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Küchen-Gadgets für Hobbyköche

Der große Reibach

Wo gehobelt wird, da fallen Fingerkuppen? Das muss nicht sein! Hobbykoch Peter Wagner verrät Ihnen, wie Sie in Zukunft auch ohne Blutverlust Parmesan reiben.

Getty Images

Empfehlungen von Hobbykoch
Freitag, 23.08.2019   20:57 Uhr

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Gestandene Köche sind ja oft der Meinung, sie könnten alles, wirklich alles mit ihren Messern kleinkriegen - und sei es noch so winzig am Ende. Gute Einstellung, schließlich ist Kochen ja zu 95 Prozent Hand-Werk. Und diese Klingenverliebtheit spart auch viel Spülmittel für schmutzige Küchenmaschinen. Und doch gibt es eine Grenze, bei der das Messer-Getue seine Untergrenze findet. Ab da wird's tatsächlich nur noch mit Raspeln und Reiben kleiner. Im Idealfall mit den modernen lasergeschärften Zähnen, ursprünglich Patent einer US-Firma, inzwischen aber von vielen Herstellern angeboten. Nur damit lassen sich unschöne Reibungsverluste vermeiden.

Turmreibe Microplane

Als das familiengeführte Unternehmen Grace Manufacturing mit Hauptsitz in Russellville (Arkansas) 1990 das Patent für ein neuartiges, besonders scharfes Holzbearbeitungswerkzeug anmeldete, ahnte dort keiner, dass man damit auch die Welt des Kochens verändern würde. "Microplane" hieß die neue Holzraspel, bei der erstmals die mit Laserlicht zur Schärfe von Rasierklingen geschliffenen Reibezähne zum Einsatz kamen. Der Legende nach war es eine kanadische Hausfrau in Ottawa, die vier Jahre später für ein Kuchenrezept Orangenschale dünn abreiben wollte und mit ihrem stumpfen Küchenwerkzeug derart kläglich scheiterte, dass sie sich aus der Garagenwerkstatt ihres Gatten kurzerhand dessen Microplane-Holzreibe auslieh. Es folgte eine Weltkarriere als Küchenwerkzeug.

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Ich bin ein begnadet schlechter Kuchenbäcker, weswegen es bei mir ein Esslöffel Zitronenschalenabrieb für ein Ochsenschwanzrezept war, das mich in die weltweite Gemeinde der Microplane-Jünger einreihen ließ. Immer wieder schmierte meine alte Reibe vom Zitrusöl zu, weswegen ich den Anpressdruck verstärken musste, was aber stets dazu führte, dass auch Teile der furchtbar bitteren weißen Mesokarp-Schicht mit abgerieben wurde. Bis dann einem befreundeten Cateringkoch eine schmale, feilenförmige Microplane aus der Messertasche fiel. Auf meinen Fuß. Auf meinem Lederschuh fehlte ein Teil der äußeren Schicht.

Euphorieschübe gehen bekanntlich mit maßlosen Übertreibungen Hand in Hand, weswegen ich mir - das muss vor etwa zehn Jahren gewesen sein - gleich das ganze Vierer-Set Microplane Reiben und Raspeln samt (leider recht unhandlichem) Fingerschutz gekauft habe. Zwei davon hatten einen Plastikgriff, der nach ein paar Jahren bröselig wurde und mit Reiben aus der "Professional"-Serie aus Edelstahl ersetzt wurden, die bis heute nichts von ihrer Schärfe verloren haben. Mit so einem Set ist man schnell über 100 Euro ärmer, weswegen die Turmreibe mit vier sehr unterschiedlichen Reib- und Raspel-Bereichen ein guter Einstieg dafür ist, dem kochschaffenden Lebensbereich ein bisschen mehr Schärfe zu verleihen.

Was ist das? Rasierklingenscharfe Reiben-Raspel-Kombination für die meisten Küchenaufgaben.

Wer braucht das? Jeder, der keine Lust auf stumpfes Herumreiben mehr hat.

Was kostet das? Einzelreiben von Microplane Professional ab 25 Euro, die 4er-Turmreibe circa 45 Euro.

Preisabfragezeitpunkt:
23.08.2019, 14:32 Uhr
Ohne Gewähr

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Microplane Turmreibe, Plastik, schwarz, 9.5 x 13.9 x 27 cm
Hersteller:
Microplane
Preis:
EUR 49,45

Rommelsbacher MR 6 elektrische Käsereibe

An dieser Stelle muss unbedingt des Menschen gedacht werden, der für die Verbreitung mediterraner Koch- und Lebensfreude mehr geleistet hat, als alle Vorstadtpizzerien Deutschlands zusammen. Auf die Frage, welches Gastgeschenk sein Leben am nachhaltigsten verändert habe, antwortete der heute 85-jährige Alfred Biolek ohne auch nur eine Sekunde des Nachdenkens: "Eine elektrische Parmesanreibe." Biolek legte sich unermüdlich gegen die in Deutschland damals ausschließlich bekannte Parmesan-Darreichung in Form der nach frisch Erbrochenem riechenden und pappig schmeckenden vorgeriebenen Beutelware ins Zeug. Jahrelang sah man Biolek denn auch, wie er sich mit dem winzigen, scharfkantigen Griff einer mechanischen Käse-Trommelreibe über den ansonsten verzehrfertigen Tellern abmühte - einmal musste er nach einem kleinen blutigen Abrutscher sogar vor laufender Kamera verarztet werden.

Das alles hat ein Ende mit dem Eintritt der elektrischen Parmesanreibe in die kulinarische Wertegemeinschaft. Zumindest auf der Nordseite der Alpen - die Italiener schütteln bis heute den Kopf angesichts der technikverliebten Deutschen, während sie sich einen dicken Löffel des von Mama kurz zuvor in der Küche frisch (heute auch in Italien gern auf einer Microplane) geriebenen Hartkäses über die Bucatini all'amatriciana schütten.

Auch ich muss gestehen, dass ich Parmesan und Pecorino lieber manuell reibe, weil er da noch feiner, fast wie Staub, zerkleinert werden kann. An Weihnachten, wenn die ganze Familie am Tisch sitzt, spendiere ich der Elektrotrommel dann aber doch mal wieder einen neuen Satz Batterien.

Was ist das? Eine saubere Möglichkeit, absolut frischen Parmesan auf die Pasta zu reiben.

Wer braucht das? Galante Gastgeber und andere Biolek-Jünger.

Was kostet das? Elektrische Käsereiben gibt es ab etwa 20 Euro, stabile Qualität kostet etwa 40 Euro.

Preisabfragezeitpunkt:
23.08.2019, 14:33 Uhr
Ohne Gewähr

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ROMMELSBACHER MR 6 elektrische Käsereibe / Trommelreibe für Parmesan, Nüsse, Schokolade & mehr / Power-Akku / Edelstahl-Reibetrommel / weiß
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EUR 36,99

Twinzee Schnittschutz-Handschuhe

Menschen, die aus beruflichen Gründen den ganzen Arbeitstag mit harten, superscharfen Messern durch Massen von weicher Materie schneiden müssen - zum Beispiel Schlachter, Metzger oder Fisch-Filetierer - kämen niemals auf die Idee, dies mit den bloßen Händen zu tun. Und das nicht nur, weil sonst die berufsgenossenschaftliche Absicherung gegen Arbeitsunfälle erlischt. Sondern schlicht und einfach, weil man auch nach Feierabend froh sein kann, noch alle zehn Finger an der Hand zu haben. Dafür tragen sie im Job Schutzhandschuhe - je nach Berufsbild aus hochentwickelten Kunststoff- und Karbonfasern oder den altbewährten Metzgerei-Kettenhandschuh.

Letzterer fährt in der Kategorie "Durchstichfestigkeit" den Klassensieg mit fünf von fünf möglichen Punkten ein, ist aber für gelegentliches Schnibbeln, Raspeln und Hobeln in der Hobbyküche überdimensioniert und extrem unbequem. Wer also nicht jeden Tag ein paar Rinder zerlegt und dabei immer wieder mal mit dem spitzen Ausbeinmesser vom Brustbeinknochen abrutscht und sich die Klinge dabei mit voller Wucht in die Haltehand rammt, braucht etwas Leichteres.

Zum Beispiel Schutzhandschuhe aus modernen Materialien wie Polyethylen, Glasfasern und Spandex-Fäden. Wie die meisten dieser Produkte sind auch die Händlinge von Twinzee nach der DIN-Norm EN388 zertifiziert - allerdings nicht wie im Profibereich aufgeschlüsselt nach Abriebfestigkeit, Schnittfestigkeit, Weiterreißfestigkeit und Durchstichfestigkeit (erkennbar an einer vierstelligen Zahl unter dem EN388-Logo). Egal, denn vor allem Schussel wie mich bewahrt das vor unnötigem Blutverlust. Beim Schneiden verletze ich mich fast nie, aber beim Reiben von bockelharten Parmesankanten auf den ultrascharfen Microplane-Zähnen müssen ja nicht unbedingt wieder ein paar Fingerkuppenraspeln ins Essen fallen. Schon den Vegetariern unter den Gästen zuliebe.

Was ist das? Ein preiswerter und smarter Schutz vor allem der Fingerkuppen beim Reiben und Raspeln.

Wer braucht das? Jeder, der beim Reiben kein schlimmer Finger werden will.

Was kostet das? Weniger als ein Notarzteinsatz: circa 10 Euro.

Preisabfragezeitpunkt:
23.08.2019, 14:34 Uhr
Ohne Gewähr

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EUR 19,97

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insgesamt 28 Beiträge
sarang he 23.08.2019
1.
Meine "einfache" Turmreibe aus Edelstahlblech für 10 € leistet seit vielen (> 20) Jahren gute Arbeit. Ich achte aber auch ein wenig auf mein Küchenwerkzeug.
Meine "einfache" Turmreibe aus Edelstahlblech für 10 € leistet seit vielen (> 20) Jahren gute Arbeit. Ich achte aber auch ein wenig auf mein Küchenwerkzeug.
ratloserleser 23.08.2019
2. Ich alte es ganz traditionell...
...um mich vor ungewollten Verletzungen zu schützen. Bevor ich die Küche betrete, lege ich mindestens meine Kettenrüstung an, wenn gerade gewischt wurde die volle Rüstung, samt Helm. Zur Vermeidung des [...]
...um mich vor ungewollten Verletzungen zu schützen. Bevor ich die Küche betrete, lege ich mindestens meine Kettenrüstung an, wenn gerade gewischt wurde die volle Rüstung, samt Helm. Zur Vermeidung des "Avocadofingers" selbstverständlich nur Vollrüstung, da ein Kettenhandschuh bei den modernen Schneidwerkzeugen unzuverlässlich ist. Ich erinnere mich noch an Generationen, in denen scharenweise Tote von den blutüberströmten Küchenböden aufgesammelt wurden, deshalb wurde eigens ein Kinderreim erfunden: Messer, Gabel, Schere, Licht...^^ Da selbst diese Vorsichtsmassnahmen unzureichend sind, wurde vermutlich der Thermomix erfunden, den aber bitte nur in entsprechendem Sicherheitsabstand von 1 km benutzen, mit Splitterschutzweste, in einem atomsicheren Bunker,/ Sarkasmus off Rat an den Autor: lassen Sie besser das Kochen und trinken statt dessen Wein aus Schraubverschlussflaschen;- diese nur mit Kettenhandschuhen öffnen.../ hupps," Sarkasmus on" vergessen
brooklyner 23.08.2019
3.
So langsam wird es lächerlich, was uns dieser angebliche hobbykoch vorsetzt. Die dämlichen völlig überfrachteten rezepte - geschenkt, aber was soll dieser quatsch?
So langsam wird es lächerlich, was uns dieser angebliche hobbykoch vorsetzt. Die dämlichen völlig überfrachteten rezepte - geschenkt, aber was soll dieser quatsch?
Ichpostenie 23.08.2019
4. Hmmmm...
Bisschen banal, oder?
Bisschen banal, oder?
gioka2 24.08.2019
5. Wo gehobelt wird...
...sollte man es an seine eigenen Vorlieben anpassen. Als Pseudo-Italiener seit 20 Jahren in Italien wohnend habe einfach mehrere Varianten: eine hölzerne Twergi mit manueller Bedienung, eine stinknormale Edelstahlreibe, und - [...]
...sollte man es an seine eigenen Vorlieben anpassen. Als Pseudo-Italiener seit 20 Jahren in Italien wohnend habe einfach mehrere Varianten: eine hölzerne Twergi mit manueller Bedienung, eine stinknormale Edelstahlreibe, und - nun denn - gute Messer da ich manches Mal auch eher hobele als reibe. Buon appetito - und machen Sie so weiter Herr Wagner, auch wenn einige Rezepte mir zu artifiziell sind habe ich doch bei fast jedem gute Denkanstösse bekommen - und umgesetzt.

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