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Lambrusco-Empfehlungen

Rotwein mit Blubb

Lambrusco? Das ist doch dieser Gratiswein zur Pizzalieferung? Geht gar nicht. Geht sehr wohl! Der schäumende Rote kann ein tolles Geschmackserlebnis sein. Fünf trockene Lambruschi, die sich lohnen.

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Lambrusco: Nichts zum Schwenken, Nippen, Kauen und den ganzen Quatsch

Von Gerald Franz
Sonntag, 04.08.2019   07:35 Uhr

2017 orakelte ein Händler auf einer Weinveranstaltung: "In Deutschland wird der Lambrusco in zwei Jahren im Trend liegen." Die Zeit ist um - und tatsächlich stehen die Zeichen günstig für ein Comeback: Tabubruch ist in beim Wein: Stigmatisierte Stile wie Liebfraumilch oder Badisch Rotgold gehen wieder, zumindest mit einem kessen Etikett auf der Flasche.

Außerdem gewinnt eine Schiene zwischen Schoppenware und superkompliziertem Wein an Bedeutung: solide Trinkweine. Nichts zum Schwenken, Nippen, Kauen und den ganzen Quatsch. Die müssen schon von ordentlicher Qualität sein, aber vor allem Spaß machen. Und das kann der Lambrusco!

Guter Lambrusco wohlgemerkt. Nicht die Industrieplörre für 2,49 Euro aus dem untersten Supermarktregal. Sieben Euro aufwärts sollten es schon sein, die lohnen sich aber auch. Einige Weinbars haben entsprechende Produkte bereits auf die Karte gesetzt. Doch leider gleichen die Weinkarten in solchen Läden oft eher Büchern, da übersieht auch der neugierigste Kunde schnell mal was.

Verdorben in den Achtzigern

Der Lambrusco leidet zudem immer noch unter seinem Billigheimer-Image, seitdem italienische Winzer auf den Lambrusco-Boom in den Achtzigern mit langweiligen Weinen reagierten, in riesigen Mengen und zu Niedrigstpreisen hergestellt für Discounter.

Weil er so lange mausetot war hierzulande, kurz zur Erinnerung: Lambrusco ist ein roter, leicht schäumender Wein aus Italien. Hauptsächlich stammt er aus der norditalienischen Region Emilia-Romagna und hat um die elf Prozent Alkohol.

Es gibt durchaus Variationen bei der Herstellung, noch mehr aber bei den verwendeten Rebsorten, weil Lambrusco so viel wie "wilde Rebe" bedeutet. Und von denen gibt es eine Menge. Doch im Wesentlichen lässt sich Lambrusco in drei Rebsorten einteilen:

Nicht, dass der Lambrusco di Sorbara schlecht wäre. Ihm fehlt nur das Alleinstellungsmerkmal. Bei reinsortigen Salaminos muss man ein bisschen suchen, weil manche etwas zu einseitig nach Kirsche oder Himbeere schmecken. Besonders lohnt sich die letzte Rebsorte, der Grasparossa. Da sind wir bei dem guten Stoff. Denn solch ein Getränk gibt es sonst nirgends: Dunkle Beerenaromen und die Kraft und Struktur eines Rotweins, aber eben auch das leichte Prickeln. Dieser Lambrusco ist gewissermaßen die lässige Antwort auf den bierernsten Rotweintrinker.

Solo oder zum Essen

Rotwein mit Blubb, das ist es doch! Ganz ehrlich, all die bunten, mit billigem Prosecco aufgefüllten Apéros sind doch mehr als angezählt. Und Lambrusco schmeckt auch zum Essen. Die Italiener genießen ihn mit vielen Klassikern, die wir auch hierzulande schätzen: Mortadella, Salami, Parmesankäse. Natürlich auch Pasta, insbesondere Spaghetti Bolognese. Kein Wunder, ist doch Bologna die Hauptstadt der Emilia-Romagna!

Ob solo oder zum Essen: Lambrusco sollte man jung trinken. Also immer nach dem aktuellen Jahrgang Ausschau halten und nicht länger als ein Jahr liegen lassen. Wegen der Kohlensäurebläschen muss er leicht gekühlt serviert werden. So um die zwölf Grad sind ideal. Ein Punkt war da aber noch: Ist Lambrusco nicht süß? Stimmt, es gibt ihn lieblich, aber auch halbtrocken und trocken. Am besten schmecken die trockenen und halbtrockenen Lambruschi. Gerade im Sommer hat dieser Wein seinen Platz. Und dieser Sommer hat fulminant begonnen. Der Händler hatte recht: 2019 wird Lambrusco-Zeit.

Fünf trockene Lambruschi, die eine Chance verdient haben (Name des Weins, Anbaugebiet, Weingut):


Wein ist immer verflochten mit Menschen und ihren Geschichten. Einige davon zu erzählen, hat sich der Autor zur Aufgabe gemacht. Nachzulesen auf seinem Blog Weinsprech.

insgesamt 11 Beiträge
Bazi 04.08.2019
1. Meine Rede
Ich würde immer belächelt, wenn ich den "daheim geblieben" nach meinem Urlaub von den tollen trockenen Lambruscos aus der Emilia erzählt habe. Danke für den Artikel.
Ich würde immer belächelt, wenn ich den "daheim geblieben" nach meinem Urlaub von den tollen trockenen Lambruscos aus der Emilia erzählt habe. Danke für den Artikel.
Spon_Client 04.08.2019
2. Plörre für 7 Euro
muß noch lange nicht mehr enhalten als für 2,49. Nur eine Blindverkostung durch alle Preisklassen funktioniert. Der Preis ist ein Placeboeffect. Sehr schön auch an Champagner zu schmecken, 30 € Ware aus dem Discounterregal ist [...]
muß noch lange nicht mehr enhalten als für 2,49. Nur eine Blindverkostung durch alle Preisklassen funktioniert. Der Preis ist ein Placeboeffect. Sehr schön auch an Champagner zu schmecken, 30 € Ware aus dem Discounterregal ist besser als die teuere 70€ Flasche. Und was paßt besser zu selbstgemachter Pizza als ein guter Lambrusco von z.B. Lidl. Denn beim Italiener kostet die 2,49€ Plösse locker über 4 € das Glas.
ge1234 04.08.2019
3. Lambrusco...
Denk ich an Lambrusco, denk ich an die frühen 70er Jahre, als es noch etwas besonderes war, Samstag abends mit den Eltern in eines der damals noch nicht so zahlreichen italienischen Restaurants mit überbordend kitschiger Capri [...]
Denk ich an Lambrusco, denk ich an die frühen 70er Jahre, als es noch etwas besonderes war, Samstag abends mit den Eltern in eines der damals noch nicht so zahlreichen italienischen Restaurants mit überbordend kitschiger Capri und Venezia-Deko zum Essen zu gehen. Später dann mit 16, 17 die ersten Urlaube mit Freunden und ohne Eltern auf italienischen Campingplätzen, abends dann am Strand mit Sonnenuntergang, Lambrusco und zaghaften, harmlosen Flirtereien mit den Mädels, die man auf dem Campingplatz kennengelernt hatte!
phthalo 04.08.2019
4. manohman ....
Ganz oben steht: " .... Nichts zum Schwenken, Nippen, Kauen und den ganzen Quatsch." Und dann weiter unten bei der Beschreibung: " Lambrusco Salamino: Dieser Lambrusco sieht von der Farbe aus wie ein Rotwein Die [...]
Ganz oben steht: " .... Nichts zum Schwenken, Nippen, Kauen und den ganzen Quatsch." Und dann weiter unten bei der Beschreibung: " Lambrusco Salamino: Dieser Lambrusco sieht von der Farbe aus wie ein Rotwein Die Aromatik geht oft in Richtung Kirsche und ist manchmal etwas kitschig." Also doch wieder zum Nippen und Kauen? Und wie bitte kann ein Wein "kitschig" schmecken? Weiter unten dann noch, dass ein Wein nach dunklen Beeren schmeckt. Dunkle Beeren gibt es in unterschiedlichsten Geschmacksvarianten. Tisch man 5 Sommeliers Weine aus, bekommt man genau 5 verschiedene Aussagen, die sich alle voneinander unterscheiden. Letztens wurde im TV eine weibliche Sommelier darum gebeten, Champus zu testen. Nicht einen Champus konnte sie zuordnen, obwohl dort auch bekannte wie ein Dom Pérignon drunter waren. Zuletzt gewann dann der von Aldi. Auf einem Teststand für Bier konnte niemand sein angebliches Lieblingsbier herausfinden und viel konnten nicht mal Hefeweizen von Pils geschmacklich unterscheiden. Das ist doch alles Quatsch. Wein muss dem schmecken, der ihn trinkt - schon alleine, weil Geschmack auch für jeden Individuell ist. Man muss sich davon frei machen, dass alle Menschen den gleichen Geschmacksinn haben. Eine andere Genzusammensetzung bewirkt, dass einigen Menschen Rosenkohl nur bitter finden, während ich Rosenkohl als süß empfinde.
geotie1 04.08.2019
5.
Mano man, ich liebe solche Aussagen! In unserem Freundeskreis haben wir einen Weinhändler, der dicke Zigarren raucht und uns von der oder der Geschmacksrichtung erzählt. Eigentlich bin ich ein Biertrinker, übrigens auch [...]
Zitat von phthaloGanz oben steht: " .... Nichts zum Schwenken, Nippen, Kauen und den ganzen Quatsch." Und dann weiter unten bei der Beschreibung: " Lambrusco Salamino: Dieser Lambrusco sieht von der Farbe aus wie ein Rotwein Die Aromatik geht oft in Richtung Kirsche und ist manchmal etwas kitschig." Also doch wieder zum Nippen und Kauen? Und wie bitte kann ein Wein "kitschig" schmecken? Weiter unten dann noch, dass ein Wein nach dunklen Beeren schmeckt. Dunkle Beeren gibt es in unterschiedlichsten Geschmacksvarianten. Tisch man 5 Sommeliers Weine aus, bekommt man genau 5 verschiedene Aussagen, die sich alle voneinander unterscheiden. Letztens wurde im TV eine weibliche Sommelier darum gebeten, Champus zu testen. Nicht einen Champus konnte sie zuordnen, obwohl dort auch bekannte wie ein Dom Pérignon drunter waren. Zuletzt gewann dann der von Aldi. Auf einem Teststand für Bier konnte niemand sein angebliches Lieblingsbier herausfinden und viel konnten nicht mal Hefeweizen von Pils geschmacklich unterscheiden. Das ist doch alles Quatsch. Wein muss dem schmecken, der ihn trinkt - schon alleine, weil Geschmack auch für jeden Individuell ist. Man muss sich davon frei machen, dass alle Menschen den gleichen Geschmacksinn haben. Eine andere Genzusammensetzung bewirkt, dass einigen Menschen Rosenkohl nur bitter finden, während ich Rosenkohl als süß empfinde.
Mano man, ich liebe solche Aussagen! In unserem Freundeskreis haben wir einen Weinhändler, der dicke Zigarren raucht und uns von der oder der Geschmacksrichtung erzählt. Eigentlich bin ich ein Biertrinker, übrigens auch nicht die teuren Sorten wo alle wie blind drauf abfahren, und lasse mich auch in die Welt der Wein einweihen. Meistens mache ich bei neuen Produkten gerne eine Blindverkostung und bitte meinem Gegenüber keinen Einfluss auf mein Empfinden zu nehmen. Okay, die ganz billigen Weine, viel getrunken, werden mir nächsten Tag vielleicht Kopfschmerzen bereiten, aber die gehobenen Preisklassen müssen auch nicht besser sein. Und hat man Gäste, dann sollte man, falls man einen günstigen Wein oder Bier, nicht unbedingt die Flaschen zeigen. Die Gäste sind meistens eh erstaunt und glauben es nicht, so was getrunken zu haben, wenn die Marke offensichtlich wird.

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