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Wirtschaft

Bei Flugausfall

Ryanair erkennt Streiks als Grund für Entschädigung an

Ryanair hat Kunden, deren Flüge wegen Streiks ausgefallen waren, offenbar Entschädigungen gezahlt. Zuvor hatte sich die Airline dem stets verweigert. Hinter dem Sinneswandel könnte Kalkül stecken.

REUTERS

Ryanair-Maschine

Montag, 13.05.2019   19:12 Uhr

Die irische Fluggesellschaft Ryanair leistet einzelnen Passagieren Entschädigungen, die nach Streiks nicht rechtzeitig an ihr Ziel gekommen sind. In mindestens fünf Verfahren habe Ryanair die Forderungen der Kläger anerkannt, erklärte ein Sprecher der Hamburger Justiz auf Anfrage.

Er bestätigte damit Informationen des Unternehmens Flightright, das gegen eine Provision vor Gericht Schadensersatzansprüche von Passagieren bei Verspätungen und Flugausfällen stellt.

Nachdem Ryanair die Entschädigungen zugesichert hatte, soll das Hamburger Amtsgericht den Sachverhalt nach eigenen Angaben nicht mehr weiter überprüft haben. Ryanair selbst wollte sich zu den laufenden Verfahren nicht äußern.

Hat Ryanair den Arbeitskampf selbst heraufbeschworen?

Bislang hatte sich die irische Airline darauf berufen, dass Streiks laut EU-Fluggastverordnung nicht von der Fluggesellschaft zu vertreten seien. Bei den Streiks im vergangenen Jahr hatte Ryanair argumentiert, die Gewerkschaft habe "unangemessen und völlig außerhalb der Kontrolle der Fluggesellschaft" gehandelt.

Flightright sieht das anders: "Die Airline hat den Arbeitskampf durch jahrelanges Lohndumping und fragwürdige Arbeitsbedingungen selbst heraufbeschworen und hätte eine Eskalation verhindern können", hieß es von dem Unternehmen. Man habe für mehrere Hundert Passagiere an deutschen Gerichten Klage eingereicht.

Der Flightright-Rechtsexperte Oskar de Felice warf der Airline zudem Taktieren vor. Ryanair wolle durch die Anerkennung der Ansprüche vermeiden, dass die Hamburger Richter die Frage zur Klärung an den Europäischen Gerichtshof (EuGH) geben.

"Die Airline scheint zu erwarten, dass der EuGH die Ansprüche als gültig bewertet und in dem Streik keinen außergewöhnlichen Umstand sieht. Ein Urteil des EuGHs hätte bedeutet, dass die Airline gezwungen wäre, alle Streikfälle zu entschädigen", sagte de Felice laut einer Mitteilung.

In einem anderen Fall hatte Ryanair Entschädigungsansprüche damit abgewimmelt, es habe sich bei einem streikbedingten Flugausfall um "höhere Gewalt" gehandelt. Das Gericht lehnte die Begründung ab und sprach den Betroffenen Passagieren eine Geldsumme zu. Der EuGH urteilte zudem, dass Fluggesellschaften auch bei wilden Streiks verpflichtet sein können, Entschädigungen an Fluggäste zu zahlen. Es müsse von Fall zu Fall entschieden werden.

fek/dpa

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