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Stil

Architektenvilla in Italien

Nach oben alles offen

Sieben Jahre und sieben Entwürfe brauchte ein Architekt aus Südtirol, bis sein Kindheitstraum Wirklichkeit war: ein Haus groß wie eine Scheune, mit zehn Meter hohen Decken - aber gemütlich wie ein Chalet.

Alex Filz
Mittwoch, 12.12.2018   16:45 Uhr

In unserer Artikelserie "Die Heimsuchung" stellen wir Ihnen in loser Folge außergewöhnliche Immobilien vor, die zum Verkauf stehen, gerade gebaut oder geplant werden oder die einfach nicht von dieser Welt sind. Heute empfehlen wir Ihnen in unserem Steckbrief: das "Messnerhaus".

"Wenn ich mich zurückversetze in meine Kindheit, gab es nichts Schöneres als einen Sprung ins frische und weiche Heu", erklärt Stefan Rier, warum er ein Haus bauen wollte, dass etwas von einer Scheune mit unterschiedlichen Heuböden hat. Das "Messnerhaus" ist der erfüllte Kindheitstraum des italienischen Architekten: Ein Gebäude, das den Bauernhöfen in seinem Heimatdorf in Südtirol ein Denkmal setzt, sie aber gleichzeitig weiterentwickelt.

Ausgangspunkt für das Projekt war ein altes Bauwerk im Ortskern. Die traditionelle Gliederung mit einem Sockel aus massiven Stein und einem Holzaufbau behielt er bei, auch das Satteldach und die Balkone wurden erhalten. Rier öffnete aber die Holzkonstruktion an fünf Seiten und im Dach. So setzte er den Innenraum mit seiner nach Außen sichtbaren Konstruktion in einen Dialog zur Umgebung.

Fotostrecke

Fotostrecke: Das "Messnerhaus" von innen

Durch die großen Fenster und das Glasdach fällt Licht in den zehn Meter hohen Wohnraum, der komplett offen gestaltet ist. Die Übergänge zwischen der Küche mit der vier Meter langen Kochinsel, dem davor liegenden Essbereich und dem Wohnzimmer sind fließend. Ein Kamin markiert den Mittelpunkt der verschiedenen Zonen im ersten von drei Stockwerken, auf denen der Architekt mit seiner Familie lebt.

"Hauptthema des Konzeptes der Innenräume ist der Kubus und der Freiraum dazwischen", schreibt Rier, der sieben Entwürfe und sieben Jahre für den Bauplan brauchte. An dem Holzrahmentragwerk sind auf unterschiedlichen Ebenen oberhalb des Wohn- und Esszimmers vier Wohnwürfel aufgehängt. In den mit Stoff tapezierten Boxen sind die privaten Bereiche wie Schlafzimmer, Bäder oder die Sauna untergebracht. So bleibt der restliche Raum frei und wird nicht durch Wände begrenzt.

Verbunden sind die Geschosse über eine schmiedeeiserne Treppe, in deren Stufen ein Muster gelasert wurde. Das schon in der Fassadengestaltung angelegte Spiel mit Leichtem und Schwerem wird auch in den Details fortgesetzt. Zwischen den einzelnen Geschossen und Kuben bestehen Blickverbindungen wie in der Scheune von Riers Eltern. Die Zwischengeschosse und Oberseiten der Wohnkapseln stehen quasi für die Heuböden.

Unter dem Panoramafenster im Dach mit Blick auf die Dolomiten hat Rier eine Ruhezone eingerichtet. Hier fand auch der alte Kachelofen Platz, den er aus dem ursprünglichen Haus für sein neues Heim gerettet hat. Oberhalb, auf einem Podest steht die kleine Sauna. Durch ein Fenster können die Bewohner beim Schwitzen auf das Schlern-Massiv blicken. Bei schönem Wetter können sie hierfür auch die Dachterrasse mit Whirlpool nutzen.

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Zimmerzahl: drei Schlafzimmer, offener Wohn-Essbereich, zwei Bäder.

Garten: Zum Grundstück gehört kein großer Garten, aber das Haus hat einen geräumigen Balkon und steht in schönster Landschaft.

Extras: Dachterrasse mit Whirlpool, Sauna

Stilfaktor: Stefan Rier ist es gelungen, aus traditionellen und modernen Elementen sein persönliches Traumhaus zu bauen. Was will man mehr?

Wer fühlt sich hier wohl? "Land Lust"-Leser, Architekten und Bergsteiger

Unbedingt mitbringen: ein gutes Gedächtnis, ständig auf der Suche nach Dingen die verschiedenen Flächen und Stockwerke abzulaufen, ist sicher gut für die Kondition, aber auf Dauer schlecht für die Stimmung.

Altersgerechtes Wohnen: Das wird in den oberen Stockwerken schwierig. Zum Glück befindet sich im Untergeschoss eine großes Apartment, das gerade als Ferienwohnung vermietet wird.

Weitere Infos: Gibt es auf der Website des Architektur- und Designstudios noa, das Rier mit seinem Geschäftspartner Lukas Rungger betreibt.

löw

insgesamt 16 Beiträge
realistisch gesehen 12.12.2018
1. Gelungen
Häufig sieht man vermeintlich ganz tolle "Architekten-Häuser", doch selten möchte man selber darin wohnen. Das ist in diesem Fall anders. Sehr gelungen.
Häufig sieht man vermeintlich ganz tolle "Architekten-Häuser", doch selten möchte man selber darin wohnen. Das ist in diesem Fall anders. Sehr gelungen.
jj.ll. 12.12.2018
2. @giostamm
Ja dann hoffen wir einmal, dass die Fliesen auch wirklich in Italien hergestellt worden sind. Die italienischen Fliessenproduzenten sind wie die italienischen Tomatenmarkproduzenten, kaufen sehr viel in China. Man kann ja [...]
Ja dann hoffen wir einmal, dass die Fliesen auch wirklich in Italien hergestellt worden sind. Die italienischen Fliessenproduzenten sind wie die italienischen Tomatenmarkproduzenten, kaufen sehr viel in China. Man kann ja sogar Marmo di Carrara in Italien kaufen, in China bearbeitet, oder Parkett aus deutscher Eiche in China hergestellt.
Ronald Dae 12.12.2018
3. Immerhin bemüht
Interessant ist die Architektur durchaus; aber schön ist sie nicht. Vielleicht hätte er doch noch einen weiteren Entwurf machen sollen?
Interessant ist die Architektur durchaus; aber schön ist sie nicht. Vielleicht hätte er doch noch einen weiteren Entwurf machen sollen?
lupo62 12.12.2018
4. Gemütlich?
Nein, gemütlich ist das nicht, dazu ist die Wohnfläche des zentralen Raums (den wir in Norddeutschland eine Deele nennen) zu groß. Allen, die gern in einem solchen Haus wohnen wollen, sei gesagt: Das Leben spielt sich in den [...]
Nein, gemütlich ist das nicht, dazu ist die Wohnfläche des zentralen Raums (den wir in Norddeutschland eine Deele nennen) zu groß. Allen, die gern in einem solchen Haus wohnen wollen, sei gesagt: Das Leben spielt sich in den Nebenräumen ab. Die Deele ist was für Familienfeiern.
Orthoklas 12.12.2018
5. Ambivalent
Geschmäcker sind nun mal verschieden. Im Haus steckt sichtbar viel Arbeit, aber als Ergebnis eines siebenjährigen Entwicklungsprozesses ist es dann doch etwas schwach. Bronze und grüne Fliesen finde ich kombiniert ebenso übel [...]
Geschmäcker sind nun mal verschieden. Im Haus steckt sichtbar viel Arbeit, aber als Ergebnis eines siebenjährigen Entwicklungsprozesses ist es dann doch etwas schwach. Bronze und grüne Fliesen finde ich kombiniert ebenso übel wie die Treppenstufen. Schade eigentlich. Die Sauna und das offene Dach sind nämlich sehr gelungen. So bleibt für mich ein gemischter Eindruck. Das Haus hat für Südtiroler Verhältnisse einfach zu viel Schickimicki.

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