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Wirtschaft

Italien

Ratingagentur stuft Kreditwürdigkeit herab

Nur noch eine Stufe fehlt zum berüchtigten Ramschstatus: Die Ratingagentur Moody's hat Italiens Regierung für ihre Schuldenpolitik abgestraft.

DPA

Giuseppe Conte (l), Ministerpräsident von Italien, und Matteo Salvini, Vize-Ministerpräsident des Landes

Samstag, 20.10.2018   10:45 Uhr

Die erste Ratingagentur hat Konsequenzen aus der Haushaltspolitik der italienischen Regierung gezogen. Moody's stufte das schuldengeplagte Land am Freitagabend herab. Die langfristigen Verbindlichkeiten werden jetzt nur noch mit der Note "Baa3" bewertet nach zuvor "Baa2", teilte Moody's mit. Damit liegt die Bonitätsbewertung nur noch eine Stufe über dem berüchtigten Ramschstatus.

Viele Investoren haben zuletzt Geld aus Italien abgezogen, weil die neue Regierung aus populistischer Fünf-Sterne-Bewegung und rechter Lega im Vergleich zur ihrer Vorgängerregierung eine drei Mal so hohe Neuverschuldung für 2019 plant. Große Fonds dürfen nach ihren eigenen Vorgaben oft kein Geld in Staatsanleihen stecken, wenn diese als Ramsch eingestuft werden.

Noch ist es nicht so weit. Der Ratingausblick bei Moody's ist jetzt "stabil". Damit droht Italien zunächst keine weitere Herabstufung. Die Ratingagentur Fitch hat aber einen "negativen" Ausblick. Damit wird eine womöglich bald schlechtere Bewertung angedeutet. Die dritte große Ratingagentur S&P will Ende des Monats ihre Note überprüfen. Hier ist der Ausblick allerdings "stabil".

Italien ist mit seinen Budgetplänen auf scharfe Kritik bei der EU-Kommission gestoßen. Diese hat der Regierung in Rom gerade per Brief mitgeteilt, der Haushaltsentwurf sei ein besonders gravierender Verstoß gegen EU-Regeln. Die Kommission räumte eine Frist bis Montag zur Antwort ein.

Keine "kohärente Reformagenda"

Die Moody's-Analysten betonten, die veränderte Fiskalpolitik werde wahrscheinlich dazu führen, dass der Schuldenberg in den nächsten Jahren nicht abnehmen werde, sondern oberhalb von rund 130 Prozent im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung bleibe. Eigentlich gilt in der EU eine Obergrenze von 60 Prozent. Die hohe Verschuldung mache Italien anfällig, so Moody's. Die Agentur kritisierte, die Pläne der Regierung in Rom verfolgten keine "kohärente Reformagenda", die das unterdurchschnittliche Wachstum des Landes ändern würde.

Die neue Regierung will mehr investieren, um der drittgrößten Volkswirtschaft in der Eurozone mehr Schwung zu verleihen. Vorgesehen sind unter anderem Steuersenkungen und eine Art Grundsicherung. "Die meisten Erhöhungen bei den Regierungsausgaben sind struktureller Natur, was bedeutet, dass sie nur schwer rückgängig zu machen sind", kritisierte Moody's. Die Pläne dürften die Wirtschaft zwar anschieben, nicht aber so stark wie von der Regierung gehofft.

yes/Reuters/dpa

insgesamt 12 Beiträge
lothar.thuermer 20.10.2018
1. Risiko und Haftung gehören zusammen!
Keine große Überraschung. Der italienische Kurs ist riskant. Wenn die Mitglieder der Eurozone nicht bereit und/oder in der Lage sind, Italien ähnlich wie Griechenland zu unterstützen, wäre jetzt die Zeit, das klar zu [...]
Keine große Überraschung. Der italienische Kurs ist riskant. Wenn die Mitglieder der Eurozone nicht bereit und/oder in der Lage sind, Italien ähnlich wie Griechenland zu unterstützen, wäre jetzt die Zeit, das klar zu kommunizieren. Außerdem sollte in diesem Fall Vorsorge getroffen werden, damit eine Finanzkrise in Italien nicht automatisch zu einer Bankenkrise außerhalb von Italien führt.
DerBlicker 20.10.2018
2. konsequent
Wenn Italien unseriös wirtschaftet, dann kann man dort nicht investieren, das schlechte Rating ist also voll gerechtfertigt. Investieren auf Pump ist ok, soziale Wohltaten auf Pump geht gar nicht.
Wenn Italien unseriös wirtschaftet, dann kann man dort nicht investieren, das schlechte Rating ist also voll gerechtfertigt. Investieren auf Pump ist ok, soziale Wohltaten auf Pump geht gar nicht.
kuschl 20.10.2018
3. Und passiert was? Nein!
Passiert etwas? Nein! Alles schaut wie immer gebannt zu, man ist wie immer "besorgt" und am Ende zahlen die Steuerzahler die Zeche. Wie in Griechenland, das seit Jahren auf "einem guten Weg" ist, ihn aber immer noch nicht [...]
Passiert etwas? Nein! Alles schaut wie immer gebannt zu, man ist wie immer "besorgt" und am Ende zahlen die Steuerzahler die Zeche. Wie in Griechenland, das seit Jahren auf "einem guten Weg" ist, ihn aber immer noch nicht gefunden hat. Aussitzen, aussitzen, aussitzen, das Rezept der Politiker, die sich "ihre" schöne EU nicht kaputt machen lassen wollen.
thoms1957 20.10.2018
4. Schau an - mal wieder die Ratingagenturen
Seit der Weltfinanzkrise von 2008 wissen wir doch, dass diese US- Agenturen nicht objektiv und unabhängig sind. Seinerzeit haben sie doch den Schrottpapieren aus dem Immobiliensektor reihenweise Bestnoten ausgestellt, was [...]
Seit der Weltfinanzkrise von 2008 wissen wir doch, dass diese US- Agenturen nicht objektiv und unabhängig sind. Seinerzeit haben sie doch den Schrottpapieren aus dem Immobiliensektor reihenweise Bestnoten ausgestellt, was letzlich die Krise extrem verschärfte. Es geht natürlich auch hier um Geld. Jetzt steigen die Zinsen für italienische Staataanleihen. Daran verdien wer. Dann wierd wieder Sozialabbbau gefordert, wodurch sich die Krise weiter verschärft usw. usw. Im neoliberalen Weltbild gelten die Ratingagenturen (die Märkte) quasi als Hohepriester. Ehrfürchtig lausche man ihren Worten. Für 95% der betroffenen Bürger heißt das mal wieder nichts Gutes. Und gleichzeitig müssen wir fesrstellen, dass dieselben Finanzkreise über Cum-Ex Geschäfte in Euroöa über 50.000.000.000 Euro Steuergelder gestohlen haben!
missisross 20.10.2018
5. Echt? Na, sowas, damit hat jeder in Italien gerechnet....
sind das die gleichen Ratings Agentur die Lehman Brothers wenige Stunde vor dem Kollaps noch das triple AAA gegeben hatten? Und ja...die Deutsche Bank ist das Problem, nicht Italien.
sind das die gleichen Ratings Agentur die Lehman Brothers wenige Stunde vor dem Kollaps noch das triple AAA gegeben hatten? Und ja...die Deutsche Bank ist das Problem, nicht Italien.

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