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Wirtschaft

Megaprojekt Sila Sibiri

Russland nimmt Gaspipeline nach China in Betrieb

Eine neue Gasleitung von Sibirien nach China könnte die Volksrepublik zu Russlands zweitgrößtem Gaskunden machen. Zur Einweihung gaben sich die Staatschefs Putin und Xi freundschaftlich.

Mikhail Klimentyev/Pool Sputnik Kremlin/AP/dpa

China am Telefon: In einer Videokonferenz starteten Wladimir Putin (M.) und Xi Jinping den Betrieb der Pipeline

Montag, 02.12.2019   20:17 Uhr

Russland hat die bislang teuerste Gaspipeline in seiner Geschichte in Betrieb genommen. Die Lieferungen nach China im Rahmen des Projekts Sila Sibiri (Kraft Sibiriens) sollen die Beziehungen zwischen beiden Ländern auf eine neue Ebene heben, sagte Kremlchef Wladimir Putin. Per Videokonferenz startete er gemeinsam mit Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping die Pipeline, die Gas aus Sibirien in das Nachbarland bringen soll.

Xi nannte das Projekt einen Meilenstein der bilateralen Energiekooperation zum beiderseitigen Nutzen. Der Ausbau der Beziehungen zu Russland habe Priorität in der chinesischen Außenpolitik, sagte er der russischen Nachrichtenagentur Tass zufolge.

Russland und China hatten 2014 nach langem Ringen um Preise einen Gasliefervertrag für 30 Jahre geschlossen. Er hat einen Gesamtwert von 400 Milliarden US-Dollar. Jährlich sollen demnach durch die Leitung 38 Milliarden Kubikmeter Gas aus den Regionen Jakutien und Irkutsk nach China transportiert werden. In Betrieb genommen wird zunächst ein Teilstück mit 2157 Kilometer Länge. Die Gesamtlänge soll am Ende bei 3000 Kilometern liegen.

Pipeline fünfmal teurer als Nord Stream 2

Der russische Staatskonzern Gazprom hatte die Kosten für die längste Gasleitung im Osten Russlands mit 55 Milliarden US-Dollar veranschlagt - rund fünfmal so viel wie für die umstrittene Ostseepipeline Nord Stream 2. Diese soll 9,5 Milliarden Euro kosten und bis Ende des Jahres fertig sein.

China könnte mit der neuen Pipeline zu Russlands zweitgrößtem Gaskunden nach Deutschland werden. Auch die Öllieferungen an China hatte Russland in den vergangenen Jahren massiv hochgefahren. Das Land will sich mit seiner Energiepolitik unabhängiger vom Geschäft mit Europa machen, denn die Wirtschaftssanktionen im Zuge des Ukrainekonflikts und der Annexion der Halbinsel Krim setzen dem Land zu. Europa bleibt aber für Gazprom der wichtigste Exportmarkt - mit 201,7 Milliarden Kubikmetern im vergangenen Jahr.

kko/dpa/Reuters

insgesamt 9 Beiträge
haarer.15 02.12.2019
1. Putin orientiert sich doch schon länger ...
... in Richtung Osten nach China. Das Riesenreich ist energiehungrig wie kein anderes. Für Russland ist das natürlich ein strategisch wichtiges Geschäft - mit einer fünffachen Größenordnung wie das Nordstream Projekt. Und [...]
... in Richtung Osten nach China. Das Riesenreich ist energiehungrig wie kein anderes. Für Russland ist das natürlich ein strategisch wichtiges Geschäft - mit einer fünffachen Größenordnung wie das Nordstream Projekt. Und das ging auch noch erstaunlich geräuschlos über die Bühne. Sanktionen gegen Russland ? Sind doch ohne jeden Effekt - kann man in die Tonne treten. Da Gas emissionsärmer als Kohle und Öl ist, werden auch wir Europäer interimsweise noch länger auf diese Versorgung angewiesen sein. Das klappte selbst in Kalten Kriegszeiten bestens.
newera2100 03.12.2019
2. Die absurden Sanktionitis Europas...
... in Kombination mit dem NATO-Säbelrasseln vor Russlands Vordertür treiben letzteres geradezu in die Arme Chinas. Die verheerenden Folgen für Europa wird man nicht erst in ein paar Jahrzehnten beobachten können. Sind unsere [...]
... in Kombination mit dem NATO-Säbelrasseln vor Russlands Vordertür treiben letzteres geradezu in die Arme Chinas. Die verheerenden Folgen für Europa wird man nicht erst in ein paar Jahrzehnten beobachten können. Sind unsere Aussenpooitiker wirklich so inkompetent wie es scheint, oder haben sie einfach keine andere Wahl? Ohne die Approval Uncle Sam's und der westlichen Hochfinanz geht in der EU heutzutage gar nichts mehr...
transsib_reisen 03.12.2019
3. Lissabon bis Wladiwostok
Putin schlug vor, einen gemeinsamen Wirtschaftsraum von Lissabon bis Wladiwostok zu schaffen mit der EU. Sehr sinnvolle Sache. Insbesondere die deutsche Regierung, vor 5 Jahren noch glühender Liebhaber und Pudel der USA, [...]
Putin schlug vor, einen gemeinsamen Wirtschaftsraum von Lissabon bis Wladiwostok zu schaffen mit der EU. Sehr sinnvolle Sache. Insbesondere die deutsche Regierung, vor 5 Jahren noch glühender Liebhaber und Pudel der USA, war dagegen. Jetzt haben wir den Salat. Russland schließt sich weitgehend mit China zusammen und wir heillos zerstrittenen Europäer werden aufgefressen in der Mitte der Blöcke USA und Russland / China.
WilhelmTell 03.12.2019
4. Nur eins....
Bravo ! Statt dauernd zu zündeln und militärisch rumzuballern, zeigen die zwei, wie man friedlich Geschäfte macht. Dazu sind die leicht beschränkten Amerikaner scheinbar unfähig, und wir Europäer bewundern das auch noch und [...]
Bravo ! Statt dauernd zu zündeln und militärisch rumzuballern, zeigen die zwei, wie man friedlich Geschäfte macht. Dazu sind die leicht beschränkten Amerikaner scheinbar unfähig, und wir Europäer bewundern das auch noch und machen mit (oder lassen uns zwingen, je nach Lesart).
stefan.p1 03.12.2019
5. Das Abwenden Merkels
von Rußland ist einer der ersten großen Fehler ihrer Kanzlerschaft. Er beruht einzig auf persönlicher Antipathie,die wohl noch aus ihrer Jugendzeit in der DDR herrührt. Es musste erst ein Trump kommen,bis Frau Merkel begriffen [...]
von Rußland ist einer der ersten großen Fehler ihrer Kanzlerschaft. Er beruht einzig auf persönlicher Antipathie,die wohl noch aus ihrer Jugendzeit in der DDR herrührt. Es musste erst ein Trump kommen,bis Frau Merkel begriffen hat ,daß der Ost-Kurs von Ihrem Vorgänger Schröder nicht der schlechteste war.
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