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Stil

Frühjahr 2020

Auf diese Trends setzen die Modeeinkäufer

Zweimal im Jahr reisen die Einkäufer der Modehäuser nach Düsseldorf zur Ordermesse. Hier wird ausgesucht, was nächste Saison in den Läden hängt. Und das ist 2020 vor allem eins: bequem.

Estrop/ Getty Images
Von Katharina Pfannkuch
Mittwoch, 31.07.2019   11:49 Uhr

Gerade waren in Düsseldorf wieder Ordertage. Der halbjährliche Termin, zu dem Hunderte Showrooms und gleich drei Modemessen - Gallery, Supreme, Date - mit über 800 Ausstellern ihre Türen öffnen. Händler und Einkäufer aus ganz Deutschland und Europa reisen dann an den Rhein. Einst galt die Collection Première Düsseldorf als die weltgrößte Modemesse. Das mögen die Ordertage in Düsseldorf nicht mehr sein, aber nach wie vor gilt: Bei der Fashion Week in Berlin wird gefeiert, in Düsseldorf eingekauft. Hier suchen Einkäufer aus, was in der kommenden Saison in den Geschäften hängt. Und das ist im Frühjahr 2020 vor allem eins: bequem.

"Krawatten sieht man aktuell immer seltener auf internationalen Laufstegen, die Mode wird zunehmend entformalisiert", sagt Benjamin Fuest. Er ist Bereichsleiter im Einkauf von Breuninger, einem der größten Modehäuser Europas. Sweatshirts ersetzten immer öfter klassische Strickpullover, leichte Materialien - der sogenannte Paper-Touch - seien im Kommen. Genauso wie Split Suits - also Anzüge, bei denen Sakko und Hose zusammen oder einzeln gekauft und getragen werden können. Dazu passten hochwertige T-Shirts und schlichte Sneaker, die gingen auch nur zur Anzughose.

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Vom Laufsteg ins Schaufenster: Frühjahrsmode für 2020

"Über Jahre war die Herrenmode geprägt von Formalität, die aktuell und in den kommenden Saisons immer stärker von einer neuen, der Situation angemessenen Coolness und Lässigkeit abgelöst wird," so Fuest. Farblich gelten bei Breuninger für das kommende Frühjahr neutrale Töne, Braunnuancen und Neondetails als angesagt. Ein weiteres bestimmendes Thema sei Tailoring für Frauen, betonte Schnitte mit ausgeprägten Schultern. Kleider werden bequem dank Hemd- und Tunikaform.

Thomas Rath hat seinen Showroom an der Kaiserswerther Straße. Zwischen Blumenbouquets, Dackelskulpturen, einem riesigen Plüscheinhorn und Porträts des Designers hängen die neuesten Entwürfe. Auch hier spielt der Komfort eine entscheidende Rolle. Das gilt auch für die Farben. Neonfarben sieht Rath ebenfalls als einen Trend der kommenden Saison, er setzt Töne wie Neonorange aber nicht als Komplettlook ein. Er akzentuiert damit, etwa als schmale Paspel an einem klassischen, sandfarbenen Blazer.

Passt ins Büro und an die Bar

"Die deutsche Kundin ist keine Modebloggerin, ihr Leben ist kein Catwalk", so Luca Bazzanella, Verkaufsleiter bei Thomas Rath: "Sie steht mitten im Leben und braucht alltagstaugliche Mode, die alles mitmacht, bequem ist und natürlich gut aussieht." Lockere Jogg-Pants aus Viskose etwa. Sie sind so bequem wie eine Jogginghose, bilden aber mit Bluse und Blazer ein Outfit, das im Büro genauso passend ist wie danach im Restaurant.

Miguel MEDINA/ AFP

Steht Frauen und Männern: Look aus der Frühjahrsherrenkollektion von Givenchy

Da ist es fast schon ironisch, dass in auffallend vielen Kollektionen für nächstes Jahr ausgerechnet Beigetöne auftauchen, die lange als typisch für den "Renter-Look" und allenfalls bei Trenchcoats als zeitlos schick galten. Es gibt sie in vielen Abstufungen. Sie werden mal mit Neonfarben kombiniert wie bei Thomas Rath, mal mit Rosé wie bei Designerkollege Steffen Schraut.

Der Showroom von Steffen Schraut ist eine Institution am Rhein. Hier ist die Dekoration nüchterner, der Raum sieht aus wie ein Loft: Vor den hohen weißen Wänden strahlen selbst zurückhaltende Beigetöne, nichts lenkt von den Entwürfen ab.

Krise? Welche Krise?

In der kommenden Saison seien Blazer die absoluten Key-Pieces, so Schraut, sowie schmale, aber zugleich lässige Silhouetten. Besonders beliebt bei den Einkäufern seien bisher seine Entwürfe mit Tiermustern, zum Beispiel ein langärmliges Tunikakleid mit Zebrastreifen in hellem Gelb und warmem Sand - bequem, weder zu leger noch overdressed. Ein typischer Schraut-Entwurf. "Weitere Bestseller sind alle Kleider in fließender Baumwollqualität mit A-Silhouette," so Schraut.

Von einer Krise, wie sie aufgrund der Probleme deutscher Modemarken wie Gerry Weber und René Lezard aktuell wieder befürchtet wird, spüre er nichts, sagt Schraut. Bei Thomas Rath zeigt man sich ebenfalls gelassen: Dieses Jahr seien besonders viele Neukunden gekommen, erzählt Luca Bazzanella: "Wir sind positiv überrascht." Verständlich, wirkte doch die Berliner Fashion Week dieses Jahr nur spärlich besucht, die Partys nicht mehr so ausgelassen wie noch vor zehn Jahren. Wer weiß: Womöglich wird in Düsseldorf ja zukünftig nicht mehr nur eingekauft, sondern auch wieder ausgiebig gefeiert.

insgesamt 29 Beiträge
runandrock 31.07.2019
1. Wie immer
Wie immer nichts, was man im Alltag, auch Business-Bereich, anziehen würde. Nach langen Jahren der sehr engen Formen nun wieder die Weite der 80er/90er. Die wollen doch nur, dass wir wegwerfen und neu kaufen ;-)
Wie immer nichts, was man im Alltag, auch Business-Bereich, anziehen würde. Nach langen Jahren der sehr engen Formen nun wieder die Weite der 80er/90er. Die wollen doch nur, dass wir wegwerfen und neu kaufen ;-)
romeov 31.07.2019
2. Schon das erste Foto...
...wie in den 80ern, das total schrottige Jahrzehnt. Bitte nicht wieder zurückholen, neongrüne Netz T-Shirts und giftig gelbe Bundfaltenhosen, ich könnte mich heute noch übergeben.
...wie in den 80ern, das total schrottige Jahrzehnt. Bitte nicht wieder zurückholen, neongrüne Netz T-Shirts und giftig gelbe Bundfaltenhosen, ich könnte mich heute noch übergeben.
ned divine 31.07.2019
3. was für eine Ansage.... Das ganze LEBEN ist kein Catwalk!
"Die deutsche Kundin ist keine Modebloggerin, ihr Leben ist kein Catwalk", so Luca Bazzanella, Verkaufsleiter bei Thomas Rath: "Sie steht mitten im Leben und braucht alltagstaugliche Mode, die alles mitmacht, bequem [...]
"Die deutsche Kundin ist keine Modebloggerin, ihr Leben ist kein Catwalk", so Luca Bazzanella, Verkaufsleiter bei Thomas Rath: "Sie steht mitten im Leben und braucht alltagstaugliche Mode, die alles mitmacht, bequem ist und natürlich gut aussieht." Das hat Herr Bazanella ja schlau erkannt, interessiert allerdings die Modegurus NULL. Es ist doch reiner Zufall, dass der nächste Trend halt zufällig mal etwas alltagstauglicher wird. Der verkauft es nun so, als würde man sich da an irgendwelchen Interessen und Bedürfnissen orientieren. Wirklich niedlich!!
gehirnaus 31.07.2019
4. diese Seelenlosen Gesichter
und genauso Seelenlos ist das Modebusiness geworden, jedes Jahr findet sich eine Clique von überbotoxten Gesichtern ein die aber dann auch so langsam aussterben. Das ist der Lauf der Dinge. Also bitte geht oder besser noch, lauft [...]
und genauso Seelenlos ist das Modebusiness geworden, jedes Jahr findet sich eine Clique von überbotoxten Gesichtern ein die aber dann auch so langsam aussterben. Das ist der Lauf der Dinge. Also bitte geht oder besser noch, lauft aber lauft mit Gott.
TheTruth 31.07.2019
5. wow
ähh.. also.. hmm.. mode?.. models?.. heftig. soll das schön sein? oder einfach anders? was ist der sinn dieser Mode? hmm.. wird wohl den gleichen Menschenschlag ansprechen, die für ein Farbkleks auf weißes Papier millionen [...]
ähh.. also.. hmm.. mode?.. models?.. heftig. soll das schön sein? oder einfach anders? was ist der sinn dieser Mode? hmm.. wird wohl den gleichen Menschenschlag ansprechen, die für ein Farbkleks auf weißes Papier millionen zahlen könnten und sich das stundenlag ansehen können.

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