Schrift:
Ansicht Home:
Wirtschaft

Konjunktur in Deutschland

Wirtschaft schrammte 2018 an Rezession vorbei

Internationale Handelskonflikte und die Abkühlung der Weltwirtschaft belasten die exportorientierte deutsche Konjunktur. Trotzdem hat sich die deutsche Wirtschaft im vierten Quartal 2018 wieder leicht stabilisieren können.

DPA

Hamburger Hafen

Donnerstag, 14.02.2019   08:14 Uhr

Die deutsche Wirtschaft ist knapp an einer Rezession vorbeigeschrammt. Das Bruttoinlandsprodukt stagnierte im vierten Quartal 2018, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag in einer ersten Schätzung mitteilte. Im dritten Quartal war die Wirtschaftsleistung um 0,2 Prozent geschrumpft und damit zum ersten Mal seit Anfang 2015. Von einer Rezession wird bei zwei Minus-Quartalen in Folge gesprochen. Diese gab es zuletzt zum Jahreswechsel 2012/13.

Die schwächere globale Konjunktur und der Handelskonflikt mit den USA belastete die Exporte. Auch die Probleme der Autoindustrie mit dem neuen Abgasmessstandard WLTP hielten an. Dagegen investierten die Unternehmen wieder mehr.

Nach Einschätzung der Bundesbank hat die Wirtschaft vor allem dank eines starken Konsums die Trendwende geschafft. "Die deutsche Wirtschaft dürfte im Jahresschlussquartal 2018 wieder gewachsen sein, wenn auch nur verhalten", schrieben die Volkswirte der Bundesbank im jüngsten Monatsbericht.

Impulse dürften vor allem vom privaten Verbrauch gekommen sein. Der Arbeitsmarkt präsentiere sich "weiter in hervorragender Verfassung", viele Beschäftigte haben unter dem Strich mehr Geld zu Verfügung. Der private Konsum macht gut die Hälfte des BIP aus. Auch auf dem Bau herrsche nach wie vor Hochkonjunktur - trotz zuletzt eher verhaltener Wachstumsdynamik in diesem Bereich, erläuterten die Bundesbank-Ökonomen.

Für das Gesamtjahr 2018 hatte das Statistische Bundesamt zunächst ein Plus von 1,5 Prozent errechnet - nach jeweils 2,2 Prozent Wirtschaftswachstum in den Boomjahren 2016 und 2017. Vor allem internationale Handelskonflikte bremsten Europas größte Volkswirtschaft. Hinzu kamen Probleme der Autoindustrie bei der Umstellung auf den neuen Abgas- und Verbrauchsstandard WLTP sowie Niedrigwasser wegen der Sommerhitze, das den Transport etlicher Güter behinderte.

Wirtschaftsforschungsinstitute, internationale Organisationen und die Bundesregierung hatten zuletzt ihre Wachstumsprognosen für die deutsche Wirtschaft gesenkt. Als Gründe wurden vor allem die Abkühlung der Weltwirtschaft, handelspolitische Stürme sowie die Unwägbarkeiten des Brexits genannt. Die Bundesregierung erwartet für dieses Jahr eine Zunahme des Bruttoinlandsprodukts von 1,0 Prozent. In ihrer Herbstprognose war sie noch von einem Plus von 1,8 Prozent ausgegangen.

mik/dpa-AFX

insgesamt 20 Beiträge
a.vollmer 14.02.2019
1. Phantomdiskussion
Solange Überstunden in Millionenzahl angesammelt werden läuft die Wirtschaft auf Overdrive an der Kante. Wie soll sie da noch wachsen? Der Popanz der Wachstumsrate als Wirtschaftsindikator ist absurd, wenn die Grenzen des [...]
Solange Überstunden in Millionenzahl angesammelt werden läuft die Wirtschaft auf Overdrive an der Kante. Wie soll sie da noch wachsen? Der Popanz der Wachstumsrate als Wirtschaftsindikator ist absurd, wenn die Grenzen des Wachstums durch Arbeitskräftemangel sich bereits bemerkbar machen. In Supermärkten waren eher leere Regale zu finden als leere Plätze am Anschlagbrett mit Stellenangeboten. Derzeit kann Deutschland nur auf einen harten Brexit hoffen, der viele Arbeitsnomaden von der Insel vertreibt und hoffentlich viele davon einen Job in Deutschland suchen. Das würde nicht nur dringend benötigte Arbeitskräfte nach Deutschland bringen, sondern gleichzeitig Konsumenten die, die Binnenkonjunktur anfachen.
Marvin__ 14.02.2019
2. Ist das Konzept einer "Rezession" eigentlich hilfreich?
Rezession bedeutet, dass die Wirtschaftsleistung mehrere Quartale in Folge nicht steigt. Wenn also - wie bei uns aktuell - die Wirtschaft Jahr-für-Jahr kräftig wächst, und dann drei Quartale nicht mehr zulegt, haben wir eine [...]
Rezession bedeutet, dass die Wirtschaftsleistung mehrere Quartale in Folge nicht steigt. Wenn also - wie bei uns aktuell - die Wirtschaft Jahr-für-Jahr kräftig wächst, und dann drei Quartale nicht mehr zulegt, haben wir eine Rezession. Diese Rezession - mit Rekordaufträgen, Rekordbeschäftigung und besten Zukunftsaussichten - hat jedoch nichts mit den Horrorszenarien zu tun, die man oft mit Rezessionen verbindet. Da stellt sich zum einen die Frage, ob das Konzept überhaupt hilfreich ist - und wozu. Und zum anderen stellt sich die Frage, welche Optionen Politik und Zentralbanken hätten, gegen zu steuern. In Zeiten von Rekordschulden und komplett azyklisch niedrigen Zinsen.
latrodectus67 14.02.2019
3. Tellerrand
Ein Blick über den Tellerrand zeigt, dass auch 10 Jahre nach der "alternativlosen" Rettung Europas durch Merkel mit "Wir retten die Banken" und "die schwarze Null ist notwendig", es Europa nicht [...]
Ein Blick über den Tellerrand zeigt, dass auch 10 Jahre nach der "alternativlosen" Rettung Europas durch Merkel mit "Wir retten die Banken" und "die schwarze Null ist notwendig", es Europa nicht besser geht. Die Deutsche Wirtschaft ist nun trotz Lohndumping langsam im Fahrwasser der übrigen EU Mitglieder. ec.europa.eu/info/sites/info/files/economy-finance/key-indicators_2019-02-08.pdf G5 wird in Deutschland wohl nicht von Huawai ausgerollt werden, womit dann wir wieder einen wirtschaftlichen Nachteil haben. Denn ja, es ist ja schrecklich dass eventuell der chinesische Geheimdienst die Mobilfunkdaten abhört. Was völlig anderes ist es, wenn die NSA die bekommt und sogar Kanzlerinnnen abhört. Brexit, Spanien/Katalonien, Visegrad Gruppe, EU Wahlen, US/China Handelsstreit, Regimechangekrieg in Venezuela usw ist da alles noch nicht eingepreist. Im Fahrwasser von ideologischer Verbortheit und Heuchelei sehe ich keine positive Zukunft für die Wirtschaft der EU. Und wir sind ein Teil der EU, wir können nicht nur auf die Entwicklung in Deutschland blicken.
s-n-a-f-u 14.02.2019
4.
Mit einem harten Brexit verlieren Sie erstmal 64 Millionen Konsumenten. Zur Zeit ist das Wachstum in GB aber immer noch höher als in Deutschland und die Arbeitslosigkeit auf einem Rekordtief trotz aller deutschen Unkenrufe!
Zitat von a.vollmerSolange Überstunden in Millionenzahl angesammelt werden läuft die Wirtschaft auf Overdrive an der Kante. Wie soll sie da noch wachsen? Der Popanz der Wachstumsrate als Wirtschaftsindikator ist absurd, wenn die Grenzen des Wachstums durch Arbeitskräftemangel sich bereits bemerkbar machen. In Supermärkten waren eher leere Regale zu finden als leere Plätze am Anschlagbrett mit Stellenangeboten. Derzeit kann Deutschland nur auf einen harten Brexit hoffen, der viele Arbeitsnomaden von der Insel vertreibt und hoffentlich viele davon einen Job in Deutschland suchen. Das würde nicht nur dringend benötigte Arbeitskräfte nach Deutschland bringen, sondern gleichzeitig Konsumenten die, die Binnenkonjunktur anfachen.
Mit einem harten Brexit verlieren Sie erstmal 64 Millionen Konsumenten. Zur Zeit ist das Wachstum in GB aber immer noch höher als in Deutschland und die Arbeitslosigkeit auf einem Rekordtief trotz aller deutschen Unkenrufe!
tomrobert 14.02.2019
5. Wachstum könnte viel höher sein!
Nur bremst die dämliche Schwarze Null alle und alles aus. Diese Merkantilismus ist jetzt eben zu Ende. Wenn die Schwarze Null weiter bleibt, können sich alle bei der schäbigen schwäbischen Hausfrau bedanken die jetzt als [...]
Nur bremst die dämliche Schwarze Null alle und alles aus. Diese Merkantilismus ist jetzt eben zu Ende. Wenn die Schwarze Null weiter bleibt, können sich alle bei der schäbigen schwäbischen Hausfrau bedanken die jetzt als Präsident des Bundestages ihren unverdienten Ruhestand mit hämischen Bemerkungen geniest.

Verwandte Artikel

Verwandte Themen

Grafik

Fotostrecke

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung
TOP