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Bestsellerautor John Lewis-Stempel

"Schnecken zu essen, war mein Tiefpunkt"

2. Teil: Rezepte aus John Lewis-Stempels Wildnisküche

Getty Images

Ein Interview von
Mittwoch, 10.07.2019   21:40 Uhr

Rezept für Holunderblütensekt

Zutaten

Den Honig in einen Topf geben, einen halben Liter Wasser zugießen und sanft erwärmen, bis der Honig sich auflöst. Sämtliches Insektenleben von den Holunderblüten entfernen, vorzugsweise durch sanftes Abschütteln im Freien, nicht durch Waschen. Blüten und Rosenblätter in ein großes Gefäß geben. Mit dem Wasser übergießen; den Essig und den verdünnten Honig hinzufügen. Einen Deckel aufsetzen und 24 Stunden lang stehen lassen. Mindestens zwei Mal vorsichtig mit einem Holzlöffel umrühren.

Die Flaschen vor dem Abfüllen sterilisieren, in kochendem Wasser oder im Backofen. Den Deckel von der Holunderblütenlösung nehmen und mit einem kleinen Krug ein wenig davon durch ein Sieb in eine Flasche gießen. Wenn alle Flaschen voll sind, verkorken (oder mit Schraubdeckeln verschließen) und an einen kühlen Ort stellen. Ein Außengebäude ist ideal.

Der Sekt ist nach zwei Wochen trinkfertig, allerdings wird er mit der Zeit immer besser und hält sich Monate oder gar Jahre.

Rezept für Haselnuss-Kotelett aus Nüssen und Erdkastanien-Schnitzel

Zutaten für eine Person

Haselnüsse und Erdkastanien vermischen und mahlen, während die Brühe köchelt. Das entstandene Mehl, Salz und Ei in die Brühe geben und mit einem Schneebesen kräftig unterrühren. Vom Herd nehmen und mindestens 30 Minuten lang stehen lassen, damit die Flüssigkeit in die Nüsse einzieht. Dadurch wird das Schnitzel zarter.

Das Entenschmalz in einer Pfanne erhitzen, bis es raucht, und die Nussmasse löffelweise hineingeben. Mit einem Holzspatel zu einem flachen, dicken Fladen formen. Die Hitze ein wenig reduzieren und für drei Minuten braten, dann vorsichtig wenden und die Unterseite ebenfalls drei Minuten lang braten. Das Ganze wird nicht perfekt in Form bleiben, aber dank der Klebkraft des Eis eine respektable Schnitzelform behalten. Mit einem grünen Salat aus Wildkräutern servieren.

Erdkastanien verlieren beim Garen immer ein wenig Aroma. Als Schnitzel gebraten, bewahren sie ihren Geschmack besser als gekocht oder gebacken. In frühen Rezepten wird empfohlen, sie in Fleischeintöpfe zu geben, aber als ich sie zu Kaninchen probierte, fand ich sie fade. In Schnitzelform haben sie wenigstens eine angenehm weiche, pampige Konsistenz - eine Seltenheit in der faserigen Welt der englischen Natur. L. C. R. Cameron (Autor des Buches "Wild Foods of Great Britain: Where to Find and How to Cook Them", Anm. d. Red.) schlägt vor, sie zu rösten.

Rezept für Pilzketchup

Zutaten

Die Pilze feinschneiden und in ein Porzellan- oder Keramikgefäß legen. Mit Salz bestreuen. Zwei Tage lang stehen lassen, aber gelegentlich umrühren. Den Essig erhitzen und den Bärlauch hineingeben. Zwei Tage lang ziehen lassen. Die Pilze pürieren und mit dem gewürzten Essig und dem Holunderwein vermischen. Köcheln lassen, bis die Mischung, nun ja, aussieht wie Ketchup; das sollte nach ungefähr zwei Stunden der Fall sein. Durchsieben und in heiß ausgespülte Flaschen gießen, bis knapp unter den Rand. Fest verschließen und sterilisieren: Dafür die Flaschen auf ein gefaltetes Tuch in einen großen Topf stellen und heißes Wasser bis 2,5 cm unterhalb der Oberkante der Flaschen einfüllen. 30 Minuten lang sanft köcheln lassen. Der Ketchup sollte sich an einem dunklen, trockenen Ort monatelang halten.

insgesamt 7 Beiträge
Newspeak 11.07.2019
1. ...
Ökoromantiker, die mit ihren Büchern etc. von dem kapitalistischen System profitieren, das sie kritisieren. Wäre es ein Zwang, als Jäger und Sammler zu leben, ohne das moderne Leben hinter sich zu wissen, ohne die [...]
Ökoromantiker, die mit ihren Büchern etc. von dem kapitalistischen System profitieren, das sie kritisieren. Wäre es ein Zwang, als Jäger und Sammler zu leben, ohne das moderne Leben hinter sich zu wissen, ohne die Möglichkeit, jederzeit wieder zu den Segnungen der Zivilisation zurückzukehren, wäre es nämlich bedeutend weniger hip.
Otziotzi 11.07.2019
2. Ökoromantiker
Wieso hat sich die Menschheit weiterentwickelt, wenn es in der Steinzeit so toll und ursprünglich war?
Wieso hat sich die Menschheit weiterentwickelt, wenn es in der Steinzeit so toll und ursprünglich war?
solid_matter 11.07.2019
3. Sie haben nicht begriffen, worum es dem Autor geht
Soweit ich es dem Interview entnehme, geht es nicht darum, irgend jemandem zum Jäger&Sammler-Dasein zu überreden. Es handelt sich schlicht um ein Experiment, um Eindrücke und Erlebnisse zu erforschen, die uns in der [...]
Soweit ich es dem Interview entnehme, geht es nicht darum, irgend jemandem zum Jäger&Sammler-Dasein zu überreden. Es handelt sich schlicht um ein Experiment, um Eindrücke und Erlebnisse zu erforschen, die uns in der "modernen Welt" fremd geworden sind. Eine Undankbarkeit gegenüber den "Segnungen der Zivilisation", wie sie sie ihm vorwerfen, kann ich nicht erkennen.
solid_matter 11.07.2019
4. Wonach bemisst sich denn der "Entwicklungsstand"?
Am BSP? Am Grad der Umweltzerstörung? "Weiter"-Entwicklung ist ein undankbares Wort. Ich sehe eher eine bessere oder schlechtere Anpassung an die jeweiligen Lebensumstände.
Zitat von OtziotziWieso hat sich die Menschheit weiterentwickelt, wenn es in der Steinzeit so toll und ursprünglich war?
Am BSP? Am Grad der Umweltzerstörung? "Weiter"-Entwicklung ist ein undankbares Wort. Ich sehe eher eine bessere oder schlechtere Anpassung an die jeweiligen Lebensumstände.
mkdrsdn 11.07.2019
5.
Solche Leute machen mich fertig. Zurück zur Natur - Rufe als Pseudo-Erweckungserlebnis für Städter. Gibt es seit der Industrialisierung. Bei uns regen sich die Winzer auf, weil Balkan-Migranten gerne Weinblätter klauen um [...]
Solche Leute machen mich fertig. Zurück zur Natur - Rufe als Pseudo-Erweckungserlebnis für Städter. Gibt es seit der Industrialisierung. Bei uns regen sich die Winzer auf, weil Balkan-Migranten gerne Weinblätter klauen um damit zu kochen. Aber unser englischer Öko-Messias erklärt es kurzerhand für Mundraub (was es nicht ist) und schon finden wir es "authentisch" (ein Wort, was ohnehin verboten gehört). Und Schnecken stehen im übrigen unter strengem Naturschutz. Sammeln ist also verboten. Bleibt also nur noch Werbung für sein Buch. Ich hab also gerade eine lange Werbeanzeige gelesen.
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