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Stil

Schlammschlacht auf Instagram

Ferrari wehrt sich gegen Philipp Pleins Protz-Fotos

Kunden, die man sich nicht wünscht: Der Designer Philipp Plein prahlt auf Instagram mit seinen Produkten und seinen Ferraris. "Geschmacklos", findet das der Autobauer - und mahnt den Deutschen ab.

AP
Von
Donnerstag, 01.08.2019   15:14 Uhr

Philipp Plein ist ein Angeber, der Mode für Angeber macht. Der 41-Jährige verkörpert das, wofür seine Modemarke steht: Auf Instagram zeigt sich der Designer inmitten von Pomp und Luxus. Mein Haus, mein Auto, meine Frau - diese Nummer. Es sind viele Logos zu sehen, hauptsächlich Pleins, aber auch die anderer Luxusmarken. Der italienische Autobauer Ferrari will allerdings nicht Teil dieser Inszenierung sein - und hat Plein nun eine Abmahnung zukommen lassen. Der Designer soll binnen 48 Stunden alle Fotos löschen, die Plein-Artikel auf Ferraris zeigen.

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Speziell eine Reihe Bilder und Videos missfällt den Italienern. Darin spielen ein grüner Ferrari 812 Superfast und ein Paar grüne Plein-Turnschuhe eine Rolle - neben zwei halbnackten Frauen, einem Gartenschlauch, dem Designer selbst und einem Graffitikünstler, mit dem Plein zusammenarbeitet.

"Darstellerinnen in aufreizenden Posen"

Ferrari-Anwalt Fabrizio Sanna schreibt dazu in der Abmahnung, die Aufnahmen seien "geschmacklos". Plein propagiere einen "Lebensstil, der mit Ferraris Markenbild völlig unvereinbar ist, mit Darstellerinnen in aufreizenden Posen und Ferraris als Requisiten".

Seine Kunden kann man sich nicht aussuchen, seine Werbepartner schon. Deshalb setzt Sanna beim Markenrecht an: Plein missbrauche den Namen und das Logo des Autoherstellers "unrechtmäßig zu Werbezwecken für seine Marke und deren Produkte". Die "unerwünschte Verbindung" verletze außerdem die Rechte der Lizenznehmer des Autobauers. Zu denen gehört auch ein Schuhhersteller.

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Philipp Plein: "King of Bling"

Wie das auf Urheber- und Markenrecht spezialisierte Blog "The Fashion Law" schreibt, sei es zwar kein Problem, Markenzeichen als Deko zu verwenden, wie es in etlichen Filmen und Rapvideos passiere. Problematisch werde es aber bei ähnlichen Produkten. Dieselbe Farbe an Wagen und Schuhen sowie die Platzierung direkt neben dem Ferrari-Logo könne Betrachter glauben lassen, es sei eine offizielle Kooperation.

Was sagt das EU-Recht?

Im Fall L'Oréal gegen Bellure urteilte der europäische Gerichtshof dazu, dass es illegal sei, wenn ein Dritter versuche, "sich durch die Verwendung eines Zeichens, das einer bekannten Marke ähnlich ist, in den Bereich der Sogwirkung dieser Marke zu begeben, um von ihrer Anziehungskraft, ihrem Ruf und ihrem Ansehen zu profitieren".

Plein denkt jedoch gar nicht daran, die Bilder zu löschen. "Ich kann es nicht in Worte fassen, wie enttäuscht und angewidert ich bin von diesen ungerechten und vollkommen unangebrachten Vorwürfen gegen mich persönlich", schreibt er. Offensichtlich sei er Autoliebhaber, speziell von Ferraris. Die Vorwürfe seien "lächerlich", schreibt Plein, bevor er zum Gegenschlag ausholt.

Schlammschlacht auf Instagram

Von "Erpressung" ist die Rede und rechtlichen Schritten. Zwei Posts weiter geht es schon um die "Meinungsfreiheit" - und dann wird es richtig schmutzig: Plein zeigt einen Screenshot mit einem Ex-Porno-Star, angeblich die aktuelle Freundin von Ferrari-Chef Louis Camilleri.

Doch Plein ist nicht nur Kommunikationsprofi, sondern auch Verkaufstalent. Den Streit mit Ferrari nutzt er für neue Werbung: Jeder, der ihm ein Foto von Plein-Schuhen auf einem Sportwagen schickt, erhält 10 Prozent Rabatt bei seinem nächsten Onlineeinkauf.

"Ich erhalte Tausende Fotos von PP-Turnschuhen auf Supercars aus der ganzen Welt", schreibt Plein dazu bei Instagram. Das "aus der ganzen Welt" stimmt schon mal. Unter andrem ein Schönheitschirurg aus Beverly Hills, ein Juwelier aus Idar Oberstein, "coolboss999" aus New York, Guido aus Palma und ein Schweizer YouTuber (der auf Automessen vor fremden Luxusschlitten posiert) wollen beim nächsten Einkauf sparen. Die genutzten Autos sind aber oft eher Mittelklasse oder Spielzeug.

Wer braucht hier wen?

Die Frage, wer hier wen braucht, ist nicht ganz einfach zu beantworten. Auf das Geschäft mit Plein - "Vier brandneue Ferraris in den letzten zehn Jahren!!!" - können sie in Maranello wahrscheinlich verzichten. Auf seine Fotos sowieso. Der Designer ist ebenfalls nicht angewiesen auf Ferrari. In seinem Fuhrpark befinden sich offensichtlich etliche Autos. Demnächst vielleicht auch ein BMW. Die Marke nutzte die Aufmerksamkeit für die Social-Media-Schlammschlacht ebenfalls geschickt aus und diente dem Designer ein Auto an. Doch das ist Plein vermutlich - zu billig.

insgesamt 120 Beiträge
p.quintern 01.08.2019
1. Amüsant...
...trotzdem hatte ich den Namen Philipp Plein vorher noch nie gehört. Das hat er jetzt immerhin geschafft!
...trotzdem hatte ich den Namen Philipp Plein vorher noch nie gehört. Das hat er jetzt immerhin geschafft!
spon_5112961 01.08.2019
2. #1 Das hat er geschafft...
ging mir genauso. Um die Kinnlade weiter zu trainieren mal in seinem Webshop vorbeischauen...
ging mir genauso. Um die Kinnlade weiter zu trainieren mal in seinem Webshop vorbeischauen...
bicyclerepairmen 01.08.2019
3. Ich kann es nicht in Worte fassen, wie enttäuscht und angewidert..
..ich bin ". -:) Der Typ ( und seine Klientel ) ist sowas von Klasse. Glücklicherweise lässt sich Geschmack scheinbar immer noch nicht so recht kaufen und dadurch sehen solche Vertreter immer noch aus wie der letzte [...]
..ich bin ". -:) Der Typ ( und seine Klientel ) ist sowas von Klasse. Glücklicherweise lässt sich Geschmack scheinbar immer noch nicht so recht kaufen und dadurch sehen solche Vertreter immer noch aus wie der letzte Dorflude mit seiner Rummelbude an der B75.
LDaniel 01.08.2019
4. Nie
Noch nie von dem Vogel gehört... . Grad dann mal Schuhe etc geschaut...wer kauft sowas? Wie wenig Selbstachtung muss man haben, um so rumzulaufen?????
Noch nie von dem Vogel gehört... . Grad dann mal Schuhe etc geschaut...wer kauft sowas? Wie wenig Selbstachtung muss man haben, um so rumzulaufen?????
vox veritas 01.08.2019
5.
Komisch, wenn saudische Prinzen mit ihren Ferraris protzen, ist das kein Problem - und das obwohl dort schlimmste Menschenrechtsverletzungen begangen werden. Geld regiert halt die Welt.
Komisch, wenn saudische Prinzen mit ihren Ferraris protzen, ist das kein Problem - und das obwohl dort schlimmste Menschenrechtsverletzungen begangen werden. Geld regiert halt die Welt.

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