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Wirtschaft

Jahresanfang

Weniger Baugenehmigungen für Wohnungen

In den Ballungsgebieten wird es immer schwieriger, bezahlbaren Wohnraum zu finden. Es braucht neue Wohnungen - doch die Genehmigungen zum Bau sind in den ersten drei Monaten dieses Jahres gesunken.

imago images / photothek

Hier tut sich etwas: Wohnungsbau in Berlin (Archiv)

Montag, 20.05.2019   11:56 Uhr

Steigende Mietpreise machen vielen Großstädtern und Pendlern zu schaffen - wenn sie überhaupt eine Wohnung finden. Experten sind sich einig, dass in vielen Städten deutlich mehr gebaut werden müsste. Doch im ersten Quartal dieses Jahres sind weniger neue Wohnungen genehmigt worden: Von Januar bis März wurde der Neubau von 75.628 Wohnungen in Wohn- und Nichtwohngebäuden genehmigt, teilte das Statistische Bundesamt mit. Das waren knapp 2200 Einheiten oder 2,8 Prozent weniger als im gleichen Vorjahreszeitraum.

Im vergangenen Jahr waren knapp 347.000 neue Wohnungen genehmigt worden, der zweite Rückgang seit dem Rekordjahr 2016. Eine Zunahme verbuchten die Statistiker lediglich bei der Zahl der Baugenehmigungen für Einfamilienhäuser - sie stieg um 2,3 Prozent. Dagegen sank die Zahl der Baugenehmigungen für Zweifamilienhäuser um 4,0 Prozent und die Zahl der genehmigten Mehrfamilienhäuser um 4,4 Prozent.

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Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie äußerte sich enttäuscht. "Insbesondere die Genehmigungen von neuen Wohnungen in Mehrfamilienhäusern sind zurückgegangen - und hier herrscht vor allem in den Großstädten weiterhin Mangel", sagte Hauptgeschäftsführer Dieter Babiel. "Den Wohnungsbau kurbelt man nicht an, indem man ständig über Enteignung und das Einfrieren der Mieten diskutiert. Hiermit erreicht man nur das Gegenteil - die Investoren ziehen sich zurück."

Lesen Sie in der Kolumne: Was wirklich gegen Wohnungsnot hilft

Der Spitzenverband der Wohnungswirtschaft GdW warnte angesichts der Zahlen, der Wohnungsmangel in Deutschland werde zur Dauersituation. GdW-Präsident Axel Gedaschko sagte, die Entwicklung sei ein "Alarmsignal für die Zukunft des bezahlbaren Wohnens". Notwendig seien unter anderem dauerhafte steuerliche Verbesserungen für den Wohnungsbau und eine "aktive und vorausschauende Liegenschafts- und Bodenpolitik der Städte und Kommunen".

Der Zentrale Immobilien Ausschuss (ZIA) als der Spitzenverband der Immobilienwirtschaft wertete die Zahlen als Beleg dafür, dass das Wohnungswachstum mit steigender Regulierung sinke. ZIA-Präsident Andreas Mattner forderte: "Wir müssen endlich die Baugenehmigungszahlen deutlich nach oben treiben und Planungsprozesse beschleunigen - etwa durch die Einführung einer digitalen Bauakte, die Einführung einer Muster-Hochhausrichtlinie oder die Harmonisierung der 16 unterschiedlichen Landesbauordnungen, um das serielle Bauen zu fördern."#

Anmerkung der Redaktion: Die Zahl der Wohnungen wurde korrigiert, da in einer früheren Version die Wohnungen in Nichtwohngebäuden nicht berücksichtigt wurden.

kko/dpa/AFP

insgesamt 4 Beiträge
reitlehrer 20.05.2019
1. Haupthindernis sind die
Neinsager und Bedenkenträger in deutschen Ämtern und überbordende Vorschriften. Versuchen Sie mal in Deutschland einen Mobilhomepark zu eröffnen ...
Neinsager und Bedenkenträger in deutschen Ämtern und überbordende Vorschriften. Versuchen Sie mal in Deutschland einen Mobilhomepark zu eröffnen ...
ddcoe 20.05.2019
2. Kein Wunder
hat unser zuständiger Minister für die Niederungen des Lebens ja auch keine Zeit. Er vergeudet seine drei Tage Woche lieber mit dem Thema Migration im naiven Glauben damit das Abendland zu retten.
hat unser zuständiger Minister für die Niederungen des Lebens ja auch keine Zeit. Er vergeudet seine drei Tage Woche lieber mit dem Thema Migration im naiven Glauben damit das Abendland zu retten.
bernd0963 20.05.2019
3. Warum
sollte jemand ein Mehrfamilienhaus bauen ? Wahnsinnige Auflagen beim bauen und dann muss man sich noch beim Mietpreis Vorschriften machen lassen ! Kein Wunder also das nur mehr Eigenheime gebaut werden.
sollte jemand ein Mehrfamilienhaus bauen ? Wahnsinnige Auflagen beim bauen und dann muss man sich noch beim Mietpreis Vorschriften machen lassen ! Kein Wunder also das nur mehr Eigenheime gebaut werden.
liberaleroekonom 21.05.2019
4. Die SPD wusste schon immer wie man eine Situation verschlimmern kann
Bei den Enteignungsphantasien mancher Politiker muss man da bei Mehrfamilienhäusern wirklich aufpassen: 1. Als Wohnungsgesellschaft, dass man damit in Berlin nicht die magische Grenze von 3.000 Wohnungen reißt. Weil damit [...]
Zitat von bernd0963sollte jemand ein Mehrfamilienhaus bauen ? Wahnsinnige Auflagen beim bauen und dann muss man sich noch beim Mietpreis Vorschriften machen lassen ! Kein Wunder also das nur mehr Eigenheime gebaut werden.
Bei den Enteignungsphantasien mancher Politiker muss man da bei Mehrfamilienhäusern wirklich aufpassen: 1. Als Wohnungsgesellschaft, dass man damit in Berlin nicht die magische Grenze von 3.000 Wohnungen reißt. Weil damit gilt man dann automatisch als potentieller Kandidat für die Vergesellschaftung nach Artikel 15 GG. 2. Als Privatmann, dass man sich durch die Vermietung von Wohnraum nicht den Zorn des Herrn Kühnert (SPD) einfängt und dann ggf. ebenfalls enteignet wird. Wie sagte er doch so schön entlarvend: Ich finde nicht, dass es ein legitimes Geschäftsmodell ist, mit dem Wohnraum anderer Menschen seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Bei diesem investitionsfeindlichem Klima wundert es mich, dass überhaupt noch so viele private Investitionen auf dem Wohnungsmarkt getätigt werden. Wenn dann aber erst einmal Herr Scholz (SPD) sein wertbasiertes Grundsteuermodell durch hat und vielleicht sogar noch die Vermögenssteuer auf Immobilien wieder erhoben wird, wird bestimmt alles besser auf dem Wohnungsmarkt.

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