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Stil

Star-Snack bei Peer Kusmagk

Erst Schlammkarriere, dann Lammkarree

Peer Kusmagk ist im Privatfernsehen die Karriereleiter hinabgeklettert, von der Seifenoper über die Gameshow bis in den RTL-Dschungel. Dabei hat er durchaus Geschmack: Zu Besuch in seinem französischen Restaurant.

Fabienne Hurst
Von
Donnerstag, 08.10.2015   06:50 Uhr

Der Gastronom

Peer Kusmagk, 40, geboren in Berlin, ist Schauspieler, Moderator und RTL-Dschungelkönig a.D. Bei "Verbotene Liebe" hieß er mal Niki di Lorenzo, bei "Gute Zeiten, Schlechte Zeiten" Ben Bachmann. Er sagte bei Sportsender DSF Gameshows an, moderierte zu Smacks und O-Saft auf Sat.1 und heute zerquatscht er den Nachmittag bei einem Berliner Radiosender. Dabei ist er seit fast zehn Jahren zu etwas viel Höherem berufen: In Berlin-Kreuzberg führt er das französische Restaurant "La Raclette".

Hoffnungen versus Befürchtungen

Schon das Wort "Raclette" weckt dunkle Kindheitserinnerungen an kalorienreiche Wintertage zwischen Weihnachten und Silvester. An damals, als die Verwandten, die man sonst nur alle paar Monate zu Gesicht bekam, plötzlich nur noch im Unterhemd neben einem saßen, weil es sonst am Tischgrill unerträglich heiß wurde. Als sich alle bereits stöhnend die Bäuche klopften, aber trotzdem wieder das Pfännchen unters Feuer schoben. Eins noch. Oder zwei.

So musste Völlerei aussehen, das war sogar uns Kindern klar. Solch eine Veranstaltung soll man nun also in aller Öffentlichkeit abhalten? Noch dazu in Berlin, mitten im Spätsommer? Verrückte Idee. Aber unter die Skepsis mischt sich auch eine leise Vorfreude auf den Restaurantbesuch. Denn die Entdeckung von gutem Wein als Gegenstück zu fettem Käse hat diese Kindheitserinnerung längst relativiert.

Persönliche Note

Die Lausitzerstraße in Kreuzberg ist dunkel, vor allem an verregneten Abenden im Herbst scheint sie vom sonst so belebten Kiez am Görlitzer Bahnhof meilenweit entfernt. Umso einladender leuchtet das Lokal durch die Holzfensterfassade. Drinnen ein kleiner, hoher Raum, gerade mal acht Tische, alte Holzmöbel, Stoffservietten, Stuck an der Decke, sonst nackter Backstein, im offenen Kamin in der Ecke knistert ein Feuer.

Alles sehr französisch, von der Bierreklame (Kronenbourg), übers Mineralwasser (Perrier) bis zur Quotenregelung der Tischmusik: 40 Prozent französisch, 60 Prozent international, also fast wie im französischen Radio (da ist es umgekehrt). Kusmagk empfängt die Gäste, erzählt, dass er nach dem Abi vier Jahre durch Europa gereist und schließlich in der Bretagne hängen geblieben sei, der Liebe wegen, daher die Expertise.

Wer ist da?

An einem Zwölfertisch feiert eine Deutsch/Englisch/Spanisch sprechende Truppe (vermutlich) eine Verlobung, zwei Bekannte vom Chef schlemmen sich durch die Tageskarte und um halb elf werden außerdem Thommy und Claudi begrüßt, die bestellen noch schnell ein halbes Dutzend Austern.

Essen und Trinken

Es gibt natürlich nicht nur Raclette, sondern eine kleine Auswahl französischer Klassiker wie das Steak tartare (15 Euro), Steak-frites und den Rinderschmortopf Bœuf bourguignon. Im aktuellen Tagesangebot außerdem: Seeteufelbäckchen, Jakobsmuscheln und Lammkarree. Zum Nachtisch Crème brulée und eine Zitronentarte. Wer sich mit der Weinfrage nicht auseinandersetzen will, verlässt sich auf den Experten Daniel Radon, der das Passende raussucht.

Wie schmeckt's?

Zum Crémant reicht der Wirt Olivenöl aus der Provence, Tomatenfrischkäse und knuspriges Baguette. Die Vorspeise besteht aus drei perfekt gebratenen Jakobsmuscheln auf einem feinen, nur leicht, aber ausgewogen gewürzten Salat aus Tomaten und Avocado, auch das Tatar ist so abgeschmeckt, dass Salz- und Pfeffer-Mühle auf dem Tisch reine Deko bleiben. Es schmeckt wirklich sehr, sehr gut.

Zum Hauptgang dann doch noch Käse, wobei der Raclettegrill ziemlich stilecht aus einem urigen Feuerbehälter besteht. Ein großzügiges Stück Savoyer Käse wird auf eine Art Schaufel geschnallt und ans Feuer geschoben. Nach und nach schmilzt er direkt an der offenen Hitze. Alles, was man tun muss, ist hin und wieder den halb flüssigen, halb knusprigen Käse auf ein paar Rosmarinkartoffeln zu kratzen. Man fühlt sich wie in einem Chalet in den französischen Alpen. Mitten in Kreuzberg.

Service

Sehr aufmerksam, ambitioniert und engagiert - fast kippt es ins Lästige. Man mag eigentlich nicht ständig wegen eines halbvollen Glases Mineralwasser im Gespräch unterbrochen werden.

Chancen für Autogrammjäger

Anders als seine meisten Konkurrenten unter den Promi-Gastronomen steht Kusmagk regelmäßig selbst in seinem Laden. In weißem Hemd und schmaler Krawatte rückt er geschäftig Tische zurecht, liest die Tageskarte mit lauter Stimme vor, lässt Weißwein in bauchige Gläser prasseln, gießt sich auch selbst gelegentlich nach und dreht die Musik auf, wenn ihm ein Song aus der Playlist besonders gefällt. Sobald der Andrang nachlässt, setzt der Chef sich zu den späten Gästen an den Tisch, befiehlt noch Thommy und Claudi vom Nebentisch herbei und beginnt zu reden.

Er redet und redet. Über die verachtenswerten Möchtegern-Promis mit ihren verlogenen Restaurants, über seine Vision von einem Michelin-Stern, übers Berühmtsein, übers Fastberühmtsein, übers Fastnichtmehrberühmtsein. Und natürlich über ihn, den Lebenskünstler. Zum Schluss schmeißt er eine Runde Schnaps mit Kaffeegeschmack, und wer den nicht trinkt, ist ein Spielverderber.

Stolz des Hauses

Der Chef selbst.

Die Rechnung bitte

Wohl eines der französischsten Restaurants in Berlin, auch ohne Michelin-Stern, mit Leidenschaft und Fachkenntnis geführt. Durchweg hohe Qualität der Zutaten, sensationelle Weine und urgemütliche Atmosphäre.

9 von 10 Punkten

Zur Autorin

Star-Snack

insgesamt 11 Beiträge
mirdochwurscht 08.10.2015
1. Unterirdisch
War dort vor 2 Jahren essen. Der Service war katastrophal, da nicht präsent. Das Essen hatte von der Bestellung bis es serviert wurde ewig gedauert , d.h. fast 2h , bei durchschnittlicher Qualität . Als wir den Koch , der immer [...]
War dort vor 2 Jahren essen. Der Service war katastrophal, da nicht präsent. Das Essen hatte von der Bestellung bis es serviert wurde ewig gedauert , d.h. fast 2h , bei durchschnittlicher Qualität . Als wir den Koch , der immer mal wieder zum Rauchen draußen erschien darauf ansprachen sagte er , er sei eigentlich kein richtiger Koch. Irgendwann erschien dann Kusmaq mit ein paar Kumpels im Lokal und machte eine private Sause. Unsere Beschwerde hat er desinteressiert zur Kenntnis genommen. Wie viele Berliner Lokale ist dies total überbewertet.
El pato clavado 08.10.2015
2. Ein umtriebiger Typ mit einer beachtlichen Karriere
wer sagt's denn, dass in Germany nichts läuft ? Kusmagk hat's bewiesen. Chapeau. und bitte keine griesgrämiges Genörgel
wer sagt's denn, dass in Germany nichts läuft ? Kusmagk hat's bewiesen. Chapeau. und bitte keine griesgrämiges Genörgel
johannesmapro 08.10.2015
3.
Genau das ist der Eindruck den ich hatte, wenn ich die Karte gelesen habe, das ambiente angeschaut habe, es ist nicht stimmig, Jolesch, Rio Grande, oder Volt sind hier in dieser Gegend die Alternativen
Zitat von mirdochwurschtWar dort vor 2 Jahren essen. Der Service war katastrophal, da nicht präsent. Das Essen hatte von der Bestellung bis es serviert wurde ewig gedauert , d.h. fast 2h , bei durchschnittlicher Qualität . Als wir den Koch , der immer mal wieder zum Rauchen draußen erschien darauf ansprachen sagte er , er sei eigentlich kein richtiger Koch. Irgendwann erschien dann Kusmaq mit ein paar Kumpels im Lokal und machte eine private Sause. Unsere Beschwerde hat er desinteressiert zur Kenntnis genommen. Wie viele Berliner Lokale ist dies total überbewertet.
Genau das ist der Eindruck den ich hatte, wenn ich die Karte gelesen habe, das ambiente angeschaut habe, es ist nicht stimmig, Jolesch, Rio Grande, oder Volt sind hier in dieser Gegend die Alternativen
kastenmeier 08.10.2015
4.
Ich war im März auf einer kleinen Insel in der Karibik. Vor der Buchung habe ich mir im Internet viele Bewertungen angeschaut und folgende Erfahrung gemacht: Man kann mit den Bewertungen nur etwas anfangen, wenn man die [...]
Zitat von mirdochwurschtWar dort vor 2 Jahren essen. Der Service war katastrophal, da nicht präsent. Das Essen hatte von der Bestellung bis es serviert wurde ewig gedauert , d.h. fast 2h , bei durchschnittlicher Qualität . Als wir den Koch , der immer mal wieder zum Rauchen draußen erschien darauf ansprachen sagte er , er sei eigentlich kein richtiger Koch. Irgendwann erschien dann Kusmaq mit ein paar Kumpels im Lokal und machte eine private Sause. Unsere Beschwerde hat er desinteressiert zur Kenntnis genommen. Wie viele Berliner Lokale ist dies total überbewertet.
Ich war im März auf einer kleinen Insel in der Karibik. Vor der Buchung habe ich mir im Internet viele Bewertungen angeschaut und folgende Erfahrung gemacht: Man kann mit den Bewertungen nur etwas anfangen, wenn man die streicht, die alles nur schlecht finden, insbes. wenn auf eine durchweg positive Einschätzung wie beschrieben reagiert wird. Mein Urlaubsziel wurde von einigen wenigen bewertet wie das Restaurant von Ihnen - der Urlaub war klasse.
moe.dahool 08.10.2015
5. Gute Erfahrungen
In meinem ersten Berufsleben habe ich Koch gelernt, und meine daher, kulinarisches Niveau, Qualität der verarbeiteten Produkte, etc. beurteilen zu können. Die Speisen sind einfach aber hochwertig, der Service würde von mir eine [...]
In meinem ersten Berufsleben habe ich Koch gelernt, und meine daher, kulinarisches Niveau, Qualität der verarbeiteten Produkte, etc. beurteilen zu können. Die Speisen sind einfach aber hochwertig, der Service würde von mir eine Zwei bekommen. Man merkt, dass der Service entweder ungelernt ist, oder aber nicht aus der Spitzengastronomie kommt. Muss aber auch nicht sein, die Leistung stimmt. Mir geht es wie #3, die Motz- und Besserwisserbeiträge muss man rausfiltern. Echte Kritik sieht anders aus.

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