Schrift:
Ansicht Home:
Wirtschaft

US-chinesischer Handelsstreit

Wie Trump sich verkalkulierte

Im Zollstreit zwischen den USA und China ist die Lage weiter angespannt, auch wenn der US-Präsident sich wieder etwas moderater gibt. Doch die Angst vor einem Handelskrieg drückt jetzt die US-Börsen ins Minus.

Foto: Brendan Smialowski/ AFP
Von , New York
Dienstag, 14.05.2019   10:17 Uhr

"Handelskriege sind gut und leicht zu gewinnen." Dieses Mantra beschwört US-Präsident Donald Trump seit mehr als einem Jahr. Nun aber wird immer deutlicher, wie er sich damit verkalkuliert hat: Am Montag, dem ersten Börsentag, seit die Gespräche zwischen den USA und China platzten und beide Seiten mit neuen Strafzöllen drohten, brachen die US-Kurse ein - ein Zeichen, dass Handelskriege eben weder gut noch leicht zu gewinnen sind.

Zwar gibt es vom US-Präsidenten inzwischen auch moderatere Töne zu hören. Trump relativierte etwa seine Pläne für weitere Zollerhöhungen, spricht davon, dass die Handelsgespräche mit China erfolgreich sein werden. Aber nachdem sie Trumps Handelswirren monatelang relativ zuversichtlich ignoriert hatten, reagierten nun alle Börsen.

Der S&P 500, ein Index der 500 größten US-Konzerne, verlor 2,41 Prozent, der Dow Jones 2,38 Prozent, der Tech-Index Nasdaq sogar 3,41 Prozent. Für den S&P und den Dow markierte das den schlechtesten Mai seit 1973.

Am schlimmsten litten jene US-Branchen, die am stärksten vom China-Handel abhängen: Landwirtschaft, Industrie, Bauwesen, Elektronik. Apple Chart zeigen büßte fast sechs Prozent ein - der Konzern braucht China als wichtigen Wachstumsmarkt und wurde am Montag zugleich mit einer folgenschweren Niederlage in einem US-Kartellverfahren konfrontiert.

Mehr bei SPIEGEL+

Die Börseneinbußen, die auch die Rentenanlagen vieler Amerikaner mitziehen, kamen nach der jüngsten dramatischen Kehrtwende in den Verhandlungen. Nachdem Peking von bisherigen Zugeständnissen wieder abgerückt war, befahl Trump die neuen Zölle - woraufhin China seinerseits mit neuen Strafzöllen zum 1. Juni drohte.

Der Handelsstreit ist freilich nicht die einzige Ursache für die Einbußen. Eine Abkühlung der US-Märkte, die die Turbulenzen der vergangenen Zeit bisher auffällig gelassen verkraftet hatten, war überfällig. Hinzu kommt, dass Trumps Außen- und Sicherheitspolitik auch anderswo von Unberechenbarkeit gekennzeichnet ist - zuletzt beim Nahostkonflikt und bei den wachsenden Spannungen mit Iran.

Trumps Milchmädchenrechnung

"Ich finde, das läuft wirklich gut", sagte Trump denn am Montag, als die Börsen auf Talfahrt gingen. Seine Milchmädchenrechnung: Die USA würden an den Zöllen viele "Milliarden Dollar verdienen". Dann drohte er eine neuerliche Runde an Auflagen für weitere China-Waren im Wert von rund 300 Milliarden Dollar an. "Ich habe diese Entscheidung noch nicht getroffen", sagte er, aber sein Handelsbeauftragter hatte die Formalitäten für diese nächste Eskalationsstufe längst eingeleitet.

Doch selbst Trumps Vasallen können den Mythos vom profitablen Zollstreit nicht länger aufrechterhalten. Topwirtschaftsberater Larry Kudlow gab zu, dass auch US-Bürger die Zölle bezahlen müssten und die Handelspolitik seines Chefs eine versteckte Steuererhöhung sei: "Beide Seiten werden darunter leiden", sagte er auf Fox News.

Video: Chinesische Experten - "Die USA werden den Großteil zahlen"

Foto: AFP

Experten haben dieses Leid beziffert: Bis zum nächsten Jahr, so die Prognosefirma Oxford Economics, könnten die Strafzölle die US-Wirtschaftsleistung um 62 Milliarden Dollar reduzieren und das Bruttoinlandsprodukt, das Trump gern als Erfolg vorführt, um 0,3 Prozentpunkte drücken. Andere schätzen, dass der Zollstreit eine US-Durchschnittsfamilie bis zu 1000 Dollar im Jahr kosten könnte.

US-Medien verbreiten Listen mit Produkten, die sich aufgrund der Zölle verteuern. Darunter so unterschiedliche Waren wie Computer, Schuhe, Kleidung, Keramikfliesen, Toilettenpapier und Weihnachtsbaumlichter. Kein Wunder, dass sich auch die Börsianer langsam sorgen.

"Wir flippen aus", erklärte die American Apparel & Footwear Association, die mehr als tausend Einzelhandelsunternehmen vertritt: Die Zölle seien eine "selbst verschuldete Wunde" und "katastrophal für die Wirtschaft". Die Branche werde weitere Erhöhungen "nicht überleben".

Auch die US-Farmer - deren Exporte China neuerdings verweigert - werden unruhig. Obwohl Washington sie bereits mit rund zwölf Milliarden Dollar subventioniert und Trump per nebulösem Tweet versprochen hat, dass die Regierung ihre Produkte aufkaufen und "als humanitäre Hilfe an arme und hungernde Länder verschiffen" werde.

Der republikanische Senator Tom Cotton findet das alles nicht so schlimm. Die Opfer, die den Bürgern im Handelsstreit abverlangt würden, seien "ziemlich minimal" im Vergleich zu denen, die die US-Truppen in Kriegsgebieten brächten, sagte er dem TV-Network CBS.

insgesamt 216 Beiträge
s.l.bln 14.05.2019
1. soso...
Die durch ihn verursachten Verdienstausfälle der Bauern will er also durch die "eingenommenen" Zölle ausgleichen. Wissen die Konsumenten, daß sie jetzt mehr für Klopapier ausgeben müssen, um Bauern zu [...]
Die durch ihn verursachten Verdienstausfälle der Bauern will er also durch die "eingenommenen" Zölle ausgleichen. Wissen die Konsumenten, daß sie jetzt mehr für Klopapier ausgeben müssen, um Bauern zu finanzieren, die Produkte erzeugen sollen, die Trump verschenken will, weil er ohne Not deren Markt zerstört hat? Wirtschaftspolitik 2.0 aus dem Hause des Dauerpleitiers.
ddcoe 14.05.2019
2. Ein Trump
ist intellektuell gar nicht in der Lage einen derart komplizierten Vorgang wie einen Handelskrieg zu verstehen. Das leistungsschwache Hirn des größten Präsidenten seit Jesus reich halt nur zum Twittern von Unsinn.
ist intellektuell gar nicht in der Lage einen derart komplizierten Vorgang wie einen Handelskrieg zu verstehen. Das leistungsschwache Hirn des größten Präsidenten seit Jesus reich halt nur zum Twittern von Unsinn.
ding.dong 14.05.2019
3. Was würde geschehen falls
China auf alle Waren die nach USA exportiert, oder für US Firmen gefertigt oder mit US Markenzeichen versehen sind eine Exportsteuer von 25% erheben würde?
China auf alle Waren die nach USA exportiert, oder für US Firmen gefertigt oder mit US Markenzeichen versehen sind eine Exportsteuer von 25% erheben würde?
at-08 14.05.2019
4. Wie lange
darf dieser Narr die Weltwirtschaft noch ruinieren?
darf dieser Narr die Weltwirtschaft noch ruinieren?
fredotorpedo 14.05.2019
5. Trump schickt Börsen rauf und runter
Auf jedes für die Börsen schlechte Statement von Trump folgt relative kurze Zeit später ein positive. Das wird mit Sicherheit auch diesmal so sein. Wer seine Aussagen kurze Zeit vorher weiß, kann durch Börsenspekulationen [...]
Auf jedes für die Börsen schlechte Statement von Trump folgt relative kurze Zeit später ein positive. Das wird mit Sicherheit auch diesmal so sein. Wer seine Aussagen kurze Zeit vorher weiß, kann durch Börsenspekulationen sehr reich werden. Ich hoffe, die Börsenaufsichtsbehörde ist das sehr sehr wachsam. Es wäre mal einen Bericht wert bei SPON, wie Trump während seiner Amtszeit die Börsen durch seine Kommentare in regelmäßigen Wellenbewegungen hält.

Verwandte Artikel

Verwandte Themen

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung
TOP