Schrift:
Ansicht Home:
Wirtschaft

13 Städte im Vergleich

Wo sich der Wohnungskauf noch lohnt

Der deutsche Immobilienmarkt läuft heiß. Doch jenseits der Toplagen können Käufer laut einer Auswertung von "Finanztest" in einigen Städten noch Schnäppchen machen. Der Überblick.

imago images / Schöning

In Berliner Stadtteilen wie Pankow sind die Wohnungspreise noch relativ günstig

Von
Mittwoch, 17.07.2019   08:43 Uhr

Wer in München oder Berlin eine Immobilie sucht, dürfte frustriert sein. Denn dort und in anderen Städten sind die Preise in den vergangenen Jahren regelrecht explodiert: In München etwa sind die Kaufpreise für Einfamilienhäuser zwischen 2008 und 2018 um sagenhafte 240 Prozent gestiegen. Bei Eigentumswohnungen lag das Plus bei 196 Prozent. Die niedrigen Zinsen und eine steigende Wohnungsnachfrage haben die Preise immer weiter nach oben getrieben.

Sind Kaufinteressenten angesichts dieser horrenden Preise zu spät dran? Nicht unbedingt. Eine neue Auswertung der Zeitschrift "Finanztest" zeigt, dass man trotz der hohen Preise den Traum vom Eigenheim nicht aufgeben muss. Die Experten haben eine Reihe von Städten ermittelt, in denen sich noch Schnäppchen machen lassen.

Dazu haben sie Daten vom Forschungsinstitut des Verbands deutscher Pfandbriefbanken ausgewertet. Sie basieren auf Verkäufen, die von rund 630 Banken finanziert wurden. Das Ergebnis: In mehr als zehn Großstädten lohnt es sich, statt in sehr guten auch in mittleren Lagen zu schauen. Dort sind die Preise im Vergleich zu sehr guten Lagen besonders günstig, weil sie in den vergangenen Jahren nicht ganz so stark gestiegen sind. Dementsprechend lassen sich noch ordentliche Renditen erwirtschaften.

In Berlin zahlt man demnach für eine Eigentumswohnung mit sehr guter Ausstattung in mittlerer Lage 4920 Euro pro Quadratmeter. Das sind etwa Stadtteile wie Charlottenburg-Nord, Hellersdorf und Pankow (siehe Karte). Dort sind die Preise rund 30 Prozent niedriger als in den beliebten Toplagen wie Grunewald, Heiligensee und Mitte.

Lagebeurteilung in Berlin

Beispiele für Stadtteile mit sehr guter, guter und mittlerer Lage

sehr gut
gut
mittel


Auch in Hamburg lässt sich ein starkes Preisgefälle beobachten. In den Toplagen werden mehr als 9000 Euro pro Quadratmeter fällig. Aber Stadtteile mit mittlerer Lage wie Harburg, Eidelstedt oder Wandsbek haben ein viel attraktiveres Preisniveau: Hier müssen Käufer für eine Eigentumswohnung 36 Prozent weniger zahlen.

Lagebeurteilung in Hamburg

Beispiele für Stadtteile mit sehr guter, guter und mittlerer Lage

sehr gut
gut
mittel


Ob ein Immobilienkauf aber generell sinnvoll ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab - etwa vom Kaufpreis, dem Eigenkapital sowie der Höhe der Zinsen. So sollten Käufer mindestens 10 bis 20 Prozent des Kaufpreises sowie alle Nebenkosten aus eigenen Mitteln stemmen können, empfiehlt "Finanztest".

Die Immobilienpreise sind zwar vielerorts gestiegen, doch die regionalen Unterschiede sind groß. So haben sich in Berlin die Kaufpreise für Wohnungen seit 2010 mehr als verdoppelt, bei Mehrfamilienhäusern sind die Preissteigerungen sogar noch höher. In solchen Lagen kann es passieren, dass die monatliche Belastung durch den Kauf höher ist als die monatliche Miete. Das sogenannte Kaufpreis-Miet-Verhältnis ist entscheidend bei der Frage, ob sich der Kauf finanziell lohnt. Das 25-fache der Jahresmiete bewerten die Experten als teuer.

Finanztipps für Einsteiger

Nach Einschätzung der Stiftung Warentest kann sich der Kauf einer Immobilie aber trotz der stark gestiegenen Preise rechnen, weil die Zinsen für den benötigten Kredit derzeit extrem niedrig sind. Wer sich etwa in Großstädten wie Düsseldorf, Köln und Nürnberg oder in der Region Hannover eine Mietwohnung leisten könne, "wird sich mit einem ausreichenden Grundstock an Eigenkapital auch den Kauf einer Wohnung leisten können", schreibt "Finanztest".

Zudem schwächt sich der Preisanstieg in den bislang als Preistreiber bekannten sieben größten deutschen Städten "klar ab". Der Untersuchung zufolge gehörten 2018 zu den zehn Städten mit den höchsten Preissteigerungen nicht mehr München, Köln und Stuttgart, sondern Dortmund, Essen und Bayreuth. Auch Hamburg ist nicht mehr unter den ersten zehn Städten, stärker stiegen die Preise in den Landkreisen Pinneberg und Segeberg sowie in Kiel und Flensburg.

Im Young-Money-Blog schreiben wir über Finanzthemen für Einsteiger. Abonnieren Sie den Newsletter direkt und kostenlos hier:

Ob man am Ende kauft oder mietet, ist auch immer eine persönliche Entscheidung. Vergleichszahlen können allerdings helfen - und vor den größten Fehlern schützen (mehr dazu lesen Sie hier).

insgesamt 64 Beiträge
Paddel2 17.07.2019
1. Empfehlungen zweifelhaft
Die Empfehlung von 20% Eigenkapital zzgl. der Deckung der Kaufnebenkosten teile ich nicht. Banken fordern in der Regel deutlich weniger und bieten dennoch geringe Zinsen. Mehr Eigenkapital kann zwar den Kreditzins senken, das [...]
Die Empfehlung von 20% Eigenkapital zzgl. der Deckung der Kaufnebenkosten teile ich nicht. Banken fordern in der Regel deutlich weniger und bieten dennoch geringe Zinsen. Mehr Eigenkapital kann zwar den Kreditzins senken, das heißt aber nicht, dass dieses Investment sinnvoll ist. In Zeiten niedriger Zinsen sind die Spielräume gering die Einschränkung des Eigenkapitals mindert Liquidität zu schlechten Konditionen. Ich empfehle wenig Eigenkapitaleinsatz mit langen Zinsbindungsphasen von 20 Jahren und hohen Tilgungsraten von mindestens 3%. Wer geringer tilgen möchte sollte dagegen durchaus mehr Eigenkapital einbringen um das Refinanzierungsrisiko in 20 Jahren zu senken.
muellerthomas 17.07.2019
2.
Zu den im Artikel genannten Preisen bekommt man weder in Düsseldorf, noch Dortmund, noch Frankfurt Neubauwohnungen.
Zu den im Artikel genannten Preisen bekommt man weder in Düsseldorf, noch Dortmund, noch Frankfurt Neubauwohnungen.
karlo1952 17.07.2019
3. Ein Wohnungskauf lohnt sich
immer, wenn man das notwendige Geld zur Verfügung hat, bzw. es von der Bank bekommt. Dazu bedarf es grundsätzlich keiner Schnäppchen, sondern nur einer Weranalyse. Zinsen zum jetzigen Zeitpunkt für 20 Jahre festgeschrieben, [...]
immer, wenn man das notwendige Geld zur Verfügung hat, bzw. es von der Bank bekommt. Dazu bedarf es grundsätzlich keiner Schnäppchen, sondern nur einer Weranalyse. Zinsen zum jetzigen Zeitpunkt für 20 Jahre festgeschrieben, zwischendurch ein paar Sondertilgungen, und die Immobilie ist nach spätestens 20 Jahren abbezahlt.
hjzu 17.07.2019
4. Tilgung ist sparen
Der Vergleich Miete mit Annuität bringt wenig denn die Annuität enthält ja auch ein Sparteil, den die Miete nicht hat. Ergo müsste man Zinsen und Unterhaltskosten für das im Eigentum befindliche Objekt, mit Miete vergleichen. [...]
Der Vergleich Miete mit Annuität bringt wenig denn die Annuität enthält ja auch ein Sparteil, den die Miete nicht hat. Ergo müsste man Zinsen und Unterhaltskosten für das im Eigentum befindliche Objekt, mit Miete vergleichen. Dann sieht die Rechnung auf Zugunsten Eigentum deutlich besser aus.
jujo 17.07.2019
5. ...
Für uns galt seinerzeit, das die monatliche Belastung für eine Immobilie nicht höher sein darf als die Miete für ein vergleichbares Objekt. Wenn das heute noch richtig ist? dann sollte man unbedingt kaufen! Wir haben [...]
Für uns galt seinerzeit, das die monatliche Belastung für eine Immobilie nicht höher sein darf als die Miete für ein vergleichbares Objekt. Wenn das heute noch richtig ist? dann sollte man unbedingt kaufen! Wir haben seinerzeit so gerechnet, das mit einem 20% geringerem (netto) Einkommen, die Belastung noch tragbar wäre.

Verwandte Artikel

Mehr im Internet

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung
TOP