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Wirtschaft

Mögliche Wende auf dem Wohnungsmarkt

Experten melden erstmals seit 2005 sinkende Mieten

Auf dem Wohnungsmarkt deutet sich eine Trendwende an: Laut einem aktuellen Preisindex sind die Neuvertragsmieten im ersten Quartal erstmals seit 14 Jahren gesunken. Bei den Kaufpreisen geht es dagegen weiter nach oben.

imago images/Joko

Mietwohnungen in Berlin

Von
Mittwoch, 08.05.2019   11:47 Uhr

Die Kaufpreise für Immobilien laufen den Mietpreisen in Deutschland immer weiter davon. Das geht aus dem Wohnindex des Forschungsunternehmens F+B hervor, der die Entwicklungen in verschiedenen Teilen des Immobilienmarkts misst.

Während die Preise für Eigentumswohnungen (plus 2,1 Prozent) sowie Ein- und Zweifamilienhäuser (plus 0,8 Prozent) in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres im deutschen Durchschnitt erneut gestiegen sind, verzeichneten die Experten bei den Neuvertragsmieten einen Rückgang um 0,3 Prozent im Vergleich zum vierten Quartal 2018. Das war das erste Minus seit dem Jahr 2005 - also vor Beginn des nun schon jahrelang anhaltenden Immobilienbooms.

Quartalszahlen sind zwar mit Vorsicht zu interpretieren, weil sie nur einen sehr kurzen Zeitraum abbilden, in dem gerade in stark nachgefragten Gegenden relativ wenig Wohnungen auf den Markt kommen. Dennoch sind die neuesten Daten bemerkenswert. "Ob sich dieser Trend auch in den nächsten Quartalen festigt, ist wahrscheinlich eine der spannendsten Fragen der Wohnungspolitik überhaupt", sagte F+B-Geschäftsführer Bernd Leutner.

Im Video: Mieten-Wahnsinn in Berlin: Warum Mieter Immobilienkonzerne enteignen wollen

Foto: SPIEGEL TV

Interessant ist an den neuen Zahlen, dass die Mieten für neu angebotene Wohnungen nicht nur im bundesdeutschen Durchschnitt zurückgingen, sondern teilweise auch in Großstädten, die in den vergangenen Jahren den Boom angeführt haben - und in denen sich mittlerweile Protestbündnisse gegen steigende Mieten gebildet haben.

In München etwa lag das Minus laut F+B im ersten Quartal bei 1,3 Prozent - wenn auch im Vergleich zum ersten Quartal 2018 die Mieten noch immer um 5,3 Prozent gestiegen sind.

Auch in Frankfurt, Hamburg, Berlin und Düsseldorf ging es in den ersten drei Monaten 2019 nach unten. In Köln und Stuttgart stiegen die Mieten dagegen weiter.

Grundlage für den F+B-Index sind nach eigenen Angaben Angebotsdaten von mehr als 30 Millionen Wohnungen in ganz Deutschland.

Immobilienkauf lohnt sich immer weniger

Anders als bei den Mieten zeichnet sich bei den Kaufpreisen noch keine Trendwende ab. Vor allem die Preise für Eigentumswohnungen steigen weiter. In allen sieben deutschen Top-Städten ging es im ersten Quartal nach oben.

Wie sehr sich die Kaufpreise inzwischen von den Mieten entkoppelt haben, zeigt der Langfristvergleich: Seit Anfang 2004 sind die Kaufpreise für Eigentumswohnungen im deutschen Durchschnitt um 68 Prozent gestiegen, die Preise für Einfamilienhäuser immerhin um 41 Prozent. Bei den Neuvertragsmieten ging es dagegen im selben Zeitraum nur um knapp 24 Prozent nach oben, bei den Bestandsmieten sogar nur um elf Prozent.

Aus diesen Zahlen lässt sich ablesen, dass es sich immer weniger lohnt, Wohnungen oder Häuser als Renditeobjekte zu kaufen, da die erzielbaren Mieteinnahmen nicht mit den steigenden Kaufpreisen schritthalten. Gedämpft wurde diese Entwicklung in den vergangenen Jahren zwar durch die sinkenden Kreditzinsen, die es Immobilienkäufern ermöglichen, auch höhere Kaufpreise zu finanzieren. Doch weil dieser Effekt begrenzt ist, erwarten viele Experten, dass auch das starke Wachstum der Immobilienpreise in absehbarer Zeit enden dürfte.

Schon jetzt hat sich der Markt vor allem in den Großstädten sehr weit gespreizt. Laut den Daten von F+B variieren etwa die Preise für Eigentumswohnungen in München je nach Straßenabschnitt zwischen 3210 und 15.300 Euro pro Quadratmeter. Bei den Mieten reichte die Spannbreite in der Stadt von 5,40 bis 22,90 Euro pro Quadratmeter.

Stimmenfang #95 - Von 494 auf 1320 Euro Nettokalt - das ist Mietenexplosion

insgesamt 70 Beiträge
iffelsine 08.05.2019
1. Bei den Kaufpreisen kann man nur verkaufen !
Zieht ein Mieter aus, verkaufe ich sofort. Je Wohnung bleiben nach Steuern je Wohnung nur 1.600€ übrig, verkaufe ich eine freie Wohnung, bekomme ich zwischen 230.000 und 340.000€ steuerfrei. Und ich muss mich nicht damit [...]
Zieht ein Mieter aus, verkaufe ich sofort. Je Wohnung bleiben nach Steuern je Wohnung nur 1.600€ übrig, verkaufe ich eine freie Wohnung, bekomme ich zwischen 230.000 und 340.000€ steuerfrei. Und ich muss mich nicht damit rumschlagen, dass meine Mieter in Berlin eine Mieterhöhung (nach Mietspiegel) von 6,43€/qm auf 6,75€/qm ablehnen und vor Gericht ziehen (und verlieren).
anonlegion 08.05.2019
2. Lasst es. Das glaubt euch kein Mensch.
Jedenfalls niemand im Einzugsgebiet einer Grossstadt. Es fällt auf, das jedesmal wenn z.B. Deregulierungen aus dem Ruder laufen, die öffentliche Diskussion Fahrt aufnimmt und politische Gegner mit berechtigter und gut [...]
Jedenfalls niemand im Einzugsgebiet einer Grossstadt. Es fällt auf, das jedesmal wenn z.B. Deregulierungen aus dem Ruder laufen, die öffentliche Diskussion Fahrt aufnimmt und politische Gegner mit berechtigter und gut publizierter Kritik um die Ecke kommen, solche Meldungen von "Trendwenden" aufkommen. Der Trend unreflektiert Agenturmeldungen und Meldungen aus Parteizentralen und den zahlreichen Pressereferaten der Bundesregierung zu publizieren, wäre allerdings ein wirklich guter Kandidat für eine "Trendwende".
Blackbeard 08.05.2019
3. Na wer den Experten glaubt
Ich schau mir wöchentlich Wohnungsangebote in meinem Umkreis an und an Preisen gefallen ist da rein gar nichts. Mieten unter 10€ pro qm gibts seit gut einem Jahr nicht mehr.
Ich schau mir wöchentlich Wohnungsangebote in meinem Umkreis an und an Preisen gefallen ist da rein gar nichts. Mieten unter 10€ pro qm gibts seit gut einem Jahr nicht mehr.
doctiloquus 08.05.2019
4.
"...verzeichneten die Experten bei den Neuvertragsmieten einen Rückgang um 0,3 Prozent im Vergleich zum vierten Quartal 2018..." Wer sind den DIE Experten? Und: 0,3 % erscheint mir als Nichtexperte eher eine [...]
"...verzeichneten die Experten bei den Neuvertragsmieten einen Rückgang um 0,3 Prozent im Vergleich zum vierten Quartal 2018..." Wer sind den DIE Experten? Und: 0,3 % erscheint mir als Nichtexperte eher eine zufällige Schwankung zu sein. Hier den Begriff Trend zu verwenden macht keinen Sinn.
magic88wand 08.05.2019
5. Wer kauft schon eine Wohnung, um sie zu vermieten?
Eine Wohnung kauft man, um sie selbst zu nutzen. Spätestens seit der Mietpreisbremse lohnt sich das Kaufen um zu vermieten für Privatpersonen nicht mehr, bald auch nicht mehr für Immobilienfirmen. Die politischen Maßnahmen [...]
Eine Wohnung kauft man, um sie selbst zu nutzen. Spätestens seit der Mietpreisbremse lohnt sich das Kaufen um zu vermieten für Privatpersonen nicht mehr, bald auch nicht mehr für Immobilienfirmen. Die politischen Maßnahmen gegen das Vermieten führen auch dazu, dass sich Miet- und Kaufpreise dauerhaft entkoppeln. Mieten wird relativ zum Kaufen günstig sein - sofern man eine der raren Mietwohnungen ergattert.

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