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Wirtschaft

Besserer Risikoschutz

IWF fordert Reformen von Eurozone

Die Konjunktur im Euroraum erholt sich - das reiche aber nicht, mahnt der IWF. Die Arbeitslosigkeit sei zu hoch und die Gefahr der Griechenlandkrise noch nicht gebannt.

DPA

IWF-Chefin Christine Lagarde: "Umfassende politische Reaktion" gefordert

Montag, 27.07.2015   19:28 Uhr

Der Internationale Währungsfonds (IWF) fordert wegen anhaltend schwacher Wachstumsaussichten weitere Reformen und Konjunkturspritzen von der Eurozone. Die konjunkturelle Erholung werde zwar stärker - die Wirtschaft der 19 Euroländer soll im kommenden Jahr um 1,7 Prozent zulegen nach 1,5 Prozent in diesem Jahr. Die mittelfristigen Aussichten aber seien verhalten, schreibt der IWF in einem am Montag vorgelegten Bericht. Die Arbeitslosigkeit sei immer noch zu hoch.

Der IWF fordert eine "umfassende politische Reaktion". Länder mit finanziellem Spielraum und geringen öffentlichen Schulden sollten die im Stabilitäts- und Wachstumspakt angelegte Flexibilität zu mehr Investitionen nutzen. Euroländer mit Handelsbilanzüberschüssen sollten die Inlandsnachfrage stärken. Gemeint ist damit unter anderem Deutschland, auch wenn der IWF keine einzelnen Länder nennt.

Weitere mögliche Risiken für die Währungsunion seien auch Auswirkungen der Krise in Griechenland. Zwar hätten die Märkte auf die jüngsten Reformvereinbarungen der Geldgeber mit Athen weitgehend positiv reagiert. Aber größere Unsicherheiten könnten nicht ausgeschlossen werden. Die Politik solle alle zur Verfügung stehenden Instrumente nutzen, um Risiken gegenzusteuern.

Aktuell erhole sich die Wirtschaft in der Eurozone dank wachsender Binnennachfrage, niedriger Ölpreise und des schwachen Euro. Die Euroländer seien aber anfällig für negative Schocks, heißt es in den Schlussfolgerungen weiter. Ein potenzielles mittelfristiges Wachstum von im Schnitt nur einem Prozent reiche nicht aus, um die Arbeitslosigkeit in vielen Ländern auf ein akzeptables Niveau zu senken.

kpa/dpa

insgesamt 37 Beiträge
Ulrich Berger 27.07.2015
1. Die 'Griechenland-Krise'
ist doch garkeine Krise, die sieht nur so aus. Wofuer hat man schliesslich die Merkel plus ihre gehoirsamen deutschen Steuerzahler?
ist doch garkeine Krise, die sieht nur so aus. Wofuer hat man schliesslich die Merkel plus ihre gehoirsamen deutschen Steuerzahler?
ambulans 27.07.2015
2. aha,
die geld-geber (pardon: anteilseigner) des IWF wollen also vorm schuldenschnitt noch schnell soviel frisches geld wie möglich. by the way: warum stecken die ihre griffel eigentlich überall rein, wenn sie denn nie ein risiko auf [...]
die geld-geber (pardon: anteilseigner) des IWF wollen also vorm schuldenschnitt noch schnell soviel frisches geld wie möglich. by the way: warum stecken die ihre griffel eigentlich überall rein, wenn sie denn nie ein risiko auf eigene kappe übernehmen wollen - "spät-römische dekadenz" etwa, wie es ein unvergessener "politiker hier aus diesem unserem lande einmal auszudrücken beliebte?
iffelsine 27.07.2015
3. Naja, in 3 Jahren haben wir wieder eine Griechenlandkrise
so wie die Olympischen Spiele wird sich das Griechenland-Desaster auch regelmäßig wiederholen. Nur das mit der Arbeitslosigkeit kriegen die Griechen in den Griff: es werden alle in den Öffentlichen Dienst eingestellt (die wird [...]
so wie die Olympischen Spiele wird sich das Griechenland-Desaster auch regelmäßig wiederholen. Nur das mit der Arbeitslosigkeit kriegen die Griechen in den Griff: es werden alle in den Öffentlichen Dienst eingestellt (die wird man alle brauchen, um die Verwaltung und die Steuerbehörde in Ordnung zu bringen ;o)
prefec2 27.07.2015
4. Wie jetzt?
Ich dachte wir sollen Austerität machen und nun das. Und zudem sollen wir unseren Außenhandelsüberschuss kappen. Das geht doch nicht dann müssten wir höhere Löhne zahlen und das würde die Nachfrage im Ausland bremsen. Im [...]
Ich dachte wir sollen Austerität machen und nun das. Und zudem sollen wir unseren Außenhandelsüberschuss kappen. Das geht doch nicht dann müssten wir höhere Löhne zahlen und das würde die Nachfrage im Ausland bremsen. Im Moment verschuldet sich doch der Rest der Welt bei uns und deshalb brummt der Laden. Sonst hätten wir doch mehr arbeitslose. Das geht doch nicht. Wir müssen nur alle mehr exportieren als wir importieren.
shran 27.07.2015
5.
"Der IWF fordert eine "umfassende politische Reaktion". Länder mit finanziellem Spielraum und geringen öffentlichen Schulden sollten die im Stabilitäts- und Wachstumspakt angelegte Flexibilität zu mehr [...]
"Der IWF fordert eine "umfassende politische Reaktion". Länder mit finanziellem Spielraum und geringen öffentlichen Schulden sollten die im Stabilitäts- und Wachstumspakt angelegte Flexibilität zu mehr Investitionen nutzen" ------- Hachja. Wieso wusste ich schon bereits vor dem Lesen des Artikels dass Frau Lagarde diese Art von Aussage wieder bringen wird... Es ist inzwischen so vorhersehbar wie die einzelnen Protagonisten in der Euroshow agieren. Und es langweilt nur noch. Diese Art der Investitionen, nämlich die der Planwirtschaft, werden wieder dazu führen (und tun es ja teilweise schon bzw. weiterhin) dass damit nur weitere Luftschlösser, Bauruinen, Straßen ins Nichts usw. finanziert werden. Eben Dinge, die nicht nachhaltig sind und sich auf Dauer nicht selbst tragen können und die bei der Finanzkrise 2008 in einigen Euro Ländern dann gecrashed sind. Verpufftes Kapital sozusagen is das Geld alle ist. Und selbst wenn man darüber nachdenkt temporär Staatliche Investitionen im Euroland hochzufahren, dann ist da immer noch das zerstörte Vertrauen sowie die Meinungsdiskrepanz der "Südstaaten" und "Nordstaaten" zum Thema vernünftige, nachhaltige Wirtschaftspolitik. Da ich das Wirtschaftsmodell einiger Südstaaten nicht teile und auch nicht haben möchte, hoffe ich natürlich dass es nicht zu dieser Art Planwirtschaft kommen wird. Es wäre ein weiterer bedeutender Schritt auf "dem Weg zur (EU Zentralisten) Knechtschaft"

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Der IWF

Die Institution
Gegründet wurde der Internationale Währungsfonds (IWF) zusammen mit seiner Schwesterinstitution Weltbank im Juli 1944 auf der Konferenz von Bretton Woods. Der in Washington ansässige Fonds wacht als Sonderorganisation der Vereinten Nationen über die Währungspolitik seiner 186 Mitgliedsländer. Jedes Land muss entsprechend seinem Anteil an der Weltwirtschaft eine Einlage leisten und verfügt über entsprechende Stimmrechte. Die reichsten Länder haben damit den größten Einfluss.

Die Arbeit des IWF
Der IWF tritt vor allem bei Finanz- und Wirtschaftskrisen öffentlich in Erscheinung. Indem er einzelne Staaten unterstützt, soll er vor allem verhindern, dass sich Krisen ausbreiten und ganze Regionen oder gar das gesamte internationale Finanzsystem treffen. Der Fonds kann mit kurzfristigen Krediten die Defizite in Entwicklungs- und Schwellenländern ausgleichen. Zudem leistet er Mitgliedstaaten technischen Beistand für den Umbau von Institutionen und bei der Gestaltung von Finanz- und Wirtschaftspolitik.

Häufige Kritik
Die Bedingungen, die an die Vergabe der Gelder geknüpft werden, stoßen in den betroffenen Ländern und bei Globalisierungskritikern allerdings oft auf Unmut. Verordnet werden von der Institution aus Washington meist radikale Einschnitte in die Staatshaushalte, die Öffnung der Märkte und Privatisierungen. Diese jedoch verschärfen die Krisen nach Ansicht der Kritiker oft noch weiter. Nach Reformen ist inzwischen vorgesehen, dass der IWF verstärkt die sozialen Auswirkungen von Krisen und Hilfsmaßnahmen beachtet.

Die Direktorin
Seit Ende Juni 2011 steht die frühere französische Wirtschafts- und Finanzministerin Christine Lagarde an der IWF-Spitze. Sie ist die erste Frau auf diesem Posten.
Wer wählt den Direktor?
Das Exekutivdirektorium des IWF besteht aus 24 Direktoren. Fünf von ihnen werden von den Mitgliedstaaten mit den größten Quoten ernannt, die verbleibenden vertreten jeweils mehrere Mitgliedsländer. Je mehr ein Land einzahlt, desto höher ist seine Quote. Deshalb haben die USA einen Stimmanteil von fast 17 Prozent, Japan von etwas mehr als sechs und Deutschland knapp unter sechs Prozent. Die USA verfügen über eine Sperrminorität. Denn zentrale Beschlüsse im IWF - wie auch die Wahl des kommenden Geschäftsführenden Direktors - müssen mit einer Mehrheit von 85 Prozent getroffen werden.

Die Direktoren wählen den Geschäftsführenden Direktor. Er ist für das Tagesgeschäft, die Organisation und die Personalpolitik des Fonds zuständig. Der Direktor wird vom Exekutivdirektorium kontrolliert, dieses kann ihm die Amtsführung entziehen. Grundsatzentscheidungen werden vom Gouverneursrat des IWF und vom International Monetary and Financial Committee getroffen, die bei den Herbst- und Frühjahrstagungen von IWF und Weltbank zusammenkommen.
Informelle Vereinbarung
Die USA und Europa haben sich informell darauf verständigt, wichtige Posten untereinander aufzuteilen. So stellen die USA traditionell den Direktor der Weltbank, während der Geschäftsführende Direktor des IWF von einem EU-Mitgliedsland gestellt wird. In den Statuten ist diese Regelung nicht verankert. Besonders die Schwellenländer dringen seit Jahren darauf, dass das informelle Abkommen gekippt und der Posten des Direktors ausgeschrieben wird.
Bedingungen für Hilfe
Der IWF arbeitet mit dem Land ein Programm aus, das konkrete Vorgaben zur Überwindung der Krise umfasst, zum Beispiel Vorgaben zur Haushaltspolitik. Die Kreditlinien werden üblicherweise in mehrere Tranchen gestückelt, deren Auszahlung an das Erreichen von Zwischenzielen gebunden ist. Üblich sind Kreditlaufzeiten von bis zu drei Jahren, die bei schweren Krisen aber verlängert werden können. Das angeschlagene Land legt seinen Sparplan im Detail offen. Bei Bedarf sind nachträgliche Änderungen möglich.

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