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Wirtschaft

Euro-Gruppen-Treffen

"Es geht nur mit Erwachsenen"

Keine Einigung, aber weitere Gespräche - Griechenland und die Euro-Gruppe sind weiterhin zum Dialog bereit, aber die jeweils andere Seite solle sich bewegen. Die Finanzminister konnten es nicht richten, IWF-Direktorin Lagarde setzt nun auf die Chefs.

AP/dpa

IWF-Chefin Lagarde: Dialog nur mit Erwachsenen

Aus Luxemburg berichtet
Donnerstag, 18.06.2015   22:36 Uhr

Das Wunder ist ausgeblieben, auch wenn mehrere Euro-Finanzminister es sich gewünscht hatten und der slowakische Finanzminister Peter Kazimir sogar sagte: "Ich bin katholisch, deshalb glaube ich an Wunder". Die Zweifler haben Recht behalten, auch die Euro-Gruppe ist bei der Lösung des andauernden Problems keinen Schritt weiter gekommen.

Eine Stunde lang haben die Euro-Finanzminister über den dann doch von der ersten auf die letzte Stelle verschobenen Tagesordnungspunkt Griechenland gesprochen. Der griechische Finanzminister Gianis Varoufakis hatte angekündigt, er werde einen neuen Vorschlag unterbreiten, der "entlang der roten Linien" den "teuren Konflikt" mit einem "wirksamen Konsens" ersetzen werde.

Fünf Seiten lang soll die Liste gewesen sein, aber sie hat weder die anderen Finanzminister noch EU-Kommission, Europäische Zentralbank (EZB) oder den Internationalen Währungsfonds (IWF) überzeugt.

Tusk beruft Euro-Gipfel für kommenden Montag ein

Die Eurozone taumelt also in Richtung einer griechischen Staatspleite, ganz nach dem Motto des irischen Finanzministers "Lieber kein Deal, als ein schlechter Deal." Jetzt können nur noch die Staats- und Regierungschefs der Eurozone versuchen, eine Lösung zu finden. Für den kommenden Montag hat der Präsident des Europäischen Rats, Donald Tusk die 19 Top-Politiker nach Brüssel eingeladen, um noch vor dem regulären EU-Gipfel eine Lösung zu finden.

Euro-Gruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem und EU-Wirtschaftskommissar Pierre Moscovici waren sichtlich darum bemüht, die Situation nicht zu schwarz zu malen und wählten diplomatische Worte. Es fehle weiterhin ein glaubwürdiger Vorschlag von griechischer Seite, die Zeit werde knapp, aber noch sei eine Einigung möglich.

Erst als er auf griechische Medienberichte angesprochen wird, in denen den Gläubigern vorgeworfen wird, auf harten Einschnitten zu Lasten der sozial Schwachen in Griechenland zu bestehen, wird EU-Kommissar Moscovici sichtlich erregt: "Was die Institutionen vorgelegt haben, ist nicht gemäßigt, aber vernünftig", sagte er. "Wir wissen, dass den Armen geholfen werden muss und für Sozialprogramme Geld ausgegeben werden muss." Nur habe die griechische Seite keinen Vorschlag gemacht, wie sie das notwendige Geld einnehmen möchte. Alle betonten mehrfach: Wir wollen, das Griechenland Teil der Eurozone bleibt.

Es war IWF-Chefin Christine Lagarde, die offenbarte, wie die Stimmung wirklich ist: "Wir müssen eine Lösung im Dialog finden. Und das geht nur mit Erwachsenen."

Varoufakis gibt seine eigene Pressekonferenz

Derjenige, dem dieser Tadel galt, gab kurz danach seine eigene Pressekonferenz vor gut 100 Journalisten. Der griechische Finanzminister verwies auf die katastrophale Lage seines Landes: Die Wirtschaft am Boden, die Arbeitslosigkeit enorm, die Schulden untragbar, Armut und Hunger sind Alltag. "Griechenland braucht Reformen, aber nicht weitere Einschnitte", sagte Varoufakis.

Sein Reformplan sieht eine Fülle von Maßnahmen vor: Aufbau einer unabhängigen Steuerbehörde, Neuordnung des Rentensystems, Verwaltungsreform, Liberalisierung verschiedener Branchen, Korruptionsbekämpfung, Erleichterungen für Unternehmensgründer und eine automatische Schuldenbremse. (Hier hat er seine Ideen veröffentlicht) Alles vernünftige und gute Ideen, wie selbst EU-Diplomaten sagen. Aber sie sind keine Annäherung an die Forderungen der Gläubiger, ohne die es keine Einigung geben wird.

Der Ball, diesen Satz haben nahezu alle Vertreter der Institutionen mehrfach wiederholt, liegt im Feld der Griechen.

Ich denke an einen Erfolg

Seit dem letzten Treffen von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker mit dem griechischen Präsidenten Alexis Tsipras und Euro-Gruppen-Chef Dijsselbloem hat sich offenbar nur eines geändert: Die Deadline 30. Juni ist sehr viel näher gerückt und damit eine ungeordnete Staatspleite Griechenlands.

Der griechische Finanzminister warnte seine Europartner davor, die Verhandlungen im Schuldenstreit für gescheitert zu erklären: "Wir sind gefährlich nahe an einer Haltung, die einen Unfall akzeptiert", sagte Varoufakis. "Ich habe meinen Kollegen gesagt, dass ich eine solche Denkweise nicht akzeptiere. Ich denke nicht an eine Niederlage sondern an den Erfolg."

Verhandeln müsste den aber sein Regierungschef Alexis Tsipras am kommenden Montag.

insgesamt 259 Beiträge
makfischerz 18.06.2015
1. Ohne Filter
Wie wäre es denn, wenn wir die Vorschläge , die Varoufakis seinen Kollegen vorgetragen hat, im Orginal lesen und die lächerlichen Ball Metaphern beiseite [...]
Wie wäre es denn, wenn wir die Vorschläge , die Varoufakis seinen Kollegen vorgetragen hat, im Orginal lesen und die lächerlichen Ball Metaphern beiseite lassen....http://yanisvaroufakis.eu/2015/06/18/greeces-proposals-to-end-the-crisis-my-intervention-at-todays-eurogroup/
mreuss 18.06.2015
2. Artikel wie diese
treiben einen in den Wahnsinn. Es gibt nix mehr zu verhandeln, der Drops ist gelutscht. Und das ist gut so. Die einzige Chance auf Erholung hat Griechenland ausserhalb der Eurozone. Alles andere ist Konkursverschleppung. Lieber [...]
treiben einen in den Wahnsinn. Es gibt nix mehr zu verhandeln, der Drops ist gelutscht. Und das ist gut so. Die einzige Chance auf Erholung hat Griechenland ausserhalb der Eurozone. Alles andere ist Konkursverschleppung. Lieber Spiegel: verschont uns bitte mit diesen irrelevanten Wasserstandsmeldungen.
gabrielle.buchholz 18.06.2015
3. Die Gr-Politiker sollten sich schämen wie Ihr Land
heruntergewirtschaftet haben mit all Ihrer Korruption und Unfähigkeit.Trotz der 240.000.000.000,00 die in den letzten 5 Jahren geflossen sind. Und jetzt wollen sie mit ein paar Milliarden den Karren aus dem Dreck ziehen ? Die [...]
heruntergewirtschaftet haben mit all Ihrer Korruption und Unfähigkeit.Trotz der 240.000.000.000,00 die in den letzten 5 Jahren geflossen sind. Und jetzt wollen sie mit ein paar Milliarden den Karren aus dem Dreck ziehen ? Die Schieberei hat hat mit dem EURO-Eintritt begonnen und setzt sich bis heute lückenlos fort. Bestes Beispiel sind die andauernder ELA Milliarden mit denen der GR Haushalt und weiß Gott noch was alles finanziert wird. (Trotz eindeutigen Verbot durch die Maastricht Kriterien.) Ich bin sicher nachdem was alles auf dem Tisch liegt daß jetzt noch mancher in Athen sein Köfferchen durch den ELA Schlauch füllt und die anderen EURO Partner dürfen dann die Zeche bezahlen. Alle Personen die geholfen haben daß GR widerrechtlich in die EURO-Zone gelangt ist gehören vor Gericht gestellt und streng bestraft!
#4711 18.06.2015
4. Lustig, ist diese Aufregung
um Griechenland. Beängstigend allerdings ist es das niemand über die Ukraine spricht. Da sind die griechischen Probleme Peanuts. Toll ist es auch, das damals alle für die Aufnahme Griechenlands waren und jetzt mit aller [...]
um Griechenland. Beängstigend allerdings ist es das niemand über die Ukraine spricht. Da sind die griechischen Probleme Peanuts. Toll ist es auch, das damals alle für die Aufnahme Griechenlands waren und jetzt mit aller Macht die Ukraine aufnehmen wollen.
nudelsuppe8 18.06.2015
5. Zweck`?
Was wollen die eignetlich erreichen? Noch mehr Geld völlig sinnfrei verbrennen? Es ist alles schlimmer geworden, nicht besser! Schulden mit Schulden begleichen...was ein Wahnsinn. Genauso wie es Wahnsinn ist, dass diese Leute [...]
Was wollen die eignetlich erreichen? Noch mehr Geld völlig sinnfrei verbrennen? Es ist alles schlimmer geworden, nicht besser! Schulden mit Schulden begleichen...was ein Wahnsinn. Genauso wie es Wahnsinn ist, dass diese Leute straffrei bleiben.

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