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Wirtschaft

Nach angekündigter Neuwahl in Istanbul

Türkische Lira so wenig wert wie zuletzt im Oktober

Die Kommunalwahl in Istanbul muss wiederholt werden, das belastet auch die nationale Währung in der Türkei. Bereits vor der Ankündigung war der Kurs gefallen.

SEDAT SUNA/EPA-EFE/REX

Straßenszene in Istanbul (Archiv)

Montag, 06.05.2019   20:24 Uhr

Die türkische Lira hat rund um die Ankündigung einer Wahlwiederholung in Istanbul deutlich an Wert eingebüßt. Ein Dollar kostete an diesem Montag erstmals seit vergangenem Oktober wieder mehr als sechs Lira.

Zunächst hatten Spekulationen auf eine Wiederholung der Kommunalwahlen in der Stadt die türkische Währung belastet. Die Bestätigung der Wahlbehörde verstärkte den Effekt: Eine Stunde nach der Ankündigung kostete ein Dollar bereits 6,11 Lira. Ein Euro verteuerte sich auf 6,84 Lira. Seit Anfang 2019 büßte die Lira damit elf Prozent an Wert ein.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte eine erneute Abstimmung in Istanbul gefordert, weil es bei der Wahl seiner Ansicht nach Unregelmäßigkeiten gegeben haben soll. Der Kandidat der Republikanische Volkspartei CHP, Ekrem Imamoglu, war Ende März mit 0,2 Prozentpunkten Vorsprung auf den Kandidaten von Erdogans Partei AKP, den ehemaligen Ministerpräsidenten Binali Yildirim, zum Sieger ernannt worden.

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Die Türkei steckt derzeit in einer Wirtschaftskrise. Die Lira war vergangenen Sommer inmitten eines Streits mit den USA eingebrochen und verlor im vergangenen Jahr insgesamt rund 30 Prozent an Wert. In der Folge stieg die Inflation, während die Wirtschaft erstmals seit zehn Jahren in die Rezession rutschte. 2018 sank das Bruttoinlandsprodukt zwischen Oktober und Dezember binnen Jahresfrist um drei Prozent. Viele Unternehmen mussten Insolvenz beantragen.

Notenbank verstärkt Verunsicherung der Investoren

Die Inflation sorgte auch zuletzt für zunehmende Unsicherheit bei Türkei-Investoren. Zwar fiel der Preisanstieg im April etwas geringer aus als von Analysten erwartet. Ein unklarer Kurs der türkischen Notenbank habe aber in den vergangenen Tagen für Nervosität unter Anlegern gesorgt, sagte Analyst Tatha Ghose von der Commerzbank. Die türkische Zentralbank hatte den Leitzins bei ihrer Zinsentscheidung Ende April konstant bei 24 Prozent gelassen und erwägt vorerst keine weitere Erhöhung.

Präsident Erdogan hat zuletzt westliche Medien attackiert und ihnen eine Mitschuld an der Wirtschaftskrise gegeben. "Leider bemühen sich gewisse Gruppen im Westen mit all ihren Medienorganen, es so darzustellen, als wäre unsere Wirtschaft kollabiert und erledigt", sagte Erdogan. Doch was immer sie schrieben, "die Türkei bleibt aufrecht und schreitet voran".

Im März hatte es Kursturbulenzen gegeben. Diese wurden unter anderem auf Berichte zurückgeführt, nach denen die Regierung in den Markt eingegriffen habe, um vor der wichtigen Kommunalwahl vom 31. März eine neue Währungskrise zu vermeiden. In der türkischen Bevölkerung ist der Unmut über die steigenden Lebenshaltungskosten hoch. Bei den Kommunalwahlen erlitt Erdogans AKP einen herben Rückschlag.

kko/Reuters

insgesamt 21 Beiträge
kumi-ori 06.05.2019
1.
Warum wird so getan, als sei der Kursverfall schlecht für die Türkei? Der letzte verbleibende Wachstumszweig der türkischen Wirtschaft, nämlich der Tourismus, profitiert ungemein. Erdogan hin oder her, um mich rum fährt alles [...]
Warum wird so getan, als sei der Kursverfall schlecht für die Türkei? Der letzte verbleibende Wachstumszweig der türkischen Wirtschaft, nämlich der Tourismus, profitiert ungemein. Erdogan hin oder her, um mich rum fährt alles in die Türkei auf Urlaub, weil es so schön billig ist.
Teile1977 06.05.2019
2. Teurer
Weil für die Bevölkerung ständig alles Teurer wird was Importiert werden muß. Wenn ihr Gehalt jeden Monat 2% weniger Wert ist, ist das doch Toll für ihren Chef, für sie ist das drastisch. Ein wenig Inflation 2% ist gut, [...]
Zitat von kumi-oriWarum wird so getan, als sei der Kursverfall schlecht für die Türkei? Der letzte verbleibende Wachstumszweig der türkischen Wirtschaft, nämlich der Tourismus, profitiert ungemein. Erdogan hin oder her, um mich rum fährt alles in die Türkei auf Urlaub, weil es so schön billig ist.
Weil für die Bevölkerung ständig alles Teurer wird was Importiert werden muß. Wenn ihr Gehalt jeden Monat 2% weniger Wert ist, ist das doch Toll für ihren Chef, für sie ist das drastisch. Ein wenig Inflation 2% ist gut, 30% ist schlecht.
BellUomo 06.05.2019
3. kumi-ori
"Erst kommt das Fressen (der billige Urlaub), dann die Moral." All die deutschen Urlauber, die in der Türkei den billigen Urlaub suchen, sind dafür der lebende Beweis.
"Erst kommt das Fressen (der billige Urlaub), dann die Moral." All die deutschen Urlauber, die in der Türkei den billigen Urlaub suchen, sind dafür der lebende Beweis.
wahnbert 06.05.2019
4. Türkei Urlaub
ist nicht billig. Aber man bekommt eine perfekte Leistung in einer sehr schönen Umgebung zu einem angemessenen Preis. Ganz anders als z.B. in Spanien im 70er Jahre Bunker. Aber niemand muß da hin, ist auch besser so.
ist nicht billig. Aber man bekommt eine perfekte Leistung in einer sehr schönen Umgebung zu einem angemessenen Preis. Ganz anders als z.B. in Spanien im 70er Jahre Bunker. Aber niemand muß da hin, ist auch besser so.
ArnoNyhm1984 06.05.2019
5. Boykott
Genau. Und wer weiß, vielleicht kann man ja demnächst auch gleich noch ein paar öffentliche Auspeitschungen und Hinrichtungen besuchen und schöne Selfies mit den Opfern machen. -Die Welt ist nur noch pervers: Freitags auf [...]
Zitat von kumi-oriWarum wird so getan, als sei der Kursverfall schlecht für die Türkei? Der letzte verbleibende Wachstumszweig der türkischen Wirtschaft, nämlich der Tourismus, profitiert ungemein. Erdogan hin oder her, um mich rum fährt alles in die Türkei auf Urlaub, weil es so schön billig ist.
Genau. Und wer weiß, vielleicht kann man ja demnächst auch gleich noch ein paar öffentliche Auspeitschungen und Hinrichtungen besuchen und schöne Selfies mit den Opfern machen. -Die Welt ist nur noch pervers: Freitags auf Demos für eine bessere Welt gehen und dann über Ostern mit dem CO2-Tourismusbomber einen türkischen Diktator alimentieren.

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