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Kochbücher mit Tipps gegen Lebensmittelverschwendung

Das Beste der Reste

Wie man bei der Küchenarbeit so wenig wie möglich wegwerfen muss, zeigen zwei aktuelle Kochbücher. Davon inspiriert ist auch unser Rezept für weiße Knoblauchsuppe. Sie ist besonders gut an heißen Tagen.

Peter Wagner/ Foodbild
Von Hobbykoch
Samstag, 03.08.2019   10:00 Uhr

Da kann man noch so regional, nachhaltig oder sonst wie gewissenserleichternd Lebensmittel einkaufen - wenn am Ende ein großer Teil davon in die Tonne wandert, ist niemandem geholfen. Wie man bei der Küchenarbeit so wenig wie möglich wegwerfen muss, zeigen zwei aktuelle Kochbücher. Mit höchst unterschiedlichem Erfolg.

Die Berliner Köchin Sophia Hoffmann, die es in Veganer-Kreisen mit Büchern wie "Sophias vegane Welt" oder "Vegan Queens" zu einer Art Tierfrei-Übermutter gebracht hat, erklärt in "Zero Waste Küche" auf immerhin 138 von 248 Seiten die Grundlagen zur Vermeidung von Lebensmittelverschwendung.

Zunächst stehen Einkaufstipps für saisonales und regionales Essen im Vordergrund, was allein durch die schiere Frische und den Einzelverkauf der Marktware eine eher einfache Übung ist. In Plastik eingeschweißte Erdbeeren im Dezember kommen also nicht in die Tüte.

Preisabfragezeitpunkt:
31.07.2019, 14:48 Uhr
Ohne Gewähr

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Sophia Hoffmann
Zero Waste Küche

Verlag:
ZS Verlag GmbH
Seiten:
248
Preis:
EUR 24,99

Nicht minder naheliegend, aber für Einsteiger halbwegs hilfreich, sind die Erklärungen zu den verschiedenen Mindesthaltbarkeitsbegriffen, Tipps zum Haltbarmachen der Reste von Einfrieren bis Trocknen, sowie die ausführlichen Tricks für 40 Lebensmittel von Äpfeln bis Zwiebeln auf jeweils zwei Buchseiten. Im Inhaltsverzeichnis überraschen die Unterkapitel zu Fisch, Fleisch, Eiern und Milchprodukten - interessant auch, weil die ansonsten rein vegane Ausrichtung des Buches sonst nirgends erwähnt wird.

Doch ein Blick in die tierischen Kapitel zeigt, dass hier eine Mogelpackung geschnürt wurde. Statt Verwertungsinfos gibt es die Moralkeule: Wer Eier kauft, schreddert männliche Küken, Fischesser zerstören die Weltmeer-Fauna, Milchtrinker machen Kälbchen zu Halbwaisen und bekommen Eierstockkrebs (steht da wirklich) - und wer heute noch Fleisch isst, gehört sowieso ins Umerziehungslager.

Die Küchenreste-Rezepte sind weder besonders inspiriert noch raffiniert. Darüber könnte man ebenso hinwegsehen wie über die zahlreichen Schreibfehler. Hinzu kommen aber auch noch fragwürdige Zahlen zum Tierverzehr und Umwelt. Alles in allem kein Hauptgewinn.

Fotostrecke

Fotostrecke: Rezept für eine eiskalte Mittagssuppe

Dann schon lieber das unaufgeregt aufgeschriebene und superinformative "Clever kochen - null Abfall" von Giovanna Torrico und Amelia Wasiliev, das nun endlich in deutscher Übersetzung erschienen ist. Die mehr als hundert allesamt lohnenden Reste-Rezepte sind klar strukturiert, übersichtlich gestaltet und gut fotografiert. Zusätzlich liefert Torrico nützliche Tipps für typische Küchensituationen wie das Trennen von Eiern und den erstmal nicht benötigten Rest.

Preisabfragezeitpunkt:
31.07.2019, 14:49 Uhr
Ohne Gewähr

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Giovanna Torrico, Amelia Wasiliev
Clever kochen - null Abfall: 100 Rezepte für eine Küche ohne Verschwendung

Verlag:
AT Verlag
Seiten:
256
Preis:
EUR 20,00
Übersetzt von:
Barbara Buchwalter

Für das Eiweiß empfiehlt die Null-Abfall-Köchin Meringue, Financiers oder Light-Omelette, das Eigelb verarbeitet sie zu Kaffee-Eis, Aioli, Mürbteig, Crema Catalana oder Spaghetti Carbonara. Karkassen bringen Power in Brühen und Suppen, aus Fischköpfen wird ein kräftiger Fond gekocht, Fleischreste zu Jerky gedörrt, und sogar die dünnen Fischreste an der Haut nach dem Lachs-Filetieren sind noch für ein Tatar gut.

Auch in diesem Buch sind die Verwertungsideen für pflanzlich basierte Lebensmittel in der Überzahl. Völlig zu Recht, denn das ist auch in jedem Allesfresserhaushalt die mengenmäßig am häufigsten weggeworfene Nahrungsgruppe. Wie zum Beispiel die bockelharten Weißbrotscheiben, die von der Grillparty übrig sind, mit denen wir heute unsere Knoblauchkaltschale binden.

insgesamt 15 Beiträge
dasfred 03.08.2019
1. Also das Olivencaramel
Dieses Olivencaramel klingt so strange, dass ich es tatsächlich ausprobieren werde. Wie ich feststellen musste, habe ich alle aufgeführten Zutaten noch im Haus. Das ganze könnte sogar schmecken. Mir gefällt der Hinweis auf [...]
Dieses Olivencaramel klingt so strange, dass ich es tatsächlich ausprobieren werde. Wie ich feststellen musste, habe ich alle aufgeführten Zutaten noch im Haus. Das ganze könnte sogar schmecken. Mir gefällt der Hinweis auf Resteverwertung. Es landet immer noch viel zu viel im Müll. Dabei war es früher schon üblich, aus Gemüseabschnitten Fonds zu kochen, Reste in Aufläufen, Eintöpfen oder Salaten zu verarbeiten. Bei mir kommt wenig in den Abfall. Man kann Quasi alles verwerten und wenn es durch den Entsafter wandert.
landsend 03.08.2019
2. warum einfach, wenn es auch kompliziert geht
Das Rezept vergißt m.E. die Angabe, dass zwei verschiedene Sorten schwarzer Oliven vorrätig, bzw. als Reste(?) vorhanden sein müssen: in Lake eingelegte entsteinte, aber feste Oliven (z.B. Kalamata-Oliven eignen sich nicht, [...]
Das Rezept vergißt m.E. die Angabe, dass zwei verschiedene Sorten schwarzer Oliven vorrätig, bzw. als Reste(?) vorhanden sein müssen: in Lake eingelegte entsteinte, aber feste Oliven (z.B. Kalamata-Oliven eignen sich nicht, wenn sie reif sind), denn nur mit denen funktioniert das karamelisieren. Trocken eingelegte Oliven, gar mit Kräutern, werden zu bitter. Insgesamt ist das Rezept wohl eher für einen gut sortierten Lebensmittelfachhandel oder den ambitionierten Hobbykoch gedacht, als für einen Normalo-Haushalt; oder haben sie Kokosmilch light in der Quantität, diverse Olivensorten, Zitronenthymian (frisch natürlich) ohne weiteres vorrätig? Resteküche sieht in der Regel anders aus, Zutaten sind oft eher gewöhnlich, erfordern dafür um so mehr Phantasie; aber an der fehlt es halt wieder einmal. Es ist viel leichter ein schickes Rezept aus exotischen Zutaten zu planen als eine gute Mahlzeit wie eine simple Ajo blanco , die mit wenigen und bescheidenen Zutaten auskommen muß, da sie ursprünglich ein spanisches Arme-Leute Gericht ist: altes Weißbrot, Knoblauch, Mandeln, Wasser, Olivenöl, Zitronensaft, Thymian, Salz und Pfeffer. Oliven hat man so dazu gegessen, denn den teuren Zucker konnte man sich nicht so ohne weiteres leisten, vom Rest ganz zu schweigen. Stattdessen hat man manchmal frische halbierte Trauben in die Suppe gegeben und sie kalt gegessen.
ambulans 03.08.2019
3. bei den
themen "warenkunde" und "umgang mit ..." gehe ich ja noch mit; bei einigen zutaten, z.b. oliven (welche?, woher?) und so bereits sehnlichst erwarteten spässeken wie zitronenthymian, kokosmilch [...]
themen "warenkunde" und "umgang mit ..." gehe ich ja noch mit; bei einigen zutaten, z.b. oliven (welche?, woher?) und so bereits sehnlichst erwarteten spässeken wie zitronenthymian, kokosmilch "light" kräuseln sich mir bereits einige härchen. schluss ist aber, wenn ein richtig "staubig" trockener sherry, wie der sanlucar, in ein glas (welche glasform?) mit - höre und staune - "eiswürfeln" gegeben wird. das ist ami-cuisine vom feinsten, ist es nicht? brrr ... dr. ambulans (alle kassen)
weltjung 03.08.2019
4. Moralkeule?
Sie fühlen sich anscheinend beim Thema Fleischverzehr angegriffen, Herr Hobbykoch. Es gibt sehr wohl Echte Spitzenköche, die dieses Kapitel unterschreiben. Bleiben Sie doch daher bitte auch beim "hobbykritisieren". Und wenn [...]
Sie fühlen sich anscheinend beim Thema Fleischverzehr angegriffen, Herr Hobbykoch. Es gibt sehr wohl Echte Spitzenköche, die dieses Kapitel unterschreiben. Bleiben Sie doch daher bitte auch beim "hobbykritisieren". Und wenn Sie hier schon von fragwürdigen Zahlen zu dem Thema fabulieren, dann sollten Sie diese auch widerlegen. Alles andere wäre kein Journalismus, sondern persönliche Meinung. Und die können Sie gerne am Esstisch äussern.
benhadschiomar 03.08.2019
5. Zum Kochen gehört - ob man will oder nicht -
auch ein bisschen Wissen über Chemie (zB. Emulsion, Zitronensäure) und Physik (zB Wärmelehre) - gerade bei ambitionierten Hobbyköchen. Grober Unfug für den Haushalt ist die Empfehlung, warme bis heisse Speisen zwecks [...]
auch ein bisschen Wissen über Chemie (zB. Emulsion, Zitronensäure) und Physik (zB Wärmelehre) - gerade bei ambitionierten Hobbyköchen. Grober Unfug für den Haushalt ist die Empfehlung, warme bis heisse Speisen zwecks Abkühlung ins TK-Fach zu stellen. Die zur Abkühlung notwendige Wärmeabgabe geht hübsch zur Erwärmung der restlichen Lebensmittel über (heisses und kaltes Wasser ergibt einen Mittelwert). So schnell kann der Gefrierschrank gar nicht die Wärme abführen. Auch sollte man den Unfug nicht mit Kühlschränken machen. Es bleibt nach wie vor: kaltrühren im Eiswasserbad und dann ins TK-Fach.

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