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Wirtschaft

Krankenversicherung

Diese 18 Krankenkassen wollen ab Januar die Beiträge senken

Gesetzlich Krankenversicherte zahlen bald weniger: Ab Januar müssen die Arbeitgeber die Hälfte der Zusatzbeiträge übernehmen. Darüber hinaus wollen 18 Kassen die Beiträge zusätzlich senken.

DPA

Symbolbild

Dienstag, 11.12.2018   05:37 Uhr

Im Jahr 2019 wird die Krankenversicherung für die meisten gesetzlich Versicherten deutlich günstiger. So sinkt für Selbstständige mit geringem Einkommen der Mindestbeitrag: Bislang lag er bei monatlich 356 Euro, ab dem kommenden Monat sind es 160 Euro.

Viele Angestellte werden ebenfalls entlastet: In Zukunft übernehmen Arbeitgeber nicht mehr nur wie bisher die Hälfte des allgemeinen Beitragssatzes von 14,6 Prozent, sondern auch die Hälfte des Zusatzbeitrags, den die Versicherten bislang allein schultern mussten. Für einen Arbeitnehmer mit 3000 Euro Monatseinkommen brutto macht das bei einem Zusatzbeitrag von einem Prozent eine Ersparnis von immerhin 180 Euro im Jahr, hat die Stiftung Warentest errechnet.

Dazu kommt: Bislang 18 Kassen haben gegenüber "Finanztest" - dem Finanzmagazin der Stiftung Warentest - in Aussicht gestellt, ab Januar den Zusatzbeitrag insgesamt zu senken, den sie erheben. Zwei Kassen wollen ihre Beiträge hingegen erhöhen. Hinzu kommt die Viactiv KK. Sie taucht nicht in der Tabelle auf, weil sie die Beiträge zum Jahreswechsel konstant hält, hat aber angekündigt, ihren Beitrag ab April um 0,5 Prozentpunkte abzusenken.

In der Tabelle finden Sie die 18 Kassen, die ihre Beiträge senken wollen. Am Ende stehen die beiden Krankenkassen, die eine Erhöhung angekündigt haben. Dort, wo die Höhe der Beitragsveränderung noch unklar ist, ist die Richtung der Veränderung in Form eines Zeichens für "größer" (>) beziehungsweise "kleiner" (<) dargestellt.

Bei allen Kassen müssen die beabsichtigten Änderungen des Zusatzbeitrags allerdings noch durch den Verwaltungsrat sowie den Aufsichtsbehörden bestätigt werden. Im Detail sind also noch Abweichungen möglich.

Krankenkassen Zusatzbeiträge

Krankenkasse Beitrag ab Januar 2019 (in Prozent) davon: Zusatzbeitrag Beitrag im Dezember 2018 (in Prozent) davon: Zusatzbeitrag
AOK Bremen/ Bremerhaven 15,3 0,7 15,4 0,8
AOK Hessen 15,5 0,9 15,6 1
AOK Rheinland/ Hamburg 15,7 1,1 16 1,4
Bergische KK 15,75 1,15 15,99 1,39
Bertelsmann BKK
<15,8
<1,2
15,8 1,2
BKK Firmus 15,04 0,44 15,2 0,6
BKK Freudenberg 15,3 0,7 15,5 0,9
BKK Gildemeister Seidensticker 15,7 1,1 15,8 1,2
BKK Melitta Plus 15,5 0,9 15,7 1,1
BKK Verbund Plus
<15,3
<0,7
15,3 0,7
Continentale BKK 15,7 1,1 15,9 1,3
Debeka BKK 15,4 0,8 15,5 0,9
hkk
<15,19
<0,59
15,19 0,59
mhplus BKK 15,58 0,98 15,7 1,1
Salus BKK 15,39 0,79 15,55 0,95
Securvita 15,7 1,1 16,3 1,7
TK
<15,5
<0,9
15,5 0,9
WMF BKK 15,5 0,9 15,7 1,1
BKK Wirtschaft und Finanzen
>15,7
>1,1
15,7
1,1
TBK Thüringer BKK
15,5
0,9
15,4
0,8

Quelle: Stiftung Warentest

Laut Stiftung Warentest empfiehlt sich ein Vergleich der Konditionen - und gegebenenfalls ein Wechsel. "Jede Krankenkasse, die in Ihrem Bundesland geöffnet ist, muss Sie annehmen - unabhängig vom Alter und laufenden Behandlungen", so "Finanztest".

Zum vollständigen Kassen-Check von "Finanztest" geht's hier.

Anmerkung der Redaktion: Wir haben klargestellt, dass die Senkung beziehungsweise Anhebung des Zusatzbeitrags bei allen Kassen noch durch Verwaltungsrat und Aufsichtsbehörde bestätigt werden muss. Im Detail sind daher noch Änderungen denkbar.

beb

insgesamt 37 Beiträge
sir-timber 11.12.2018
1. Zuckerbrot und Peitsche
Auf dem Papier sieht es natürlich toll aus wenn Beiträge gesenkt werden! Das Aber eine Überarbeitung des DRG Systemes notwendig ist und nicht eine Senkung im Schnitt von 0,198% (aufgenommen wurden alle Werte welche sich [...]
Auf dem Papier sieht es natürlich toll aus wenn Beiträge gesenkt werden! Das Aber eine Überarbeitung des DRG Systemes notwendig ist und nicht eine Senkung im Schnitt von 0,198% (aufgenommen wurden alle Werte welche sich reduziert haben n=14). Außerdem erscheinen die erhöhenden Krankenkassen auf den zweiten Blick schon garnicht mehr so böse... Sie gleichen halt ihren bisher geringeren Beitrag an. Für den Leser könnte noch die Differenz der jeweiligen Senkungen/Erhöhungen interessant sein! Aber man muss dem Leser ja nicht alles vorkauen ;)
derseher 11.12.2018
2. sehr witzig..
180 Euro im Jahr, machen die sich da nicht lächerlich...so wird das in D nie was, so geht es aber in allen Bereichen, bis hier auch die gelben Westen kommen, wird Zeit. Denn, alle anderen stopfen sich die Taschen voll, bloss, [...]
180 Euro im Jahr, machen die sich da nicht lächerlich...so wird das in D nie was, so geht es aber in allen Bereichen, bis hier auch die gelben Westen kommen, wird Zeit. Denn, alle anderen stopfen sich die Taschen voll, bloss, die "normalen" Bürger, Rentner, gucken überall in die Röhre!! Tach auch..
schlaumeier79 11.12.2018
3. Irrtum
Für eine Vielzahl von Versicherten insbesondere alle Leistungsträger der Kassen, also diejenigen die die Beitragsbemessung überschreiten, steigen selbst bei einer Senkung des Kassensatzes um 0,2 die Beiträge! Werfen sie am [...]
Für eine Vielzahl von Versicherten insbesondere alle Leistungsträger der Kassen, also diejenigen die die Beitragsbemessung überschreiten, steigen selbst bei einer Senkung des Kassensatzes um 0,2 die Beiträge! Werfen sie am Besten einen Blick auf Ihren Lohnzettel Januar 19 im Vergleich zu Dez. 18.... schwach recherchiert!
Remannzipation 11.12.2018
4. Trittbrettfahrer
Auch die PKVen steigen gerne mit ein und fahren Trittbrett. Meine PKV, die Hallesche, hat zum wiederholten Mal die Beiträge kräftig angehoben, diesmal jedoch nur um 10%.
Zitat von schlaumeier79Für eine Vielzahl von Versicherten insbesondere alle Leistungsträger der Kassen, also diejenigen die die Beitragsbemessung überschreiten, steigen selbst bei einer Senkung des Kassensatzes um 0,2 die Beiträge! Werfen sie am Besten einen Blick auf Ihren Lohnzettel Januar 19 im Vergleich zu Dez. 18.... schwach recherchiert!
Auch die PKVen steigen gerne mit ein und fahren Trittbrett. Meine PKV, die Hallesche, hat zum wiederholten Mal die Beiträge kräftig angehoben, diesmal jedoch nur um 10%.
derechtepeter 11.12.2018
5. Wie wäre Ihr Kommentar wenn es 180 Euro mehr Beitrag wären?
Ja 180,- Euro Ersparnis im Jahr ist kein riesiger Betrag aber ich frage mich was Sie schreiben würden wenn der Beitrag steigen würde, egal um welchen Betrag.
Zitat von derseher180 Euro im Jahr, machen die sich da nicht lächerlich...so wird das in D nie was, so geht es aber in allen Bereichen, bis hier auch die gelben Westen kommen, wird Zeit. Denn, alle anderen stopfen sich die Taschen voll, bloss, die "normalen" Bürger, Rentner, gucken überall in die Röhre!! Tach auch..
Ja 180,- Euro Ersparnis im Jahr ist kein riesiger Betrag aber ich frage mich was Sie schreiben würden wenn der Beitrag steigen würde, egal um welchen Betrag.

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Chronologie der Gesundheitsreformen

1977: Die Kürzungen beginnen
Es dauert fast drei Jahrzehnte, bis es in der Bundesrepublik zur ersten größeren Gesundheitsreform kommt: Mit dem "Kostendämpfungsgesetz" der sozial-liberalen Koalition versucht die Regierung, die Inanspruchnahme von Leistungen zu steuern: Sie führt Zuzahlungen bei Arznei-, Verbands- und Heilmitteln ein - in Höhe des aus heutiger Sicht niedlichen Betrags von einer Mark pro Medikament.
1983: Auch die Rentner müssen zahlen
Mit zwei Reformen zu Beginn der achtziger Jahre werden die Zuzahlungen durch die Versicherten erhöht. Auch für die Rentner sind die rosigen Zeiten vorbei. Konnten sie sich zuvor kostenlos versichern, müssen sie seit 1983 auch einen einkommensabhängigen Beitrag leisten.
1989: Der erste Rundumschlag
Mit dem "Gesundheitsreformgesetz" von Norbert Blüm geht es ans Eingemachte: Die Eigenbeteiligung der Patienten wird weiter erhöht - etwa bei Arzneimitteln, im Krankenhaus und beim Zahnersatz. Erstmals unternimmt die Regierung auch den Versuch, die Kosten für Medikamente mit radikalen Maßnahmen in den Griff zu bekommen, indem sie Bagatallmedikamente aus dem Leistungskatalog streicht und Festbeträge für Arzneimittel einführt. Seither zahlen die Kassen nicht mehr automatisch jeden Preis für Tabletten und Co., sondern nur noch einen Höchstbetrag. Verschreibt der Arzt ein teureres Mittel, muss der Patient die Differenz zahlen. Trotz dieses Rundumschlags an Kosteneinsparungen sind die Beiträge jedoch nur für kurze Zeit stabil.
1993: Die Leistungen werden budgetiert
Gesundheitsminister Horst Seehofer verfolgt mit dem "Gesundheitsstrukturgesetz" 1993 erneut das Ziel, die Beiträge der gesetzlichen Krankenkassen in den Griff zu bekommen. Um den Anstieg der Leistungsausgaben besser zu kontrollieren, werden sie für einen begrenzten Zeitraum budgetiert. Gleichzeitig erhöht die Regierung erneut die Selbstbeteiligung bei Arznei- und Verbandsmitteln. Das Projekt einer Positivliste, die alle erstattungsfähigen Medikamente benennt, scheitert allerdings. Auch deshalb wird das Reformziel stabiler Beiträge erneut nur für wenige Jahre erreicht.
1997: Zahnersatz bitte selbst zahlen
Die "GKV-Neuordnungsgesetze" stehen ebenfalls in der Tradition ihrer Vorgängerinnen: Patienten müssen sich an den Kosten für Arznei- und Heilmittel, Krankenhaushaufenthalte und Fahrten etwa vom Krankenhaus noch stärker beteiligen. Jüngere Jahrgänge bekommen außerdem geringere Kassenzuschüsse beim Zahnersatz.
1999: Rot-Grün wagt den Leistungsausbau
Mit dem "Solidaritätsstärkungsgesetz" bringt erstmals seit rund zwei Jahrzehnten eine Gesundheitsreform wieder ein Mehr an Leistungen. So werden unter anderem die Zuzahlungen für die Patienten gesenkt. Gleichzeitig führt die rot-grüne Koalition aber zur Begrenzung des Ausgabenwachstums erneut Budgets für Arzthonorare, Krankenhäuser und Arzneimittel ein.
2004: SPD und Union bitten zur Kasse
Nachdem die rot-grüne Regierung in den Folgejahren ebenfalls zum Leistungsabbau umgeschwenkt ist, wagt sie in Kooperation mit dem unionsdominierten Bundesrat ähnlich wie 1989 einen Kostendämpfungsrundumschlag: Das "Gesetz zur Modernisierung der gesetzlichen Krankenversicherung" sieht unter anderem vor, dass Patienten eine Praxisgebühr von zehn Euro pro Quartal zahlen müssen, verschreibungsfreie Medikamente gar nicht mehr erstattet werden und die Selbstbeteiligung bei erstattungsfähigen Arznei- und Heilmitteln zehn Prozent der Kosten (maximal zehn Euro) beträgt.
2005: Paritätische Finanzierung am Ende
Aus für ein Prinzip, das seit 1883 in Deutschland bestand: Wurden die Beitäge zur Krankenversicherung zuvor paritätisch finanziert, also jeweils zur Hälfte durch den Arbeitgeber und den Arbeitnehmer, müssen die Versicherten nun einen Sonderbeitrag in Höhe von 0,9 Prozent zahlen.
2009: Der Gesundheitsfonds kommt
Zum Jahresbeginn 2009 ändert sich die Finanzierung der Krankenkassen grundlegend: Konnten die Versicherungen bislang ihren Beitragssatz weitgehend selbst festlegen, wird dieser künftig einheitlich von der Regierung bestimmt. Die Beiträge der Arbeitgeber und Arbeitnehmer mitsamt Steuerzuschuss fließen nun in den Gesundheitsfonds. Die Krankenkassen erhalten dann Pauschalen pro Versichertem von dieser gigantischen Geldsammelstelle. Weitere Änderung: Jeder Bürger muss eine Krankenversicherung abschließen.
2009: Das Krankenhausfinanzierungsgesetz wird umgestellt
Die Finanzierung der Länder für Investitionen, die mit dem Krankenhausfinanzierungsgesetz 1972 eingeführt worden ist, wird auf leistungsbezogene Investitionspauschalen umgestellt. Dazu wird ein Orientierungswert eingeführt und die Anbindung an die Grundlohnsumme abgelöst. Der Orientierungswert berücksichtigt die Kostenstrukturen der Krankenhäuser.
2011: Neue Medikamente werden grundlegend geprüft (AMNOG)
Die Preisgestaltung für neu auf den Markt kommende Medikamente ändert sich mit dem Arzneimittelneurordnungsgesetz (AMNOG) grundlegend. Ein Pharmahersteller kann die Preise für patentgeschützte Medikamente zwar zunächst wie bisher frei festsetzen. Spätestens drei Monate danach muss er allerdings den medizinischen Zusatznutzen seines Medikamentes im Vergleich zu bereits auf dem Markt befindlichen Mitteln nachweisen. Ergibt sich kein Zusatznutzen, unterliegt das Medikament der Festbetragsregelung, bei einem nachgewiesenen Zusatznutzen muss der Pharmahersteller spätestens innerhalb eines Jahres nach Markteinführung mit dem GKV-Spitzenverband Preisverhandlungen führen. Grundlage für die Preisverhandlung ist eine Kosten-Nutzen-Bewertung des Medikamentes, die der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) oder in seinem Auftrag das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) erstellt.
2011: Der Beitragssatz steigt - das GKV-Finanzierungsgesetz
Diese Reform spüren vor allem die Versicherten: Der Beitragssatz in der gesetzlichen Krankenversicherung steigt um 0,6 Prozentpunkte auf 15,5 Prozent des Bruttoeinkommens. Davon zahlen die GKV-Mitglieder 8,2 Prozentpunkte, die Arbeitgeber 7,3 Prozent. Der Arbeitgeberbeitrag wird bei diesem Beitrag eingefroren. Künftige Ausgabensteigerungen sollen über Zusatzbeiträge finanziert werden, die die GKV-Mitglieder allein zu tragen haben. Kann eine Kasse ihre Kosten nicht mit den Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds decken, muss sie - wie bisher - einen Zusatzbeitrag erheben. Die Höhe des Zusatzbeitrages ist künftig nicht mehr limitiert.
2012: Das GKV-Versorgungsstrukturgesetz
Dieses Gesetz stellt dem Gemeinsamen Bundesausschuss der Krankenkassen und Ärzte weitere Aufgaben: Neue Behandlungsmethoden sollen auf ihren Nutzen hin überprüft werden, ohne sie in dieser Zeit der Patientenversorgung vorzuenthalten. Der GBA kann künftig neue nichtmedikamentöse Untersuchungs- und Behandlungsmethoden zeitlich begrenzt und unter kontrollierten Bedingungen erproben, um über eine eventuelle Aufnahme in den Leistungskatalog entscheiden zu können. Ebenfalls im Paket enthalten: Fachärzte werden verpflichtet, gesetzlich Versicherten angemessen und zeitnah Behandlungstermine anzubieten. Seit dem GKV-VStG können Versicherte auf Antrag von ihrer Krankenkasse eine Kostenaufstellung der in Anspruch genommenen ärztlichen und verordneten Leistungen in einem Zeitraum von mindestens 18 Monaten vor Antragstellung erhalten.

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