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Wirtschaft

Krisengipfel zu Griechenland

Euro-Finanzminister vertagen sich

Eine knappe Stunde haben die Finanzminister der Euroländer zusammengesessen - und sich wieder vertagt. Eine Vorlage nämlich gab es nicht, die Gläubiger hatten noch gar nicht fertig verhandelt.

AFP

Finanzminister von Luxemburg (l.) und Griechenland: Fortsetzung folgt

Von , Brüssel
Mittwoch, 24.06.2015   21:04 Uhr

Mit einer Stunde Verspätung hatte das Treffen der Euro-Gruppe begonnen - und nur eine Stunde später war es schon wieder vorbei. Die Verhandlungen der drei Institutionen Internationaler Währungsfonds (IWF), Europäischer Zentralbank (EZB) und EU-Kommission mit dem griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras zuvor hatten lange gedauert.

Um 13 Uhr war Tsipras eingetroffen, erst um 19 Uhr verließ er das Gebäude der EU-Kommission wieder, um ins Hotel zu fahren. EU-Quellen sprachen von "schwierigen Verhandlungen". Und sie sind noch nicht vorbei. Für 23 Uhr ist bereits das nächste Treffen des griechischen Regierungschefs mit den Institutionen anberaumt, wie SPIEGEL ONLINE erfuhr.

Die Finanzminister reagierten bei der Anreise ähnlich wie bei den vergangenen beiden Euro-Gruppen-Treffen: Österreichs Hans Jörg Schelling sprach von "einem weiten Weg", er sei sogar weniger zuversichtlich als beim vergangenen Euro-Gruppen-Treffen am Montag. Der finnische Minister Alex Stubb sagte, er wäre "sehr positiv überrascht, wenn wir heute Nacht eine Einigung erzielten". Der notorisch freundliche slowakische Finanzminister Peter Kazimir scherzte, er habe sich ein Buch mitgebracht - ob als Mittel gegen Langeweile oder um eine lange Nacht zu überbrücken, ließ er offen.

Den einzigen hoffnungsvollen Farbtupfer brachte der luxemburgische Finanzminister Pierre Gramegna: Er hatte zum Euro-Gruppen-Treffen extra die Krawatte der griechischen Ratspräsidentschaft umgebunden (siehe Foto).

Skeptisch wie immer zeigte sich dagegen Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble: "Mein Gefühl ist, wir sind noch nicht viel weiter als Montag". Er wolle jetzt erst einmal hören, was die Institutionen zu berichten hätten. Bis kurz vor Schäubles Ankunft war für den Minister kein Hotelzimmer reserviert - das war schnell nachgeholt worden.

Die Nachrichten der Institutionen dürften wenig erfreulich gewesen sein, die Fronten zwischen Gläubigern und Griechenland sind nach der Intervention des IWF verhärtet. Währungsfonds-Chefin Christine Lagarde betrat das Ratsgebäude angespannt und ohne das gewohnte Lächeln. EZB-Präsident Mario Draghi ging wortlos an den wartenden Journalisten vorbei, EU-Wirtschaftskommissar Pierre Moscovici wirkte sorgenvoll und verbreitete keinen Optimismus, eine Lösung sei "möglich und notwendig" sagte er lediglich. Selbst der sonst immer zu einem Statement bereite griechische Finanzminister Gianis Varoufakis wirkte nicht mehr so selbstsicher.

Es war also ein sehr kurzes Treffen, am Donnerstagmittag um 13 Uhr soll die Euro-Gruppe erneut tagen - man hofft auf ein Ergebnis der Nachtverhandlungen, damit die Staats- und Regierungschefs der Eurozone am Donnerstagnachmittag oder Freitag noch eine Einigung verkünden können.

Beim Verlassen des Gebäudes wirkten die Beteiligten gar noch besorgter, als eine Stunde zuvor. Die Leichtigkeit, mit der die IWF-Chefin und der griechische Finanzminister auch bei schwierigen Verhandlungen noch gescherzt hatten - vorbei. Ein weiteres Mal, das ist klar, werden die Beteiligten nicht nach Brüssel reisen. Wenn die Nacht und der Donnerstagvormittag ohne Ergebnis verstreichen, wird es keine Fortsetzung geben.

Nur die Staats- und Regierungschefs können dann noch eine Einigung herbeiführen - notfalls gegen den Willen ihrer Finanzminister.

insgesamt 55 Beiträge
Badischer Revoluzzer 24.06.2015
1. Nach der Frist, ist vor der Frist.
Ich glaube die halten das noch Jahrzehnte aus.
Ich glaube die halten das noch Jahrzehnte aus.
joes.world 24.06.2015
2. 10 Punkte für den Grexit.
Mit Grexit lernen die GR dass 1. Ihre Ex-Regierungen daran schuld sind. 2. Auch die Jetzige, die das Programm der Troiaka ablehnte. 3. Dass ihr Staat kaputt genug ist, um GRUNDLEGENDE Änderungen in seinem [...]
Mit Grexit lernen die GR dass 1. Ihre Ex-Regierungen daran schuld sind. 2. Auch die Jetzige, die das Programm der Troiaka ablehnte. 3. Dass ihr Staat kaputt genug ist, um GRUNDLEGENDE Änderungen in seinem Verwaltungsaufbau durchzusetzen. Dass kein Stein mehr auf dem anderen bleiben darf. 4. Die Bereitschaft der Griechen zu diesen Veränderungen würde rasant steigen. 5. Ein Umstieg zur Drachme würde Griechenland bei seinen Reformen HELFEN. 6. Neuwahlen könnten kommen und eine andere Regierung bringen. 7. EU Ratschläge zum Umbau würden gehört. 8. Statt Milliarden zu vernichten, könnte die EU Hilfsgelder beim Umbau liefern. 9. Spanien bleibt eine Linke Regierung erspart. 10. Nach der Erholung in 20, 30 Jahren ist GR fähig langsam Schulden abzubauen. Merkel. Seehofer & Gabriel wollen dies nicht. Die Drei sind Beharrer. Wenn nötig, bis zum Untergang. Aus Angst vor Unbekannten. Lieber aussitzend und zusehen, wie alles den Bach hinunter geht. Der Einzige, der die Dinge noch beim Namen nennt, scheint mit seiner Analyse alleine gelassen: Schäuble!
MarkusH. 24.06.2015
3. was willst da auch verhandeln?
jeder brüllt dem anderen sein NEIN Entgegen und mehr geht nicht. nur wer hat recht?
jeder brüllt dem anderen sein NEIN Entgegen und mehr geht nicht. nur wer hat recht?
tailspin 24.06.2015
4. Drinking Game
Wenn ich auf jede Meldung von einem Deal-No Deal einen Ouzo schlucken wuerde, waere ich hoffnungslos besoffen bis naechsten Samstag.
Wenn ich auf jede Meldung von einem Deal-No Deal einen Ouzo schlucken wuerde, waere ich hoffnungslos besoffen bis naechsten Samstag.
saxschneider 24.06.2015
5. Ein langer Todeskampf
Der griechische Staatskörper ist längst erstickt, an Beamtenkrebs verstorben, blutleer, ohne die geringsten Anzeichen einer Gehirntätigkeit. Trotzdem behaupten Junker und Konsortien: "Der Grieche lebt, er lebt". Nein, [...]
Der griechische Staatskörper ist längst erstickt, an Beamtenkrebs verstorben, blutleer, ohne die geringsten Anzeichen einer Gehirntätigkeit. Trotzdem behaupten Junker und Konsortien: "Der Grieche lebt, er lebt". Nein, lieber Herr Präsident, er ist tot, mausetot. Und dass Sie ihn knuddeln und knutschen macht ihn auch nicht wieder lebendig.

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