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Wirtschaft

Finanz-Comeback

Griechische Regierung stellt weitere Auktionen in Aussicht

Griechenland ist zurück. Erstmals seit vier Jahren leiht sich das Land wieder langfristig Geld. Die Zweifel am Sinn der Aktion sind groß. Doch der verantwortliche Minister Staikouras stellt im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE bereits weitere Auktionen in Aussicht.

AP
Aus Athen berichten und
Donnerstag, 10.04.2014   18:22 Uhr

Vor dem Büro von Christos Staikouras hängt eine Anleihe: 76 Millionen Drachmen zu einem Zinssatz von fünf Prozent und mit einer Laufzeit von 80 Jahren. Das Geld werde unter internationaler Aufsicht zurückgezahlt, heißt es in dem Papier. Es stammt von 1898 - fünf Jahre zuvor war Griechenland bankrottgegangen.

Die Geschichte wiederholt sich. Vier Jahre nach der Rettung durch seine Euro-Partner hat Griechenland am Donnerstag erstmals wieder eine Anleihe begeben. Staikouras war daran entscheidend beteiligt, als zweiter Finanzminister ist er sowohl für Anleiheauktionen als auch den Haushalt zuständig. Als SPIEGEL ONLINE den 40-Jährigen zum Gespräch trifft, ist gerade das Ergebnis der Auktion eingetroffen: Griechenland bekommt drei Milliarden Euro zu einem Zinssatz von 4,75 Prozent.

"Das ist ein Meilenstein für die griechische Gesellschaft", sagt der sichtlich zufriedene Staikouras. "Wir haben unsere Ziele übererfüllt. Das ist das Ergebnis riesiger Opfer der griechischen Gesellschaft." Und der Minister stellt bereits weitere Anleihen in Aussicht. "Ich kann nicht ausschließen, dass wir dieses Jahr noch eine Auktion haben, das hängt von der weiteren Entwicklung ab."

Das wachsende Selbstbewusstsein stützt sich vor allem darauf, dass die griechische Regierung inzwischen fest mit einem Haushaltsplus plant - die Zinszahlungen einmal herausgerechnet. "Dem Programm zufolge wird es 2013 und in den kommenden zwei Jahren einen signifikanten Primärüberschuss geben", sagte Staikouras. Diesen Überschuss hatten die Euro-Partner zur Bedingung dafür gemacht, mit Griechenland über weitere Erleichterungen bei den Hilfskrediten zu verhandeln.

Von den Euro-Partnern ermutigt

Mit diesem Versprechen dürfte Bundeskanzlerin Angela Merkel bereits bei ihrem Besuch in Athen am Freitag konfrontiert werden. Am 23. April soll die Statistikbehörde Eurostat den Primärüberschuss bestätigen. Dann könne man "mit der Diskussion über Erleichterungen für die Kredite beginnen", so Staikouras.

Doch warum sollten die Geldgeber Griechenland weitere Erleichterungen einräumen, wenn das Land sich zugleich für deutlich höhere Zinsen wieder selbst Geld leiht? "Das sind zwei unterschiedliche Fragen", sagte Staikouras. Zum einen gebe es die Absprache über die Zinserleichterungen. "Aber wir haben auch vereinbart, dass wir mit einer Rückkehr an die Märkte experimentieren werden." Die anderen Euro-Länder hätten Griechenland zu der Auktion ermutigt.

Für die Opposition ist freilich gerade die Unterstützung aus dem Ausland verdächtig. Dimitris Papadimoulis, Sprecher der Parlamentsfraktion des Linksbündnisses Syriza, sagt SPIEGEL ONLINE: "Die Auktion hilft Merkel mit ihrem Dogma, wonach die Rettungspakete funktioniert haben, und den Wahlkampfplänen der Regierung - sonst niemandem." Investoren hätten die Anleihen nur gekauft, weil diese mit mehrfachen Garantien abgesichert seien und weil es derzeit auf den Finanzmärkten zu viel Liquidität gebe.

Schielen auf die nahenden Wahlen

Auch Unternehmern ist angesichts der nach wie vor schwer angeschlagenen Realwirtschaft nicht zum Jubeln zumute. "Noch haben wir keine signifikanten Verbesserungen gesehen", sagte Telemachos Pentzos, Chef des Exportkonzerns Zanae. Die Anleiheauktion sei eine positive Entwicklung, doch für Privatunternehmer sei es noch immer sehr teuer, sich Geld zu leihen. Selbst die griechische Börse zeigte sich unbeeindruckt: Sie schloss mit einem Minus von knapp einem Prozent.

Mit der unerwartet frühen Auktion nährt die Regierung den Verdacht, bei ihrer Finanzpolitik vor allem auf die nahenden Wahlen zu schielen. Als kaum verhehlter Stimmenfang wird auch kritisiert, dass ein Teil des gerade erst erwirtschafteten Primärüberschusses schon wieder ausgeschüttet werden soll - ein Teil davon geht kurz vor dem Wahltermin als "soziale Dividende" an Bedürftige.

Die Dividende sei im Grundsatz schon Ende 2012 vereinbart worden, verteidigt Finanzminister Staikouras den Schritt. Er verhehlt aber nicht, dass er sich von der Rückkehr an die Märkte auch erhöhte Popularität erhofft. "Ich denke, nach der Auktion wird sich die politische Agenda zugunsten der Regierung drehen, und das wird sich auch in den Umfragen zeigen."

In Teilen der griechischen Bevölkerung dürfte die Auktion aber das genaue Gegenteil bewirken. Sie empfinden es geradezu als Verrat, dass sich Griechenland nun erneut Geld von Finanzinvestoren leiht. Das belegt eine Autobombe, die am frühen Donnerstagmorgen vor der griechischen Notenbank explodierte - in Sichtweite von Staikouras' Büro.

insgesamt 87 Beiträge
diathermie 10.04.2014
1. Kapitalmarkt statt Menschen
Hinter den Kulissen, das Übliche: In der Rangliste der Pressefreiheit 2014, (der weiß Gott nicht linken "Reporter ohne Grenzen" mit UN- Beraterstatus) steht GR auf dem 99. Platz, weit hinter z.B. Siera Leone, Haiti etc. Vor [...]
Zitat von sysopAPGriechenland ist zurück. Erstmals seit vier Jahren leiht sich das Land wieder langfristig Geld. Die Zweifel am Sinn der Aktion sind groß. Doch der verantwortliche Minister Staikouras stellt im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE bereits weitere Auktionen in Aussicht. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/griechische-regierung-stellt-weitere-anleihe-auktionen-in-aussicht-a-963758.html
Hinter den Kulissen, das Übliche: In der Rangliste der Pressefreiheit 2014, (der weiß Gott nicht linken "Reporter ohne Grenzen" mit UN- Beraterstatus) steht GR auf dem 99. Platz, weit hinter z.B. Siera Leone, Haiti etc. Vor einigen Tagen trat der Regierungssekretär zurück- wegen engen Austausches mit den Neonazis. Gestern wurden vorerst 350 Krankenhausärzte entlassen, Dialyse- und Krebspatienten vor die Tür gesetzt, Krankenhäuser aus dem Bereitschaftsdienst entlassen- weiterhin nehmen tausende Kranke ihre Medikamente nicht ein, weil sie sie nicht bezahlen können, ca. 3 Mio. haben keinen oder fast keinen Zugang zum öffentlichen Gesundheitsdienst, hunderttausende Arbeitslose haben 0 Euro zum Leben, der Rest der Bevölkerung ist durch Sonderabgaben ausgelaugt. Den Wenigen, den es immer schon zu gut ging, geht es weiterhin zu gut, die Schwarzgeldlisten (z.B. Lagarde- Liste)der Reichsten der Reichen sind seit Jahren nicht aufgearbeitet. Die übrigen Menschen sind also am Abgrund, um das geliehene Geld zurückzuzahlen und jetzt wird gefeiert, dass man sich WIEDER noch MEHR Geld leihen kann?? Wer hält endlich diesen Irrsinn auf???
prophet46 10.04.2014
2. Nichts gelernt?
Huch, die Kinder sind überglücklich, sie dürfen wieder in den Euro-Candyladen. Wetten, dass demnächst wieder 10.000 neue Stellen im Staatsdienst geschaffen werden?
Zitat von sysopAPGriechenland ist zurück. Erstmals seit vier Jahren leiht sich das Land wieder langfristig Geld. Die Zweifel am Sinn der Aktion sind groß. Doch der verantwortliche Minister Staikouras stellt im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE bereits weitere Auktionen in Aussicht. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/griechische-regierung-stellt-weitere-anleihe-auktionen-in-aussicht-a-963758.html
Huch, die Kinder sind überglücklich, sie dürfen wieder in den Euro-Candyladen. Wetten, dass demnächst wieder 10.000 neue Stellen im Staatsdienst geschaffen werden?
yanti24 10.04.2014
3.
Zitat von sysopAPGriechenland ist zurück. Erstmals seit vier Jahren leiht sich das Land wieder langfristig Geld. Die Zweifel am Sinn der Aktion sind groß. Doch der verantwortliche Minister Staikouras stellt im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE bereits weitere Auktionen in Aussicht. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/griechische-regierung-stellt-weitere-anleihe-auktionen-in-aussicht-a-963758.html
yanti24 10.04.2014
4. Griechische Verhältnisse...
Dann kann Griechenland das weiter machen, was es am Besten kann: Über seine Verhältnisse leben.
Dann kann Griechenland das weiter machen, was es am Besten kann: Über seine Verhältnisse leben.
dequincey 10.04.2014
5. Stört es das deutsche Wahlvolk?
Vom 22. - 25. Mai ist die Wahl zum Europaparlament. Jeder der sich über die unsere Regierung, die letztlich Griechenlands Zockerei zulässt und seit Jahren unterstützt und ihre Politik ärgert, kann dies an der Wahlurne zeigen. [...]
Vom 22. - 25. Mai ist die Wahl zum Europaparlament. Jeder der sich über die unsere Regierung, die letztlich Griechenlands Zockerei zulässt und seit Jahren unterstützt und ihre Politik ärgert, kann dies an der Wahlurne zeigen. Meine Prognose: Es wird kaum Unmut sichtbar werden, weil den meisten Menschen die Champions League, die Formel 1 oder sonstiger Schnickschnack wichtiger ist als Ihre Zukunft oder die Ihrer Kinder.

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