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Wirtschaft

Freizeit statt Gehaltserhöhung

Viele Schichtarbeiter arbeiten weniger

Freie Tage statt Geld: Das für die Metallindustrie erstrittene Recht auf mehr Freizeit statt mehr Lohn wird laut einer Umfrage angenommen - von Schichtarbeitern, Eltern und pflegenden Beschäftigten.

DPA

Demonstrant in Hamburg (Archiv)

Montag, 12.11.2018   13:30 Uhr

Vielerorts fehlen Fachkräfte, trotzdem konnte die IG Metall vor einigen Monaten zwei bemerkenswerte Forderungen durchsetzen. Erstens: Beschäftigte in der Metall- und Elektrobranche können seither ihre Arbeitszeit auf 28 Stunden reduzieren - und anschließend wieder in Vollzeit zurückkehren. Genannt wird dieses Modell verkürzte Vollzeit. Zweitens: Arbeitnehmer mit besonderen Bedürfnissen wie Eltern kleiner Kinder, Beschäftigte mit zu pflegenden Angehörigen und Schichtarbeiter dürfen wählen, ob sie mehr Geld oder mehr Freizeit haben möchten.

Diese neue Möglichkeit kommt bei den Beschäftigten offenbar gut an. Vor allem Schichtarbeiter in der Metall- und Elektroindustrie wollen einer Betriebsratsumfrage der IG Metall zufolge ihre Arbeitszeit verkürzen.

IG Metall: 8000 wollen 28-Stunden-Woche

Mehr als 140.000 Schichtarbeiter haben demnach für 2019 bei ihren Betrieben acht freie Tage eingereicht - und verzichten dafür auf einen Teil einer fälligen Sonderzahlung (lesen Sie hier die Details zum Tarifabschluss). Auch rund 40.000 Eltern junger Kinder und rund 10.000 Beschäftigte, die Angehörige zu Hause pflegen, wählten laut der Umfrage die Freizeitoption statt höherer Löhne.

"Ganz offensichtlich entsprechen die neuen Möglichkeiten zur Selbstbestimmung bei der Arbeitszeit den konkreten Bedürfnissen der Beschäftigten", sagte IG-Metall-Chef Jörg Hofmann. Das Bild sei aber noch nicht vollständig. Es sei erst rund die Hälfte der Betriebe abgefragt worden, bei den Schichtarbeitern wählten ersten Erkenntnissen nach aber 70 bis 80 Prozent die Freizeitoption.

Verkürzte Vollzeit wiederum wollen der Erhebung zufolge 2019 nur rund 8000 Beschäftigte in Anspruch nehmen. Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall hatte in den Verhandlungen gewarnt, allein in der Metallbranche könnten 1,5 Millionen Arbeitnehmer dieses Anrecht haben.

Die Arbeitgeber hatten gemahnt, dass das entfallende Arbeitsvolumen ausgeglichen werden müsse. Auch das sei im Tarifvertrag festgeschrieben und müsse in den Betrieben geregelt werden.


Kommentar zum Tarifabschluss in der Metallbranche: Nur Gewinner

apr/dpa

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