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Wirtschaft

"Mietenmove" in Hamburg

Tausende demonstrieren gegen steigende Mietpreise

In Hamburg haben Tausende für bezahlbaren Wohnraum demonstriert. Die Mieten in der Hansestadt gehören zu den teuersten in Deutschland - und auch 2019 wird sich daran wohl nichts ändern.

Markus Scholz/dpa
Samstag, 04.05.2019   22:18 Uhr

8,62 Euro pro Quadratmeter: So viel Miete mussten Hamburger im Jahr 2018 durchschnittlich für ihre Wohnungen zahlen. Damit gehören Mietwohnungen in der Hansestadt mit zu den teuersten in ganz Deutschland. Das ist Wahnsinn, finden viele - und gingen am Samstag beim "Mietenmove" auf die Straße.

Die Demonstration unter dem Motto "Mietenwahnsinn stoppen" startete am Hamburger Rathaus in der Innenstadt und zog weiter bis zu den Landungsbrücken. Bemalte Wagen und hupende Traktoren gehörten zu der bunten, friedlichen Parade mit lauter Musik.

Die Polizei sprach von 3000 Teilnehmern, die Veranstalter von rund 6000. Steffen Jörg vom Netzwerk "Recht auf Stadt", das die Demonstration mitorganisierte, hatte im Vorfeld mit rund 8000 Protestierenden gerechnet.

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"Mietenmove" in Hamburg: Mietenwahnsinn stoppen

Senat soll Wohnungspolitik radikal ändern

Die Organisatoren verlangen vom rot-grünen Senat eine radikale Umkehr in der Stadtentwicklungspolitik. Sie wollen unter anderem mehr Schutz vor Mieterhöhungen, ein großangelegtes kommunales Wohnungsbauprogramm und mehr Sozialwohnungen mit unbefristeter Mietpreisbindung. Auf der Facebookseite fordern sie eine gemeinwohlorientierte Wohnungspolitik.

Die Politik des Senats sei "größtenteils Augenwischerei", sagte Jörg im Interview mit der "taz". "Der Senat rühmt sich sehr damit, 10.000 Wohnungen im Jahr neu zu bauen - allein: Das sind keine günstigen Wohnungen." Er bezeichnete die Mietpreisbremse demnach als "stumpfes Schwert". In den letzten fünf Jahren seien laut dem Mietenspiegel zwei Drittel des Wohnungssegmentes von unter sechs Euro Miete pro Quadratmeter nettokalt weggefallen. "Und die Hälfte der Wohnungen zwischen sechs Euro und 6,50 sind ebenfalls weggefallen", sagte er.

Selbst nach jahrelangem Immobilienboom hat sich der Anstieg der Mieten zuletzt ungebremst fortgesetzt, besonders in den sieben größten deutschen Städten. Im bundesweiten Vergleich landet Hamburg auf Platz 13 der teuersten Städte Deutschlands. Auf Platz eins bis drei: Karlsfeld, München und Stuttgart mit Nettokaltmieten bis zu 10,62 pro Quadratmeter.

Auch für 2019 warnt der Deutsche Mieterbund vor weiter steigenden Mieten. Gerade in Großstädten klafften Angebot und Nachfrage nach wie vor auseinander. Denkbar sei nur, dass sich in den extrem hochpreisigen Städten der Preisanstieg verlangsamt, da Mieten dort nicht mehr bezahlbar seien.

kry/dpa

insgesamt 73 Beiträge
swandue 05.05.2019
1.
Wenn die Nachfrage größer ist als das Angebot, wie z.B. in München und Hamburg, dann lässt das steigende Preise und Mieten erwarten. Und dann kommen noch Anleger dazu, die von dieser Entwicklung profitieren wollen und sie [...]
Wenn die Nachfrage größer ist als das Angebot, wie z.B. in München und Hamburg, dann lässt das steigende Preise und Mieten erwarten. Und dann kommen noch Anleger dazu, die von dieser Entwicklung profitieren wollen und sie weiter befördern. So viel kannst Du in einer Großstadt gar nicht bauen. Jedes neue Wohngebiet lässt nur neue Leute hoffen, dass sie vielleicht auch eine Wohnung finden können. Selbstverständlich war es nicht gut, dass die öffentliche Hand in großer Zahl Wohnungen verkauft hat. Als Eigentümer hatte sie ganz andere Möglichkeiten als nun als Gesetzgeber, der versucht, Vonovia & Co. Grenzen zu setzen. Helfen würde es, wenn es gelänge, Bürgern und Unternehmen Gegenden schmackhaft zu machen, in denen das Angebot an Wohnungen deutlich größer ist als die Nachfrage. Auch das ist nicht gut. Hat man eigentlich schon mal gehört, dass Vermieter demonstriert haben, die sich von der Pleite bedroht sehen?
Moment_of_Zen 05.05.2019
2.
Auch eine Folge der EU Geldmarkt Politik mit Null bis Negativ Zins. Der Geldadel der zu fein zum Arbeiten ist, investiert halt in Mietobjekte um doch noch aus Geld Geld zu machen. Damit die Rendite stimmt steigern unweigerlich [...]
Auch eine Folge der EU Geldmarkt Politik mit Null bis Negativ Zins. Der Geldadel der zu fein zum Arbeiten ist, investiert halt in Mietobjekte um doch noch aus Geld Geld zu machen. Damit die Rendite stimmt steigern unweigerlich Mieten und Wohnungen werden im Premiumsegment gebaut der eben durch höhere Mieten mehr Gewinn verspricht. Dazu fortschreitende Landflucht, steigende Ansprüche, immer mehr Singles, privatisierte Wohngenossenschaften. Der perfekte Cocktail für Mietwahnsinn, soziale Spaltung, Gentrifizierung.
women_1900 05.05.2019
3. 3000 oder auch 6000 Teilnehmer
bei rund 1,81 Mios Einwohnern in Hamburg - nicht viel. In München konnte gerade mal 500 Leutchen aktiviert werden - noch weniger. In Berlin gehen mehr Menschen auf die Straße, das liegt aber auch an Berlin. Es ist also ein [...]
bei rund 1,81 Mios Einwohnern in Hamburg - nicht viel. In München konnte gerade mal 500 Leutchen aktiviert werden - noch weniger. In Berlin gehen mehr Menschen auf die Straße, das liegt aber auch an Berlin. Es ist also ein Problem von Minderheiten und dennoch lösen diese Minderheiten Enteignungsfantasien und Diskussionen aus.
53er 05.05.2019
4. Und weitere Grossstädte werden folgen
Es führt kein Weg an der Erkenntnis vorbei, dass Merkel und ihre CDU/CSU sich ordentlich verrechnet haben. Merkel hat sich um alles gekümmert, nur nicht um ein gutes, auskömmliches und planbares Leben der Mehrheit der Bürger [...]
Es führt kein Weg an der Erkenntnis vorbei, dass Merkel und ihre CDU/CSU sich ordentlich verrechnet haben. Merkel hat sich um alles gekümmert, nur nicht um ein gutes, auskömmliches und planbares Leben der Mehrheit der Bürger in Deutschland. Gut auch die SPD war dabei, aber sie hat versucht, durch die Mietpreisbremse wenigstens etwas zu tun, im Gegensatz zur CDU/CSU die alles einfach weiterlaufen ließ, frei nach den ehernen Marktgesetzen. Es ist schon seltsam, warum viele Wähler das Nichtstun der CDU/CSU ständig unterstützen und in der SPD, die wenigstens etwas versucht, den Schuldigen für ihre Misere sehen. Dazu kann man nur sagen: Ihr müßt eben gründlich nachdenken, bevor ihr wählen geht.
leodgr 05.05.2019
5. 10,62 pro Quadratmeter?
So billig gibt's in München leider nix mehr. Neuvermietung nicht unter 15 €/m²...
So billig gibt's in München leider nix mehr. Neuvermietung nicht unter 15 €/m²...

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Jeder Großstädter kennt zahlreiche Geschichten über abenteuerliche Wohnungsvermittlungen. Makler spielen dabei fast immer eine Rolle. Eine vollkommen unrepräsentative Umfrage in der Redaktion von SPIEGEL ONLINE hat ein paar dieser Geschichten ans Tageslicht gebracht - subjektive, selbst erlebte Einzelfälle allesamt.
Der Abwesende
Wir wussten über Freunde von einer leerstehenden Wohnung. Wir riefen den Makler an, der uns sagte: "Sie können sich die Wohnung jederzeit ansehen - da sind derzeit Handwerker drin." Das taten wir und teilten dem Makler mit, dass wir die Wohnung gerne nehmen würden. Zwei Tage später durften wir den Vertrag unterzeichnen - die beiden Gläser Mineralwasser im Maklerbüro kosteten uns sozusagen zwei Monatsmieten. Plus Mehrwertsteuer.
Der Marktwirtschaftler
Eine Freundin hatte ihre Wohnung gekündigt, ich habe mich bei dem Vermieter gemeldet und Interesse bekundet. Er war einverstanden, hatte aber bereits einen Makler eingeschaltet. Es folgte ein Treffen mit dem Makler in der Wohnung, wozu er ein kurzes Exposé mitbrachte - das war alles. Ich bekam die Wohnung - und eine Rechnung in Höhe von rund 1200 Euro. Auf die Bitte, mit dem Preis herunterzugehen, da er schließlich keine Arbeit mit der Wohnung gehabt hätte, antwortete der Makler: "Aber ich kann Ihnen doch kein Geld schenken. Es gibt noch viele Andere da draußen, die diese Wohnung gern hätten."
Die Sippe
Wir mussten vor dem Einzug unterschreiben, dass wir wissen, dass die Maklerin die Ehefrau des Hausbesitzers ist. Was wir später herausgefunden haben: Vater und Sohn haben den Immobilienbesitz gemanagt, Mutter und Tochter makelten - so bleibt das Geld garantiert in der Familie. Gezahlt haben wir natürlich trotzdem.
Die Satten
Vor vielen Jahren hatte ich auf der Suche nach einer Mietwohnung notgedrungen die Hilfe eines Maklers gesucht. Als ich mich vor kurzem wieder auf die Wohnungssuche machte, habe ich 14 Makler durchtelefoniert - keiner von denen führte überhaupt noch Wohnungsrecherchen durch. Die lachten nur über meine Nachfrage: "Recherche? Nee, das machen wir schon lange nicht mehr. Das sind ja viel zu viele, die suchen."
Die Konkurrenten
Nicht nur die Makler sind zuweilen ärgerlich, sondern auch jene Interessenten, die dem Makler einen Wink mit dem Zaunpfahl geben, um zu zeigen, wie solvent sie sind. Beispiel: Bei einer Besichtigung sagte ein Interessent zum Makler: "Ach, und sagen sie mal: Die Miete bezahlt man hier wirklich monatlich? Also, ich könnte ihnen auch gerne gleich das Geld für das ganze Jahr geben!"
Die Kreative
Ich habe mich damals riesig gefreut, als ich meine Wohnung ohne Makler gefunden hatte. Dann wollte allerdings die Hausverwalterin auf einmal eine dubiose "Vertragsausfertigungsgebühr" von 200 Euro. Das ist zwar gesetzlich nicht zulässig, wird aber trotzdem gemacht - und vermutlich immer gezahlt.
Die Steuersparerin
Meine Maklerin hat mir beim Einzug angeboten, ihr statt der regulären Maklercourtage von 1400 Euro nur 1000 Euro zu geben - schwarz und unter der Hand. Sie sparte damit die Steuer, ich 400 Euro. Ich konnte damals jeden Euro gut gebrauchen und habe das Angebot angenommen.

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