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Wirtschaft

Studie zu Vermögen

Zahl der deutschen Millionäre geht zurück

In Deutschland und weltweit besitzen jetzt weniger Menschen ein Vermögen von einer Million Dollar oder mehr als im Vorjahr. Ein Land hält gegen den Trend.

Arnulf Hettrich/ imago images

Villen in Freiburg im Breisgau

Dienstag, 09.07.2019   10:29 Uhr

2018 war ein schlechtes Jahr für Anleger - das wirkte sich auch auf die Vermögen von Reichen aus. Erstmals seit der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 sank die Zahl der Millionäre in Deutschland laut einer Untersuchung des Beratungsunternehmens Capgemini um 1,1 Prozent auf etwa 1,4 Millionen. Ihr Gesamtvermögen verringerte sich um 3,9 Prozent auf gut fünf Billionen Dollar.

Rund um den Globus gab es den Angaben zufolge im vergangenen Jahr 18 Millionen Dollar-Millionäre. Das waren 0,3 Prozent weniger als im Jahr 2017. Auf dem ersten Platz stehen weiterhin die USA mit knapp 5,3 Millionen Millionären. Entgegen dem weltweiten Trend hat ihre Zahl um ein Prozent zugenommen. Danach folgen Japan mit fast 3,2 Millionen (minus 0,4 Prozent), Deutschland und China mit rund 1,3 Millionen Millionären (minus fünf Prozent).

Die vier Länder stehen Capgemini zufolge zusammen für 61,2 Prozent der Vermögenden weltweit. China stand mit seinem großen Minus für mehr als ein Viertel des weltweiten Vermögensverlustes. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt wächst nicht mehr so rasant wie in der Vergangenheit, Spuren hinterlässt unter anderem der Handelskrieg mit den USA.

Vermögensverteilung

In Deutschland dürfte Capgemini-Experte Klaus-Georg Meyer zufolge ein Großteil der vermögenden Bürger aus Familien mit mittelständischen Unternehmen stammen oder entsprechend geerbt haben.

Ultrareiche verlieren besonders viel

Das weltweite Vermögen der Dollar-Millionäre verringerte sich gegenüber dem Vorjahr in der Summe um fast drei Prozent auf 68,1 Billionen Dollar. Das ist das erste Minus seit sieben Jahren. "Ein Rückgang an den Aktienmärkten schlägt in der Regel besonders stark durch", sagte Meyer. Neben internationalen Handelskonflikten, die die Weltwirtschaft belasten, hätten auch die Unwägbarkeiten des Brexits für Verunsicherung gesorgt.

Capgemini berücksichtigt bei seinem jährlich erstellten "World Wealth Report" nur das "anlagefähige" Vermögen in Dollar, darunter Aktien, festverzinsliche Wertpapiere, alternative Investments wie Rohstoffe oder Hedgefonds sowie Bargeld. Nicht eingerechnet werden etwa Immobilien, sofern sie selbst genutzt werden.

Die größten finanziellen Verluste verzeichneten der Untersuchung zufolge die Ultrareichen, die über mehr als 30 Millionen Dollar verfügen. Ihr Gesamtvermögen sank um rund sechs Prozent. "Der weltweite Vermögensrückgang konzentriert sich ganz klar auf diese Gruppe", sagte Meyer.

Millionäre, die zwischen ein und fünf Millionen Dollar besitzen, waren am geringsten betroffen. Ihr Vermögen verringerte sich in der Summe um 0,4 Prozent. Capgemini bezeichnet sie in der Untersuchung als "Millionäre von nebenan" - sie machen mehr als 90 Prozent der Dollar-Millionäre aus, gleichzeitig entfallen aber nur 43,8 Prozent des Millionärsvermögens auf sie.

Im Video: Anleitung zum Reichwerden - Die Millionärsformel

kko/dpa

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