Schrift:
Ansicht Home:
Wirtschaft

Handelsstreit mit Kanada

220 Prozent - USA kündigen drastische Strafzölle für Bombardier-Jets an

Das US-Handelsministerium wirft Kanada den Fehdehandschuh hin: Wegen "unfairer Subventionen" sollen für Jets des Flugzeugbauers Bombardier Zölle fällig werden, die den Preis der Maschinen mehr als verdreifachen.

REUTERS

Bombardier-Jet der C-Serie

Mittwoch, 27.09.2017   12:17 Uhr

Der Handelsstreit zwischen den USA und Kanada verschärft sich weiter: Das US-Handelsministerium hat angekündigt, kanadische Bombardier-Flugzeuge der C-Serie mit Strafzöllen von 220 Prozent zu belegen - das würde bedeuten, dass die Maschinen für US-Kunden mehr als dreimal so teuer würden. Zur Begründung gab es an, Bombardier habe von unfairen staatlichen Subventionen profitiert.

Betroffen sind zwei neue Mittelstreckenmaschinen von Bombardier, die CS100 mit 100 Plätzen und die CS300 mit 150 Plätzen - sie sind direkte Konkurrenz für die B737 von Boeing. Der US-Flugzeugbauer Boeing hatte Ende April Beschwerde gegen Bombardier eingelegt. Er warf dem kanadischen Flugzeugbauer vor, die Maschinen unter Herstellungskosten zu verkaufen und dabei von mehr als drei Milliarden Dollar (2,7 Milliarden Euro) staatlicher Subventionen zu profitieren.

"Die Vereinigten Staaten schätzen ihre Beziehungen zu Kanada, aber selbst unsere engsten Verbündeten müssen sich an die Regeln halten", sagte US-Handelsminister Wilbur Ross am Dienstag. Der endgültige Beschluss fällt demnach am 12. Dezember.

Die britische Premierministerin Theresa May zeigte sich alarmiert von der Ankündigung. "Sehr enttäuscht von der Initiative gegen Bombardier", twitterte sie. In Nordirland werden die Flügel des Jets montiert. Ökonomen schätzen, dass in Großbritannien rund 4200 Arbeitsplätze von dem Handelskrieg bedroht sein könnten.

Die kanadische Außenministerin Chrysthia Freeland erklärte, das von den USA eingeleitete Wettbewerbsverfahren befinde sich noch im Anfangsstadium; Strafzölle könnten aber erst erhoben werden, wenn dieses abgeschlossen sei. Wahres Ziel des Verfahrens sei es, Bombardier aus dem US-Markt zu drängen, sagte Freeland weiter.

mik/AFP

Verwandte Artikel

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung
TOP