als einziges etwas, wozu wir modisch sagen können. Der Rest ist nicht unerheblich spießig und kreist um die arbeitslose, solvente Frau mit einem Musterkatalog an Tischdecken, Duschvorhängen, [...]
Balenciaga zeigt in den Beispielen als einziges etwas, wozu wir modisch sagen können. Der Rest ist nicht unerheblich spießig und kreist um die arbeitslose, solvente Frau mit einem Musterkatalog an Tischdecken, Duschvorhängen, Kittelschürzen und Fußmatten. Wieder einmal können wir subsumieren: Wirklich schöne Möbel!
isar56 04.10.2019
4.
Dazu darf ich ergänzen, dass all diese überteuerten Fummel unverhältnismäßig CO2 in Herstellung und Entsorgung darstellen. Wer trägt denn sowas und für wie lange.
Zitat von t.malinowskiIch finde es immer wieder erstaunlich das SPON auf der einen Seite allen feministischen Idealen nacheifert und auf der nächsten Seite diesen frauen-vermarktenden Modefetischismus in all seiner dekadenten Verherrlichung von Sex und Begehrlichkeiten mit seiner Berichterstattung unterstützt und bewirbt.
Dazu darf ich ergänzen, dass all diese überteuerten Fummel unverhältnismäßig CO2 in Herstellung und Entsorgung darstellen. Wer trägt denn sowas und für wie lange.

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