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Wirtschaft

Arbeitsmarkt

Deutsche Betriebe bilden weniger aus

In Deutschland gibt es immer mehr Beschäftigte, die Zahl der Auszubildenden geht trotzdem zurück. Das ist das Ergebnis einer neuen Untersuchung. Ein Teil des Landes ist besonders betroffen.

DPA

Junge Auszubildende in einer Ausbildungswerkstatt für Mechaniker in Berlin (Symbolbild)

Freitag, 28.07.2017   06:53 Uhr

Deutsche Betriebe bilden immer weniger Menschen aus - obwohl die Beschäftigungszahlen kontinuierlich steigen. Zu diesem Ergebnis ist ein Forschungsprojekt des Soziologischen Forschungsinstituts (SOFI) und der Universität in Göttingen gekommen, das von der Bertelsmann-Stiftung gefördert wurde.

Zwischen 1999 und 2015 stieg demnach die Anzahl der Beschäftigen um 12,1 Prozent, die der Auszubildenden sank hingegen im gleichen Zeitraum um 6,7 Prozent. Dadurch sinkt auch die Ausbildungsquote: 2015 kamen auf 100 Beschäftigte 5,1 Auszubildende. Zum Vergleich: 1999 waren es noch 6,1.

Die Forscher halten eine Ausbildungsquote von 5,0 Prozent für ausreichend, um einen Fachkräftemangel zu verhindern. Besonders deutlich ist die Entwicklung bei kleinen Betrieben mit bis zu fünf Mitarbeitern.

Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann-Stiftung, sagte: "Wenn Unternehmen in der aktuell guten Konjunktur- und Beschäftigungslage nicht mehr junge Menschen ausbilden, ist der Fachkräftemangel hausgemacht."

Der Osten ist besonders betroffen

Laut der Studie gibt es deutliche regionale Unterschiede: Im Westen blieb die Ausbildungsquote zwischen 1999 und 2015 fast konstant blieb, in den ostdeutschen Bundesländern halbierte sie sich. Hinzu komme: Der betriebliche Bedarf und die an einer Ausbildung interessierten Schulabsolventen passten immer weniger zusammen.

Tatsächlich bleiben in fast jedem dritten Betrieb Ausbildungsplätze unbesetzt, wie aus einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) hervorgeht. Laut den Zahlen des Verbands erhielten im vergangenen Jahr sogar 15.500 Unternehmen gar keine Bewerbungen - das waren zehn Prozent mehr als im Vorjahr.

Die Bertelsmann-Stiftung fordert nun, Angebote für Firmen auszubauen, die benachteiligte Jugendliche ausbilden. Außerdem solle der Staat künftig jedem Jugendlichem einen Ausbildungsplatz garantieren.

Grundlage der Studie sind Daten der Bundesagentur für Arbeit, des Bundesinstituts für Berufsbildung sowie eigene Berechnungen des Göttinger Instituts.

slü/AFP/dpa

insgesamt 111 Beiträge
susuki 28.07.2017
1. Überschrift
Wenn 5% reichen dann muss die Zahl auch umgesetzt werden. Oder?
Wenn 5% reichen dann muss die Zahl auch umgesetzt werden. Oder?
ruku 28.07.2017
2. wieder einmal
populistische Unternehmerschelte. Erst am Ende des Artikels kommt die Ursache der sinkenden Ausbildungsquote - es mangelt an Bewerbern bzw. an Befähigungen der Bewerber. Miserable Schulnoten und / oder fehlender Schulabschluss [...]
populistische Unternehmerschelte. Erst am Ende des Artikels kommt die Ursache der sinkenden Ausbildungsquote - es mangelt an Bewerbern bzw. an Befähigungen der Bewerber. Miserable Schulnoten und / oder fehlender Schulabschluss sind schlechte Voraussetzungen, einen Ausbildungsplan zu bekommen. Die Betriebe tragen dafür keine Verantwortung wie dieser Artikel zunächst suggeriert.
niresellegeips 28.07.2017
3. Seufz...
Leider wird immer nur davon gesprochen, dass die Betriebe sich darauf einstellen müssen, auch Auszubildende mit Lernschwierigkeiten etc. einzustellen. Nach meiner Auffassung besteht ein wesentliches Problem im nicht an die jungen [...]
Leider wird immer nur davon gesprochen, dass die Betriebe sich darauf einstellen müssen, auch Auszubildende mit Lernschwierigkeiten etc. einzustellen. Nach meiner Auffassung besteht ein wesentliches Problem im nicht an die jungen Leute vermittelten Durchhaltevermögen. Zumindest in unserem Fall entstand nach mittlerweile vier Versuchen innerhalb der letzten zweieinhalb Jahre die Erkenntnis, dass die jungen Leute schlicht und ergreifend psychosozial nicht mehr in der Lage sind, durchzuhalten, sobald es im Ausbildungsverlauf anstrengend wird. Wir haben einen mittelständischen Einzelhandelsbetrieb und bilden seit annähernd zwanzig Jahren aus, die fehlenden "soft skills" waren aber noch nie so ausgeprägt, wie das heute der Fall ist. Und da kommt man gar nicht mehr dazu, sich den Problemen des Azubis zu widmen und gemeinsam nach Wegen und Lösungen zu suchen - weil die Herrschaften zum Arzt rennen und sich einen Krankenschein nach dem anderen holen, um den Problemen aus dem Weg zu gehen. Das halte ich in höchstem Maße für alarmierend, denn natürlich kommt so keiner der Beteiligten vorwärts. In unserem Fall ist es nun so, dass wir in diesem Jahr nur noch einen Azubi statt bisher vier eingestellt haben. Es macht einfach keinen Spaß mehr...
berlin63 28.07.2017
4.
Ich bin Handwerksmeister und habe einen Betrieb mit 6 Mitarbeitern in Berlin. Ich suche seit Januar einen Auszubildenden- Maler u. Lackierer- . Bisher ist nicht eine! Bewerbung eingegangen! Trotz Ausschreibung beim Arbeitsamt, [...]
Ich bin Handwerksmeister und habe einen Betrieb mit 6 Mitarbeitern in Berlin. Ich suche seit Januar einen Auszubildenden- Maler u. Lackierer- . Bisher ist nicht eine! Bewerbung eingegangen! Trotz Ausschreibung beim Arbeitsamt, Innung sowie der Handwerkskammer!! Soviel dazu!!
observerlbg 28.07.2017
5. Die Hochschulen platze aus allen Nähten...
...und das bei zurückgehenden Schülerzahlen. Und da wundern sich die Forscher über weniger Ausbildungsplätze? Ich habe 17 Jahre ausgebildet. Zum einen wurden es immer weniger Bewerbungen. Darunter immer weniger geeignete [...]
...und das bei zurückgehenden Schülerzahlen. Und da wundern sich die Forscher über weniger Ausbildungsplätze? Ich habe 17 Jahre ausgebildet. Zum einen wurden es immer weniger Bewerbungen. Darunter immer weniger geeignete Kandidaten. Und zum Anderen wurden die Ausbildungsbedingungen immer weniger Arbeitgebergerecht. In vorletzter Konsequenz unterlässt man dann die Ausbildung. Und in letzter schließt man den Betrieb. Und so ist es gekommen. Eine Allianz aus Internethandel und "Smartkäufern" und der Ausrichtung zur Wegwirfgesellschaft führen dazu, dass ganze Berufsgruppen mit dreijähriger Ausbildung verschwunden oder zumindest deutlich geschrumpft sind. Nicht die Aufrechterhaltung des Status Quo ist hier nun gefragt, sondern die Neuorientierung an die realen Bedingungen. Also an alle Verantwortlichen: UMDENKEN.

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