Schrift:
Ansicht Home:
Wirtschaft

Nährwertgehalt

Lebensmittelindustrie will Produkte mit Kreisen statt Ampeln kennzeichnen

Im Streit über die Kennzeichnung von Lebensmitteln prescht die deutsche Industrie mit einem eigenen Vorschlag vor. Statt Farbcodes wie beim französischen Nutriscore-System sollen Diagramme die Orientierung erleichtern.

DPA

Supermarkt in Magdeburg (Archiv)

Donnerstag, 11.04.2019   12:26 Uhr

Die deutsche Lebensmittelindustrie setzt auf Kreisdiagramme, damit Verbraucher den Nährwertgehalt von Produkten leichter einordnen können. Die Diagramme sollen die Mengen an Kalorien, Fett, Zucker und Salz eines Produkts im Verhältnis zur empfohlenen Tagesmenge für einen durchschnittlichen Erwachsenen darstellen. Das teilte der Branchenverband Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL) mit.

BLL/BLL - Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde e.V./obs

Nährwerte im Kreisdiagramm

Die Bezugsgröße des Modells soll dabei grundsätzlich 100 Gramm oder Milliliter sein. Bei Packungen mit einer Füllmenge unter 100 Gramm oder Milliliter soll ein Portionsbezug demnach ebenfalls möglich sein.

Mit seinem neuen Modell tritt der BLL in Konkurrenz zu anderen Systemen wie der Lebensmittelampel oder dem Nutriscore. "Es gibt weltweit 150 Kennzeichnungsmodelle, davon 80 mit Nährwertbezug", teilte BLL-Präsident Stephan Nießner mit. Jedes habe seine Vor- und Nachteile, doch keines finde in der Branche mehrheitlich Unterstützung. Daher nun der eigene Vorschlag.

BLL will "subjektive Bewertung" vermeiden

Den Unternehmen sei es wichtig, dass ihr Modell Lebensmittel nicht in gut und schlecht unterteilt. "Eine subjektive Bewertung, beispielsweise durch die Verwendung von Ampelfarben, die den Verbrauchern eine Empfehlung suggerieren, lehnt der BLL angesichts unterschiedlicher Ernährungsgewohnheiten und -vorlieben ab."

Bei einer ausgewogenen Ernährung könnten Verbraucher Lebensmittel mit unterschiedlichem Nährwertgehalt kombinieren - "nicht nur Müsli, sondern auch Brot, nicht nur Fleisch, sondern auch Fisch, nicht nur Käse, sondern auch Wurst".

Die Kreisdiagramme werden allerdings nicht das Ende des Kennzeichnungsstreits sein. "Alle Unternehmen eint die Meinung, dass die Diskussion und das Bemühen um einen einheitlichen europäischen Ansatz weiter fortgesetzt werden sollte, denn unterschiedliche Kennzeichnungssysteme schaffen einen zersplitterten Binnenmarkt", teilte Nießner weiter mit. "Das ist das, was sich die Lebensmittelwirtschaft am allerwenigsten leisten kann."

Fotostrecke

Nutri-Score-Vergleichstest: So unterschiedlich werden die Lebensmittel bewertet

Die Verbraucherorganisation Foodwatch fordert die Hersteller auf, auf den sogenannten Nutriscore umzusteigen - einen fünfstufigen Farbcode von Grün nach Rot, den etwa Frankreich, Belgien und Spanien unterstützen. Dabei werden verschiedene Inhaltsstoffe wie Salz, Zucker und Fruchtgehalt mit Punkten bewertet und zu einem Score verrechnet. In Deutschland haben die Hersteller Danone und Iglo angekündigt, künftig den Nutriscore auf ihren Verpackungen abzubilden.

brt/AFP

insgesamt 52 Beiträge
chwilhelm 11.04.2019
1.
Das ist wieder ein Ausweichen auf eine schwer verständliche und nur scheinbar objektive Kennzeichnung. Insbesondere das Gefährdungspotential des Zuckeranteils wird verniedlicht.
Das ist wieder ein Ausweichen auf eine schwer verständliche und nur scheinbar objektive Kennzeichnung. Insbesondere das Gefährdungspotential des Zuckeranteils wird verniedlicht.
brux 11.04.2019
2. Geht gar nicht
Das französische System ist zu intelligent für Deutsche. Deutsche denken binär und wollen moralische Erhöhung oder Verdammung. Siehe Dieseldebatte, Migration, Mieten und alles andere.
Das französische System ist zu intelligent für Deutsche. Deutsche denken binär und wollen moralische Erhöhung oder Verdammung. Siehe Dieseldebatte, Migration, Mieten und alles andere.
timtom2222 11.04.2019
3.
Viele Anbieter haben dies jetzt schon so drauf, ist nicht sinnvoll. Eine Ampel ist aus meiner Sicht besser.
Viele Anbieter haben dies jetzt schon so drauf, ist nicht sinnvoll. Eine Ampel ist aus meiner Sicht besser.
Guerilla_79 11.04.2019
4. ...
Ein weiterer versuch der deutschen Lebensmittelpanscher sich der Bewertung zu entziehen in dem man (wohl mittlerweile notgedrungen) von absoluten Zahlen auf Prozente umschwenkt. Ich nehme mal an die EU, schließlich geht es um [...]
Ein weiterer versuch der deutschen Lebensmittelpanscher sich der Bewertung zu entziehen in dem man (wohl mittlerweile notgedrungen) von absoluten Zahlen auf Prozente umschwenkt. Ich nehme mal an die EU, schließlich geht es um EU-Binnenmarktfragen (irgendwann), wird es irgendwann richten dann gibt es nicht nur CE und diverse andere, sondern auch die Ampel...
jupp78 11.04.2019
5.
Das Problem ist, dass Ernährung doch etwas komplexer ist, als sich mit 5 Farben darstellen lässt. Beispiel: Ich habe einen Kollegen, der pfeift sich jeden Abend 2 Tiefkühlpizzen rein. Nimmt er jetzt die Dr. Oetker aus der [...]
Zitat von chwilhelmDas ist wieder ein Ausweichen auf eine schwer verständliche und nur scheinbar objektive Kennzeichnung. Insbesondere das Gefährdungspotential des Zuckeranteils wird verniedlicht.
Das Problem ist, dass Ernährung doch etwas komplexer ist, als sich mit 5 Farben darstellen lässt. Beispiel: Ich habe einen Kollegen, der pfeift sich jeden Abend 2 Tiefkühlpizzen rein. Nimmt er jetzt die Dr. Oetker aus der Fotoserie die mit grün bewertet ist, dann ernährt er sich gemäß Nutri-Score absolut gesund. Stimmen Sie da zu?

Verwandte Artikel

Mehr im Internet

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung
TOP