Schrift:
Ansicht Home:
Wirtschaft

Arm und Reich

58.000 Euro jährlich aufs Sparkonto - einige wenige können das

Die Kluft zwischen Arm und Reich wird tiefer: Das zeigen Zahlen zu den Sparquoten. Spitzenverdiener legen im Schnitt 58.000 Euro pro Jahr zurück, die Haushalte mit den niedrigsten Einkommen verschulden sich.

DPA

Lebensmitteltafel in Düsseldorf

Dienstag, 25.10.2016   12:32 Uhr

Enorme Unterschiede bei der Chance zum Sparen zeigen, wie sich die soziale Ungleichheit in Deutschland verfestigt. Während Besserverdiener in Deutschland hohe Ersparnisse bilden, behält die untere Einkommenshälfte gar kein Geld übrig, um es zur Seite zu legen.

Die 30 Prozent der Haushalte mit den niedrigsten Einkommen verschuldeten sich sogar um durchschnittlich gut 600 bis 1200 Euro im Jahr. Das geht aus einer Studie hervor, die vom Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung gefördert wurde. Dagegen sparte das Prozent der Haushalte mit den höchsten Einkommen zuletzt im Durchschnitt rund 58.000 Euro jährlich - ein gutes Drittel seines Einkommens.

Wie die Analyse zeigt, können selbst die Haushalte mit mittleren Einkommen im Schnitt nur rund 800 bis 1200 Euro zur Seite legen. Die hohe Verschuldung bei den geringeren Einkommen führt dazu, dass sich umgerechnet auf die Sparquote die weniger verdienende Hälfte der Haushalte im Durchschnitt mit 300 Euro verschuldet - also 1,6 Prozent ihres Einkommens, die besser verdienende Hälfte sparte dagegen 35 Prozent. Das verstärke die Ungleichheit im Land, warnte das IMK-Institut. Ergebnis der Analyse sei zudem: Wer viel verdient, könnte es sich leisten, großzügiger mit dem Geld umzugehen. Dennoch sparten in Deutschland viele Besserverdiener ihr Geld.

"Über die Zeit zeigt sich, dass die Konzentration von Ersparnissen immer weiter zunimmt", schreiben die Autoren der Studie vom Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung in Tübingen in der Untersuchung für das IMK. Mit steigendem Einkommen und Vermögen stiegen auch die Sparquoten.

Finanzielle Entlastung Reicher bringt wenig

Die großen Unterschiede bezüglich der Sparquoten und -beträge könnten die soziale Ungleichheit verstärken. Dies sei auch für die aktuelle Debatte um Steuersenkungen relevant: Die Ergebnisse ließen darauf schließen, dass eine finanzielle Entlastung von Reichen wenig bringe - dies dürfte die Sparquote bei den Besserverdienenden noch weiter erhöhen. "Die vielfach geforderten Steuersenkungen drohen so die ohnehin zunehmende Ungleichheit in Deutschland weiter zu verfestigen", sagte IMK-Direktor Gustav Horn.

Die Ökonomen haben für die Analyse Ersparnisse, Sparquoten und Anteile am gesamten Sparvolumen für verschiedene Klassen von Haushaltsnettoeinkommen und Haushaltsnettovermögen in Deutschland untersucht. Die verwendeten Daten stammen aus der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe 2003, 2008 und 2013, die Einnahmen und Ausgaben von mehr als 40.000 Haushalten detailliert auflistet. Die Daten sind die derzeit aktuellsten, die nächste Befragungsrunde wird das Statistische Bundesamt 2018 durchführen.

kig

insgesamt 195 Beiträge
allchecker 25.10.2016
1. Glauben
Sie das interessiert die Regierung? Tut doch alles damit die Schere weiter auseinander geht! Wo bleibt die Entlastung der Mittelschicht, kalte Progression abschaffen usw. Alles nur Lippenbekenntnisse vor der Wahl - was [...]
Sie das interessiert die Regierung? Tut doch alles damit die Schere weiter auseinander geht! Wo bleibt die Entlastung der Mittelschicht, kalte Progression abschaffen usw. Alles nur Lippenbekenntnisse vor der Wahl - was interessiert mich mein Geschwätz von gestern!!
tart 25.10.2016
2. und darus folgt..
untere Einkommen entlasten ist gut für die Konjunktur. +Mindestlohn auf 12 Euro Ist ganz einfach
untere Einkommen entlasten ist gut für die Konjunktur. +Mindestlohn auf 12 Euro Ist ganz einfach
Crom 25.10.2016
3.
Gewerkschaftsnah, aha und das Leute mit mehr Geld auch mehr Sparen können, ist ja wohl eine Binsenweisheit.
Gewerkschaftsnah, aha und das Leute mit mehr Geld auch mehr Sparen können, ist ja wohl eine Binsenweisheit.
jetbundle 25.10.2016
4. Ursache und Wirkung
Es mag sein dass die Sparquote der Geringverdiener sinkt. Das ist aber nicht unbedingt dass diese nicht die Möglichkeit zum Sparen haben. Vielmehr wollen sie nicht sparen und erfüllen sich Konsumwünsche auf Pump, unter anderem [...]
Es mag sein dass die Sparquote der Geringverdiener sinkt. Das ist aber nicht unbedingt dass diese nicht die Möglichkeit zum Sparen haben. Vielmehr wollen sie nicht sparen und erfüllen sich Konsumwünsche auf Pump, unter anderem auch angestiftet durch die Niedrigzinspolitik der EZB. Natürlich in ein anderer Effekt dass die steigenden Wohnkosten besonders stark Geringverdiener belasten. Dagegen braucht man aber nicht mehr Umverteilung sondern eine Planungspolitik die Wohnungsbau ermöglicht um den Wohnungsmarkt zu entspannen.
kevinschmied704 25.10.2016
5. wo ist das püroblem?
die fakten liegen auf der Hand, gebt uns endlich die 12euro/std., von mir aus auch als Mindestlohn !! oder sollen wir uns bis zum geht nicht mehr verschulden?
die fakten liegen auf der Hand, gebt uns endlich die 12euro/std., von mir aus auch als Mindestlohn !! oder sollen wir uns bis zum geht nicht mehr verschulden?
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!

Verwandte Artikel

Fotostrecke

Die Schuldenbremse

Regeln für den Bund
Durch die Föderalismusreform II wurde eine Schuldenbremse ins Grundgesetz aufgenommen. Demnach darf der Bund ab 2016 faktisch keine Kredite mehr aufnehmen und sich nur noch bis zu einer Höhe von maximal 0,35 Prozent des Bruttoinlandsproduktes verschulden. Dies sind in absoluten Zahlen rund zehn Milliarden Euro.

Bis 2016 will die Bundesregierung das Defizit in gleichmäßigen Schritten reduzieren, das entspricht Einsparungen in Höhe von acht bis zehn Milliarden Euro pro Jahr.

Regelung und Hilfen für ärmere Länder
Die Schuldenbremse sieht vor, dass die Länder ab 2020 keine neuen Schulden mehr machen dürfen. Dafür sollen die finanzschwachen Länder Bremen, Saarland, Berlin, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein im Zeitraum 2011 bis 2019 beim Abbau ihrer Altschulden mit Hilfen in Höhe von insgesamt 800 Millionen Euro jährlich unterstützt werden. Diese insgesamt 7,2 Milliarden Euro teilen sich der Bund und die reichen Länder je zur Hälfte.
Ausnahmen
In Konjunkturkrisen und Notsituationen wie Naturkatastrophen sind unter strengen Bedingungen Ausnahmen möglich. In wirtschaftlich guten Jahren müssen Rücklagen gebildet oder Schulden getilgt werden.

Eckpunkte des schwarz-gelben Sparpakets

Die schwarz-gelbe Regierung hat das größte Sparpaket in der Geschichte der Bundesrepublik geschnürt. 80 Milliarden Euro will sie bis 2014 einsparen. Der Überblick zeigt, in welchen Bereichen gekürzt wird.
Sozialleistungen
Dieser Bereich, der mehr als die Hälfte des Bundeshaushaltes ausmacht, soll effizienter werden. Grundsätzlich will die Koalition Pflichtleistungen in Ermessensleistungen umwandeln - etwa bei Eingliederungshilfen für Jobsuchende. Dies soll den Anreiz zur Annahme einer Arbeit erhöhen.
Arbeitslose
Bei den Leistungen für Arbeitslose setzt die Koalition den Rotstift an. So sollen die für zwei Jahre gezahlten Zuschläge beim Übergang vom Arbeitslosengeld I ins Arbeitslosengeld II ersatzlos gestrichen werden. Bisher werden Alleinstehenden im ersten Jahr bis zu 160 Euro monatlich gezahlt, im zweiten bis zu 80 Euro. Für Verheiratete gibt es maximal das Doppelte. Mit der Streichung will der Staat 200 Millionen Euro einsparen.
Hartz-IV-Empfänger
Hartz-IV-Empfängern soll das Elterngeld komplett gestrichen werden. Das Einsparpotential beträgt hier 400 Millionen Euro. Hartz-IV-Empfänger werden künftig auch nicht mehr rentenversichert. Der aus Steuergeldern bezahlte Rentenversicherungsbeitrag für Langzeitarbeitslose (1,8 Milliarden Euro jährlich) soll entfallen.
Bundesagentur für Arbeit und Arbeitslosenversicherung
Die Arbeitslosenversicherung soll künftig ohne Darlehen oder Zuschüsse auskommen. Dies könnte auf eine Erhöhung des Beitragssatzes über die für 2011 festgelegten drei Prozent hinauslaufen. Die Bundesagentur für Arbeit soll Leistungen stärker nach eigenem Ermessen gewähren können und dadurch ihre Ausgaben zwischen 1,5 und 3 Milliarden Euro drücken können.
Elterngeld
Gutverdienende Eltern bekommen künftig etwas weniger. Den Höchstbetrag von maximal 1800 Euro im Monat will die Koalition nicht antasten. Doch werden künftig nur noch 65 statt 67 Prozent als Berechnungsgrundlage genommen, wenn das Nettoeinkommen über 1240 Euro im Monat beträgt. Unterm Strich entlastet das den Bundesetat nach Erwartung der Regierung um 200 Millionen Euro im Jahr.
Heizkostenzuschuss
Der Heizkostenzuschuss für Wohngeldempfänger soll wegfallen. Die Regierung erwartet dadurch eine Entlastung um 100 Millionen Euro.
Subventionsabbau
Auf den Prüfstand sollen Finanzhilfen und Steuervergünstigungen. Durch Einschränkung der Ausnahmeregelungen von der Ökosteuer für besonders energieintensive Unternehmen sollen jährlich bis zu 1,5 Milliarden Euro mehr in die Staatskasse kommen.
Brennelementesteuer
Die Sondergewinne der Energiekonzerne aus der beabsichtigten Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke sollen abgeschöpft werden. Daraus erhofft sich die Regierung jährlich Zusatzeinnahmen von 2,3 Milliarden Euro.
Luftverkehrsabgabe
Für Flugpassagiere ist eine ökologische Luftverkehrsabgabe geplant. Sie soll jährlich etwa eine Milliarde Euro einspielen und bei Abflügen von deutschen Flughäfen erhoben und nach Kriterien wie Lärm und Energieverbrauch differenziert werden.
Finanzmarktabgabe
Mit einer Finanzmarkttransaktionssteuer sollen die Banken sich an den Kosten der Krise beteiligen. Die Bundesregierung setzt dabei auf eine internationale oder europäische Vorgehensweise, behält sich aber auch eine nationale Lösung vor. Angestrebt wird eine Lösung zum 1. Januar 2012.
Bahn
Die Deutsche Bahn soll einen erheblichen Teil ihrer künftigen Gewinne an den Bund als Eigentümer abführen. Von 2011 bis 2014 hat der Bund jeweils 500 Millionen Euro Dividendeneinnahmen eingeplant. Bisher konnte der bundeseigene Konzern Gewinne komplett behalten.
Bundeswehr
Bei den Streitkräften ist eine groß angelegte Reform geplant. Ziel ist es, ab 2013 jeweils zwei Milliarden Euro einzusparen. Die Rede ist von einer Reduzierung der Truppenstärke um 40.000 Berufs- und Zeitsoldaten. Es soll bei einem Wehr- und Ersatzdienst von sechs Monaten bleiben.
Bund und Beamte
Die Zahl der Bundesbeschäftigten soll bis 2014 um bis zu 15.000 Stellen sinken. Zudem sollen die Bundesbeamten 2011 auf die geplante Erhöhung des Weihnachtsgeldes verzichten. Dies bedeutet eine Kürzung der Bezüge um 2,5 Prozent. Generell sollen die Ausgaben des Bundes pauschal auf mittlere Sicht um 4,4 Milliarden Euro im Jahr gesenkt werden.
Berliner Stadtschloss
Der Aufbau des Berliner Schlosses wird auf Eis gelegt. Ursprünglich war der erste Spatenstich bereits für Anfang 2011 geplant. Die einstige Residenz der preußischen Könige und deutschen Kaiser soll nun erst von 2014 an wiederaufgebaut werden. Daraus ergeben sich Einsparungen in Höhe von 400 Millionen Euro.

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung
TOP