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Wirtschaft

Ifo-Studie

Deutschland profitiert von Handelsstreit

Die nächste Runde im US-chinesischen Zollstreit droht, das Ifo-Institut hat vorab schon die Folgen untersucht. EU-Staaten wären Gewinner, China deutlicher Verlierer. Bei den USA kommt es auf die Gegenreaktion an.

Yu fangping - Imaginechina /AP

Der Hafen von Qingdao - China würden die angedrohten Zölle hart treffen

Dienstag, 13.08.2019   14:45 Uhr

US-Präsident Donald Trump droht mit neuen Zöllen auf Importe aus China. Forscher des Ifo-Instituts haben nun berechnet, wie sich diese in der Welt auswirken würden. Deutschland und Europa könnten sich den Forschern zufolge moderate Vorteile verschaffen. "Die EU-Staaten könnten bei zusätzlichen US-Zöllen auf China-Importe mehr in die USA exportieren, wenn chinesische Exporte wegfallen", sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest.

Sollten die USA die angedrohten Zölle von zehn Prozent auf weitere chinesische Importe im Wert von 300 Milliarden Dollar erheben, würden viele europäische Länder den Berechnungen zufolge profitieren:

"Grund für dieses Ergebnis ist, dass einseitige US-Zollanhebungen deren Produzenten begünstigen und Staatseinnahmen erhöhen", sagte Ifo-Expertin Marina Steininger. So dürften zuvor importierte Güter teilweise durch heimische Produktion ersetzt werden. "Dadurch sinken Importe, während die Nachfrage nach heimischen Gütern steigt und es insgesamt zu positiven realen Einkommenseffekten kommt", sagte Steininger.

Die Studie hat jedoch Grenzen: So ist eine Abwertung der chinesischen Währung Yuan nicht einberechnet. Vergangene Woche hatte ein Dollar erstmals seit 2008 wieder mehr als sieben Yuan gekostet, Experten befürchten nun eine Eskalation des Handels- zum Währungskrieg, weil die chinesische Notenbank den Kurs beeinflussen kann (lesen Sie hier die Hintergründe).

Auch negative Effekte, die durch eine wachsende Unsicherheit für Investoren entstehen, wurden in den Berechnungen nicht berücksichtigt.

Wenn China Gegenzölle erhebt, verlieren die USA

Durch etwaige chinesische Gegenzölle könnte sich der US-Gewinn allerdings in einen Nachteil verkehren, während der Nutzen für Deutschland und die EU sich noch vergrößern würde: Sollte die Volksrepublik ihrerseits zehn Prozent zusätzlichen Zoll auf US-Importe erheben, könnte das Chinas Verluste auf 21,6 Milliarden Euro verringern. Zugleich würden die Gewinne der USA in Verluste von 1,5 Milliarden Euro umschlagen.

Deutschland und die EU wären dann lachende Dritte. Die Mehreinnahmen für Deutschland würden sich auf 323 Millionen Euro erhöhen. Die EU insgesamt würde mit 1,7 Milliarden Euro profitieren.

Einen wirklichen Sieger des Konfliktes zwischen den weltgrößten Wirtschaftsmächten sieht das Ifo-Institut allerdings nicht. Ifo-Chef Fuest sagte: "Der amerikanisch-chinesische Handelskrieg hat schädliche Nebenwirkungen für alle, weil er das Vertrauen von Investoren und Konsumenten weltweit bei ohnehin fragiler globaler Konjunktur weiter schwächt."

Wie funktioniert die Civey-Methodik?
Das Meinungsforschungsinstitut Civey arbeitet mit einem mehrstufigen vollautomatisierten Verfahren. Alle repräsentativen Echtzeitumfragen werden in einem deutschlandweiten Netzwerk aus mehr als 20.000 Websites ausgespielt ("Riversampling"), es werden also nicht nur Nutzer von SPIEGEL ONLINE befragt. Jeder kann online an den Befragungen teilnehmen und wird mit seinen Antworten im repräsentativen Ergebnis berücksichtigt, sofern er sich registriert hat. Aus diesen Nutzern zieht Civey eine quotierte Stichprobe, die sicherstellt, dass sie beispielsweise in den Merkmalen Alter, Geschlecht und Bevölkerungsdichte der Grundgesamtheit entspricht. In einem dritten Schritt werden die Ergebnisse schließlich nach weiteren soziodemografischen Faktoren und Wertehaltungen der Abstimmenden gewichtet, um Verzerrungen zu korrigieren und Manipulationen zu verhindern. Weitere Informationen hierzu finden Sie auch in den Civey FAQ.
Warum ist eine Registrierung nötig?
Die Registrierung hilft dabei, die Antworten zu gewichten, und ermöglicht so ein Ergebnis für die Umfragen, das für die Wahlbevölkerung in Deutschland repräsentativ ist. Jeder Teilnehmer wird dabei nach seinem Geschlecht, Geburtsjahr und Wohnort gefragt. Danach kann jeder seine Meinung auch in weiteren Umfragen zu unterschiedlichen Themen abgeben.
Wie werden die Ergebnisse repräsentativ?
Die Antwort jedes Teilnehmers wird so gewichtet, dass das Resultat einer Umfrage für die Grundgesamtheit repräsentativ ist. Bei der Sonntagsfrage und beim Regierungsmonitor umfasst diese Grundgesamtheit die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Die Gewichtung geschieht vollautomatisiert auf Basis der persönlichen Angaben bei der Registrierung sowie der Historie früherer Antworten eines Nutzers. Weitere Details zur Methodik stehen im Civey-Whitepaper.
Erreicht man online überhaupt genügend Teilnehmer?
Meinungsumfragen werden in der Regel telefonisch oder online durchgeführt. Für die Aussagekraft der Ergebnisse ist entscheidend, wie viele Menschen erreicht werden können und wie viele sich tatsächlich an einer Umfrage beteiligen, wenn sie angesprochen werden. Internetanschlüsse und Festnetzanschlüsse sind in Deutschland derzeit etwa gleich weit verbreitet - bei jeweils rund 90 Prozent der Haushalte, Mobiltelefone bei sogar 95 Prozent. Die Teilnahmebereitschaft liegt bei allen Methoden im einstelligen Prozentbereich, besonders niedrig schätzen Experten sie für Telefonumfragen ein.
Es gibt also bei beiden Methoden eine Gruppe von Personen, die nicht erreicht werden kann, weil sie entweder keinen Anschluss an das jeweilige Netz hat oder sich nicht an der Umfrage beteiligen möchte. Deshalb müssen für ein aussagekräftiges Ergebnis immer sehr viele Menschen angesprochen werden. Civey-Umfragen sind derzeit neben SPIEGEL ONLINE in mehr als 20.000 andere Webseiten eingebunden, darunter auch unterschiedliche Medien. So wird gewährleistet, dass möglichst alle Bevölkerungsgruppen gut erreicht werden können.
Woran erkenne ich die Güte eines Ergebnisses?
Bis das Ergebnis einer Umfrage repräsentativ wird, müssen ausreichend viele unterschiedliche Menschen daran teilnehmen. Ob das bereits gelungen ist, macht Civey transparent, indem zu jedem Umfrageergebnis eine statistische Fehlerwahrscheinlichkeit angegeben wird. Auch die Zahl der Teilnehmer und die Befragungszeit werden für jede Umfrage veröffentlicht.
Was bedeutet es, wenn sich die farbigen Bereiche in den Grafiken überschneiden?
In unseren Grafiken ist der statistische Fehler als farbiges Intervall dargestellt. Dieses Intervall zeigt jeweils, mit welcher Unsicherheit ein Umfragewert verbunden ist. Zum Beispiel kann man bei der Sonntagsfrage nicht exakt sagen, wie viel Prozent eine Partei bei einer Wahl bekommen würde, jedoch aber ein Intervall angeben, in dem das Ergebnis mit hoher Wahrscheinlichkeit liegen wird. Überschneiden sich die Intervalle von zwei Umfragewerten, dann können streng genommen keine Aussagen über die Differenz getroffen werden. Bei der Sonntagsfrage heißt das: Liegen die Umfragewerte zweier Parteien so nah beieinander, dass sich ihre Fehlerintervalle überlappen, lässt sich daraus nicht ableiten, welche von beiden aktuell bei der Wahl besser abschneiden würde.
Was passiert mit meinen Daten?
Die persönlichen Daten der Nutzer werden verschlüsselt auf deutschen Servern gespeichert und bleiben geheim. Mitarbeiter von Civey arbeiten für die Auswertungen lediglich mit User-IDs und können die Nutzer nicht mit ihrer Abstimmung in Verbindung bringen. Die persönlichen Angaben der Nutzer dienen vor allem dazu, die Antworten zu gewichten und sicherzustellen, dass die Umfragen nicht manipuliert werden. Um dies zu verhindern, nutzt Civey statistische wie auch technische Methoden. Darüber hinaus arbeitet Civey mit externen Partnern zusammen, die Zielgruppen für Werbetreibende erstellen. Nur wenn Nutzer die Datenschutzerklärung sowohl von Civey als auch von einem externen Partner akzeptiert haben, dürfen Ihre Antworten vom Partner zur Modellierung dieser Zielgruppen genutzt werden. Ein Partner erhält aber keine Informationen zu Ihren politischen und religiösen Einstellungen sowie solche, mit denen Sie identifiziert werden können. Civey-Nutzer werden auch nicht auf Basis ihrer Antworten mit Werbung bespielt. Der Weitergabe an Partner können Sie als eingeloggter Nutzer jederzeit hier widersprechen. Mehr Informationen zum Datenschutz bei Civey finden Sie hier.
Wer steckt hinter Civey-Umfragen?
An dieser Stelle haben Leser in der App und auf der mobilen/stationären Website die Möglichkeit, an einer repräsentativen Civey-Umfrage teilzunehmen. Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Zur Erhebung seiner repräsentativen Umfragen schaltet die Software des 2015 gegründeten Unternehmens Websites zu einem deutschlandweiten Umfragenetzwerk zusammen. Neben SPIEGEL ONLINE gehören unter anderem auch der "Tagesspiegel", "Welt", "Wirtschaftswoche" und "Rheinische Post" dazu. Civey wurde durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.

kko/Reuters

insgesamt 29 Beiträge
dbeck90 13.08.2019
1. Find ich cool
Damals als jeder von China haben wollte - da war es schwer einen geeigneten Händler zu finden. Halbwegs zuverlässige Produktionsstätten wurden überrannt und wenn mal was schief lief war das Geld weg. Jetzt ist es seit einigen [...]
Damals als jeder von China haben wollte - da war es schwer einen geeigneten Händler zu finden. Halbwegs zuverlässige Produktionsstätten wurden überrannt und wenn mal was schief lief war das Geld weg. Jetzt ist es seit einigen Monaten viel besser. Bin ich unzufrieden mit einem Produkt, bekomm ich Erstattung plus einen Nachweis für Qualitätssteigerung, damit man mich nicht als Kunden verliert. Die Chinesen sind auch glücklich. Aktuell zahl ich noch in Dollar, was bei denen bei einen extra Yuan pro Dollar die Augen aufleuchten lässt. kA, was die langfristigen Folgen sind, kurzfristig bin ich glücklich mit super Service und besseren Preisen und die sind glücklich für den extra Gewinn trotz Kundenverlust aus den USA.
temp1 13.08.2019
2. Naives Spiel mit den Grundrechenarten
Dass sich solche Studien veröffentlichen lassen und Abnehmer finden, ist erstaunlich. Es ist ein naives Spiel mit den Grundrechenarten, das Wechselwirkungen nicht wirklich berücksichtigt. Ich würde nicht allzuviel darauf geben, [...]
Dass sich solche Studien veröffentlichen lassen und Abnehmer finden, ist erstaunlich. Es ist ein naives Spiel mit den Grundrechenarten, das Wechselwirkungen nicht wirklich berücksichtigt. Ich würde nicht allzuviel darauf geben, weil es soviele Schrauben gibt, an denen gedreht werden kann, Gesetze für die Wirtschaft (z.B. Huawei, Apple etc.) Manipulationen der Währung, psychologische Effekte. Solche Rechnungen täuschen vor, dass das Ergebnis berechenbar sei und das ist grundfalsch.
mimas101 13.08.2019
3. Hmm Tja
Auf gut Deutsch... DT verfehlt mit seiner Zollpolitik das Ziel der Autarkie der US-Wirtschaft. Die ist derart desolat und produziert alles was der Verbraucher ablehnt (sei es Qualität, Umweltschonung pp). Ergebnis: Der [...]
Auf gut Deutsch... DT verfehlt mit seiner Zollpolitik das Ziel der Autarkie der US-Wirtschaft. Die ist derart desolat und produziert alles was der Verbraucher ablehnt (sei es Qualität, Umweltschonung pp). Ergebnis: Der US-Konsument greift dann halt zu Importen aus anderen Ländern. Aber da kommt natürlich DT sofort mit weitern Strafzöllen gegen den Rest der Welt angerauscht, jede Wette. Was allerdings die Produktqualität pp der US-Waren nicht anheben wird. Und schon sehe ich einen neuen Geschäftszweig aufblühen: Der Schmuggel von Waren in die USA. Da kann man dann richtig Geld machen wie z.B.: 1 Dose Gummibärchen kaufen und die dann für das Hundertfache des Kaufpreises in den USA weiter verkaufen.
frenchie3 13.08.2019
4. Staatsgewinne durch Zoll?
Ähem, ja, kann man so sehen. Der Staat kassiert beim eigenen Bürger ab, das als Gewinn zu bezeichnen ist trotzdem eine Frechheit. Dann sagen wir doch mal folgelogisch: jeder US Bürger zahlt pro Monat sagen wir mal 10 Dollar und [...]
Ähem, ja, kann man so sehen. Der Staat kassiert beim eigenen Bürger ab, das als Gewinn zu bezeichnen ist trotzdem eine Frechheit. Dann sagen wir doch mal folgelogisch: jeder US Bürger zahlt pro Monat sagen wir mal 10 Dollar und das Handelsdefizit ist ratzfatz weg
Maxe W. 13.08.2019
5. Unsinn
Wenn der amerikanischen Märkte für die chinesischen Güter dicht gemacht werden, kommen billige Waren zuhauf nach Europa und Deutschland, weil die chinesischen Produzenten ihr Zeugs ja irgendwo los werden müssen. Das wird auch [...]
Wenn der amerikanischen Märkte für die chinesischen Güter dicht gemacht werden, kommen billige Waren zuhauf nach Europa und Deutschland, weil die chinesischen Produzenten ihr Zeugs ja irgendwo los werden müssen. Das wird auch die deutsche Landwirtschaft betreffen, die jetzt schon merkt, dass die amerikanischen Sojaprodukte nach Europa und Afrika drängen. Denn sowohl China wie Russland haben für landwirtschaftliche Importe dicht gemacht. Dramatisch für Afrika, weil dort durch die US-Dumpingpreisen die einheimischen Bauern kaputt gemacht werden. Dieser vermehrte Marktdruck führt auch in Deutschland zu einem Massensterben in der einheimischen Industrie. Die egozentrische Wirtschaftspolitik von Trump ist darauf angelegt, die eigenen Produzenten zu stützen und nicht, europäische oder deutsche Produkte ins Land zu holen. Das zu behaupten, ist eine sachfremde Hoffnung vom wirtschaftsnahen Ifo-Institut. Das keineswegs unabhängig ist und wissenschaftlich sauber arbeitet, wie es behauptet, sondern von der Finanzierung der Wirtschaft und des Bundes abhängt.

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