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Wirtschaft

Vorkrisenniveau

Arbeitslosigkeit in der Eurozone auf tiefstem Stand seit 2008

In den Euroländern sind nun so wenige Menschen ohne Job wie zuletzt vor der Lehman-Pleite im September 2008. Auch die Wirtschaft ist trotz der schlechten Konjunkturprognosen stärker gewachsen als erwartet.

REUTERS

Einkaufsmeile in Mailand, Italien (Archiv)

Dienstag, 30.04.2019   13:01 Uhr

Die Arbeitslosigkeit in der Eurozone ist im März auf den niedrigsten Stand seit September 2008 gesunken. Im damaligen Monat ging die Investmentbank Lehman Brothers pleite, von da an entfaltete die Finanzkrise ihre volle Wucht. Die Arbeitslosigkeit schoss vor allem im Süden der Eurozone in die Höhe - nun hat die Erwerbslosenquote in den 19 Ländern mit der Gemeinschaftswährung im März erstmals wieder einen Tiefstand von 7,7 Prozent erreicht. Das teilte das Statistikamt Eurostat mit.

Im Vormonat hatte die Quote noch bei 7,8 Prozent gelegen, der Wert ist um jahreszeitliche Schwankungen bereinigt. In den 28 Ländern der gesamten EU fiel die Quote mit 6,4 Prozent sogar auf den tiefsten Stand, den die europäischen Statistiker bislang überhaupt auswiesen. Seit dem Jahr 2000 wird die EU-Arbeitslosigkeit monatlich aufgezeichnet.

Laut Eurostat waren im März 12,6 Millionen Menschen im Euroraum offiziell auf Jobsuche - dies waren 174.000 weniger als im Vormonat und 1,17 Millionen weniger als vor einem Jahr.

Innerhalb der Eurozone wurden die niedrigsten Arbeitslosenquoten in Deutschland und den Niederlanden gemessen. Die höchste Arbeitslosigkeit verzeichnen weiterhin Griechenland, Spanien und Italien. In diesen Ländern sind auch besonders viele Jugendliche arbeitslos. Deutschland weist dagegen die niedrigste Jugendarbeitslosigkeit in der EU auf.

Eurostat berechnet die Arbeitslosenquote nach dem Standard der Internationalen Arbeitsorganisation ILO. Sie unterscheidet sich damit von der Arbeitslosenquote, wie sie die Bundesagentur für Arbeit (BA) für Deutschland berechnet. Nach den ILO-Kriterien wird nur jemand als arbeitslos gezählt, der keine einzige Stunde in der Woche gearbeitet hat. Nach den BA-Zahlen werden hingegen alle Menschen, die weniger als 15 Stunden in der Woche arbeiten, ebenfalls als offiziell arbeitslos gewertet - damit liegt die amtliche deutsche Arbeitslosenzahl für die Bundesrepublik stets deutlich höher als die amtliche europäische Zahl.

Wirtschaftswachstum verdoppelt sich

Auch das Wirtschaftswachstum in der Eurozone hat sich zu Jahresanfang überraschend stark gesteigert. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte im Zeitraum zwischen Januar und März um geschätzt 0,4 Prozent zum Vorquartal zu, teilte Eurostat mit. Ökonomen hatten nur mit einem Plus von 0,3 Prozent gerechnet, nach einem Anstieg von 0,2 Prozent im Herbst.

Während die nach Deutschland zweitgrößte Euro-Volkswirtschaft Frankreich mit 0,3 Prozent ihr Wachstumstempo hielt, ging es in Spanien mit 0,7 Prozent bergauf. Damit zog die Konjunktur dort so stark an wie seit Ende 2017 nicht mehr. In Österreich gab es ein Plus von 0,3 Prozent. In Italien wuchs die Wirtschaft um 0,2 Prozent und konnte damit die technische Rezession, so werden zwei Quartale in Folge mit einer sinkenden Wirtschaftsleistung genannt, überwinden. Daten für Deutschland werden erst am 15. Mai vorgelegt.

In Frankreich, Spanien und Österreich sorgten vor allem die Verbraucher und die Inlandsnachfrage für Aufschwung. Vom Export kamen wenige Impulse. In Frankreich bremste der Außenhandel sogar, da die Einfuhren schneller zulegten als die Ausfuhren.

kko/dpa

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