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Wirtschaft

Missstände in der Pflege

Gesundheitsminister Spahn kämpft gegen Billigwindeln

Die Krankenkassen wollen Geld sparen - weshalb Pflegebedürftige oft mit Billigware versorgt werden. Gesundheitsminister Jens Spahn will das ändern.

picture alliance/ dpa Themendie

Altenpfleger in einer Seniorenresidenz

Dienstag, 18.12.2018   14:16 Uhr

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat angekündigt, die Versorgung von Pflegebedürftigen mit Hilfsmitteln wie Windeln zu verbessern - und will dafür die bisherige Ausschreibungspraxis bei Heilmitteln kippen.

"Patienten und Pflegebedürftige müssen sich darauf verlassen können, dass Windeln, Gehhilfen und generell alle notwendigen Hilfsmittel gut und verlässlich sind", sagte Spahn der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Der bisherige Preiskampf um das billigste Angebot gehe "zu oft zulasten der Patienten". Deshalb werde es künftig keine Ausschreibungen für Hilfsmittel mehr geben.

Derzeit können die Krankenkassen Windeln und andere benötigte Pflegeartikel ausschreiben. Das führte dazu, dass viele Inkontinenzpatienten mit Billigwindeln oder zu wenigen Windeln versorgt werden. Versuche, für die Ausschreibungen Qualitätsanforderungen durchzusetzen, erwiesen sich dem Bericht zufolge als untauglich.

In Zukunft sollen die Kassen demnach Rahmenverträge mit Heilmittelherstellern und Anbietern abschließen, in denen Qualitätsstandards verankert sind. Neben Windeln gelte dies auch für andere Produkte wie Rollstühle oder Stützstrümpfe, hieß es aus dem Ministerium.

Für die Reform will Spahn das geplante Terminservice- und Versorgungsgesetz ändern, das in der vergangenen Woche in erster Lesung im Bundestag beraten wurde. Der entsprechende Änderungsantrag sei bereits mit den Fachpolitikern von CDU, CSU und SPD abgesprochen, hieß es in dem Bericht. Das Verbot von Ausschreibungen könnte demnach im ersten Quartal 2019 beschlossen werden.

Welche Mehrkosten für die Krankenkassen entstehen, konnte das Ministerium auf Nachfrage nicht beziffern.

beb/AFP

insgesamt 21 Beiträge
alfredbonn 18.12.2018
1. So ein Quatsch!
Mein Vater - Pflegestufe 4 - benötigte regelmäßig Inkontinenzeinlagen. Von der Krankenkasse stehen 40€ zur Verfügung. Der Lieferant, den die Krankenkasse per Rahmenvertrag ausgesucht hatte, lieferte das Qualitätsproukt gerne [...]
Mein Vater - Pflegestufe 4 - benötigte regelmäßig Inkontinenzeinlagen. Von der Krankenkasse stehen 40€ zur Verfügung. Der Lieferant, den die Krankenkasse per Rahmenvertrag ausgesucht hatte, lieferte das Qualitätsproukt gerne - aber als Kunde habe ich eine Zuzahlung. 10 min Recherche im Internet und ich hatte einen Lieferanten - exakt selbes Produkt - bei dem ich weniger bezahlt habe als die ZUZAHLUNG aus machte. Mit Rahmenverträgen werden nur Großhändler und Hersteller reich gemacht. Vermutlich ist das auch die Intention die Herrn Spahn in Wirklichkeit antreibt. Nicht weniger - sondern mehr Wettbewerb ist nötig. Und wenn er keine Möglichkeit sieht, das Qualitätsproblem in Griff zu bekommen, sollte er den Job jemandem überlassen, der ihn auch kann.
egoneiermann 18.12.2018
2.
Der Witz ist doch, dass alte Menschen keine Windeln wollen sondern Pants. Und die gibt es nur mit Selbstbeteiligung, wobei diese in etwas so hoch ist, wie die Teile bei Aldi kosten. Die Kasse zahlt aber nur die von den [...]
Der Witz ist doch, dass alte Menschen keine Windeln wollen sondern Pants. Und die gibt es nur mit Selbstbeteiligung, wobei diese in etwas so hoch ist, wie die Teile bei Aldi kosten. Die Kasse zahlt aber nur die von den Herstellern, obwohl ich da keinen Qualitätsunterschied sehe. daher egal ob ich 50 EUR im Monat als Selbstbeteiligung oder bei Aldi zahle.
checkitoutple 18.12.2018
3. Die Pflegebedürftigen sind schon viel zu lange das Sarschwein der
Nation. Sie können sich kaum wehren. Ein vernünftiger Anstatz, denn Billigwinden Die Sekundärfolgen sind übrgens oft höhere Kosten! Windeldematitis vermehrte Dekubitussind ja die Folge. Nur gehen diese Kosten in ein anderes [...]
Nation. Sie können sich kaum wehren. Ein vernünftiger Anstatz, denn Billigwinden Die Sekundärfolgen sind übrgens oft höhere Kosten! Windeldematitis vermehrte Dekubitussind ja die Folge. Nur gehen diese Kosten in ein anderes Butget,die Folgen werden ja durch die Krankenkassen getragen. Bei Billigstrümpfen sind die Folgen oft Dekubitus an den Fersen und am Span ausserdem vermehrte Thrombosen. Also ein Lobens werter Vorschlag aus dem Ministerium Span scheint da einen guten Berater gefunden zu haben. Meine Prognose insgesammt würde das leben der Betroffenen verbessert und auf Dauer ist das ganze auch KOstensparend, wenn man die Folgen für Krankenkassen und pflegeversicherung gemeinsam betrachtet. Wenn man da noch einen Schritt weitergeht und die Betroffenen Krankenkassen Ärzte Versorger und Krankenhäuser zwingt, immer die Volkswirtschaftlichen Kosten der Versorgung von Kranken und pflgebedürftigen und Kranken/Verletzen zu betrachten. Könnte man viel Geld sparen und die Verorgung gleichzeitig verbessern.
Spiegelleser2018 18.12.2018
4.
Es handelt sich hier nicht um einen Preiskampf der Anbieter, sondern darum, dass die Krankenkassen in den vergangenen Jahren von Ausschreibung zu Ausschreibung der Verträge die Monatspauschale immer weiter abgesenkt haben. Für [...]
Es handelt sich hier nicht um einen Preiskampf der Anbieter, sondern darum, dass die Krankenkassen in den vergangenen Jahren von Ausschreibung zu Ausschreibung der Verträge die Monatspauschale immer weiter abgesenkt haben. Für die gezahlten Pauschalen sind keine Qualitätswindeln oder Einlagen zu bekommen. Warum recherchiert SPON hier nicht gründlicher?
fliegender-robert 18.12.2018
5. Dann Ausschreibung ordentlich formulieren!
Wer zu einer Ausschreibung nicht das Gewünschte erhält, lernt es spätestens für das zweite Mal. Einfach alle Kriterien in der Ausschreibung ausformulieren, dann klappt das prima. An der Ursache reparieren, nicht am Symptom!
Wer zu einer Ausschreibung nicht das Gewünschte erhält, lernt es spätestens für das zweite Mal. Einfach alle Kriterien in der Ausschreibung ausformulieren, dann klappt das prima. An der Ursache reparieren, nicht am Symptom!

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