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Wirtschaft

Präsident Xi im Handelsstreit mit Washington

"Die chinesische Kultur ist ein offenes System"

Chinas Präsident Xi Jinping gibt sich als Mahner: Er wirbt für mehr Offenheit und spricht sich gegen Protektionismus aus. Seine Worte dürften als Botschaft an Donald Trump im Handelskrieg gedacht sein.

AP

Xi Jinping

Mittwoch, 15.05.2019   14:05 Uhr

Mitten im eskalierenden Handelsstreit mit den USA präsentiert Chinas Präsident Xi Jinping sein Land als wichtigen Fürsprecher der Offenheit. "Das China von heute ist nicht nur Chinas China. Es ist Asiens China und das China der ganzen Welt", sagte Xi an diesem Mittwoch auf einer Konferenz in Peking, die vom Propagandaministerium organisiert wurde.

Die chinesische Kultur sei ein "offenes System", das im ständigen Austausch stehe und von anderen Kulturen lerne. Xi nannte in diesem Zusammenhang den Buddhismus, den Marxismus und den Islam. Künftig werde China noch offener sein, kündigte er an. Kein Land könne für sich allein bestehen. "Zivilisationen verlieren an Vitalität, wenn Länder sich in die Isolation zurückziehen und sich vom Rest der Welt absondern."

Xis Rede war seine erste öffentliche Äußerung seit der jüngsten Zuspitzung des Handelsstreits mit den USA durch eine neue Runde gegenseitiger Zölle. Der chinesische Präsident ging allerdings nicht direkt auf dieses Thema ein.

Seine Äußerungen können aber als bewusste Positionierung gegen seinen US-Amtskollegen Donald Trump aufgefasst werden, der mit seiner protektionistischen Leitmaxime "America First" auch westliche Verbündete vor den Kopf gestoßen hat. China wiederum werden ebenfalls unfaire Handelspraktiken sowie Menschenrechtsverstöße vorgeworfen. Für Empörung sorgte zuletzt insbesondere das staatliche Vorgehen gegen die muslimische Minderheit der Uiguren.

Handelskonflikt schwächt Chinas Industrie

Unterdessen schlägt der Zollkonflikt mit den USA bereits auf die Konjunktur durch: Chinas Industrie hat im April weniger produziert als erwartet. Die Produktion wuchs laut Statistikbehörde um 5,4 Prozent. Experten hatten jedoch ein Plus von 6,5 Prozent erwartet - nach einem überraschend starken Wachstum von 8,5 Prozent im März.

Auch die Einzelhandelsumsätze stiegen im vergangenen Monat mit 7,2 Prozent nicht so deutlich wie erwartet. Die Daten schüren Erwartungen, dass die Regierung in Peking angesichts des sich zuspitzenden Handelsstreits mit den USA wohl nicht um weitere Schritte zur Ankurbelung der Wirtschaft herumkommt.

"China könnte mit Steuersenkungen oder gezielten Beihilfen für die Mittelschicht und Niedrigverdiener reagieren", sagte Ökonom Nie Wen vom Finanzhaus Hwabao Trust. Denn die schwächeren Einzelhandelszahlen ließen sich zumindest zum Teil darauf zurückführen, dass ein Teil der Bevölkerung zuletzt mit Einkommenseinbußen und einer Eintrübung auf dem Arbeitsmarkt konfrontiert gewesen sei.

Langsamste Wachstum seit drei Jahrzehnten

Nach Ansicht des deutschen Wirtschaftsweisen Lars Feld sind die Wachstumsaussichten der Volksrepublik getrübt. "China ist in den vergangenen Jahren ein wesentlicher Wachstumsmotor für die Weltwirtschaft gewesen und wird diese Funktion derzeit nicht wahrnehmen können, unter anderem wegen des Handelskonflikts", sagte der Freiburger Forscher im Deutschlandfunk.

Die Regierung in Peking strebt für 2019 ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 6,0 bis 6,5 Prozent an. Was für die meisten Industriestaaten ein traumhafter Wert wäre, markiert für China das langsamste Wachstum seit rund drei Jahrzehnten.

Die USA und China überziehen sich gegenseitig mit Zöllen, sodass sich der Handelskonflikt immer weiter hochschaukelt. Am Freitag hatte US-Präsident Donald Trump neue Zölle auf chinesische Importe im Volumen von 200 Milliarden Dollar verhängt. Er lässt angesichts der stockenden Verhandlungen zudem höhere Abgaben auf alle übrigen Einfuhren aus der Volksrepublik vorbereiten. Dabei geht es um Waren im Wert von etwa 300 Milliarden Dollar. China konterte am Montag und kündigte an, ab Juni zusätzliche Abgaben auf US-Waren im Volumen von 60 Milliarden Dollar zu erheben.

hej/Reuters

insgesamt 7 Beiträge
gerald broflovski 15.05.2019
1. Offenes China?
Ich lache mich kaputt! Was heißt hier "China ist offen und will von anderen lernen". Das ist ein Witz. "China will von anderen Know-How und Wissen klauen!" trifft es wohl eher. In keinem Land der Welt werden [...]
Ich lache mich kaputt! Was heißt hier "China ist offen und will von anderen lernen". Das ist ein Witz. "China will von anderen Know-How und Wissen klauen!" trifft es wohl eher. In keinem Land der Welt werden Schutzrechte und intellektuelles Eigentum deart mit Füssen getreten. Nirgendwo werden internationale Firmen in Joint-Ventures gezwungen, um fremde Technologien auszuspähen bzw. abzugreifen und nirgendwo wird ein derart ausgeprägter Protektionismus zur Förderung der eigenen Industre durch staatliche Subventionen durchgeführt wie in China. Man muss ganz sicher kein Befürworter des Egomanen Trump sein, aber in diesem Fall hat er mehr als Recht. Vielleicht ist Trump in diesem Fall genau der richtige "grobe Keil" auf einen "groben Klotz". Denn unsere Politiker (egal ob aus Deutschland oder von der EU) haben nicht den Mut, den Chinesen entgegen zu treten. Hoffentlich ist es noch nicht zu spät, und Trump kann wirklich etwas bewegen. Sonst Gnade uns Gott vor einer chinesischen Dominanz in der Weltwirtschaft.
mariomeyer 15.05.2019
2. Yo!
Xi Jinping ist ein Diktator. Wie kann er da "Amtskollege" von einem demokratisch gewählten Präsidenten sein? Und warum liest man hier, anders als in Artikeln zu Donald Trump, wenn der sich mal wieder die Welt so macht, [...]
Xi Jinping ist ein Diktator. Wie kann er da "Amtskollege" von einem demokratisch gewählten Präsidenten sein? Und warum liest man hier, anders als in Artikeln zu Donald Trump, wenn der sich mal wieder die Welt so macht, wie sie ihm gefällt, nichts darüber, dass das natürlich Quatsch ist, was Xi Jinping hier von sich gibt? Die KPCh unterdrückt den Islam und den Buddhismus in Ostturkestan und in Tibet, und nutzt den Marxismus, um die Bevölkerung im eigenen Land zu bevormunden. Wo ist das "offen"?
Schartin Mulz 15.05.2019
3. Ich finde es schon erstaunlich,
dass uns jede Äußerung von Trump gleich mit der negativen Wertung präsentiert wird, aber Äußerungen aus China quasi als Fakten serviert werden. Dabei ist Trump nur eine Episode, die irgendwann vorbeigeht. Aber die durch [...]
dass uns jede Äußerung von Trump gleich mit der negativen Wertung präsentiert wird, aber Äußerungen aus China quasi als Fakten serviert werden. Dabei ist Trump nur eine Episode, die irgendwann vorbeigeht. Aber die durch aggressive Wirtschaftspolitik, Industriespionage, Dumpingpriese etc eroberte Weltmarktbeherrschung durch China wird uns noch beschäftigen, wenn keiner mehr weiß, wer Trump war.
geotie1 15.05.2019
4.
Sie wundern sich wirklich darüber, dass Trump für sein Handeln sogleich und immer kritisiert wird? Nun, der Xi ist ein echter Politiker, einer mit leisen Tönen. Er würde niemals einen Handelskrieg auf diese grobe Art [...]
Zitat von Schartin Mulzdass uns jede Äußerung von Trump gleich mit der negativen Wertung präsentiert wird, aber Äußerungen aus China quasi als Fakten serviert werden. Dabei ist Trump nur eine Episode, die irgendwann vorbeigeht. Aber die durch aggressive Wirtschaftspolitik, Industriespionage, Dumpingpriese etc eroberte Weltmarktbeherrschung durch China wird uns noch beschäftigen, wenn keiner mehr weiß, wer Trump war.
Sie wundern sich wirklich darüber, dass Trump für sein Handeln sogleich und immer kritisiert wird? Nun, der Xi ist ein echter Politiker, einer mit leisen Tönen. Er würde niemals einen Handelskrieg auf diese grobe Art anfangen, sondern überlegen wie er es seicht und langsam, ohne viel Aufmerksamkeit, bewerkstelligen kann. Ein Trump poltert los und erzählt wie leicht man einen Handelskrieg gewinnen kann und wundert sich, dass die Chinesen und andere sich dagegen wehren. Wobei man natürlich nicht vergessen darf, gefährlich sein können beide!
bernteone 16.05.2019
5. Da steht China nicht alleine
Es gibt noch andere Länder in Asien wo bei Firmengründung Einheimische Unternehmen mindestens 51 % halten müssen .. Heute werden in China , aber auch nicht nur da , vielleicht noch Klamotten und ähnliches kopiert . Im [...]
Es gibt noch andere Länder in Asien wo bei Firmengründung Einheimische Unternehmen mindestens 51 % halten müssen .. Heute werden in China , aber auch nicht nur da , vielleicht noch Klamotten und ähnliches kopiert . Im Technologiesektor sind die ganz weit vorne . Da ist eine gut ausgebildete Jugend . Bestes Beispiel ist die G 5 Technologie , wer kann sonst liefern ? Die Zeiten wo China alles kopiert hat sind lange vorbei . Die fliegen mittlerweile zum Mond , haben Flugzeugträger und haben gerade den größten Flughafen der Welt eröffnet , von Beschluss bis zur Eröffnung 4 Jahre . Ich glaube Schönefeld hat die Planung Anfang der 90er Jahre begonnen . Europa kommt doch auch klar mit China oder denkt hier jemand das sich die EU über den Tisch ziehen lässt bei Verträgen ? Ein Vertrag wird doch nur unterzeichnet wenn beide Seiten Vorteile von haben .Manchmal hört sich das im Forum an als wenn China Länder gezwungen hat Verträge abzuschließen, die haben Schlange gestanden . Laut Trump wird Amerika von der ganzen Welt ungerecht behandelt . Die Amerikaner sehen zunehmend ihre Vormachtsstellung in Gefahr , wirtschaftlich und auch militärisch . Das ist der Grund für das scharfe Vorgehen gegen China . Ich war noch nicht in China aber die " Auslandschinesen " die überall in Asien verteilt sind , die ich kennen gelernt habe , sind fleißige und ehrliche Leute .

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