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Stil

Architektur von Frank Lloyd Wright

Diese Gebäude sind nun Welterbe

Organische Formen, offene Grundrisse, weitläufige Fensterfronten: Vieles, was heute in der modernen Architektur Standard ist, nahm Frank Lloyd Wright vorweg. Nun hat die Unesco seine Entwürfe geadelt.

Getty Images
Montag, 08.07.2019   15:17 Uhr

Die Unesco hat die Architektur des 20. Jahrhunderts von Frank Lloyd Wright zum Welterbe erklärt. Acht Gebäude des US-Architekten zählt die Uno-Kulturorganisation seit Sonntag zur Liste der besonders wertvollen und erhaltenswerten Stätten. Dazu gehören unter anderem seine wohl bekanntesten Gebäude: das Guggenheim-Museum in New York und die an einem kleinen Wasserfall erbaute Villa Fallingwater in Mill Run, Pennsylvania.

Wright (1867-1959) gilt als Genie der geometrischen Abstraktion. Viereckige Kästen waren ihm ein Graus. Seine Häuser haben die Form von Kleeblättern, Kreisen und Halbkreisen. Das Guggenheim-Museum in New York ist ein sich nach oben verbreitender Zylinder mit Glaskuppeldach, an der Außenfassade windet sich ein Fensterband spiralförmig nach oben.

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Frank Lloyd Wright: Meister der "organischen Architektur"

Leitgedanke für Wrights Bauweise war die "organische Architektur". Eine Bauweise, die sich auszeichnet durch einen offenen Grundriss, ein Aufbrechen zwischen Innen und Außen sowie einen bis dahin einzigartigen Einsatz von Materialien wie Stahl und Beton. "Wrights Werke dieser Zeit haben die Entwicklung der modernen Architektur in Europa stark beeinflusst", begründet die Unesco-Kommission ihre Entscheidung.

Architekt ohne Rezept, aber mit Vision

Wright, der sich selbst als einen der größten Baumeister aller Zeiten sah, war ein Naturliebhaber. Er wollte die Natur aber nicht nachbauen, sondern aus ihr Prinzipien ableiten für Gebäude, die natürlich wirken. Bei seinen Projekten war er darum bemüht, den Baukörper harmonisch in die Umgebung einzufügen. Besonders deutlich wurde das bei seinen so genannten Präriehäusern - langegestreckte Gebäude, die sich unter weit auskragenden Dächern in die Landschaft ducken.

Das bekannteste Beispiel für diesen "Prairie Style" steht allerdings nicht irgendwo mitten in der Natur, sondern nahe dem Campus der Universität Chicago: Das nun ebenfalls in die Unesco-Liste aufgenommene Frederick C. Robie House. Wie alle Präriehäuser hat es einen gemauerten Kern, um den herum die Räume gruppiert sind. Als Baustoff verwendete Wright mit Vorliebe Baustoffe aus der natürlichen Umgebung der Häuser, vor allem Steine und Hölzer, die nicht verputzt oder gestrichen wurden.

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Frank Lloyd Wright: Streben nach Höherem

Eine Gemeinsamkeit aller von Wright entworfenen Wohnhäuser ist der offene Grundriss mit breitem Kamin im Zentrum. Die Feuerstelle als zentraler Sammelpunkt für die Familie. Neben türenlosen Räumen war auch der fließende Übergang zwischen Innen und Außen typisch für den Architekten. Die Zuschreibung eines bestimmten Stils lehnte Wright allerdings immer ab. Einen bestimmten Stil zu haben, empfand er als Gefängnis. "Organische Architektur" war für ihn eine "Architektur ohne Rezept".

Zu den nun mit auf die Welterbeliste gesetzten Wrigth-Gebäuden zählen unter anderen noch das Haus von Herbert und Katherine Jacobs in Madison, Wisconsin, und Taliesin West in Scottsdale, Arizona. (Die vollständige Übersicht finden Sie in der Bilderstrecke.)

löw

insgesamt 19 Beiträge
Heimratt 08.07.2019
1. Titelfoto
Und nun stellen Sie sich das Waldhaus mit Wasserfall mit geschwungenen Terrassenbrüstungen und Mauern vor. Das wäre dann zwar nicht Wright, aber organisch den Formen des Waldes angepasst. So sieht das doch eher wie ein [...]
Und nun stellen Sie sich das Waldhaus mit Wasserfall mit geschwungenen Terrassenbrüstungen und Mauern vor. Das wäre dann zwar nicht Wright, aber organisch den Formen des Waldes angepasst. So sieht das doch eher wie ein überwucherter Westwall-Bunker aus.
HeisseLuft 08.07.2019
2. Fallingwater
Frank Lloyd Wright hat in seiner langen Karriere vieles gebaut und noch mehr entworfen. Später oft geschwungene Formen. Übrigens glaube ich ganz und gar nicht, dass der Entwurf mit runden Formen tatsächlich besser [...]
Zitat von HeimrattUnd nun stellen Sie sich das Waldhaus mit Wasserfall mit geschwungenen Terrassenbrüstungen und Mauern vor. Das wäre dann zwar nicht Wright, aber organisch den Formen des Waldes angepasst. So sieht das doch eher wie ein überwucherter Westwall-Bunker aus.
Frank Lloyd Wright hat in seiner langen Karriere vieles gebaut und noch mehr entworfen. Später oft geschwungene Formen. Übrigens glaube ich ganz und gar nicht, dass der Entwurf mit runden Formen tatsächlich besser ausgesehen hätte. Der Bau steht im Wald, über einem kleinen Wasserfall. Also reichen, unregelmäßigen Formen. Das Gebäude stellt dazu einen Formenkontrast her und abgeschwächt auch einen Farbkontrast. Siehe Bilderreihe Nr. 5. Nein, ein Westwallbunker sieht erheblich anders aus ;-) Es gibt ähnliche Architektur, wird Brutalismus genannt. Nein, Mr. Wright war wirklich kein Vertreter dieser Richtung...
jogola 08.07.2019
3. Leider
" was heute in der modernen Architektur Standard ist" sind die meisten Städte in Deitschland offensichtlich Substandard.
" was heute in der modernen Architektur Standard ist" sind die meisten Städte in Deitschland offensichtlich Substandard.
Papazaca 08.07.2019
4. Wright's Stil war, immer wieder anders zu bauen
Mir gefällt das Guggenheim in der 88 St. and Fifth Avenue in NYC am besten. Vielleicht, weil ich direkt gegenüber gewohnt habe und das Gebäude in den wechselnden Jahreszeiten bewundern konnte. Das Frederick C. Robin House, [...]
Mir gefällt das Guggenheim in der 88 St. and Fifth Avenue in NYC am besten. Vielleicht, weil ich direkt gegenüber gewohnt habe und das Gebäude in den wechselnden Jahreszeiten bewundern konnte. Das Frederick C. Robin House, aber auch das relativ einfache Herbert Jacobs House sind auch beeindruckende Wohnhäuser. Nicht zu vergessen sind die von Wright entworfenen Möbel wie der für das Taliesin House West entworfene Sessel. Aber er hat auch jede Menge unterschiedlichster Gegenstände entworfen. Diese Ehrung für Frank Lloyd Wright gilt einem der wegweisenden und besten Architekten der Moderne.
TS_Alien 08.07.2019
5.
Große, offene Bereiche sind vielleicht für Besucher interessant (weil es anders als zuhause ist), aber für das Wohnen eher unpraktisch. Zusätzlich sollte ein Haus keine Probleme bereiten. Fallingwater ist in großen Bereichen [...]
Große, offene Bereiche sind vielleicht für Besucher interessant (weil es anders als zuhause ist), aber für das Wohnen eher unpraktisch. Zusätzlich sollte ein Haus keine Probleme bereiten. Fallingwater ist in großen Bereichen eine statische Fehlkonstruktion. Und es gibt Probleme mit Schimmel. Mir gefällt Fallingwater dennoch, aber nur, weil ich nicht darin wohnen muss.

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