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Wirtschaft

Sommer-Zwischenbilanz

Sonnen-, Wind- und Gasenergie verdrängen zunehmend Kohlestrom vom Markt

In diesem Sommer wurde besonders wenig Strom aus Kohle erzeugt. Stattdessen registrierten Experten einen hohen Anstieg bei Solarenergie und Windkraft - sowie bei Gas.

Frank Molter/DPA

Windräder bei Husum: Der Ausbau der Windenergie stockt

Mittwoch, 28.08.2019   08:24 Uhr

Ein kräftiges Plus bei den erneuerbaren Energien und ein deutlicher Rückgang bei Strom aus Kohlekraftwerken - so lautet eine erste Sommer-Bilanz des Fraunhofer-Instituts für solare Energiesystem ISE. Dessen Berechnungen zufolge speisten Windräder und Photovoltaikanlagen von Juni bis August zusammen 39,3 Terawattstunden Strom in das öffentliche Netz ein. Das waren gut zehn Prozent mehr als in den Sommermonaten des vergangenen Jahres.

Deutlich weniger Strom als im Sommer 2018 produzierten dagegen Braunkohle- und Steinkohlekraftwerke, teilte das Institut mit. Die ins öffentliche Netz eingespeiste Menge an Braunkohlestrom war mit gut 21,6 Terawattstunden im Sommer 2019 um mehr als ein Drittel niedriger als im Vorjahr. Der Steinkohlestrom lag mit acht Terawattstunden sogar um 50 Prozent unter dem Wert des Sommers 2018. Dagegen stieg die Stromerzeugung aus Gas um fast 50 Prozent.

"Die Stromerzeugung in den letzten drei Monaten war sehr spannend: die Gaspreise und die Börsenstrompreise waren niedrig und die CO2-Zertifikatspreise waren hoch", sagte Bruno Burger vom Fraunhofer-Institut. Das habe dazu geführt, dass Braun- und Steinkohlekraftwerke aus dem Markt gedrängt wurden und auch die Exportüberschüsse beim Strom zurückgingen. Wegen der niedrigeren CO2-Emissionen der Gaskraftwerke und der günstigen Gaspreise habe es einen Wechsel von der Kohle zum Gas gegeben.

Windkraftausbau in der Krise

Auch bei der Solarenergie gab es im Juni ein kräftiges Plus. Erstmals war Photovoltaik sogar die stärkste Energiequelle in einem einzelnen Monat. Insgesamt betrug die Solarstromerzeugung von Juni bis August 19,3 Terawattstunden, gut vier Prozent mehr als 2018. Windenergieanlagen lieferten in diesem Zeitraum den ISE-Berechnungen zufolge knapp 20 Terawattstunden Strom. Hier betrug das Plus sogar fast 20 Prozent, weil der Wind im Juli deutlich stärker wehte als im gleichen Monat des vergangenen Jahres.

Nach Angaben der Denkfabrik Agora ist der Anstieg der Solarstromerzeugung auch eine Folge des Zubaus neuer Solaranlagen im ersten Halbjahr 2019 mit einer Leistung von zwei Gigawatt. "Solarstrom ist inzwischen nicht nur eine der günstigen Arten, Strom zu erzeugen, er ist auch unbedingt nötig, um die Energiewende in Deutschland zu schaffen und die Klimakrise zu bekämpfen", sagte Agora-Direktor Patrick Graichen. Deshalb müsse der immer noch existierende Ausbaudeckel von 52 Gigawatt schnellstmöglich weg. "Diese Marke könnte schon nächstes Jahr erreicht werden, dann würde der Ausbau abrupt zum Stehen kommen", warnte Graichen.

Beim Ausbau der Windkraft gibt es bereits große Probleme. Von Anfang Januar bis Ende Juni kamen in ganz Deutschland unterm Strich nur 35 neue Windräder hinzu. Es war die niedrigste Neubaurate seit dem Jahr 2000.

Analyse zum Missmanagement der Energiewende

Der Ausbau der erneuerbaren Energien steht auch deshalb besonders im Fokus, weil Deutschland bis 2038 aus der Stromgewinnung aus Kohle aussteigen soll. In den Kohle-Regionen in Nordrhein-Westfalen, Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt hängen aber noch Tausende Jobs an der Kohle. Darum will das Bundeskabinett am Mittwoch einen Gesetzentwurf zu Milliardenhilfen für den Strukturwandel in den Kohle-Regionen beschließen.

In dem Entwurf geht es unter anderem um die Verteilung von bis zu 14 Milliarden Euro "für besonders bedeutsame Investitionen" in Braunkohleregionen. Damit bei anderen Vorhaben des Bundes nicht zugunsten der vom Kohleausstieg betroffenen Gebiete gespart werden muss, sehen die Pläne zusätzliche "Verstärkungsmittel" für die Ministerien vor.

Der Beschluss kommt kurz vor den Landtagswahlen im Osten, wo viele Menschen vom Kohleausstieg betroffen sind. So wird am Sonntag in Brandenburg und Sachsen ein neuer Landtag gewählt.

mmq/dpa

insgesamt 254 Beiträge
schnubbeldu 28.08.2019
1. Stimmt, wir betreiben zwar ...
... eine Solarthermie-Anlage, aber es ist mit der Ausbeitung der PV-Anlagen vergleichbar. Wir hatten mit unserer Solarthermie-Anlage im Juni den bisher stärksten Anteil an Sonnenenergie im MFH als sonst die Jahre zuvor. Sprich, [...]
... eine Solarthermie-Anlage, aber es ist mit der Ausbeitung der PV-Anlagen vergleichbar. Wir hatten mit unserer Solarthermie-Anlage im Juni den bisher stärksten Anteil an Sonnenenergie im MFH als sonst die Jahre zuvor. Sprich, es waren nicht nur die heißen Temperaturen ausschlaggebend, sondern die Anzahl der Sonnenstunden. Und selbst wenn man bedenkt, dass PV-Anlagen bei hohen Außentemperaturen der Wirkungsgrad ein wenig erniedrigt, ist es beachtlich was die PV-Anlagen im Juni an Strom produziert haben. Respekt! Solar vs. Kohle
woffi22 28.08.2019
2. Interessant
Es wäre interessant zu wissen, wie hoch der Anteil von Importstrom aus schweizer und französischen Kernkraftwerken war. Und was der Stromexport gekostet hat.
Es wäre interessant zu wissen, wie hoch der Anteil von Importstrom aus schweizer und französischen Kernkraftwerken war. Und was der Stromexport gekostet hat.
schacke67 28.08.2019
3. Atomstrom ersetzt Kohlestrom
Schaut man bei Agora-Energiewende nach, so wird klar, dass der inländische Kohlestrom hauptsächlich durch Importe von Atomstrom aus Frankreich und der Schweiz verdrängt wird. Konkret heute (28.08.) um 6.00 Uhr: Import von 3,374 [...]
Schaut man bei Agora-Energiewende nach, so wird klar, dass der inländische Kohlestrom hauptsächlich durch Importe von Atomstrom aus Frankreich und der Schweiz verdrängt wird. Konkret heute (28.08.) um 6.00 Uhr: Import von 3,374 GW Atomstrom aus Frankreich und 2,5 GW aus der Schweiz. In Fessenheim und Leipstadt glühen die Brennstäbe, damit in Freiburg und Karlsruhe nicht das Licht ausgeht. Soll das wirklich die Lösung sein?
t.fetzberger 28.08.2019
4. Was können wir noch gut in Deutschland?
Wir können keinen Flughafen, keine Energiewende, keine zielgerichteten Wasserstoffantriebe, Infrastruktur und Internet, aber dafür Geschenke an die Wähler für jede Art von Befindlichkeiten, die unser Land nicht voran sondern [...]
Wir können keinen Flughafen, keine Energiewende, keine zielgerichteten Wasserstoffantriebe, Infrastruktur und Internet, aber dafür Geschenke an die Wähler für jede Art von Befindlichkeiten, die unser Land nicht voran sondern immer weiter ins Abseits manövriert. Es ist gruselig!!
a.vollmer 28.08.2019
5. Fortschrittsfeindlichkeit?
Hat sich Deutschland so sehr verändert? Hat man vor über 100 Jahren innerhalb eines Jahrzehnts den Umstieg von Pferdewagen und Eisenbahnen auf Automobile akzeptiert und umarmt, die Vorteile der Veränderung gepriesen, so tun [...]
Hat sich Deutschland so sehr verändert? Hat man vor über 100 Jahren innerhalb eines Jahrzehnts den Umstieg von Pferdewagen und Eisenbahnen auf Automobile akzeptiert und umarmt, die Vorteile der Veränderung gepriesen, so tun sich heute mehr Menschen schwer mit dem Abgang des Alten. So hat man schon 1904 auf der Weltausstellung die Vorzüge der Abkehr von der Kohle-beheizten Dampfkraft wegen der Energieverluste gepriesen und es als selbstverständlich betrachtet dass eine Energie umso besser ist, desto generischer sie ist, desto weniger Umwandlungsverluste sie erfährt. Zusätzlich hat man zu jener Jahrhundertwende begrüßt, dass der Wandel neue Arbeitsplätze schafft, die angenehmer und sicherer sind, als die untergehenden. Aber da war Deutschland noch keine 40 Jahre alt, man hatte gesehen wie die Wirtschafts- und Währungsunion statt der alten souveränen Kleinstaaten den Fortschritt brachten und der Fortschritt die Lebensbedingungen auch der einfachen Leute verbesserte. Und man hat das geschätzt. Dass wir heute nicht mehr wie vor 40 Jahren Daten mit 300 Bit pro Sekunde austauschen, jedes Jahr tausende Menschen im Straßenverkehr sterben oder Menschen an den Masern sterben oder an Fehlfunktionen der Zimmeröfen, das wird nicht mehr wahrgenommen. Die Vergangenheit, auch die nähere, wird verklärt und dass zehn Windparks immer noch schöner aussehen als ein einzelnes Kraftwerk mit Kühltürmen plus dem Tagebau, der es versorgt, das wird ignoriert. Beschämend ist das für unser Land. Deutschland stand für den Willen zum Fortschritt, wir waren eine Nation des besser, gesünder, sicherer, schneller und komfortabler. Heute reüssieren die Zauderer, die Verzagten, die Ängstlichen - sie wollen nicht nur Altes und Überkommenes bewahren, sondern zurück zu längst als auf dem Schutthaufen der Geschichte gelandeten Obskuritäten wie der Verbrennung fossiler Energieträger, einer Übergangstechnologie aus Zeiten der Dampfkraft. Rückwärtsgewandheit wird als Alternative statt als Witz gesehen, eine Schande für diese einst große Techniknation. Diese Grundstimmung und Fortschrittskritik, entzieht auch der Wirtschaft und der Gesellschaft viele Jugendliche, die sonst mit Technikbegeisterung den Fortschritt antreiben würden, selbst an der Zukunft mitarbeiten und ihren Beitrag zur stetigen Verbesserung beitragen. Deshalb ist es zwar schön und erfreulich, dass der Kohlestrom am Verschwinden ist, gleichzeitig ist es bedauerlich, dass die Nachricht im Jahr 2019 nicht die Abschaltung des letzten Kohlekraftwerks ist, etwas, das schon zur Jahrtausendwende Realität hätte sein können.
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