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Wirtschaft

"Werbelüge des Jahres"

Alete bekommt Goldenen Windbeutel

Sie werden als Säuglingsnahrung verkauft, bestehen aber zu einem Viertel aus Zucker: "Kinderkeks" von Alete erhalten den "Goldenen Windbeutel" 2017. Organisator Foodwatch spricht von Marketing am Rande der Körperverletzung.

Foodwatch

"Kinderkeks" von Alete

Dienstag, 28.11.2017   09:45 Uhr

Der "Goldene Windbeutel" von Foodwatch geht 2017 an Alete. Bei einer Online-Abstimmung sprachen sich demnach rund 50 Prozent der insgesamt 73.000 Teilnehmer für einen "Kinderkeks" des Herstellers aus, teilte die Verbraucherschutzorganisation am Dienstag mit.

Zur "dreistesten Werbelüge des Jahres" macht die Kekse aus Sicht von Foodwatch ein Zuckeranteil von 25 Prozent. Alete vermarkte das Produkt dennoch schon für Säuglinge ab dem achten Monat "zum Knabbernlernen". Dies widerspreche Empfehlungen von Medizinern, wonach Säuglinge und Kleinkinder keine Produkte mit zugesetztem Zucker essen sollen. "Alete nutzt sein positives Image bei Eltern aus, um auf Kosten der Kleinsten Kasse zu machen - das grenzt an Körperverletzung durch Irreführung", sagte Sophie Unger von Foodwatch.

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Foodwatch: Das waren die Kandidaten für den "Goldenen Windbeutel" 2017

Außer den Keksen standen bei der Wahl vier weitere Produkte zur Auswahl, denen Foodwatch irreführende Werbung vorwirft. Alete hatte als Reaktion auf die Nominierung angekündigt, "Kinderkeks" auf der Packung nicht länger als "babygerecht" zu bezeichnen. Unger bezeichnete dies jedoch als "absurd", da der Hersteller die Kekse weiterhin für Babys empfehle. "Der Fall macht deutlich: Wir brauchen dringend bessere gesetzliche Vorgaben für Babylebensmittel."

Alete erhielt den zum siebten Mal vergebenen "Goldenen Windbeutel" bereits 2014 - damals für eine stark zuckerhaltige Trinkmahlzeit. Mit Blick auf die Nominierung von "Kinderkeks" verwies der Hersteller auf eine empfohlene Verzehrmenge von höchstens zwei Keksen pro Tag. Gleichzeitig gab die Firma an, der Keks könne schon ab dem sechsten Monat als Brei verfüttert werden, indem zwei bis drei Kekse in Saft oder Milch gebröselt werden.

dab

insgesamt 63 Beiträge
jotha58 28.11.2017
1. unglaublich
Zucker der nette Füllstoff. Überall und in nahezu jedem Lebensmittel steckt Zucker drin. Alete hat den goldenen Windbeutel völlig zu Recht bekommen. Allerdings möchte ich auch den Eltern etwas mehr Sorgfaltspflicht [...]
Zucker der nette Füllstoff. Überall und in nahezu jedem Lebensmittel steckt Zucker drin. Alete hat den goldenen Windbeutel völlig zu Recht bekommen. Allerdings möchte ich auch den Eltern etwas mehr Sorgfaltspflicht auferlegen. Es kann nicht so schwer sein, die Zutatenliste zu lessen. Im Zweifel im Regal liegen lassen. Das omnipresente smartphone könnte hier endlich mal gute Dienste leisten und wenn ich als Verbraucher nicht erkennen kann, um welche Zutaten es sich handelt, dann schnelle ein Foto schießen und daheim nach suchen. Also der Hersteller umwirbt mich und ich bin nicht gezwungen jeden "Dreck" zu kaufen.
fatherted98 28.11.2017
2. tja...
....sicherlich kein gutes Marketing....Alete wird das Produkt aber nicht vom Markt nehmen....nächste Woche erinnert sich keiner mehr an diesen Artikel. Und die Eltern können schließlich lesen....was an Zucker und Co. in den [...]
....sicherlich kein gutes Marketing....Alete wird das Produkt aber nicht vom Markt nehmen....nächste Woche erinnert sich keiner mehr an diesen Artikel. Und die Eltern können schließlich lesen....was an Zucker und Co. in den Keksen drin ist, steht auf er Verpackung...ebenfalls die Kcal. Ein bisschen Eigenverantwortung sollte man den Menschen schon zutrauen.
Plasmabruzzler 28.11.2017
3.
Der Fall macht deutlich: "Wir brauchen dringend bessere gesetzliche Vorgaben für Babylebensmittel." Hier wird das Pferd von hinten aufgezäumt. Die Eltern stehen in erster Linie in der Verantwortung, was sie mit ihren [...]
Der Fall macht deutlich: "Wir brauchen dringend bessere gesetzliche Vorgaben für Babylebensmittel." Hier wird das Pferd von hinten aufgezäumt. Die Eltern stehen in erster Linie in der Verantwortung, was sie mit ihren Kindern machen und wie sie sie ernähren. Wer seinem Nachwuchs unreflektiert solche Nahrung anbietet und nicht einmal die Muße hat, die Zutatenliste kurz anzuschauen, dem kann man auch mit passenden Gesetzen nicht weiterhelfen. Die Zutatenliste steht ja nicht in Klingonisch auf der Packung, sondern auf Deutsch. "Zucker" sollte jedem sofort ins Auge springen und dann kann man sich überlegen, was man damit anfangen soll. Im Übrigen kann man Kese bzw. Plätzchen einfach selbst herstellen und dann weiß man, was drin ist. Ein bisschen Teig rühren, ausrollen, ausstechen und dann in den Backofen ist nun wirklich keine Raketenwissenschaft und ab einem gewissen Alter macht es auch den Kleinen Spaß beim Mithelfen.
mazzeltov 28.11.2017
4.
Ebenfalls nicht in Klingonisch, sondern in Deutsch, dafür aber deutlich größer als die üblicherweise kleingedruckte Zutatenliste, steht auf der Verpackung auch: "Kinderkeks" und "ab 8. Monat". Aber [...]
Zitat von PlasmabruzzlerDer Fall macht deutlich: "Wir brauchen dringend bessere gesetzliche Vorgaben für Babylebensmittel." Hier wird das Pferd von hinten aufgezäumt. Die Eltern stehen in erster Linie in der Verantwortung, was sie mit ihren Kindern machen und wie sie sie ernähren. Wer seinem Nachwuchs unreflektiert solche Nahrung anbietet und nicht einmal die Muße hat, die Zutatenliste kurz anzuschauen, dem kann man auch mit passenden Gesetzen nicht weiterhelfen. Die Zutatenliste steht ja nicht in Klingonisch auf der Packung, sondern auf Deutsch. "Zucker" sollte jedem sofort ins Auge springen und dann kann man sich überlegen, was man damit anfangen soll. Im Übrigen kann man Kese bzw. Plätzchen einfach selbst herstellen und dann weiß man, was drin ist. Ein bisschen Teig rühren, ausrollen, ausstechen und dann in den Backofen ist nun wirklich keine Raketenwissenschaft und ab einem gewissen Alter macht es auch den Kleinen Spaß beim Mithelfen.
Ebenfalls nicht in Klingonisch, sondern in Deutsch, dafür aber deutlich größer als die üblicherweise kleingedruckte Zutatenliste, steht auf der Verpackung auch: "Kinderkeks" und "ab 8. Monat". Aber selbstverständlich ist es einfacher, von Eltern zu fordern, sie möchten doch bitte die Ernährungsempfehlungen der WHO im Kopf haben und vor dem Kauf jeden Produktes mit den Mengenangaben der Zutatenliste gegenchecken (vorausgesetzt, sie haben eine Brille zur Hand...), als sich einfach darauf zu verständigen, beim Großgedruckten der Packung auf bewusste Irreführung zu verzichten.
hoppelkaktus 28.11.2017
5. @Plasmabruzzler, Beitrag 3
Die Zutatenliste steht nicht auf klingonisch auf der Packung, weil Klingonen so ein süßes Zeug sowieso nicht kaufen würden. Klingonen mögen keinen Zucker. Das ist nicht die richtige Nahrung für wahre Krieger.
Die Zutatenliste steht nicht auf klingonisch auf der Packung, weil Klingonen so ein süßes Zeug sowieso nicht kaufen würden. Klingonen mögen keinen Zucker. Das ist nicht die richtige Nahrung für wahre Krieger.

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