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Wirtschaft

Neue EU-Regeln

Was sich künftig beim Bezahlen im Netz ändert

Ob Online-Überweisungen mit TAN oder das Bezahlen mit Kreditkarte: Geldgeschäfte im Internet sollen sicherer werden. Das Problem: Durch die neuen Regeln wird vieles auch komplizierter.

Monika Skolimowska / DPA

Sparkassen-App auf einem Smartphone

Eine Kolumne von
Samstag, 27.07.2019   11:42 Uhr

Normalerweise freue ich mich, wenn die EU für Sie und mich als Kunden mehr Schutz erzwingt. Oft genug werden wir ja von Banken und anderen Finanzdienstleistern über den Tisch gezogen. Allerdings ähnelt solcher Schutz im Detail manchmal doch einem bürokratischen Monstrum, weil - ach lesen Sie selbst, was die Bundesbank so zu den Neuerungen beim Bezahlen in der EU, kurz der PSD2-Richtlinie, schreibt:

"Mit dem Gesetz zur Umsetzung der Zweiten Zahlungsdiensterichtlinie (Zahlungsdiensteumsetzungsgesetz - ZDUG) wurden die aufsichtsrechtlichen Bestimmungen im Zahlungsdiensteaufsichtsgesetz (ZAG) und die zivilrechtlichen Vorgaben im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) berücksichtigt. Zudem waren Folgeänderungen in weiteren Gesetzen (z. B. Kreditwesengesetz) erforderlich. Die PSD2 ist eine EU-Richtlinie zur Regulierung von Zahlungsdiensten und Zahlungsdienstleistern."

Nur Bürokraten können so schön formulieren. Ein Teil dieser EU-Richtlinie aus dem Jahr 2017 ist schon länger umgesetzt. Zum Beispiel dürfen Händler und Taxifahrer seit Januar 2018 keine zusätzlichen Gebühren mehr verlangen, wenn man mit der Kreditkarte bezahlt.

Jetzt geht es noch um zwei Fragen: Wie wird das Bezahlen in der neuen virtuellen Welt sicherer, und wie wird der Zugriff auf unsere Kontodaten geregelt?

Das Bezahlen im Netz wird zukünftig durch eine Art doppeltes Schloss abgesichert, auch "starke Kundenauthentifizierung" genannt. Und das hat es in sich. Nicht nur für die Anbieter, sondern auch für uns Kunden. Wir alle haben uns an bequemes Bezahlen gewöhnt, egal ob es um Onlinebanking oder Shopping geht. Nun müssen sich viele von uns entwöhnen, der Gesetzgeber schreibt es vor. Künftig müssen wir nicht nur unsere Kontonummer und die PIN, nicht nur die Kreditkartennummer und die Sicherheitsziffern kennen. Wir müssen immer beweisen können, dass Konto und Karte wirklich zu uns gehören. Das bedeutet - unter anderem - das Ende der gedruckten TAN-Liste im Onlinebanking.

Schön wäre es, wenn die Banken die bequeme alte Welt durch eine moderne, aber ähnlich einfache ersetzen würde. Die Banken denken aber gar nicht daran.

Sie sehen: Was sich vernünftig anhört, macht künftig jede Bank anders. Und manche Kunden fühlen sich damit überfordert.

Zum Autor

Was für Überweisungen gilt, gilt auch für das gesamte Bezahlen im Internet: Es ist mit der Zeit vielfältiger geworden - und damit oft auch komplizierter. Neben Lastschrift und Überweisungen tummeln sich die Kreditkartenunternehmen und Anbieter wie Paypal und Klarna auf den Shoppingseiten. Für einige Kunden ist das womöglich schon etwas zu viel. Wer war dieser Anbieter nochmal? Und kann man dem vertrauen?

Und auch hier gilt: Die starke Kundenauthentifizierung macht aus einem einfachen Prozess eine doppelt abgesicherte Festung. Die soll eigentlich ab dem 14. September stehen. Doch hinter den Kulissen geht es hoch her. Banken, Händler und Zahlungsanbieter fragen sich: Schaffen wir das überhaupt in der Zeit? Und was, wenn nicht?

Der Zirkus um die Sicherheit beim Bezahlen ist noch lange nicht das Ende. Denn daneben regelt die PSD2-Richtline auch noch, wie unterschiedliche Anbieter Zugriff auf Ihre Kontodaten bekommen können. Die prinzipielle Erlaubnis dazu haben Sie vom Gesetzgeber erhalten. Der sagt: Das neue Modell soll die Konkurrenz beleben und für uns Verbraucher neue, interessante Produkte ermöglichen.

Als Kunde kann ich die notwendigen Informationen an fremde Firmen oder Banken weitergeben, wenn es mir etwas nützt. Ich soll also genau das tun, was 20 Jahre lang im Netz verboten war: Meine Kontonummer und meine PIN weiterreichen, weil es dadurch bequemer wird.

"Ohne Ihre ausdrückliche Zustimmung ändert sich nichts"

Und damit ich bei all den neuen Konto- und Bezahlmöglichkeiten nicht den Überblick verlieren, kann ich künftig anderen Firmen erlauben, all meine Konten anzuschauen und all die Daten für mich so aufzubereiten, dass ich den Durchblick behalte. Eigentlich eine vernünftige Idee, aber auf einem umkämpften Markt nicht so einfach umzusetzen.

Die PSD2 soll den Zugriff auf die Konten verbessern, um all das einfach zu handhaben. Für die technischen Schnittstellen musste die EU "Regulatory Technical Standards" etablieren und hatte sich damit ziemlich lang Zeit gelassen. Nun gibt es kurz vor der Ziellinie Streit auf dem Markt, ob die unterschiedlichen Schnittstellen denn ausreichen oder gar den Sinn der PSD2 untergraben, da sie neue Ideen gar nicht zulassen.

Letztlich muss Sie der Streit um die Schnittstelle aber gar nicht aufregen. Die zentrale Botschaft der Bundesbank zu all den neuen Möglichkeiten lautet nämlich: "Ohne Ihre ausdrückliche Zustimmung ändert sich nichts: Es wird keine Zahlung ausgeführt und es darf kein Drittdienstleister auf Ihre Kontodaten zugreifen."

Nur um die Umstellung beim Bezahlen kommen Sie nicht herum:

Auch wenn Sie das nicht wollen, wird sich für viele von Ihnen beim Bezahlen etwas ändern.

insgesamt 163 Beiträge
Forum Name 27.07.2019
1. Taxifahrer dürfen keine Gebühr mehr verlangen
Das ist ja interessant! Hat sich in Berlin aber noch nicht herum gesprochen. Da zahle ich öfters einen Euro für genau diese "Dienstleistung" des Fahrers. Vielen Dank für die Info!
Das ist ja interessant! Hat sich in Berlin aber noch nicht herum gesprochen. Da zahle ich öfters einen Euro für genau diese "Dienstleistung" des Fahrers. Vielen Dank für die Info!
lanzarot 27.07.2019
2.
Schon blöd, wenn man für mehr Sicherheit auch noch denken muss!
Schon blöd, wenn man für mehr Sicherheit auch noch denken muss!
cedebe 27.07.2019
3. mache deshalb wieder mehr Vorkasse
für mich ist es bei mir bereits als zuverlässig bekannten Anbietern durch diese oftmals bereits umgesetzte Sicherheitsverstärkung inzwischen deutlich bequemer, fix per app eine Überweisung einzutippen, als meine [...]
für mich ist es bei mir bereits als zuverlässig bekannten Anbietern durch diese oftmals bereits umgesetzte Sicherheitsverstärkung inzwischen deutlich bequemer, fix per app eine Überweisung einzutippen, als meine Kreditkartendaten einzutragen und dann über diverse Links (hier wird viel phishing kommen!) meine Kreditkarte zu verifizieren. zumindest bei der dkb kann ich das nämlich nicht durch öffnen der Banking app, sondern muss mich über den Link im Browser in mein Konto einloggen, dort werde ich nach einer pin für die Verifikationsnummer gefragt. die pin bekomme ich durch login in die zweite bankingapp. dann übertrage ich die in den browser und bekomme den verifikationscode, der dann ins andere Browserfenster kommt, um den Kauf abzuschließen. ganz großes Kino, völlig irre. auch Paypal nutze ich darum aktuell wieder häufiger. ist nur ein PW, dass mir einfallen muss....
Forum Name 27.07.2019
4. Umstellung Tan-Verfahren - Sparkasse
Auch dazu muss ich noch meinen Senf dazu geben, weil mir diese Umstellung großen Ärger beschert hat. Die Sparkasse bietet zwei Verfahren an, einmal ein Chip-Tan-Verfahren, wo mit einem extra zu erwerbenden Gerät, das man dann [...]
Auch dazu muss ich noch meinen Senf dazu geben, weil mir diese Umstellung großen Ärger beschert hat. Die Sparkasse bietet zwei Verfahren an, einmal ein Chip-Tan-Verfahren, wo mit einem extra zu erwerbenden Gerät, das man dann auch immer dabei haben muss, eine Tan generiert wird, Kostenpunkt etwa 25 Euro, User-Gefühl etwa 1995, da gab es die Kisten auch schon mal. Oder man kauft sich - wie in meinem Fall - gleich ein neues Handy - gezwungenermaßen durch die Sparkasse - weil z.B. iphone 4s nicht mehr mit der App funktioniert (ich kenne einige Leute, die ihr 4s lieben). Beschweren half übrigens gar nichts, hat mich nur beschwert.
Kunstgriffe 27.07.2019
5. Bargeldloses Zahlen ging nie schneller
Nicht alles ist umständlicher geworden. Zum Beispiel finde ich das bargeldlose Zahlen an der Kasse, egal, ob beim Supermarkt oder beim Fachhandel, super easy. Einfach die geniale AppleWatch ans Terminal halten und "Danke" [...]
Nicht alles ist umständlicher geworden. Zum Beispiel finde ich das bargeldlose Zahlen an der Kasse, egal, ob beim Supermarkt oder beim Fachhandel, super easy. Einfach die geniale AppleWatch ans Terminal halten und "Danke" sagen, noch bevor der Kassierer eine Bestätigung sieht! So schnell habe ich noch nie bargeldlos bezahlt. Diejenigen, die noch nach Münzen fummeln, halten nach wie vor die ganze Schlange auf.

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