Schrift:
Ansicht Home:
Wirtschaft

Berliner Skandalflughafen

Hunderte Millionen Euro für Bauberatung beim BER

Der geplante Hauptstadtflughafen BER ist ein legendär teures Projekt. Nach SPIEGEL-Informationen verdienen daran auch Berater und Gutachter sehr viel Geld.

Bernd Settnik/DPA

Baustelle des Hauptstadtflughafens BER: "Außerbilanzielle Geschäfte"

Von
Freitag, 27.09.2019   18:02 Uhr

Die Berliner Flughafengesellschaft FBB hat nach SPIEGEL-Informationen im Jahr 2018 insgesamt 174 Millionen Euro für Berater- und Gutachterleistungen bereitgestellt, aber nicht bilanziert. Ein Jahr zuvor waren es sogar 346 Millionen Euro.

Titelbild

Mehr dazu im SPIEGEL

Heft 40/2019
Der Deal zu viel
Warum die Ukraine-Affäre Donald Trump das Amt kosten kann

Die Summen werden nur im Anhang des Geschäftsberichtes als "außerbilanzielle Geschäfte" erwähnt, sind also nicht Bestandteil der Konzernbilanz. Ein Sprecher sagte auf Anfrage, es handle sich im Wesentlichen um Leistungen für den Skandalflughafen BER, etwa Technische Infrastruktur und die Ausbauprojekte.

Mangelnde Transparenz hat auch der emeritierte Wirtschaftsprofessor Hans Georg Gemünden festgestellt. Er hat das Rechenwerk der Flughafengesellschaft analysiert und mit den Unterlagen anderer deutscher Airports verglichen. Während die Flughafengesellschaften Hamburg und Düsseldorf mit der Luftfahrt immerhin kleine Gewinne erwirtschaften, produziert der Berliner Flugbetrieb seit 2006 nur Verluste - bis heute 1,59 Milliarden Euro.

Der bilanzierte Wert des seit mehr als sieben Jahren brachliegenden BER habe sich aber von 2011 bis 2018 nahezu verdoppelt, von 2,5 Milliarden auf 4,9 Milliarden Euro. Gemünden hält das für womöglich "weit überhöht". Er rechne damit, dass die Manager zur Inbetriebnahme des BER eine erhebliche Wertberichtigung vornehmen müssen, "weil zwar viel verbaut, aber schließlich kein neuer Flughafen seitdem gebaut wurde".

Die Betreiber beteuern dagegen, korrekt nach "handelsrechtlichen Vorschriften" gehandelt zu haben.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL-Magazin - am Kiosk erhältlich ab Samstagmorgen und immer freitags bei SPIEGEL+ sowie in der digitalen Heft-Ausgabe.

Was im neuen SPIEGEL steht und welche Geschichten Sie bei SPIEGEL+ finden, erfahren Sie auch in unserem kostenlosen Politik-Newsletter DIE LAGE, der sechsmal in der Woche erscheint - kompakt, analytisch, meinungsstark, geschrieben von den politischen Köpfen der Redaktion.

insgesamt 13 Beiträge
majonga 27.09.2019
1. Murmeltier?
und täglich grüßt das Murmeltier... Es ist ja richtig dass Flughäfen von Diktatoren schneller, wirklich schneller, fertig gebaut werden, aber irgendwann muss es ein Ende geben. Es kann nicht sein dass Steuergelder in ein Fass [...]
und täglich grüßt das Murmeltier... Es ist ja richtig dass Flughäfen von Diktatoren schneller, wirklich schneller, fertig gebaut werden, aber irgendwann muss es ein Ende geben. Es kann nicht sein dass Steuergelder in ein Fass ohne Boden absickert. Es sollte ein Cut geben. ein für allemal
escherischiacoli 27.09.2019
2. Wie bitte
sollen denn Gewinne erwirtschaftet werden wenn kein Flugbetrieb möglich ist? Da sind ja die Fixkosten schon gigantisch. Dieses traurige Denkmal behördlicher, staatlicher und privatwirtschaftlicher Mauschelei und Unfähigkeit [...]
sollen denn Gewinne erwirtschaftet werden wenn kein Flugbetrieb möglich ist? Da sind ja die Fixkosten schon gigantisch. Dieses traurige Denkmal behördlicher, staatlicher und privatwirtschaftlicher Mauschelei und Unfähigkeit wird sicher auch 2020 nicht eröffnen. Und niemanden in der Politik scherts. Ich schäme mich für mein Land.
Roggi Doggu 27.09.2019
3. Wer Berlin kennt ...
der weiss, dass die wurschtige Schlamp- und Schluderei, vermutlich durch die langen Jahre des an der Westnuckelflasche-Hängens, zum beständigen Charakterzug dieser Stadt geworden ist. Mit dem ehemaligen Bürgermeister Wowereit [...]
der weiss, dass die wurschtige Schlamp- und Schluderei, vermutlich durch die langen Jahre des an der Westnuckelflasche-Hängens, zum beständigen Charakterzug dieser Stadt geworden ist. Mit dem ehemaligen Bürgermeister Wowereit als Oberhaupt der Kungelei und der Vetternwirtschaft, wundere ich mich deshalb nur noch darüber, daß das außerhalb Berlins tatsächlich für Überraschung sorgt.
taglöhner 27.09.2019
4. To big to fail
Ich sehe das so: Diese Gesellschaft hat überhaupt nicht den Anspruch, für sich Gewinn zu erwirtschaften oder gar einen Flugbetrieb zu unterhalten. Hier wird umverteilt. Dass politische Entscheidungsträger persönlich [...]
Ich sehe das so: Diese Gesellschaft hat überhaupt nicht den Anspruch, für sich Gewinn zu erwirtschaften oder gar einen Flugbetrieb zu unterhalten. Hier wird umverteilt. Dass politische Entscheidungsträger persönlich geschützt sind, sehe ich ja ein. Aber dass dieses Schmierenstück nicht vor einem öffentlichen Tribunal unter Klärung der persönlichen Fehlleistungen abgewickelt wird, empfinde ich als sehr unbefriedigend.
jonath2010 27.09.2019
5. Man gönnt sich ja sonst nichts
Chaos-Flughafen Berlin - ein Fass ohne Boden. Das hindert die Mitglieder des Berliner Abgeordnetenhauses aber nicht, sich selber einen satten Aufschlag von 60 Prozent auf die bisherigen Diäten zu gönnen. Diese steigen von bisher [...]
Chaos-Flughafen Berlin - ein Fass ohne Boden. Das hindert die Mitglieder des Berliner Abgeordnetenhauses aber nicht, sich selber einen satten Aufschlag von 60 Prozent auf die bisherigen Diäten zu gönnen. Diese steigen von bisher 3.944 Euro auf 6.250 Euro im Monat. In namentlicher Abstimmung votierten die Fraktionen von SPD, Linken, CDU, FDP sowie die meisten Grünen dafür. Neben der AfD stimmten drei Grünen-Abgeordnete dagegen. Die neue Vergütungsregelung tritt im nächsten Jahr in Kraft.

Verwandte Artikel

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung
TOP