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Stil

Architekturfotografie

Hier Baukunst, dort Bausünde

Treppen, Fenster, Dächer, Winkel: Fotograf Andrés Gallardo Albajar findet an Häusern alles faszinierend. Für die Aufnahmen reist er um die halbe Welt. Hier sind seine besten Bilder.

Andrés Gallardo Albajar
Von
Freitag, 12.07.2019   09:46 Uhr

Wir sind umgeben von Architektur. Mal ist sie beeindruckend, mal beängstigend, mal ist sie zweckmäßig, mal nicht. Hier Baukunst, dort Bausünde. In den meisten Fällen ist sie aber vor allem eins: unauffällig. Oder nehmen Sie noch wahr, an welchen Gebäuden sie täglich vorbeikommen? "Die meisten von uns schenken der Architektur und den uns umgebenden Stadtlandschaften keine große Aufmerksamkeit mehr", findet der Fotograf Andrés Gallardo Albajar. Das möchte er ändern. Seine Arbeit soll die Menschen dazu ermutigen, die Orte, an denen wir leben, wieder bewusst zu sehen.

Vor rund sechs Jahren fing der Spanier mit der Architekturfotografie an. Zuerst knipste er nur in seiner derzeitigen Heimatstadt Tallinn. Die Resonanz auf seine Bilder war aber so gut, dass er beschloss, an der Serie "Urban Geometry" weiterzuarbeiten. Nicht mehr nur in Estland, sondern überall auf der Welt. Finnland, Litauen, Dänemark, Schweden, Spanien, Deutschland, Frankreich, Belgien, Italien, Tschechien, China und Südkorea hat er unter anderem schon bereist auf seiner Suche nach besonderen Gebäuden.

Fotostrecke

Architektur von Frankreich bis Südkorea: Reine Formsache

Bevor er eine Stadt besucht, recherchiert der Fotograf online, wo sich architektonisch spannende Gebäude befinden. Seit einer Weile nutzt er auch Instagram, um interessante Motive zu finden. Einige sind leicht zu finden, da sie jeder kennt. "Aber manche meiner Lieblingsfotos passieren einfach an zufälligen Orten, die ich beim Spaziergang durch die Städte finde", sagt er.

Gallardo Albajars Favorit ist aktuell ein Gebäude von Zaha Hadid: Der Dongdaemun Design Plaza, Seouls neuestes Wahrzeichen. Der futuristische Bau mit seinen organischen Formen wurde 2014 fertiggestellt. Die geschwungene Linienführung des Gebäudes orientierte die Pritzker-Preisträgerin an der alten Stadtmauer von Seoul. Gallardo Albajar nutzte einen längeren Aufenthalt in der südkoreanischen Hauptstadt, um die Sehenswürdigkeit aus verschiedenen Perspektiven und zu unterschiedlichen Zeiten zu fotografieren.

Meist fotografiert Gallardo Albajar aber von der Straße aus. Doch wann immer sich eine Möglichkeit ergibt, versucht er auch, einen höheren Standpunkt einzunehmen. Etwa indem er sich in ein anderes Gebäude begibt. Nur aus verschiedenen Blickwinkeln kann er auf seinen Bildern alle geometrische Formen, Linien, wiederkehrende Muster, Schatten und architektonische Details zeigen.

Zuletzt war Gallardo Albajar zwei Monate in Taiwan unterwegs. Die nächsten Fotos, die er zeigen wird, sind in Taipeh und Taichung entstanden. Welche Gebäude er dort fotografiert hat, möchte er allerdings noch nicht verraten. Die gibt es demnächst auf seinem Instagram-Account zu sehen.

insgesamt 8 Beiträge
noalk 12.07.2019
1. Stadtlandschaft
Was für ein Wort! Ein Widerspruch in sich. Es handelt sich wohl eher um Stadtansichten. Mir sind Landlandschaften lieber.
Was für ein Wort! Ein Widerspruch in sich. Es handelt sich wohl eher um Stadtansichten. Mir sind Landlandschaften lieber.
Heimratt 12.07.2019
2. Was ist an dem Suchen von Perspektiven Kunst?
Die Künstler der Perspektive wie Bernardo Bellotto, genannt Canaletto lebten im 18. Jahrh.. Maurits Cornelis Escher wirkte und verwirrte im letzten Jahrhundert mit seinen Perspektiven.
Die Künstler der Perspektive wie Bernardo Bellotto, genannt Canaletto lebten im 18. Jahrh.. Maurits Cornelis Escher wirkte und verwirrte im letzten Jahrhundert mit seinen Perspektiven.
Referendumm 12.07.2019
3. M.C. Escher
Ja, M.C. Escher ist ein wahrer Künstler; vor allem dann, wenn man mal nachgelesen hat, wie lange und intensiv er sich mit der Umsetzung seiner speziellen Perspektiven auseinander gesetzt hatte. Viele denken ja, der hätte das [...]
Zitat von HeimrattDie Künstler der Perspektive wie Bernardo Bellotto, genannt Canaletto lebten im 18. Jahrh.. Maurits Cornelis Escher wirkte und verwirrte im letzten Jahrhundert mit seinen Perspektiven.
Ja, M.C. Escher ist ein wahrer Künstler; vor allem dann, wenn man mal nachgelesen hat, wie lange und intensiv er sich mit der Umsetzung seiner speziellen Perspektiven auseinander gesetzt hatte. Viele denken ja, der hätte das in einem, zwei Tagen hingemalt - ne, ne, das dauerte dann doch sehr viel länger. Ansonsten: "Scharfe" Schnitte bringen es in der Fotografie halt immer; egal ob bei Gebäuden, "Landlandschaften" (danke fürs Bonmot !) oder bei Porträtaufnahmen. Ich wette, die meisten 08/15-Fotos (inkl. schnell gemachten Urlaubfotos) lassen sich durch "Scharfe" Schnitte zu 100 Prozent verbessern. Probiert es einfach mal selber aus!
Papazaca 12.07.2019
4. Was erwarte ich von Architekturfotografie?
Als erstes ist es für mich Information, ich will das Gebäude kennenlernen, den Architekten verstehen. Dem sollte sich der Fotograf unterordnen. Hier ist das anders. Bis zu dem Punkt, wo ich nicht mehr weiß, wer der Architekt [...]
Als erstes ist es für mich Information, ich will das Gebäude kennenlernen, den Architekten verstehen. Dem sollte sich der Fotograf unterordnen. Hier ist das anders. Bis zu dem Punkt, wo ich nicht mehr weiß, wer der Architekt war, denn es geht in erster Linie um die Fotografie. Richtig, das hier ist auch Architekturfotografie, aber hier ist der Fotograf der Star, nicht die Architektur. Das interessiert mich aber erst in zweiter Linie, denn die ganze Welt ist voller Symmetrien, Perspektiven etc. die beschränken sich nicht nur auf die Architektur. Das ist natürlich absolut legitim aber nicht mein Bier, die vorgestellte Architektur von Hadid verstehe ich deswegen trotzdem nicht, ich sehe nur interessant komponierte Fotos. Not for me.
neanderspezi 12.07.2019
5. Die Moderne wirkt dennoch langweilig gegenüber älteren Strukturen
Mit Bauklötzchen und einer Lichtquelle lassen sich auch sehr interessante Effekte erzielen, nicht umsonst spielen die Kleinen gern damit. Architektonisch ausgefallene neuzeitliche Bauwerke oder Teile davon, können kurzfristig [...]
Mit Bauklötzchen und einer Lichtquelle lassen sich auch sehr interessante Effekte erzielen, nicht umsonst spielen die Kleinen gern damit. Architektonisch ausgefallene neuzeitliche Bauwerke oder Teile davon, können kurzfristig auf den Betrachter faszinierend oder auch verwirrend wirken, haben aber zugleich infolge abstrakter Assoziationen, die Eigenschaft den Blick nicht lange fesseln zu können und mit unfreiwilliger Gleichgültigkeit honoriert zu werden. Das Auge des Betrachters ist gewöhnlich nicht so sehr auf Effekthascherei aus, sondern auf harmonische Gesamteindrücke, die eine tiefe und lang anhaltende Wirkung zeigen. Man kann das leicht beobachten, in dem man alte Stadtzentren mit einem Ensemble gut erhaltenen Bauwerken besucht, teilweise können auch Ruinen große Aufmerksamkeit wecken, wobei zumeist ein detailreiches Konglomerat aus Fassaden, Erkern, Türmchen und Giebeln reich an harmonisch zusammengestellten Formen und Farben den Betrachter verweilen lässt. Ein ausgefallenes modernes Etwas kann dagegen nicht bestehen.

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