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Wirtschaft

Bundeshaushalt

Boomende Konjunktur beschert deutschem Staat Rekordüberschuss

Die Konjunktur brummt, die Arbeitslosigkeit ist niedrig: Der deutsche Staat hat im ersten Halbjahr den höchsten Überschuss seit der Wiedervereinigung erzielt.

DPA

Arbeiter auf Baustelle

Freitag, 25.08.2017   12:05 Uhr

Das kräftige Wirtschaftswachstum und die historisch günstige Lage auf dem Arbeitsmarkt haben dem deutschen Staat im ersten Halbjahr 2017 einen Rekordüberschuss beschert. Bund, Länder, Gemeinden und Sozialkassen nahmen unter dem Strich 18,3 Milliarden Euro mehr ein als sie ausgaben. Das teilte das Statistische Bundesamt anhand vorläufiger Daten mit.

Damit erzielten die öffentlichen Kassen das höchste Plus aus eigener Kraft seit der Wiedervereinigung. Höher war der Überschuss nur im zweiten Halbjahr des Jahres 2000 mit gut 28,8 Milliarden Euro. Seinerzeit brachte die Versteigerung der UMTS-Mobilfunklizenzen dem Staat Sondereinnahmen.

Sprudelnde Steuern und Sozialbeiträge sorgten von Januar bis einschließlich Juni des laufenden Jahres für gut gefüllte Staatskassen. Und die deutsche Wirtschaft bleibt nach Einschätzung von Volkswirten auf Wachstumskurs - angetrieben von der Konsumlust vieler Verbraucher und steigenden Investitionen vieler Unternehmen.

Die Konsumlust vieler Verbraucher und staatliche Ausgaben für die Unterbringung und Integration Hunderttausender Flüchtlinge trieben die Konjunktur im zweiten Quartal an. Waren "Made in Germany" sind auf den Weltmärkten gefragt, die Exporte gewinnen dank der Erholung der Weltkonjunktur an Tempo, zudem investieren viele Unternehmen wieder mehr.

Meinungskompass

Im zweiten Quartal des laufenden Jahres erhöhte sich das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Vergleich zum Vorquartal um 0,6 Prozent. Das Statistische Bundesamt bestätigte damit ihre Mitte August veröffentlichte erste Schätzung. Zum Jahresanfang hatte die Wirtschaftsleistung in Deutschland um 0,7 Prozent zugelegt.

Bezogen auf die gesamte Wirtschaftsleistung lag der Überschuss im ersten Halbjahr nach Berechnungen des Bundesamtes bei 1,1 Prozent. Europas größte Volkswirtschaft ist damit weiterhin weit entfernt von der Schuldenobergrenze, die sich die Europäer in ihren gemeinsamen Verträgen zugestehen. Erlaubt ist demnach höchstens ein Defizit von 3,0 Prozent der nominalen Wirtschaftsleistung. Zuletzt verfehlte Deutschland diese Marke im Jahr 2010 mit einem Minus von 4,2 Prozent. Die vergangenen drei Jahre brachten jeweils Überschüsse.

hej/dpa-AFX

insgesamt 173 Beiträge
imo27 25.08.2017
1.
Diesen Überschuss verdankt der Staat aber jenen Bürgern, die er um die Zinsen für seine Schulden betrügt. Durch die Zinsmanipulationen der EZB zur Rettung bankrotter Staaten und Banken landen Milliarden aus der [...]
Diesen Überschuss verdankt der Staat aber jenen Bürgern, die er um die Zinsen für seine Schulden betrügt. Durch die Zinsmanipulationen der EZB zur Rettung bankrotter Staaten und Banken landen Milliarden aus der Altersversorgung als Einsparungen im Bundeshaushalt.
josho 25.08.2017
2. Das passt doch hundertprozentig....
.....zu der Wahlaussage unserer von den Wahlplakaten strahlenden "Mutti": "Ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben".
.....zu der Wahlaussage unserer von den Wahlplakaten strahlenden "Mutti": "Ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben".
fraho 25.08.2017
3.
Und dann immer diese Bilder von Menschen im Blaumann mit Helm - Religion pur! Jetzt schnell wieder Mutti wählen und alles bleibt so supidupi. Wer entscheidet bei SPON, dass das der Header werden soll?
Und dann immer diese Bilder von Menschen im Blaumann mit Helm - Religion pur! Jetzt schnell wieder Mutti wählen und alles bleibt so supidupi. Wer entscheidet bei SPON, dass das der Header werden soll?
Nr43587 25.08.2017
4.
Überschüsse sollten zunächst zur Schuldentilgung verwendet werden. Das Maastricht-Kriterium sieht eine Obergrenze von 60 % des BIPs vor. Derzeit liegt Deutschland bei 68 %. Je höher ein Staat verschuldet ist, desto mehr ist [...]
Überschüsse sollten zunächst zur Schuldentilgung verwendet werden. Das Maastricht-Kriterium sieht eine Obergrenze von 60 % des BIPs vor. Derzeit liegt Deutschland bei 68 %. Je höher ein Staat verschuldet ist, desto mehr ist er von internationalen Finanzakteuren erpressbar, siehe Griechenland.
ProDe 25.08.2017
5. WOW - und da wundern sich die Qualitätsmedien über Vertrauensverlust
man fühlt sich hier langsam wie in Nordkorea oder Russland. Wenn Staatsmedien die Regierungspropaganda ohne kritische Prüfung übernehmen... dann kommt wohl sowas bei raus. Speziell die wiederkehrende Behauptung bzgl. der [...]
man fühlt sich hier langsam wie in Nordkorea oder Russland. Wenn Staatsmedien die Regierungspropaganda ohne kritische Prüfung übernehmen... dann kommt wohl sowas bei raus. Speziell die wiederkehrende Behauptung bzgl. der niedrigen Arbeitslosigkeit macht einen angesichts der statistischen Tricks wütend, aber auch wenn man sieht, dass hundert tausende sozialversicherungspflichtig Beschäftigte mit Hartz4 aufstocken müssen.

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