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Stil

China-kritische T-Shirts

Ärger für Versace und Coach

Schon wieder Ärger für Modefirmen in China. Diesmal geht es nicht um rassistische Werbekampagnen oder kulturelle Aneignung, sondern um China-kritische Botschaften auf T-Shirts von Versace und Coach.

DPA

Besucher vor einem Versace-Shop in Macau

Montag, 12.08.2019   16:21 Uhr

Die Modemarken Versace und Coach haben sich für T-Shirts entschuldigt, die bei zahlreichen chinesischen Internet-Nutzern für Ärger gesorgt hatten. Die US-Firma Coach erklärte am Montag, sie sei sich der "Ernsthaftigkeit" ihres Fehlers "vollends bewusst" und bereue ihn "zutiefst". Die italienische Firma Versace betonte, sie "liebe China". Auslöser waren in beiden Fällen T-Shirt-Motive, die Hongkong und Macau als unabhängige Staaten zeigen und nicht als chinesische Sonderverwaltungszonen.

Vor dem Hintergrund der derzeitigen Peking-kritischen Massenproteste in Hongkong war am Sonntag in chinesischen Onlinediensten der Streit um die Versace-T-Shirts ausgebrochen. Darauf sind Städte-Länder-Paarungen abgedruckt, zum Beispiel "New York-USA" und "Beijing-China". Hongkong und Macau werden dargestellt als "Hong Kong-Hong Kong" und "Macao-Macao" (englische Schreibweisen, Anm. d. Red.). Zahlreiche Internetnutzer protestierten deshalb gegen Versace und forderten die Firma auf, den chinesischen Markt zu verlassen.

Das Werbegesicht der Marke in der Volksrepublik, die chinesische Schauspielerin Yang Mi, zeigte sich ebenfalls empört über das Kleidungsstück und kündigte die Zusammenarbeit mit Versace. Die Marke stehe "im Verdacht, die Souveränität unseres Landes zu beschädigen", erklärte sie. Der Hashtag #YangMiStopsWorkingWithVersace erhielt bislang mehr als 900 Millionen Aufrufe im chinesischen Kurznachrichtendienst Weibo.

Versace reagierte am Sonntag. Per Weibo-Nachricht erklärte die Firma den "entschiedenen Respekt" gegenüber der "nationalen chinesischen Souveränität". Die T-Shirts seien aus dem offiziellen Vertrieb genommen und am 24. Juli "zerstört" worden. Donatella Versace bat auf Instagram um Entschuldigung. "Niemals wollte ich Chinas nationale Souveränität missachten und deshalb wollte ich mich persönlich für diese Ungenauigkeit und die damit verbundenen Unannehmlichkeiten entschuldigen", erklärte sie.

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“I am deeply sorry for the unfortunate recent error that was made by our Company and that is being currently discussed on various social media channels. Never have I wanted to disrespect China’s National Sovereignty and this is why I wanted to personally apologize for such inaccuracy and for any distress that it might have caused.” @donatella_versace

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Altes T-Shirt, neuer Protest

Am Montag kursierten dann Bilder von Coach-T-Shirts aus einer Kollektion des vergangenen Jahres, auf denen Taiwan sowie Hongkong als unabhängig dargestellt wurden. Coach sprach in einer offiziellen Entschuldigung von einer "ernsthaften Ungenauigkeit".

Die chinesische Coach-Botschafterin, das Model Liu Wen, brach daraufhin die Kooperation mit dem US-Unternehmen ab. "Chinas nationale Souveränität und territoriale Integrität sind heilig und unverletzbar!", schrieb sie im Kurzbotschaftendienst Weibo.

Taiwan hatte sich nach der Machtübernahme durch die Kommunisten 1949 von China getrennt, aber nie formell seine Unabhängigkeit erklärt. Die Volksrepublik betrachtet die Inselrepublik Taiwan als sein eigenes Territorium, das eines Tages wieder mit dem Festland vereinigt werden soll.

Chinesische Behörden verschärfen ihre Maßnahmen

2018 hatte sich bereits der US-Einzelhändler Gap in China für den Verkauf von T-Shirts mit einer "falschen Karte" von China entschuldigt, weil Taiwan und Teile des Südchinesischen Meers fehlten.

Seit Aufflammen der Proteste in Hongkong haben die chinesischen Behörden die Maßnahmen gegen Firmen verschärft, die sich - tatsächlich oder vermeintlich - auf die Seite der Regierungsgegner geschlagen haben. So sieht sich die Hongkonger Fluggesellschaft Cathay Pacific Forderungen aus Festland-China gegenüber, Mitarbeiter, die sich an den Protesten beteiligt haben, nicht auf Flügen im chinesischen Luftraum arbeiten zu lassen.

löw/dpa/AFP

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