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Wirtschaft

Finanzkrise in Griechenland

Ex-Finanzminister deponierte Geld im Ausland

Der frühere griechische Finanzminister Gikas Hardouvelis hat Hunderttausende Euro ins Ausland geschafft. Die heimischen Banken waren ihm auf dem Höhepunkt der Finanzkrise offenbar nicht sicher genug.

DPA

Ex-Finanzminister Gikas Hardouvelis: Nie mehr als 9999 Euro überwiesen

Montag, 09.03.2015   16:30 Uhr

Hamburg - Zum Höhepunkt der Finanzkrise in Griechenland 2012 vertraute kaum noch jemand den Banken des Landes: Selbst der Vorgänger von Giannis Varoufakis als Finanzminister, Gikas Hardouvelis, brachte Hunderttausende Euro seines Privatvermögens bei einer Bank auf der Kanalinsel Jersey in Sicherheit. Wie die Athener Wochenzeitung "Real News" berichtet, ermittelt jetzt der neue Anti-Korruptionsminister Panagiotis Nikoloudis gegen Hardouvelis.

Nikoloudis kam dem Ex-Finanzminister durch Ungereimtheiten auf dessen Konten auf die Schliche: Demnach stellten die Ermittler für das Jahr 2011 fest, dass die Höhe der Guthaben nicht mit Hardouvelis beim Finanzamt deklarierten Einkünften übereinstimmte. Auch soll er das Konto in Jersey nicht angegeben haben, auf das er im Laufe des Jahres 2012 mehr als 350.000 Euro überwiesen hat. Nikoloudis legte laut "Real News" Wert darauf, die Ermittlungen schon als Oberstaatsanwalt begonnen zu haben, bevor er Minister in der Syriza-Regierung geworden sei.

Hardouvelis, der unter Antonis Samaras als Finanzminister diente, galt in der Bevölkerung als das Gesicht des verhassten Sparkurses der konservativen Regierung. Der 59-jährige Ökonom gab die Überweisungen sofort zu, beteuerte aber, die Gelder seien "alle versteuert und deklariert". Er habe schlicht "Angst um seine Kinder gehabt", sollte "das Land zusammenbrechen".

Hardouvelis war zu der Zeit zwar nicht Finanzminister, als Büroleiter für Wirtschaftsfragen des damaligen Ministerpräsidenten Loukas Papadimos kannte er sich in der Finanzwelt aber aus. So überwies er nie mehr als 9999 Euro auf sein Auslandskonto, weil die griechische Zentralbank bei Auslandsüberweisungen von mehr als 10.000 Euro automatisch Kontrollen durchführt - wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung oder Geldwäsche.

Die Links-Rechts-Regierung unter Alexis Tsipras nutzte die Vorwürfe gegen Hardouvelis, um die Vorgängerregierung scharf zu kritisieren. Die konservative Nea Dimokratia (ND) antwortete mit einem Gegenvorwurf: Auch Syriza-Politiker hätten schließlich Privatvermögen auf ausländischen Konten.

Tatsächlich hatte eine griechische Zeitung die Namen von 38 griechischen Spitzenpolitikern veröffentlicht, die über Vermögen im Ausland verfügen, darunter finden sich auch vier ranghohe Syriza-Politiker: Wirtschaftsminister Georgios Stathakis, die für Steuersachen zuständige Vizefinanzministerin Nadja Valavani, Vizeaußenminister Euklidis Tsakalotos sowie der Europaabgeordnete Dimitris Papadimoulis.

nck/gic/AFP

insgesamt 34 Beiträge
auf_dem_Holzweg? 09.03.2015
1. ja glaubt ihr etwa
Schäuble deponiert irgendwo Geld im Euro-Raum? Danke, das liegt schön in der Schweiz oder Monaco. Selbst Russland mit seinem Rubel ist sicherer. Der Schäuble ist zwar bedingungsloser Merkel-Anhänger, aber er ist nicht [...]
Schäuble deponiert irgendwo Geld im Euro-Raum? Danke, das liegt schön in der Schweiz oder Monaco. Selbst Russland mit seinem Rubel ist sicherer. Der Schäuble ist zwar bedingungsloser Merkel-Anhänger, aber er ist nicht komplett benebelt!
Wassup 09.03.2015
2. Die böse Troika....
griechische Moralvorstellungen: Der Ex-Finanzminister unterscheidet eben nicht von einem Großteil der Griechen, die ihrem eigenem Bankensystem kein Geld mehr verleihen möchten. Dies zeigt auch der Bank-Run in Griechenland. [...]
griechische Moralvorstellungen: Der Ex-Finanzminister unterscheidet eben nicht von einem Großteil der Griechen, die ihrem eigenem Bankensystem kein Geld mehr verleihen möchten. Dies zeigt auch der Bank-Run in Griechenland. Obwohl die Griechen ihrem eigenem Land kein Geld leihen, hätte man gerne, dass andere europäische Bürger Griechenland Geld leihen. Seltsam!
John M 09.03.2015
3. Gut, daß die die Situation richtig erkannt haben.
Schlecht und teuer für den deutschen Bürger, daß seine gewählte und teuer bezahlte Regierung dazu nicht in der Lage war/ist. Ich habe auch Angst um meine Altersversorgung. Aber unsere Regierung kümmert sich nicht darum, daß [...]
Schlecht und teuer für den deutschen Bürger, daß seine gewählte und teuer bezahlte Regierung dazu nicht in der Lage war/ist. Ich habe auch Angst um meine Altersversorgung. Aber unsere Regierung kümmert sich nicht darum, daß ich bereits tausende Euros meiner Altersversorgung für ihre Politik bezahlt habe - Ende ist nicht in Sicht.
michaelboebel 09.03.2015
4. passt doch ins bild.
griechenland soll sich tatsächlich auf seine "würde" besinnen und neu anfangen. raus aus dem euro, arbeiten, steuern zahlen und nach wiedererlangter, echter würde und ehrlichem stolz wieder zurück nach europa. [...]
griechenland soll sich tatsächlich auf seine "würde" besinnen und neu anfangen. raus aus dem euro, arbeiten, steuern zahlen und nach wiedererlangter, echter würde und ehrlichem stolz wieder zurück nach europa. oder auch nicht, wenn der "stolz" dann zu groß ist.
lothar.adam.18 09.03.2015
5. Von innen verrottet
ist dieses griechische System. Nur mit deutschen Finanzbeamten, der deutschen Steuerfahndung und auf deutsch lesbaren Belegen lässt es sich sanieren. Vorher darf nichts ausbezahlt werden. Das wäre die richtige Ansatz und nicht [...]
ist dieses griechische System. Nur mit deutschen Finanzbeamten, der deutschen Steuerfahndung und auf deutsch lesbaren Belegen lässt es sich sanieren. Vorher darf nichts ausbezahlt werden. Das wäre die richtige Ansatz und nicht das sprachverwirrende Gedusele: "die Griechen müssten ihre Probleme selbst lösen". Sie wollen es nicht.

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