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Stil

Rezept für Veggie-Albóndigas in Mandelsauce

Kein Fleisch, viel Klops

Das mit Abstand beste vegane Kochbuch der vergangenen Jahre ist endlich auch auf Deutsch erschienen. Wir kochen daraus fleischfreie Klopse.

Peter Wagner/ Foodbild
Von Hobbykoch
Samstag, 23.03.2019   14:50 Uhr

Dass Henry Firth und Ian Theasby, zwei kommunikative, aber in keinster Weise rampensäuische Jungs aus dem nordenglischen Sheffield, innerhalb kurzer Zeit Millionen Menschen weltweit erklären können, wie sie was zu kochen haben, ist eine der großen Social-Media-Erfolgsgeschichten unserer Tage.

Längst sind die beiden in ein eigenes Küchen- und Videostudio in East London umgezogen, wo sie ihre stylishen, aber nie nervig gestylten Kochvideos produzieren und über YouTube und ihren Blog "Bosh!" in alle Welt schicken.

Die beiden verzichten erst seit relativ kurzer Zeit auf jegliche tierische Produkte in ihrem Essen, konnten aber nirgendwo - da geht es ihnen wie den meisten genusswilligen Veggie-Novizen - Rezepte für auch nur annähernd so leckere Gerichte finden wie die Speisen, die sie früher mochten. Aus dieser Not machten sie keine Tugend, sondern einen der weltweit beliebtesten Foodblogs mit einer halben Milliarde Klicks bereits im ersten Jahr. Manche ihrer BuzzFeed-Tasty-Style-Rezeptvideos erreichen über 50 Millionen begeisterte Hobbyköche.

Kein Wunder, dass auch das mit 140 Rezepten vollfett bestückte (Ian würde "lushy!" sagen) erste Kochbuch der beiden ein echter Burner wurde, den die "Times" gar mit "The vegan Jamie Oliver" bejubelte. Dem Küchenstar zeigten sie frech die Rücklichter: "Bosh!" ist die bislang weltweit erfolgreichste vegane Rezeptsammlung und war 2018 in England sogar das bestverkaufte Kochbuch quer über alle Sparten.

Fotostrecke

Fotostrecke: Rezept für Veggie-Albóndigas

Völlig zu Recht, wie ein Streifzug durch die endlich auch in deutscher Sprache erhältlichen Buchrezepte zeigt. Da wird frech und frei quer über die Welt gekocht, vom indischen Büfett über Texmex-Partys bis zum großen Sonntagsbrunch. Immer komplett ohne Tierprodukte, meist einfach und effektiv. Es gibt aber auch für Besserkocher, die - zum Beispiel in diesen "7 Wochen ohne" - ihren Fleischkonsum erst mal nur ein wenig reduzieren wollen, Dutzende Ideen, wie man allein mit pflanzlichen Produkten den für Karnivoren oft wichtigen ordentlichen Druck auf den Gaumen erzeugt.

Superleckerer Fleischverzicht mit Knalleffekt

Das geht dann munter von Paella bis Tapas, Kürbis-Korma bis "Rogan Bosh", Pad Thai bis Massaman-Curry, Baba Ganoush bis "Pilzbraten Wellington", Burrito-Samosas oder "Big Bad Nachos". Alles sogar komplett ohne irgendwelche verkrampften und von Lebensmittelchemie durchtränkten Fleischersatzprodukte. Henry und Ian rühren lieber aus eingeweichten Cashews eine supercremige Carbonara an, kochen zum Reis Shiitake in "fantastisch klebriger Sauce" oder nutzen das Shepherd's-Pie-Prinzip mit Kapern, Zitronen und Algen für "Seaside Pie" unter fluffiger Kartoffelpü-Schicht. Alles superlecker und garantiert effektvoll.

Auch die Idee, für die Basismasse unserer heutigen kleinen Klopse statt Fleisch oder Sojaschnetzel gekochte Vollkornnudeln zu benutzen, stammt von den "Bosh!"-Hirnen. Ein typischer Studentenküchen-Lichtblitz: Okay, wenn schon so viele Nudeln vom Vortag übrig geblieben sind, sollten wir was Feines daraus kochen. Nur - auf die Idee, die Pasta zusammen mit ein paar Geschmacksträgern und Kidneybohnen einfach im Mixer zu einer Klopsfarce zu verarbeiten, muss man erst mal kommen.

Preisabfragezeitpunkt:
20.05.2019, 11:00 Uhr
Ohne Gewähr

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Henry Firth, Ian Theasby
Bosh! einfach – aufregend – vegan: Gönn dir! Über 140 Soulfood-Rezepte

Verlag:
Edition Michael Fischer / EMF Verlag
Seiten:
288
Preis:
EUR 22,00

Und tatsächlich trägt dieses Pastapüree auch in unserer abgewandelten Hobbyküchenvariante "Veggie-Albóndigas in Mandelsauce" texturell ohne Probleme die Hauptlast der Klopsmasse, die wir mit ein paar kleinen Tricks über das Original hinaus auch für Fleischesser zu einer befriedigenden "Ohne"- Alternative machen: Getrocknete Tomatenfilets geben zusammen mit dem Tomatenmark ihr konzentriertes Umami (freie und gebundene Glutaminsäuren) ab, geröstete Pinienkerne sorgen für noch mehr Nussigkeit, und frischer Oregano bringt animalische ätherische Aromen ins Spiel.

Und weil Albóndigas (aus Hackfleisch) bekanntlich einer der wichtigsten Stützpfeiler der spanischen Tapas-Kultur sind, geben wir den veganen Vettern mit geröstetem scharfen Paprikapulver (Pimentón Ahumado, auch Pimentón de la Vera genannt) von der iberischen Halbinsel den passenden Barbacoa-Kick mit, für den laut Buchrezept industriell hergestellte BBQ-Sauce aus dem Supermarkt genügt.

Im Buch werden die "Pastabällchen" von einer leichten, fruchtbetonten Tomatensauce begleitet, was sich am Albóndigas-Original orientiert. Wir haben uns für eine andere typisch spanische Begleitung entschieden: Die Mandelsauce wird durch ein bisschen Safran (der Standardfärber aller Paellas) leuchtend gelb, schmeckt durch die Verwendung von ungerösteten rohen Mandelkernen auch nicht so übertrieben nussig-süßlich wie viele vegane Tunken. Dafür sorgen die Mandeln mit ihrem 50-Prozent-Fettanteil für einen satten Energiegewinn von gut und gern 1500 weiteren Kalorien.

insgesamt 8 Beiträge
karl-felix 23.03.2019
1. Warum
der Aufwand mit dem Backofen ? Ich brate die Dinger wie Frikadellen knapp 20 Min direkt in der Pfanne rundum goldbraun . In den letzten Jahren noch keine Beschwerden . Lecker: Anstatt Kidney Bohnen getrocknete Steinpilze und [...]
der Aufwand mit dem Backofen ? Ich brate die Dinger wie Frikadellen knapp 20 Min direkt in der Pfanne rundum goldbraun . In den letzten Jahren noch keine Beschwerden . Lecker: Anstatt Kidney Bohnen getrocknete Steinpilze und Champignons verwenden . Auch lecker: eine Salzbrezel vom Vortag drunter reiben anstatt Paniermehl. Aber warum der Backofen ? Nur weil das Personal den wieder sauber macht ?
sargeantangua 23.03.2019
2. Ach, dieses Theater ...
Tja, die kulinarische Weltreise hält viele Überraschungen bereit, unter anderem die, dass vegan nix Genussverzicht zu tun hat. Ich bin's selber ja nicht, aber viele vegetarische Rezepte (die restliche Familie will nicht so [...]
Tja, die kulinarische Weltreise hält viele Überraschungen bereit, unter anderem die, dass vegan nix Genussverzicht zu tun hat. Ich bin's selber ja nicht, aber viele vegetarische Rezepte (die restliche Familie will nicht so viel Fleisch auf dem Tisch) vor allem aus Asien sind von vorneherein vegan, da dort halt Milchprodukte schlicht nicht bekannt sind. Sind aber trotzdem sehr gut , da hier viel mit Gewürzen gearbeitet wird, die den Gedanken an Genussverzicht gar nicht aufkommen läßt. Man muss nur offen sein und mal was neues wagen....
newline 23.03.2019
3. Der Backofen
soll vielleicht Grobmotoriker der Küche vor dem Anbrennen bewahren. Vielleicht aber auch ein geerbtes Verfahren aus der Fleischküche. Große Mengen Frikadellen brate ich auch portionsweise erst in der Pfanne an und lasse sie [...]
soll vielleicht Grobmotoriker der Küche vor dem Anbrennen bewahren. Vielleicht aber auch ein geerbtes Verfahren aus der Fleischküche. Große Mengen Frikadellen brate ich auch portionsweise erst in der Pfanne an und lasse sie dann im Ofen fertig garen.
dasfred 23.03.2019
4. Ich glaube, ich muss noch bis Ostern warten
Nichts gegen Vegan, aber die letzten Rezepte sind nun mal nichts für mich. Da habe ich noch diverse Alternativen, bevor ich diese Klößchen nachbruzle. Leider ist in diesem Rezept nichts drin, was ich noch in abgewandelter Form [...]
Nichts gegen Vegan, aber die letzten Rezepte sind nun mal nichts für mich. Da habe ich noch diverse Alternativen, bevor ich diese Klößchen nachbruzle. Leider ist in diesem Rezept nichts drin, was ich noch in abgewandelter Form für mich übernehmen kann, aber ich hoffe, es wird wieder für mich interessant.
RaKader 23.03.2019
5. Bällchen
Eigentlich ganz lecker die Zutaten, wenn nicht die ewige Mandelmilch mit ihrer schlechten Ökobilanz wäre. Und bitteschön Klopse? Immer diese ideologische Abrenzung und aufgeblähten Disskussionen um die Zutaten in der [...]
Eigentlich ganz lecker die Zutaten, wenn nicht die ewige Mandelmilch mit ihrer schlechten Ökobilanz wäre. Und bitteschön Klopse? Immer diese ideologische Abrenzung und aufgeblähten Disskussionen um die Zutaten in der Veggie-Szene, aber ohne Fleischbegriffe und Anlehnungen geht es dann doch nicht. Kulturelle Prägung nennt man das. Klopse sind mit Fleisch, ganz kulturell. Warum erobern sich vegane Rezepte nicht eigene Begriffe, wo doch so viel Wert auf Unterscheidung gelegt wird? Ich Carnivore koch mir das Rezept trotzdem - der Bohnen wegen.

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