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Wirtschaft

Streiks gegen Rentenkürzungen

Gewerkschaften wollen Griechenland lahmlegen

Rentenkürzungen und neue Steuern: Die griechische Regierung muss auf Druck der Gläubiger ein Sparpaket durchs Parlament bringen. Doch die Gewerkschaften formieren sich zum Widerstand.

AFP

Streikende Medienarbeiter in Athen

Dienstag, 16.05.2017   16:28 Uhr

Alexis Tsipras und seine Regierung in Athen müssen eine neue Kraftprobe überstehen: Aus Protest gegen weitere geplante Sparmaßnahmen in Griechenland wollen die Fluglotsen, die Staatsbediensteten, die Lehrer und die Ärzte an diesem Mittwoch streiken.

Die Proteste begannen am Dienstag mit einem 48-stündigen Streik der Seeleute der griechischen Küstenschifffahrt. Zudem gab es im Radio und Fernsehen keine Nachrichten. Die griechischen Journalisten legten am Dienstag für 24 Stunden die Arbeit nieder.

Wegen des Streiks der Seeleute lief in der Ägäis und im Ionischen Meer keine Fähre aus, wie die Küstenwache mitteilte. Inseln ohne Flughafen werden demnach auch am Mittwoch von der Außenwelt so gut wie abgeschnitten sein. Wegen des Journalistenstreiks werden dann auch keine Zeitungen erscheinen.

Mit beträchtlichen Folgen müssen auch Reisende rechnen. Die Fluglotsen wollen am Mittwoch zwischen 10 Uhr und 14 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit die Arbeit niederlegen. Dutzende Inlandsflüge fallen deswegen aus. Zahlreiche internationale Flüge werden verschoben.

Die Fluggesellschaften forderten Reisende auf, Kontakt mit ihrer Airline aufzunehmen. Zudem wird sowohl an diesem Mittwoch als auch am Donnerstag mit Streiks in anderen Bereichen wie im Nahverkehr und beim Staat gerechnet. Zahlreiche antike Stätten und Museen werden geschlossen bleiben.

Zu den Streiks haben die drei größten Gewerkschaftsverbände des privaten und staatlichen Bereichs (ADEDY und GSEE) sowie die kommunistische PAME aufgerufen. Grund: Am späten Donnerstagabend soll das griechische Parlament ein neues Sparpaket billigen, das Rentenkürzungen und Steuererhöhungen in Höhe von gut 4,9 Milliarden Euro beinhaltet (mehr dazu lesen Sie hier). Es ist Voraussetzung für weitere Finanzspritzen seitens der internationalen Gläubiger des Landes.

stk/dpa

insgesamt 68 Beiträge
bigroyaleddi 16.05.2017
1. Das Krisenmanagement in GR hat versagt.
Und da ist unser schwäbischer Finanzminister sicher nicht ganz unschuldig dran. Man hätte von Anfang an anders verfahren müssen, anstatt nur blind die Banken zu retten. Jtzt haben wir den Salat. Irgendwie kann ich die [...]
Und da ist unser schwäbischer Finanzminister sicher nicht ganz unschuldig dran. Man hätte von Anfang an anders verfahren müssen, anstatt nur blind die Banken zu retten. Jtzt haben wir den Salat. Irgendwie kann ich die Griechen jetzt auch verstehen. Das ist jetzt die wievielte Rentenkürzung?
torstenschäfer 16.05.2017
2. Sackgasse
Mit solchen Gewerkschaften kannste keinen Staat machen. Griechenland wird - wenn überhaupt - erst dann wieder auf die Beine kommen, wenn sein Volk mehrheitlich die Frage stellt, was man selbst tun kann für sein Land. Klar ist [...]
Mit solchen Gewerkschaften kannste keinen Staat machen. Griechenland wird - wenn überhaupt - erst dann wieder auf die Beine kommen, wenn sein Volk mehrheitlich die Frage stellt, was man selbst tun kann für sein Land. Klar ist die Austeritätspolitik der Euro-Länder vermurkst, aber das Land macht zugleich wenig Anstalten, sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf zu ziehen. Ständig verteidigt irgendeine Gruppe irgendwelche Privilegien. Portugal, Spanien, Italien haben es auch nicht leicht - aber die tun was.
Alias_aka_InCognito 16.05.2017
3.
Gewerkschaften sind an sich systemrelevant und in einer funktionierenden Volkswirtschaft ein elementares Korrektiv, um die Rechte und Interessen von Arbeitnehmern zu vertreten. Aber in einem dysfunktionalem Wirtschaftssystem [...]
Gewerkschaften sind an sich systemrelevant und in einer funktionierenden Volkswirtschaft ein elementares Korrektiv, um die Rechte und Interessen von Arbeitnehmern zu vertreten. Aber in einem dysfunktionalem Wirtschaftssystem kann dieses Regelelement notwendige Reformen und Reparaturen am System in negativer Weise verhindern, so dass die Bedeutung der Gewerkschaften ad absurdum geführt wird. Zunächst muss ja überhaupt was erarbeitet werden, harte wirtschaftliche Werte, damit die Gewerkschaften ihre Ansprüche anmelden können auf diese Werte. Ihre Verhandlungsposition entspricht der organisierten Macht der Arbeitnehmer. Hier sollte auch konstruktiv verhandelt werden, damit beide Seiten mit einem tragfähigen Kompromiss aus den Verhandlungen rausgehen können. In Griechenland wird aber über Gelder gestritten, die gar nicht vorhanden sind bzw. dem Staat noch nicht mal zur Verfügung stehen. Glauben die Gewerkschaften, sie könnten ihren Druck bis an die Troika weitergeben? Das ist nicht der Fall, dazu wird die Systemrelevanz der Griechen kontinuierlich abgebaut, so dass in einigen Jahren eine tatsächliche Pleite möglich ist. Vielleicht ist das den Gewerkschaften bewusst, was jetzt zu den letzten Kamikaze-Handlungen führt.
hardline 16.05.2017
4. Der falsche Weg
Es gibt in Griechenland sehr viele unglaublich Reiche. Würde man die nur einigermaßen angemessen besteuern und das durchsetzen ( Grundsteuer!), müsste man das Sparpaket nicht haben.
Es gibt in Griechenland sehr viele unglaublich Reiche. Würde man die nur einigermaßen angemessen besteuern und das durchsetzen ( Grundsteuer!), müsste man das Sparpaket nicht haben.
micromiller 16.05.2017
5. Griechenland hat 2 Probleme
die falsche Währung und die Produktivität eines Schwellenlandes. Die Bürger haben durch grob fahrlässige Politik einen Lebensstandard genossen, den sie nicht erwirtschaftet haben. Es gibt nur 2 Lösungen, die EU finanziert [...]
die falsche Währung und die Produktivität eines Schwellenlandes. Die Bürger haben durch grob fahrlässige Politik einen Lebensstandard genossen, den sie nicht erwirtschaftet haben. Es gibt nur 2 Lösungen, die EU finanziert den immer noch zu hohen Lebensstandard oder Griechenland löst sich vom Euro und startet mit einer eigenen Währung, die um ca. 30%. niedriger bewertet ist und die Bürger passen sich der Realität an.
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